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Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QV

Grenzbereich: Alfa Romeo Giulietta QV

Tänzchen im Trümmerfeld

18.10.2012

Zahllos fliegen wilde Müllhalden links und rechts vorbei, während uns immer wieder Schlaglöcher groß wie Granatentrichter zu unerwarteten Vollbremsungen zwingen. Verwerfungen wie nach Starkbeben fordern uns und dem Wagen alles ab. Wir fahren einen Alfa Romeo Giulietta. Die Starkversion QV mit dem vierblättrigen Kleeblatt. Die Strecke ist für dieses Kraftpaket von besonderer Bedeutung: Die Targa Florio in Nordsizilien war einst Spielwiese für die besonders flotten Alfas, auf der sie Kleeblatt-geschmückt reichlich Siege einfuhren. Heute befindet sich die Strecke in desaströsem Zustand. Für die strahlende Giulietta eine besondere Herausforderung, die sie erstaunlich gut meistert.

Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QVWerfen wir zunächst einen Blick zurück: Die Targa Florio war eine einst renommierte als auch gefürchtete internationale Rennveranstaltung, die der Sizilianer Vincenzo Florio vor über 100 Jahren ins Leben rief, um damit seine Weinhandlung zu bewerben. Das Automobil steckte noch in den Kinderschuhen als 1906 das erste Rennen startete und auch die damaligen Rahmenbedingungen können angesichts des Streckenverlaufs im öffentlichen Straßenverkehr als durchaus abenteuerlich bezeichnet werden. Dieses Chaos gehörte auch in den Jahrzehnten danach zum besonderen Flair der Veranstaltung. Dennoch erlangte die Targa WM-Status.

Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QVBis in die 1950er Jahre dominierten dabei italienische Hersteller die Rennen, in den 1930er Jahren vor allem Alfa Romeo. Erstmalig konnte Ugo Sivocci für Alfa 1923 einen Sieg einfahren. Der Legende nach bekam Sivoccis Wagen die Startnummer 13 und hat man, um diesem schlechten Omen zu entgegnen, das Auto mit einem vierblättrigem Kleeblatt geschmückt. Der nachfolgende Sieg sorgte dafür, das Rennwagen der Marke seither immer mit den vier grünen Blättern gesegnet waren. Später schmückte Alfa auch die sportlichen Modelle für den Massenmarkt mit diesem Signet.

Tödliches Ende

Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QVNach dem zweiten Weltkrieg konnte Alfa nicht mehr an die frühen Erfolge anknüpfen. Ferrari und Porsche gaben in dieser Zeit den Ton bei der Targa Florio an. Die Veranstaltung verlor zudem an Rückhalt und 1974 sogar den WM-Status. 1975 holte der Sizilianer Nino Vaccarella für Alfa den letzten Gesamtsieg. 1977 kam nach einem tödlichen Unfall während des Rennens das endgültige Aus für die mittlerweile als gefährlich eingestufte Rennstrecke. Was bleibt ist Legende und immerhin ein Label, welches seinen Ursprung eben dort hat: das Quadrifoglio Verde.

Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QVJüngstes Alfa-Modell mit diesen Insignien ist die 235 PS starke Version des Kompaktmodells Giulietta. Allerdings handelt es sich weniger um einen knallharten Renner als vielmehr um ein besonders komfortables Familienauto mit ordentlich Dampf unter der Haube. Der feine 1,8-Liter-Turbobenziner ermöglicht unter anderem auch dank seiner Direkteinspritzung einen hervorragenden Spagat aus hoher Leistung und gehobener Effizienz. 235 PS und bei 1.900 Touren anliegende 340 Newtonmeter sprechen für sich. Dem 1,4-Tonner reicht das für eine Beschleunigung in 6,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 und für immerhin 242 km/h Top-Speed. Der Verbrauch soll dennoch bei nur 7,6 Litern liegen.

Die bullige Kraft sorgt im Kurvengetümmel der Targa Florio allerdings auch für Unbehagen: Wenn wir mit Druck aus einer Kurve rausfeuern wollen, zerren die vorderen Antriebsräder wild am Lenkrad und taumelt der Wagen regelrecht nach links und rechts. Zum Glück gibt es den D.N.A.-Schalter, der einen Wechsel in den Dynamic-Modus ermöglicht und damit auch die Aktivierung der elektronisch geregelten Vorderrad-Differenzialsperre Q2, die durch Bremseingriffe die Lenkeinflüsse spürbar verringern kann.

Stets mit guten Komfort-Manieren

Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QVDas Fahrwerk bleibt im Dynamic-Modus hingegen unverändert und so die Giulietta trotz Sportfahrwerk und den großzügig dimensionierten Alurädern auf dem dramatisch schlechten Straßen der Targa Florio sensationell komfortabel. Obwohl Fahrspaß auf hohem Niveau, bietet der Kompaktbolide auch eine hohe Alltagstauglichkeit. In engen Spitzkehren schiebt die Giulietta allerdings schon mal etwas ungestüm über die Vorderräder und ist die Untersteuerungstendenz manchmal fast nervig. Für ein enges Kurventänzchen wäre ein Heckantrieb wie ihn ein BMW 1er bietet ganz sicher wünschenswerter.

Dafür macht die Giulietta in der QV-Version optisch einiges her: Das eigenständig wirkende Blechkleid wurde mit einigen Anbauteilen etwas muskulöser gestaltet, die optionalen 18-Zöller füllen die Radkästen richtig gut aus, während die zwei Auspuffrohre am Heck von kraftvollen Fahrfreuden künden. Nicht neu, aber besonders clever sind die versteckten Türgriffe, die den Kompakten wie ein Dreitürer wirken lassen. Mit charaktervollen LED-Tagfahrlichtern und der prominenten Scudetta in der Gesichtsmitte gehört der Alfa zu den Ausnahmeerscheinungen in der Kompaktklasse. Allein das seitlich an der Frontschürze montierte Nummernschild wirkt irgendwie nach Bastellösung.

Galerie: Grenzbereich Alfa Romeo Giulietta QVPreislich bewegt sich die recht üppig ausgestattete Giulietta QV mit knapp über 29.000 Euro im Mittelfeld. Einen sogar etwas potenteren und ähnlich gut ausgestatteten Ford Focus ST gibt es nämlich schon ab 28.000 Euro, während zum Beispiel ein fünftüriger BMW 125i mindestens 31.000 Euro kostet.

Doch bietet Alfa derzeit einen besonderen Kaufanreiz: Vorläufig wird ein offizieller Rabatt von 4.300 Euro gewährt und liegt damit der Preis für die QV-Version bei schlappen 25.000 Euro und damit weit unterm Wettbewerbsniveau.

 
Fazit

Mario Hommen

Die Targa Florio ist Geschichte und angesichts der streckenweise auch dramatisch schlechten Straßenzustände ist das mehr als nachvollziehbar. Doch die vielen tiefen Schlaglöcher haben gezeigt, wie angenehm komfortabel die erquickend dynamisch ausgelegte Giulietta ist.

Alltag und Fahrspaß gehen in diesem Fall eine eindrucksvolle Verbindung ein. Optisch ist die Giulietta ohnehin ein großer Wurf und so gesehen sind die 25.000 Euro für den Kaufpreis der speziell aufgebrezelten und umfangreich ausgestatteten Sportversion ein echtes Schnäppchen.
 
 

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