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Galerie: Grenzbereich Aston Martin Rapide

Grenzbereich: Aston Martin Rapide

Schmelzpunkt-Sause

29.05.2012

Schokolade hat eine besonders schöne Eigenschaft: Der Schmelzpunkt, der Moment also, wenn das feste Stück Leckerei im Mund flüssig wird, um sich als süßer Saft auf erlebnishungrige Geschmacksknospen zu stürzen und beim Konsumenten kleine Blitzgewitter zwischen den Schläfen auszulösen. Ähnlich diesem Genussoverkill war für uns eine ausgelassene Pistensause im Aston Martin Rapide, der die Sinne intensiv stimuliert und reichlich Glücksmomente beschert.

Der erste überkommt uns, als uns der kristallartige Signalgeber ausgehändigt wird. Das haptische Kleinod gehört in einen Schlitz in der Mittelkonsole und weckt dort einmal gedrückt den mächtigen Zwölfzylinder zum Leben. Doch dazu später mehr.

Zunächst erfreuen wir uns noch an dem feinen Leder im geschmackvoll ausgekleideten Luxusinterieur. Die vorderen Insassen sitzen auf sportlich konturierten aber keineswegs zu engen Sitzen und genießen im Vergleich zu anderen Modellen der Marke zudem noch gute Kopffreiheit.

Manufaktur-Niveau

Galerie: Grenzbereich Aston Martin RapideBeeindruckend penibel haben die Briten mit viel handwerklichem Geschick den Innenraum bis in jedes der vielen feinen Details zur exquisiten Nobelhütte getrimmt. Das Erlebnis ist auch deshalb ein besonderes, weil sichtbare Komponenten keiner kostenoptimierten Großserienproduktion entstammen. Schalter, Knöpfe, Oberflächen – hier beweisen die Engländer besonderen Sinn für Individualität und Geschmack. So sieht die schwarze Hochglanz-Verkleidung in der Mittelkonsole eben nicht nach Billiglösung aus, wie bei den derzeit trendigen Varianten vieler Massenhersteller. Und was im Rapide nach Metall aussieht, ist auch echt und zudem in massiver Bauweise ausgeführt. Höchstes Manufaktur-Niveau wird hier fühl- und sichtbar.

Auch im Fond, der zwei weitere Fahrgäste aufnehmen kann, handelt es sich nicht um billige Sitzgelegenheiten. Zwar ist der Zugang nach hinten über recht kleine Einstiegsöffnungen etwas beschwerlicher als man angesichts der Fahrzeuggröße erwarten sollte, doch mit konzentriertem Einstiegsyoga lässt sich auch diese Hürde überwinden und können hier in sportlich-feinem Luxusambiente zwei Passagiere getrennt von einer wuchtigen Mittelkonsole mit einem Raumangebot auf Kleinwagenniveau mitfahren.

Billy-Regal passt rein

Galerie: Grenzbereich Aston Martin RapideZwar ist die Raumökonomie etwas bescheiden, dafür sind Alltagsnutzen und Variabilität gut. Aston Martin hat sogar an Isofix-Halterungen gedacht und der Rapide kann als Familienauto genutzt werden. Zudem kann man auch Gepäck in größerem Umfang einladen. Der bereits normal 301 Liter große Kofferraum kann dank der teilweise umklappbaren Sitzlehnen sogar 750 Liter beziehungsweise durchaus sperriges Gepäck einladen. Wohl kaum ein Rapide-Besitzer wird jemals in die Verlegenheit kommen, aber er könnte sogar ein Billy-Regal transportieren.

Kneift man die Augen zu, wirkt der Rapide von außen betrachtet eigentlich wie ein reinrassiges, allerdings auch seltsam gestrecktes Sportcoupé. Eine reizvolle Verpackung, keine Frage. Zwar ist der Rapide nicht ganz so knackig proportioniert wie der eng verwandte DBS, doch für sich betrachtet, wirkt die Limousine erstaunlich schlank und fit wie ein Turnschuh und nicht wie ein wuchtiger Zweitonner, um den es sich ja eigentlich handelt.

Mit Vollgas ins Spaßland

Galerie: Grenzbereich Aston Martin RapideDas optische Versprechen kann der Brite auch fahrtechnisch halten, wie wir kurz nach dem Drücken des bereits erwähnten kristallartigen Signalgebers erfahren. Rooaarrr! Testosteron-geschwängert rumpelt das Sechs-Liter-Aggregat bereits im Stand und faucht ehrfurchterregend kratzbürstig, wenn man mit dem Gasfuß spielt. Oben auf der Mittelkonsole muss man noch auf D drücken und unerwartet sanft setzt sich der Zweitonner in Bewegung. Obwohl ein Auto mit supersportlichen Allüren, lässt sich der Bolide handzahm und gelassen fahren. Im Fahreinsatz wirkt der Rapide erstaunlich komfortabel, doch sind wir ausschließlich auf der Grand-Prix-Strecke am Nürburgring unterwegs, die leider wenig Auskunft darüber gibt, wie gut der Unterbau auf gröbere Unebenheiten reagiert.

Immerhin ist die fast 500 PS starke Sahneschnitte eine wilde Pistensau feinster Art, stürmt der Hecktriebler mit sattem, authentisch klingendem Röhren druckvoll und ohne Traktionsprobleme in knapp fünf Sekunden auf Tempo 100. Eine präzise und neutrale Lenkung, eine stabile Straßenlage sowie kräftig und standfest zupackende Brembostopper – mit Vollgas geht es ins Motodrom und auf die erste Kurve.

Kurz vorher steigen wir hart in die Bremsen, um den Zweitonner mit vorsichtigem Gasfuß durch die Biegung nah am Grenzbereich zu zwingen, um dann mit Vollgas aus der Kurve rauszuballern ..., und autsch!, keilt das Heck frech zur Seite, lässt sich aber mit ESP-Unterstützung erstaunlich leicht wieder auf Kurs bringen. Der zunächst fast zahm wirkenden Rapide verlangt also doch nach etwas Feingefühl, sobald es richtig zur Sache geht.

Feinarbeit ist angesagt

Galerie: Grenzbereich Aston Martin RapideSchuld ist aber auch der Automatikmodus, der bei voller Leistungsabfrage gerne auch mal zwei Stufen runterschaltet und so plötzlich zu viel Kraft an die Hinterräder geschickt wird. Sauberer geht es, wenn wir den Gang mit den Schaltwippen hinterm Lenkrad anpassen und das Gaspedal mit etwas mehr Gefühl treten.

Jetzt lässt sich der lange Martin spielerischer leicht auf hohem Dynamikniveau durchs Geläuf hetzen. Das ESP darf ruhig eingeschaltet bleiben, denn feinfühlig und nicht übertrieben bevormundend hält der Schleuderschutz den Wagen in der Spur. Zu tun hat die Regelelektronik dennoch reichlich, denn in Kurven schiebt der eben doch etwas mopsige trotz Tansaxle-Bauweise ins Untersteuern. Nach etlichen Runden sahen die großdimensionierten Vorderreifen des Rapide reichlich ramponiert aus und der Bordcomputer zeigt über 20 Liter Verbrauch an.

Andere Aston Martin sportlicher

Galerie: Grenzbereich Aston Martin RapideSo herrlich agil sich der Viertürer auch anfühlt, ein paar Vergleichsrunden mit einem DBS offenbaren auch, dass bei Aston Martin andere Modelle den Pisteneinsatz mit wesentlich mehr Grandezza meistern. Vor allem das dann doch recht komfortable Fahrwerk des familientauglichen Engländers empfindet man nach dem direkten Vergleich mit dem DBS als zu weich, denn ein DBS kann im per Knopfdruck aktivierbaren Sportmodus mit richtig knackiger Härte begeistern.

Der Rapide ist eben kein reines Sportgerät, sondern ein faszinierender Kompromiss, der gediegene Alltagstauglichkeit mit hohem Dynamikniveau in Einklang bringt. Und der Rapide kann seine Insassen noch mit vielen feinen Extras verwöhnen. Edelsound, Supernavi, Klima – da ist schon vieles geboten. Allerdings sind auch viele Nettigkeiten hier grundsätzlich nicht bestellbar. Ob Assistenzsysteme wie Abstandstempomat oder internetbasierte Dienste oder eine Hotspot-Funktion – viele bei anderen Herstellern bereits selbstverständliche Annehmlichkeiten sucht man bei dem unabhängigen Kleinstserienhersteller Aston Martin vergeblich.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Aston Martin Rapide
Version / Ausstattung    
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   5.934 / V12-Benziner
Leistung (kW / PS)   350 / 477
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   600 / 5.000
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   Sechs-Gang-Automatik
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.019 / 1.900 / 1.360
Radstand (mm)   2.989
Wendekreis (m)   12,5
Leergewicht (kg)   1.975
Kofferraum (Liter)   301 -750
Bereifung Testwagen   245/40 R 20 vorne/ 295/35 R 20 hinten
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   14,9
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   355 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   5,2
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k.A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   295
Preise    
ab (Euro)   189.995,00
Empfohlene Extras   k.A.
 
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Sehr teuer

Auch angesichts dieser Einschränkungen mag der Blick auf die Preisliste doch ein wenig überraschen, denn Autos der Marke Aston Martin sind bekanntermaßen teuer, aber so teuer? Rund 189.995 Euro sind hier als Mindestgebot gefragt und wird man beim Bestellen einiger Extras problemlos die 200.000-Euro-Marke durchstechen. Entsprechend selten ist ein Rapide auch im Straßenverkehr zu sehen.

 
Fazit

Mario Hommen

Angesichts des Preises werden viele wohl die Frage stellen, ob es ein solches Modell überhaupt braucht? Diese Frage beantworten wir mit einer Gegenfrage: Warum hat sich Aston Martin so viel Zeit gelassen, wieder einen Viersitzer anzubieten?

Es gibt ja viele familientaugliche Sportwagen, doch keiner ist so anmutig und so brutal wie der Rapide. Ein Juwel für Pistensause und Alltag. Und egal, für welche Gangart man sich entscheidet: In jedem Fall bietet der Rapide großes Schmelzpunkt-Kino. Genussmenschen werden das zu schätzen wissen.
 
 

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