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Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem Salzburgring

Grenzbereich: Audi TTS auf dem Salzburgring

272 PS und doch untermotorisiert …

05.08.2008

… dachte ich, als ich am Abend vor dem Sportfahrertraining zum Theorieunterricht antrat und die Fahrzeuge der anderen Teilnehmer begutachten konnte. Doch der Reihe nach.

Ob ich das noch eine Runde aushalte? Ich schiele aus meinem Helm heraus vom Beifahrersitz rüber auf den Tacho des knallroten Audi TTS. Gut 180 Sachen stehen großformatig in der Digitalanzeige. Verdammt, nach der Gegengeraden des Salzburgrings hatte ich in der lang gezogenen Rechtskurve wie eine Memme auf knapp 170 runtergebremst und dachte noch, dass ich mich am absoluten Limit bewege.

Eindrucksvolle Vorstellung

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringEs war wohl mein absolutes Limit, nicht das des Audi TTS. Das ist eben der Unterschied, wenn man Audis neuestes Sportgerät in die Hände eines Profis gibt oder ob doch ein Amateur - wie ich - am Volant sein Unwesen treibt. Der Profi auf dem Fahrerplatz ist übrigens Marco Seefried, Motorsportler seit 1990 und Starter unter anderem in den zwei bekanntesten Porsche Cups, der Formel Renault und anderen Rennserien. Noch eindrucksvoller wird die Vorstellung, wenn ich mir bewusst mache, dass Marco gerade erst die zweite Runde mit dem TTS dreht, ich zuvor aber schon etliche Vueltas absolviert hatte. Sei’s drum, ich bin eben kein Racer.

Ohne Einweisung geht gar nichts

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringUm dieser Thematik dennoch ein wenig näher zu kommen, habe ich mich ja auch beim Sportfahrertraining des www.europeanspeedclub.de angemeldet. Die vielleicht beste Gelegenheit sein fahrerisches Limit und das des eigenen Fahrzeugs anzutesten. Ziemlich gefahrlos, denn Auslaufzonen am Ring sind weit und die Einweisung der Instruktoren - allesamt erfahrene Rennfahrer - hat es in sich. Einen zusätzlichen Klotz unter das Gaspedal legt die Ansage vom Ringsprecher, dass ein Ausritt ins Kiesbett 215 Euro Bergungskosten verursacht. So viel vorweg, niemand musste sie berappen.

Zu Beginn des rund 600 Euro teuren Sportfahrertrainings, das übrigens auch auf zahlreichen anderen Rennstrecken Europas absolviert werden kann, erlangt man die Platzreife. Soll heißen, auf Wunsch kann man hier die Rennlizenz Klasse A erhalten. Voraussetzung ist am Vorabend des Trainingstages ein rund zwei stündiger Theorieteil mit anschließender Prüfung. Theorieleiter ist „die Stimme des Nürburgrings“ Wolfgang Drabiniok. Wortgewand, mit einer Brise schwarzen Humors und stets lehrreich vermittelt er die wichtigsten Regeln für schnelles und faires Autofahren.

Gentleman, start your engines

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringAm eigentlichen Trainingstag werden die rund 25 Starter von Danny Pfeil, Chef des Ganzen, nochmals begrüßt. Kurz danach beginnt für die Streckenerfahrung im Schlepptau von Marco Seefried und anderen Instruktoren wie Pierre Kaffer. Via Funksprechgerät erläutern sie praxisnah die wahre Ideallinie und zeigen welche der zwölf Kurven am Salzburgring besonders trickreich sind. Das geführte Programm dauert bis etwa zwölf Uhr mittags und hilft, sich mit der Strecke vertraut zu machen.

Nach einer Stärkung heißt es freies Fahren. Je sechs bis acht Fahrzeuge werden in eine Gruppe eingeteilt. Entsprechend der Motorleistung (bis zu 700 PS waren am Start) und den jeweiligen Erfahrungen der Teilnehmer.

Vollgas macht durstig

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringIch durfte mich in die „Anfängergruppe mit etwas Hintergrundwissen“ und „moderat“ motorisierten Fahrzeugen einreihen. Die anderen Lehrlinge waren hier beispielsweise mit auf 480 PS getunten Cayman unterwegs oder fuhren mit 400 PS starken SLK 55 Black Series vor. Aber auch normalere Autos wie der BMW 535d  Kombi von Guy waren mit am Start, so dass ich mich mit meinen 272 PS nicht völlig verloren fühlte.

Während des Tages mussten alle mindestens einmal tanken. Bis auf Guy in seinem BMW. Apropos Tanken: 31 Liter feinstes Superplus flossen während des Tages im Schnitt per 100 Kilometer durch die Common-Rail-Düsen des Zwei-Liter-Audi-Turbos. Bei digitaler Fahrweise ein durchaus akzeptabeler Wert.

Data-recording on board

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringUm den Trainingserfolg dokumentieren zu können, ist in jedem Fahrzeug eine „Drift Box“ installiert. Auf der Speicherkarte des High-Tech-Messinstruments ist der rund 4,2 Kilometer lange Salzburgring exakt hinterlegt. Nach jedem Turn, der rund 20 Minuten dauert, können die Daten direkt am PC ausgewertet werden. Hier sieht der Instruktor in digitalisierter Form jeden Fahrfehler: Zu frühes Anbremsen vor der Kurve, ein Gaslupfen in der Kurve und die g-Werte der Querbeschleunigung sind auf den Zentimeter nachvollziehbar. Ausreden gelten nicht.

Allrad kompensiert

Das anfangs befürchtete Leistungsdefizit des TTS entpuppte sich in der Realität als unbegründet. Dank Allradantrieb konnte ich mit dem TTS stets früh ans Gas gehen und so mehr Geschwindigkeit mit aus den Kehren rausnehmen. Das hilft für Topspeed. Wolfgang Drabiniok sagte tags zuvor noch: „… was man am Kurvenausgang nicht mitnimmt, holt man nie wieder rein“. Wie wahr.

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringMehr Sorgen machten mir mittlerweile auch die Bremsen des Audis. Der Salzburgring ist nicht gerade materialschonend. Die meisten Porsche waren wohl auch aus diesem Grund mit „unkapputtbaren“ Keramikbremsen ausgerüstet. Beim TTS, der die TT-V6-Bremsanlage mit 345-Millimeter-Scheiben besitzt, ging schon nach der vierten Gewaltbremsung von Tempo 200 auf unter 70 Sachen der Bremskomfort flöten. Die Wirkung ließ jedoch nicht nach. Nervig waren lediglich das rubbelnd-schabende Geräusch beim Verzögern und die damit verbundenen Vibrationen.

Generell ist der TTS für die Rennstrecke ein geeignetes Auto, vor allem auch durch sein elektronisch geregeltes Magnetic-Ride-Fahrwerk. Hilfreich für schnelle Runden sind indes 19-Zoll-Räder, da die serienmäßig montierten 18-Zöller mit 245/40er-Pneus in engen Kurven tendenziell früher Untersteuern. In jedem Fall erhält der Käufer ab 45.000 Euro ein Sportfahrertraining-taugliches Gefährt.

Argusaugen

Galerie: Grenzbereich Audi TTS auf dem SalzburgringAm Ende des Tages stand dann endlich die praktische Prüfung für die Rennlizenz auf dem Plan. Hierbei verstreuten sich sämtliche Instruktoren an den neuralgischen Punkten des Rings und verfolgten mit Argusaugen die Linie der Teilnehmer. Stimmt der Bremspunkt, wird sauber runtergeschaltet, wo liegt der Einlenkpunkt, trifft der Pilot den Scheitelpunkt und passt das Rausbeschleunigen?

Die Erfolge sind sichtbar. Jeder der Teilnehmer fährt am Ende des Tages, nach mindestens 300 Rennstrecken-Kilometern, besser als zuvor. Die Grenzen konnte fast jeder antesten, was den eigenen Horizont erweitert. So soll es sein, denn nur so kann man in Notsituationen auch auf öffentlichen Straßen besser und vor allem richtig reagieren. Wer weiß, was mit seinem Fahrzeug möglich ist und wie es sich verhält, fährt definitiv sicherer und auch entspannter. Der European Speed Club bietet neben dem beschriebenen Sportfahrertraining noch eine ganze Latte weiterer Fahrtrainings an - jedes auf die Bedürfnisse der Teilnehmer abgestimmt und perfekt durchorganisiert.

Lizenz in der Tasche, Grinsen im Gesicht

Wer die letzten Runden übersteht, kann sich über die Rennlizenz freuen und vor allem über einen Tag, der mächtig Spaß gebracht hat.

In München angekommen, verschwand übrigens das Rubbeln der Bremsen wieder. Nur das Gummi auf den Michelin Pilot Sport wollte einfach nicht wieder nachwachsen. Gemessen an den gefahrenen Kilometern waren die gut drei Millimeter Abrieb aber durchaus okay.

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