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Galerie: Grenzbereich Bentley Continental Flying Spur Speed

Grenzbereich: Bentley Continental Flying Spur Speed

Luxusreise

16.07.2012

Von München nach Le Mans sind es über eintausend Kilometer; über Stuttgart und Metz, durch die Champagne an Paris vorbei bis an die Loire. Knapp elf Stunden dauert die Fahrt mit dem Wagen. Genug, um sich auf dem Hinweg im Bentley Continental Flying Spur einzuwohnen. Genug, um sich auf dem Rückweg dort heimisch zu fühlen. Zuviel, wenn man ihn zuhause wieder abgeben muss.

"Soll ich Ihnen den Wagen erklären," fragt mich der Mitzwanziger im blauen Anzug, als ich den Testwagen in München entgegennehme, und wirkt ob meiner Antwort, dass dies nicht nötig sei, da ich schließlich schon einmal Phaeton fuhr, ein wenig konsterniert. Versprochen: Dieser erste soll ebenso der einzige unpassende Volkswagen-Vergleich bleiben, denn auch wenn der Continental Flying Spur – gesprochen "Spör" mit gehauchtem "ö" – die technische Basis des Phaetons nutzt und dem Kenner das ein oder andere Bauteil bekannt vorkommt, so spielt der Bentley doch in einer ganz anderen Liga und die Wahlverwandtschaft macht ihn keinen Deut schlechter; im Gegenteil, ist doch gegen eine gute Basis nichts einzuwenden.  

Froschgrün und Pink

Erst recht nicht gegen das, was am Bentley-Stammsitz Crewe daraus gemacht wurde. Vor mir stehen 5,29 Meter Luxus. Äußerlich elegant, aber doch in einem stattlichen, schnörkellosen Blechkleid verpackt und von innen mit feinstem Leder ausgeschlagen. Zweifarbig. Allein das Angebot an Farben, für die Tierhäute und den Lack könnte Bücher füllen, und auch außergewöhnliche Nuancen wie Froschgrün oder Pink werden feilgeboten. Sollte der richtige Farbton dennoch nicht dabei sein, helfen nette Worte und ein paar Tausender weiter.

Galerie: Grenzbereich Bentley Continental Flying Spur Speed Hat man auf den riesigen, gemütlichen Sesseln Platz genommen und sind die schweren Türen ins Schloss gefallen, findet man sich in einer Oase der Ruhe wieder. Kaum dringt der Straßenlärm durch die dicken Glasscheiben und auch der Motor schnurrt nach dem Druck auf den Startknopf nur ganz sachte vor sich hin – so wie es Zwölfzylinder eben tun. Da sich das sechs Liter große Turbo-Triebwerk unter der Aluminiumhaube mit dem "Flying B"-Logo, dem der Namenszusatz Speed 610 statt 560 PS entlockt, ohnehin nur selten anstrengen muss, macht es auch auf der Reise kaum von sich hören. Vielmehr bestimmen Reifen, Wind und das aus filigranen, runden Luftduschen kommende Säuseln die Geräuschkulisse.  

Montserrat Caballé lässt grüßen

Es sei denn, man will sich oder anderen beweisen, dass der Continental Flying Spur – Kenner nennen ihn liebevoll CFS – keine schwerfällig Limousine ist, sondern ein Supersportwagen. Ein kurzer Tritt, der das Gaspdeal aus Aluminium in Richtung des weichen Teppichs bewegt, reicht, um den Rössern die Sporen zu geben. Das massige Drehmoment fällt in Windeseile über alle vier Räder her und wird von den 20-Zöllern problemlos auf die Straße übertragen. Jetzt ist es vorbei mit der Ruhe, der Zwölfender allein übernimmt die Stimmen eines ganzen Orchesters; so eindrucksvoll und Ehrfurcht gebietend wie Montserrat Caballé als Brünnhilde in der Götterdämmerung.     

Galerie: Grenzbereich Bentley Continental Flying Spur Speed Mit Pauken und Trompeten schnellt der Flying Spur also nach vorne, als gäbe es kein Morgen mehr. Zweieinhalb Tonnen Leergewicht werden in nur 4,8 Sekunden auf Tempo 100 beschleunigt; fast wirkt es, als hätte Bentley Newton ein Schnippchen geschlagen und die Gesetze der Physik kurzerhand für ungültig erklärt. Schier nicht endend erscheint der Vortrieb, erst bei Tempo 322 erwachen die Naturgesetze wieder aus ihrer Schockstarre und der immense Luftwiderstand befiehlt Einhalt.

Was dem Fahrer schnell ins Gedächtnis ruft, dass es da doch noch eine größere Macht gibt, sind Kurven. So leichtfüßig das britische Biest  aus hochfestem Stahl auf der Geraden davon schnellt, so spürbar wird die Masse schon bei kleinsten Biegungen auf der Autobahn, wo sie mit Nachdruck nach außen drängt. Da bringt es auch nicht viel, die Luftfedern zu straffen. Wer öfter der Versuchung erliegt, die Tachonadel an den rechten Anschlag zu dirigieren, sollte zumindest die optionalen Karbon-Keramik-Bremsen ordern, die die Energie im Bedarfsfall noch vehementer in Wärme umwandeln als die zweifelsohne fest zupackenden Serienstopper.

Zeit zum Genießen

Galerie: Grenzbereich Bentley Continental Flying Spur Speed Keinen Deut weniger schön, eher sogar noch reizvoller als Vollgas-Eskarpaden, ist das gediegene Gleiten. Wenn das Fahrwerk auf Komfort getrimmt wird, das Triebwerk wieder leise seinen Dienst tut und der Bentley sanft federnd mit Landstraßentempo dahin rollt, ist die Zeit zum Entspannen gekommen und die Fahrt nach Le Mans wird zum erholsamen Kurzurlaub. Endlich kann man den Blick über die fein gezeichneten Instrumente schweifen lassen, auf der Breitling-Uhr, die auf der ausladenden Mittelkonsole thront, die Zeit ablesen oder mit den Fingern den massiven Aluminium-Gangwahlhebel mit geriffelter Oberfläche befühlen, der aufrecht wie die Leibwache der Queen steht.

Auch die Fondpassagiere, die auf der hinteren Bank nicht sonderlich viel Seitenhalt finden und sich im kurvigen Geläuf besser gut festhalten sollten, können es sich bei dieser Gangart auf den elektrisch verstellbaren Rücksitzen gemütlich machen. Dank Unterhaltungsprogramm auf den in den Kopfstützen integrierten Monitoren und brillantem Klang aus dem Naim-Audiosystem lässt es sich königlich Reisen; das Champagner-Glas und ein paar Nüsschen finden auf einem Klapptisch aus edlem Holz Platz. Über drei Meter Radstand erlauben es außerdem, die Beine kokett übereinander zu schlagen und hunderte von Kilometern wie im Flug vorbeiziehen zu lassen.

Genuss beim Tanken

Galerie: Grenzbereich Bentley Continental Flying Spur Speed Jäh unterbrochen wird die Entspannung - zumindest beim Fahrer – hin und wieder durch Bange Blicke zur Benzinuhr und den von dieser angeordneten Tankstopps. Je nach Fahrweise sind derer viele von Nöten: Beim Cruisen nimmt sich der Flying Spur rund fünfzehn Liter Benzin auf 100 Kilometer, in der Stadt und bei flotter Fahrt werden auf der selben Distanz gut und gern zwanzig Liter und mehr verfeuert. Die 90 Liter Spritvorrat reichen so nicht einmal für 500 Kilometer.

Wer sich dessen grämt und wem beim Gedanken an die Benzinrechnung bange ist, der wird beim Tanken wenigstens durch einen haptischen Hochgenuss entschädigt. Der massive Metalltankdeckel aus einem Guss ist ein Handschmeichler par excellence und es ist eine Freude, ihn aufzuschrauben. Leider eignet sich das schwere, an einer kurzen Fangleine baumelnde Bauteil auch hervorragend, um den Lack zu beschädigen.

Sammelsurium der Exklusivität

Galerie: Grenzbereich Bentley Continental Flying Spur Speed Das wäre zu schade, nicht zuletzt weil sich in den Lack reichlich Geld investieren lässt. Wer etwa lieber neben einem matten Bentley glänzen will, findet auf seiner Rechnung einen Sonderposten von rund 20.000 Euro wieder. Und das ist nicht das einzige attraktive Extra im umfangreichen Sammelsurium der Exklusivitäten; drei Seiten allein führen Holz, Leder- und Teppichvorschläge auf. Die Auswahl reicht vom Walnussfurnier bis zum Klavierlack – wahlweise mit Einlagen aus Chrom oder Aluminium - über Extrem-Stil genannte, magentafarbene Kontrastnähte und Lederkeder an den Sitzen bis hin zu bestickten Kopfstützen und Lammwollteppichen.

So lässt sich der Grundpreis von rund 205.000 Euro nach Lust, Laune und Bankkonto beliebig nach oben treiben und ist die Auswahl an Optionen erschöpft, findet sich sicher noch der ein oder andere Extrawunsch, den die britische Edelschmiede natürlich nur zu gerne wahr werden lässt. Nur mein Wunsch blieb leider unerfüllt: Den Bentley nicht wieder abgeben zu müssen.

 
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