Cabrio-Special 2011
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Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8

Grenzbereich: BMW 507 und BMW Z8

Weißblaue Geschichten

19.10.2009

Die rund 80jährige Pkw-Ära von BMW brachte manches Kultmobil hervor. Aus dem Reigen dieser Auto-Legenden sticht einer mit besonderer Strahlkraft hervor: der V8-Roadster 507. Der Lifestyle-Bolide der Wirtschaftswunderjahre inspirierte gar zu einer ebenfalls schon legendären Retro-Replikation: dem Z8 aus dem Jahr 2000. Wir entführen beide Frischluft-Grazien, standesgemäß in Weiß und Blau, auf eine Tour zu Bayerns wohl schönster Panorama-Route – der Roßfeld-Höhenringstraße am Obersalzberg.

Das Wetter bietet einen perfekten Rahmen: Spätaugust mit wonniger Hitze, strahlend blauem Himmel und stabilem Hochdruck – auf unserer Genießertour im Offen-Modus können wir die beiden Roadster ungetrübt in ihrem Element erleben.

Zur Fahrzeugübergabe im Münchner Norden empfangen uns die Mitarbeiter der BMW Classic allerdings mit leicht betrübter Miene. Stille Blicke appellieren lautstark: „Bitte bringt unsere Schätzchen zurück, und zwar unversehrt!“ Dieser Wunsch gilt insbesondere dem 507, der nur wenige Tage später einen großen Auftritt auf der IAA haben soll.

Irgendwie nackt

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Dennoch bleibt die technische Einweisung beim 507 denkbar kurz. Der Funktions-Erklärung von Choke, Feststellbremse und Startknopf folgt die abschließende Bitte, sich der Höchstgeschwindigkeit von über 200 km/h nicht allzu sehr anzunähern. Der moderne Z8 bedarf hingegen keiner weiteren Belehrung. Hier steigt man einfach ein und fährt los.

Der Weg von München führt uns für gut eine Stunde auf die Autobahn. Zunächst hadere ich im 507 noch mit dem riesigen Lenkrad und einer ergonomisch nicht mehr zeitgemäßen Sitzposition und fühle mich zudem ob des fehlenden Sicherheitsgurtes irgendwie nackt. Doch schnell akzeptiere ich die entfesselte Freiheit, die mir diese historische Fahrmaschine aufnötigt und widme mich voll und ganz meiner Mission: dem entspannten Dahincruisen und dem Genuss der Laufstegqualitäten einer besonderen Diva.

Winkewinke

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Obwohl ich im 507 alleine sitze, fühle ich mich in keinem Moment einsam, denn von allen Seiten schlagen mir Wellen der Begeisterung entgegen. Erhobener Daumen, Winken, Victory-V – mit diesen Handzeichen werde ich vielfach überholt. Und beim Tankstopp kann ein amerikanischer Tourist ob dieser höchst seltenen Begegnung weder seinen Redefluss noch den rechten Zeigefinger am Kameraauslöser im Zaum halten.

Doch uns begegnen auch kritische Geister: Die Lärmkulisse des 507, die selbst auf historischen Flugshows auffallen dürfte, missfallen einem der Kontemplation verschriebenen Naturfreund ernsthaft. Aus Sicht geräuschempfindlicher Naturen ist es fraglos ein Segen, dass der 507 im Straßenverkehr eine extreme Ausnahmeerscheinung ist.

Irrer Klang

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Auf der Autobahn stört sich allerdings keiner an der martialischen Akustik, die ich in ihrer eindrucksvollen Vielschichtigkeit immer wieder per Gasstoß provoziere. Trotz Klangkulisse: Mit seinen lebhaften 150 PS aus 3,2 Litern Hubraum ist der 507 kein drahtiger Heißsporn, doch die eher verhaltenen Zwischenspurts werden durch ein gewaltiges Crescendo angemessen kompensiert. Ein unvergessliches, infernalisches Grollen, das den 507 akustisch auf das Niveau einer AC-Cobra hievt. Stets präsent, beeindruckt der Klang ab 4.000 Touren allerdings mit einer derart erschütternden Gewalt, dass man die möglichen 6.000 Touren weder Motor noch Umwelt zumuten möchte.

Auf gerader Strecke erweist sich der 507 beim flotten Cruisen trotz seiner über 50 Jahre als erstaunlich fit. Der Motor reagiert spontan auf Gasbefehle, der Geradeauslauf ist stabil. Letzteres ist vor allem auch den großdimensionierten Rädern zu verdanken. Diese entsprechen zwar keinem heute mehr gängigen Format. Doch ein ganzer Industriezweig hat sich auf die Reproduktion historischer Reifenformate spezialisiert und kann für jedes noch so exotische Mobil die gewünschten Pneus liefern.

Aus heutiger Sicht kaum mehr agil

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Unter anderem wegen seiner historischen Riesenreifen ist der 507 kein agiler Querdynamiker. Statt sich in enge Kurven geschmeidig hineinzuwerfen, verlangt es sowohl Feingefühl als auch schiere Kraft, den Wagen halbwegs sauber ums Eck zu zirkeln. Dabei wird mir klar, warum das Lenkrad so groß sein muss: Die Lenkkräfte wären bei einem kleinerem Radius selbst für echte Muskelpakete zu hoch.

Es wird Zeit für den Fahrzeugwechsel: Der Z8 steht auf 18-Zoll-Rädern, die noch zum Marktstart im Jahr 2000 von eindrucksvoller Größe waren, heute jedoch nichts Ungewöhnliches mehr sind. Insgesamt ist das Fahrwerk voll auf der Höhe der Zeit. Die Fahreigenschaften des Z8 garantieren auch aus heutiger Sicht ein sehr temporeiches Lusterlebnis. Alles funktioniert wie selbstverständlich, spielerisch lässt sich der V8-Bolide komfortabel durchs Geläuf peitschen. Selbst gehobenen Ansprüchen des heutigen Autoalltags ist der Retro-Roadster voll und ganz gewachsen. Allein das ins Autoradio des integrierte Navisystem des Z8 hat bereits musealen Wert.

Z8 auf der Höhe der Zeit

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Wenn auch kein Leisetreter, so bietet der Z8 im Vergleich zum 507 fast schon säuselnde Flüsterakustik und sein extrem starker Fünf-Liter-V8 gibt sich sehr kultiviert. Zumindest akustisch haben die BMW-Ingenieure sich kein Beispiel am historischen Vorbild genommen. Nein, als alt empfindet man den Z8 trotz seiner zehn Jahre nicht. Vielleicht umgibt ihn hier und dort ein feiner Hauch von Patina, doch bietet er eine zeitlos anmutende Pracht, die immer noch begeistern kann. Dazu haben ihm fraglos auch die historischen Zitate des 507 verholfen: die lange Motorhaube, die breite BMW-Niere, seitliche Kiemen in den vorderen Kotflügeln oder das nach hinten abfallende Heck mit zwei Auspuffendrohren. Ganz zu schweigen von der elegant und lustvoll geschwungenen Seitenlinie.

Dem 507 kann man seine 50 Jahre zwar ansehen, doch sein knappes und eng anliegendes Blechkleid hat noch immer Pulsbeschleuniger-Qualitäten, transportiert er doch zugleich diesen lasterhaften Hauch der Nouveau Riches im aufblühenden Wirtschaftswunder-Deutschland und den Geist der aufbegehrenden amerikanischen Rock’n Roll-Kultur. Der 507 verkörpert Pop und den Glamour der oberen Zehntausend seiner Zeit und das auf beiden Kontinenten wie wohl kaum ein anderes Auto. Dass der europäische Roadster dabei gewisse Ähnlichkeiten zu US-Sportwagen der 50er Jahre aufweist, ist nicht ganz zufällig. Der Wagen wurde vom deutschstämmigen Amerikaner Albrecht Graf Goertz designt und sollte vor allem in den USA Karriere machen.

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Teuer wie ein Eigenheim

Zwar konnte der 507 in vielfacher Hinsicht begeistern, der kommerzielle Erfolg blieb allerdings aus. Mit 26.500 D-Mark lag er 1956 weit über dem Preisniveau vieler anderer Edel-Roadster und fand eine entsprechend kleine, wenn auch feine Käuferschar. Wer es sich leisten konnte, zahlte den überirdischen Preis, der damals dem Wert eines Einfamilienhauses entsprach: Prominente 507-Käufer waren Elvis Presley, Alain Delon, Ursula Andress oder Toni Sailer. Der edle Sportwagen aus München fand auch seinen Weg in die Garagen des Fürsten Rainier von Monaco, des Aga Khan und der Könige von Griechenland und Marokko. Doch wurden in den Jahren 1956 bis 1959 nur knapp 250 Fahrzeuge bei BMW in Dingolfing in Handarbeit gefertigt.

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8"Obwohl er schon fast zehn Jahre alt ist, ist der Z8 nachwievor zeitgemäß und könnte getrost als Neuwagen verkauft werden. Das modern interpretierte Klassik-Design mit einen eigenständigen Elementen ist immer noch ein Hingucker und auch der Motor kann mit modernen Sportwagen mithalten. Seine 400 PS sind das eine, noch mehr aber begeistert der enorme Durchzug des Acht-Zylinders. Selbst im sechsten Gang hängt der Roadster noch gut am Gas. Kaufgrund Nummer eins ist aber mit Sicherheit die Exklusivität, schließlich wurden nur 5.700 Exemplare gebaut."

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8"Wer besonders auffallen will, dem wird der 507 extrem viel Freude bereiten. Seine atemberaubende Optik ist das eine, die martialische V8-Akustik das andere. Dabei fährt sich der Roadster trotz seiner 50 Jahre recht angenehm und auf Wunsch sogar flott. Wäre er nicht so exorbitant teuer, wäre er ein durchaus alltagstauglicher Klassiker, den ich gerne in meine Garage stellen würde. Angesichts der Preise von über 500.000 Euro bleibt dieses Taumauto für mich allerdings unerreichbar."

Galerie: Grenzbereich BMW 507 und BMW Z8Im Vergleich dazu ist der Z8 ein Massenprodukt. In ebenfalls gut drei Jahren warf BMW rund 5.700 Exemplare auf die Straße. Ein Schnäppchen war der 125.900 Euro teure Bolide deshalb aber auch nicht. Immerhin war bereits zum Markstart abzusehen, dass er das Zeug zum Sammlerobjekt hat und die Käufer nie vor das Problem eines ernsthaften Wertverlustes stellt. Selbst mit hoher Laufleistung ist ein Z8 immer noch gut 80.000 Euro teuer, Tendenz wieder steigend. Im Vergleich zum 507 haben die gebrauchten Z8 allerdings Schnäppchen-Charakter. Von den 250 gebauten 507 sind die meisten zwar noch vorhanden, allerdings mit mindestens 500.000 Euro in fantastische Preissphären abgedriftet. Ein Sammlerobjekt für Superreiche, dass auf Auktionen auch deutlich höhere Preise erzielen kann.

Nicht nur deshalb sind wir am Ende unserer einzigartigen Alpentour froh, die beiden Roadster unbeschadet bei BMW Classic abzuliefern. Dort gibt man sich wieder gelassen und ist sogar der Meinung, dass solche Touren den überbehüteten Autoschätzen durchaus gut tun. Allein wir sind von der Sonne gänzlich ausgezehrt.

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