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Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7

Grenzbereich: BMW Hydrogen 7

Stilles Wasser

29.06.2009

Auch wenn die Neuauflage des 7er BMW bereits von den Bändern rollt, hat doch der Vorgänger der aktuellen Generation etwas voraus: Er wurde bereits - in Kleinserie - mit Wasserstoffantrieb gefertigt. Doch technische Hochleistung hin, und Umweltschutz her - wir wollten wissen, ob der Hydrogen 7 schon reif für den Alltag ist.

Einen Presse-Testwagen bei BMW abzuholen dauert in der Regel keine fünf Minuten. In einer großen Halle warten jede Menge Autos, vom kleinen Mini bis hin zum bulligen X6, darauf, auf Herz und Nieren geprüft zu werden und am längsten dauert die Suche nach dem bestellten Testwagen. Anders beim Hydrogen 7, der mit Wasserstoff betriebenen Ausgabe des 7er BMW.

Bürokratie

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7Denn bevor ich überhaupt nur den Schlüssel in Händen halten darf, werde ich von zwei BMW-Mitarbeitern ins Gebet genommen, die mir die Wasserstofftechnik in aller Ausführlichkeit erklären, mir den Tankvorgang schildern und mich unzählige Papiere unterschreiben lassen, in denen ich versichere, nur selbst mit dem Wagen zu fahren, in nur selbst zu betanken und überhaupt schon jetzt an allem Schuld zu sein, was auch nur schief gehen könnte.

Brav höre ich mir den Vortrag an und nicke artig - schließlich hatte ich mir die ganze Technik schon bei der ersten Präsentation des Hydorgen7 ausführlich erklären lassen und darum soll es diesmal auch nicht gehen. Schließlich will ich den Wasserstoff-BMW auf seine Alltagstauglichkeit prüfen. Und die schient mir, in Anbetracht der ausladenden Unterweisung, doch in weite Ferne zu rücken.

Startprobleme

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7Nachdem ich aber alle Kontrakte gutgläubig signiert habe, darf ich endlich einsteigen, in den Wasserstoff-Siebener. Doch schon nach dem Starten des Motors, macht der bivalent ausgelegte, also auch mit Benzin fahrbare BMW, erste Zicken, und will nicht in den Wasserstoffbetrieb wechseln. Ein kurzer Check mit dem Diagnosegerät aber verrät dem Techniker, dass dies nichts mit dem Wasserstoffantrieb an sich zu tun hätte, sondern ein „herkömmliches“ Softwareproblem sei, das sich durch einen Neustart der Systeme ganz einfach lösen lässt. Meine Zweifel löst das freilich ganz und gar nicht.

Doch tatsächlich scheint das Problem dadurch behoben zu sein, und endlich konnte ich mit dem 7er im Wasserstoff-Modus vom Hof rollen. Und schon nach kurzer Fahrt stelle ich erfreut fest, dass die Ingenieure in der Zeit seit der ersten Vorstellung des Hydrogen nicht untätig waren: Lief der Zwölfzylinder seinerzeit nämlich noch ein wenig rau und vor allem laut, präsentiert sich mir das Aggregat jetzt kultiviert und laufruhig wie es sich für einen V12 gehört. Dass in den Zylindern gerade Wasserstoff statt Benzin verbrannt wird, merke ich nur daran, dass im Bordcomputer der Hinweis H2O aufleuchtet.

Erkennbare Einbußen

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7In Sachen Beschleunigung und Durchzug kann der Hydrogen 7, wie es unser Ausflug auf die Autobahn beweist, nicht mit seinem Benzinbruder mithalten. Immerhin fehlen ihm mit 260 PS Leistung fast 200 PS gegenüber dem konventionellen Zwölfzylinder. Der Motor wirkt zäher und angestrengter, und gönnt sich für den Standardsprint knapp zehn Sekunden. Das ist zwar durchaus ausreichend - für einen Siebener aber nicht standesgemäß.

Zurück in der Stadt fällt mir der nächste, gravierende Unterschied zum Benziner auf. Die Übersicht! Zwar bietet auch ein normaler Siebener nicht gerade grandiosen Ausblick durch die Heckscheibe, doch ist die Sicht im Hydrogen 7 wegen des hinter den Rücksitzen verbauten, 160 Kilogramm schweren Wasserstofftanks noch deutlich stärker eingeschränkt. Blindes Vertrauen auf die Parksensoren ist daher Pflicht.

Platzprobleme

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7Ist der übrigens nur in der weit mehr als Fünf-Meter-Langversion gebaute Wasserstoff-BMW aber in die Parklücke manövriert, steht dem Einkaufsbummel nichts mehr im Wege. Vornehmlich sollte man die Shoppingtour aber in die Maximilanstraße verlegen, wo die Preise hoch sind und den Einkaufswahn bremsen. Denn: Der Tank behindert nicht nur die Sicht nach hinten, er nimmt auch einen Großteil des Kofferraums ein, so dass für Tüten und Taschen nur magere 225 Liter überbleiben.

Auf der Heimfahrt schließlich kommt, was kommen musste, und der Hydrogen 7 verlangt nach Wasserstoff. Natürlich könnte ich nun mit Benzin noch gut 500 Kilometer weiterfahren - doch das ist ja nicht der Sinn unserer Ausfahrt. Also mache ich mich auf den Weg quer durch Münchern zur Tankstelle - in der bayrischen Hauptstadt gibt es nämlich nur eine. Wobei das „nur“ eher ein „zum Glück“ sein sollte, denn über die gesamte Bundesrepublik verteilt sich nur eine Handvoll Wasserstoff-Tankstellen.

Nicht flächendeckend

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7Die mangelhafte Infrastruktur ist auch ein Hemmschuh der Wasserstofftechnologie. Mit einer Tankfüllung (kostet rund 100 Euro!) kommt der Hydrogen 7 in etwa schlanke 200 Kilometer - das heißt: Im Langstreckenbetrieb auf der Autobahn wird man es nicht zur nächsten Zapfsäule schaffen. Da BMW den Weg der Verbrennung des Wasserstoffs im Ottomotor wählt, kann der Siebener immerhin mit Benzin weiter betrieben werden - was ihm einen gehörigen Alltagsvorteil verschafft. Allerdings ist die Energieeffizienz bei dieser Technik sehr gering gegenüber der Brennstoffzellen-Methode, in der aus Wasserstoff Strom erzeugt wird, der dann wiederum den Wagen antreibt.

Prototypen solcher Fahrzeuge gibt es bisweilen mehrere, doch sind diese eben zwingend auf Wasserstoff angewiesen und scheitern derzeit erst recht an der lückenhaften Versorgung. Und bis diese Lücken geschlossen sind, dürfte es dauern: Mercedes-Benz etwa hat zusammen mit Linde ein Konzept für ein flächendeckendes Tankstellennetz entwickelt. Kostenpunkt: Drei Milliarden Euro.

High-Tech-Zapfsäule

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7Mittlerweile bin ich an der Münchner Wasserstoff-Zapfsäule angekommen und frage mich, ob es nicht doch besser gewesen wäre, dem Vortrag des Technikers genauer zu lauschen. Doch zum Glück gibt es eine Kurzanleitung, die den Tankvorgang erläutert. Denn schon wer versucht, den Tankdeckel von Hand zu öffnen, scheitert. Die große, an der rechten C-Säule angebrachte Klappe schwenkt nur per Knopfdruck elektrisch auf.

Schließlich braucht es aber doch etwas Muskelkraft, um den armdicken und nicht gerade leichten Tankrüssel aus der Halterung und auf den Einfüllstutzen zu hieven. Ist der aber erst einmal in Position gebracht und verankert, läuft der Rest wieder vollautomatisch ab. Überschüssige Luft wird mit Helium aus den Leitungen gespült, alles wird mehrfach auf seine Dichtigkeit überprüft und schließlich läuft der flüssige Wasserstoff in den Tank. Alles in allem ziehen rund 20 Minuten ins Land, bis ich wieder durchstarten kann.

Während andere Hersteller gasförmigen Wasserstoff nutzen, um ihn in einer Brennstoffzeller zu Strom zu verarbeiten, verbrennt BMW den flüssigen Wasserstoff in einem Ottomotor und sichert sich so die Möglichkeit, auch mit Benzin fahren zu können. Der Preis für diese Bivalenz ist zum einen ein deutlich schlechterer Wirkungsgrad und ein enorm hoher Aufwand für die Lagerung des Wasserstoffs.

Der zusätzliche Tank im Hydrogen 7 schluckt rund 170 Liter flüssigen Wasserstoff (das entspricht in etwa acht Kilogramm), bringt aber ein Gewicht von 160 Kilogramm auf die Waage. Immerhin muss der Wasserstoff bei minus 253 Grad gelagert werde, was nur durch eine extrem effiziente Isolierung möglich ist.  

Da sich der Wasserstoff aber mit der Zeit trotzdem erwärmt und dabei gasförmig wird, muss - wenn der Wagen nicht bewegt wird - von Zeit zu Zeit - aus Sicherheitsgründen Wasserstoff abgelassen werden. Nach neun Tagen etwa ist der Tank nur noch halbvoll, auch wenn kein einziger Kilometer gefahren wurde.

Neben den hohen Kosten - eine Tankfüllung für rund 200 Kilometer kostet etwa 100 Euro - ist derzeit auch die Ökobilanz fraglich: Denn der Wasserstoff wird momentan noch vor allem aus Erdgas hergestellt, und bezieht man den Energieaufwand für die Verflüssigung, den Transport und die Lagerung des Wasserstoffs mit ein, kommt der Hydrogen 7 auf einen rechnerischen Verbrauch der rund  20 Liter Benzin je 100 Kilometer entspricht und ist damit kein Saubermann - auch wenn er lokal emissionsfrei unterwegs ist, denn hinten kommt nur Wasser raus.

Ade, Bequemlichkeit

Galerie: Grenzbereich BMW Hydrogen 7Und so sinniere ich auf dem Nachhauseweg wieder über die Alltagstauglichkeit des Hydrogen 7: Wahrscheinlich werden wir uns in gar nicht allzu ferner Zukunft von der uns so lieb gewonnenen Leichtigkeit und Freiheit des Verbrennungsmotors verabschieden müssen. Denn so bequem, wie es heute ist - nach nur fünf Minuten Tanken eine Reichweite von mitunter über 1.000 Kilometern zur Verfügung zu haben und zu wissen, den Tank im Grunde immer und überall wieder auffüllen zu können - werden wir es zukünftig vorerst nicht mehr haben.

Egal ob Wasserstoff- oder Elektroantrieb oder was da noch kommen mag: Zu Beginn wird alles wohl mit Einschränkungen - beim Hydrogen 7 also der Platzverlust, die Leistungseinbußen und die beschränkte Reichweite - verbunden sein. Schließlich hat es auch gut einhundert Jahre gedauert, bis der Verbrennungsmotor zu seiner heutigen Perfektion gebracht wurde. Ein wenig Zeit müssen wir den neuen Antriebstechnologien also auch gönnen. Und das tut man doch gern, wenn man weiß, dass bei jedem Tritt aufs Gaspedal reines Wasser aus dem Auspuff des Wasserstoff-Siebeners tröpfelt...

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