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Galerie: Grenzbereich Gumpert Apollo

Grenzbereich: Gumpert Apollo

Ich habe Angst

24.03.2010

Nie hat wohl bei einem AutoScout24-Artikel die Rubrikbezeichnung besser gepasst als beim Gumpert Apollo. Grenzbereich. Was für ein Begriff. Gumpert Apollo. Was für ein Automobil. Einigen wird weder der Hersteller, noch die Modellbezeichnung etwas sagen. Dabei stellt der hyperexklusive Sportwagen alles in den Schatten, was auf öffentlichen Straßen fahren darf. Dieser Rennwagen hat TÜV-Segen, dieses Fahrzeug ist das schnellste auf der Nordschleife, dieses Automobil ist faszinierender als jeder Ferrari, Lamborghini und Porsche. Der Gumpert Apollo ist einmalig.

Aber der Reihe nach: Gumpert ist eine Sportwagenschmiede aus dem thüringischen Altenburg. Roland Gumpert ist Chef der rund 50-köpfigen Truppe. Der sympathische Best-Ager war lange Jahre Audi Motorsport-Chef, Entwickler des VW Iltis und des Allradsystems Quattro – ein überaus kompetenter Mann.

2001 fing alles an

Galerie: Grenzbereich Gumpert ApolloIm Jahr 2001 fing Roland Gumpert mit Audi-Veredler MTM an, eigenständig den Apollo zu entwickeln. Vier Jahre später nahm Gumpert das Ruder alleine in die Hand und gründete die Gumpert Sportwagenmanufaktur GmbH. Das Firmenlogo, der Greif, wurde um den Schriftzug Gumpert erweitert. Der Apollo ist bislang das einzige „Serien-Modell“ von Gumpert. In der Schublade liegen jedoch Pläne für drei weitere Modelle, wie uns Roland Gumpert verrät.

Der Apollo ist ultimativ. Er ist erdacht und gemacht für die Rennstrecke, darf und kann aber auch legal im Alltag genutzt werden. Das ist eine Besonderheit des knapp 4,50 Meter langen, zwei Meter breiten und lediglich 1,11 Meter flachen Supersportlers, die man sich immer wieder vor Augen führen muss. Denn der Apollo ist mit einer Zeit von knapp 7 Minuten und 12 Sekunden das schnellste, straßenzugelassenes Automobil auf der Nordschleife. Ferrari Enzo, Pagani Zonda und beispielsweise der Maserati MC12 folgen mit mindestens zwölf Sekunden Respekt-Abstand.

Respekt oder Angst?

Gumpert ApolloMein Erstkontakt mit dem Auto ist anfangs eher unspektakulär. Denn wer Autos mit rund 900 PS, Nascar-Renner und andere PS-Exoten unter dem Hintern hatte, wird mit einem Gumpert Apollo locker zurecht kommen – dachte ich. Irgendwie beschleicht mich beim Anblick des Monsters aber doch ein mulmiges Gefühl. Immerhin darf ich ihn auf dem Circuit de Bresse fahren.

Der Apollo hat in seiner Basisversion 650 PS, die schärfere S-Variante bringt’s auf mehr als 750 PS und der Apollo R gar auf 840. Implantiert wird stets der 4,2-Liter-V8-Biturbo aus dem Audi RS6 (C5). Umrahmt wird das Kraftpaket, das über der Hinterachse sitzt, von einem Geflecht aus Chrom-Molybdän-Gitterrohrrahmen, Karbon, Kevlar und anderen Zutaten. Fahrfertig wiegt die Schoße ab 1.200 Kilogramm. Wer Navi, Klima und das ein oder andere Extra wählt, landet laut Gumpert bei rund 1.350 Kilogramm.
Tief Durchatmen, denn die Daten verheißen Extremes.

Erst mal beifahren

Galerie: Grenzbereich Gumpert ApolloZur Einführung bin ich Beifahrer. Markus Gruber, Bruder des Nordschleifen-Rekordfahrers weist mich in die Eigenheiten des Apollo ein. Die Flügeltüren schwenken weit nach oben auf. So wie Thomas Magnum von oben in seinen Ferrari 308 GTS reinschlüpft, ziehe auch ich mir den Apollo an – komfortabel. Die Sitze erinnern eher an zwei Kevlar-Wannen, „gepolstert“ mit sparsam platzierten Leder-Applikationen, gerade so, dass es nicht weh tut. Eine Sitzverstellung gibt es weder hüben noch drüben. Dafür kann der Fahrer Lenkrad und Pedalerie in allerlei Richtungen justieren und findet so eine mit dem Fahrzeug verschmolzene Sitzposition.

Angeschnallt wird sich mittels Vier- beziehungsweise Fünf-Punkt-Gurten auf der Fahrerseite. So vergeht schonmal die eine oder andere Minute, bis der Motor mittels Startknopf am Windschutzscheiben-Rahmen zum Leben erweckt wird.

Der V8 sägt und hechelt

Gumpert ApolloDer V8 sägt zu anfangs unrund bei etwas mehr als 1.000 Touren, um kurz danach in einen gleichmäßigen, tief grummelnden Leerlauf zu fallen. Die Maschine, die in Audis RS6 zwischen 2002 und 2004 bis zu 480 PS leistete, wird bei Gumpert grundlegend überarbeitet. Neue Ventile, Kolben, Pleuel, Ladeluftkühler, eine Trockensumpfschmierung und, und, und. Eigentlich bleibt kein Teil unangetastet, um die Leistung zuverlässig auf bis zu 840 PS anzuheben. Das Drehmoment beträgt je nach Ausbaustufe rund 900 Newtonmeter, die bei etwa 4.000 Touren anstehen.

Das Schalten übernimmt aufgrund der immensen Kraft ein sequentielles Getriebe mit sechs Fahrstufen, das vom italienischen Hersteller CIMA speziell für den Apollo gefertigt wurde. CIMA beliefert auch Koenigsegg mit haltbaren Schaltapparaten. Als Besonderheit hat Gumpert in Bresse das Getriebe erstmals mit Schaltwippen am Lenkrad kombiniert. Die Wippen sind ein Zugeständnis an die asiatischen und us-amerikanischen Kunden, denn das Kupplungspedal entfällt und macht den Wagen im Alltag zahmer. Zudem erledigen sich die Gangwechsel nun in rekordverdächtigen 40 Millisekunden.

Aus dem Effeff

Gumpert ApolloMarkus Gruber ist es egal, ob Schaltstock oder Schaltwippen. Er kennt den Apollo mittlerweile aus dem Effeff – und gibt Gas. Die Michelin Pilot Sport Cup-Reifen sind noch kalt, der Motor ebenso. Da heißt es auch für den Profi sanft starten und beides auf Betriebstemperatur bringen. Runde um Runde wird Markus schneller und mir wird‘s übler. Bereits nach der fünften Ziellinien-Überquerung frage ich mich, wo sich um Himmels Willen die Tüten befinden, die in Flugzeugen immer direkt vor einem platziert sind – keine da! Ich bettle um Gnade.

Nach acht Runden stehen wir wieder. Acht Runden, nach denen ich den Begriff Beschleunigung für mich neu definieren muss. Egal ob Positiv-, Negativ- oder Querbeschleunigung. Roland Gumpert sagte mir zwar anfangs, dass auch mit den montierten Straßenreifen eine Querbeschleunigung von bis zu 1,5 G möglich ist, was das bedeutet, erfuhr ich gerade am eigenen Leib. Der Apollo agiert – mit dem richtigen Piloten – jenseits der Vorstellungskraft von Otto-Normal-Verbrauchern, blitzschnell, bissig und aggressiv. „Danke, Markus“, ich steige mit weichen Knien und saurem Geschmack im Mund aus.

Jetzt bin ich dran

Galerie: Grenzbereich Gumpert ApolloBislang war der Gumpert Apollo für mich ein Rennwagen im Renntrimm – mit Straßenzulassung. Jetzt ist er für mich ein Biest. Jetzt habe ich Angst vor ihm. Und dabei habe ich ihn noch keinen Meter pilotiert. Helm auf, Magnum-mäßig reinschlüpfen und Gurte anlegen. Die Reifen sind warm, der Fahrersitz und die Schaltwippen ebenfalls – schön, dass nicht nur ich ins Schwitzen kam. Und nun langsam aus der Boxengasse rausrollen.

Das Gaspedal streichle ich anfangs nur ganz sachte, trotzdem faucht die Bestie im Heck und will getreten werden. Erfreulicherweise ist die Lenkung so messerscharf, dass mein Vertrauen schnell wächst. Nach ein paar Runden spiele ich schon mit den Pferden, die Traktionskontrolle mit 25prozentiger Leistungsreduzierung hilft, die Kraft auf den Asphalt zu bringen. Den Biturbo hinter mir freut’s, so zischelt, blubbert, brummt und spotzt er fröhlich vor sich hin. Ich genieße die Kraft der Halb-Gas-Pedalstellung. An Vollgas denke ich noch nicht. Die Konversations-Stille im engen Innenraum weicht einem entspannten Plausch mit Markus.

Konzentration ist gefragt

Gumpert ApolloUnachtsamkeit wird jedoch unverzüglich bestraft: In einer der langsam durchfahrenden Kurve stehe ich ohne Vorwarnung quer. Das heißt: Ich stehe gar nicht quer, sondern bin bereits mitten in der nicht gewollten 270-Grad-Drehung. Gegenlenken? Ich habe kurz noch dran gedacht. Markus meint: „ Du musst schon Gegenlenken, bevor der Wagen auch nur zuckt“. Aha, gute Information. Aber wie weiß ich, wann er zucken will? „Dein Popometer signalisiert es Dir“, meinte er weiter. Schön, mir hat mein Popometer gar nichts mitgeteilt, und dabei dachte ich bis heute, dass dieser Indikator bei mir funktioniert.

Der Apollo ist zwar Meister in Sachen Anpressdruck, aber erst ab rennmäßigem Tempo. Wer hingegen dahinzuckelt, wird bestraft. So soll es aufgrund der Aerodynamik tatsächlich möglich sein, mit dem Apollo ab 270 km/h an der Decke zu fahren. Die Idee für den passenden Werbespot hatte Gumpert schon lange, nur fehlte für die Umsetzung das nötige Geld. Jetzt fährt ein anderes Auto im TV an der Decke – so ist das eben.

Innovativ, kreativ aber auch gewinnbringend?

Gumpert ApolloKein Wunder, denn so ist das Unternehmen zwar innovativ, kreativ und dynamisch in Sachen Neu-Entwicklung. Erfolgreich, was die monetäre Umsetzung des Apollo-Projekts anbelangt, jedoch noch nicht wirklich. Zu spitz ist vielleicht die Kundengruppe, zu unbekannt ist (noch) das Fahrzeug, zu zögerlich lassen sich solvente Kunden auf eine neue Marke ein, bei der nicht sicher ist, wie lange es sie geben wird.

Keine Bedenken hinsichtlich dessen hat Andreas aus dem hessischen Limburg. Er ist der perfekte Kunde. Unkapriziös, bodenständig und Leistungsgewicht-Verfallen. Andreas reiste mit seinem eigenen Apollo zum Event nach Bresse. Bislang war er Lamborghini-Kunde, kaufte sich 2009 den Apollo und ist begeistert. Binnen eines Jahres spulte er bereits mehr als 10.000 Kilometer mit seiner gelben Flunder ab. „Viele meinen, schon alles gefahren zu sein. Der Apollo ist anders als alles“. Das kann ich bestätigen. Der Gumpert Apollo ist krass, unbarmherzig, faszinierend, fair, ehrlich, zickig und schnell, also so richtig schnell. Wer sich an ihn gewöhnt hat – was laut Markus Gruber mit etwas Talent rund 1.000 Kilometer flottes Fahren bedeutet – will mehr. Galerie: Grenzbereich Gumpert Apollo

300.000 Euro will Gumpert als Gegenleistung für die Basisversion, rund 400.000 sind es für die S-Version mit 750 PS und diversen Modifizierungen, rund 500.000 Euro werden für die nicht straßenzugelassene R-Version aufgerufen. Die neuen Schaltwippen kosten nochmals rund 40.000 Euro. Alles in allem dennoch ein Schnäppchen, gemessen an dem, was die Gumpert -Mannschaft den Kunden anbietet. Für den Otto-Normal-Fahrer ist er dennoch unerschwinglich. Vielleicht ist das auch gut so.

Technische Daten
 
    Gumpert Apollo
Ausstattungsvariante   S
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.460/1.998/1.105
Radstand (mm)   2.700
Wendekreis (m)   riesig
Leergewicht (kg)   ab 1.200
Kofferraum (Liter)   103 Liter, auf Wunsch vorhanden
Bereifung Testwagen   Michelin Pilot Sport Cup VA: 255/35 ZR19; HA: 345/35 ZR19
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   4.163 / 8, V
Leistung Kw (PS)   515 (750)
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   875 bei 4.000
Antriebsart   Heck
Getriebeart   6-Gang sequentiell
Verbrauch    
Krafstoffart   Super Plus
Kombiniert laut Werk (l/100km)   k.A.
CO2-Emissionen (g/km) / Euro-Norm   k.A. / Euro 4
AS24-Verbrauch (l/100km)   k.A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   3
0-200km/h (s)   8,9
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k.A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   360 (je nach Aero-Paket und Übersetzung)
Preise    
ab (Euro)   474.000
 
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Fazit
 

Michael Blumenstein

Galerie: Grenzbereich Gumpert ApolloDie Exklusivität und die Fahreigenschaften dieses Gottes sind nur schwerlich zu übertreffen, daran besteht auch in Zukunft kein Zweifel. Ich aber habe Angst vor dem Auto, und das gebe ich gerne zu. Respekt an alle Käufer, die dieses Biest bewegen können. Die die Gelassenheit und Erfahrung mitbringen, das Gaspedal situationsgerecht einzusetzen. Die Freude am Fahren ist dann schier unbeschreiblich, denn neue Sphären können mit dem Gumpert Apollo erfahren werden. Walter Röhrl sagte nach einer Fahrt nur ein treffendes Wort: „brutal“!
 

Gumpert Apollo

 
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