Cabrio-Special 2011
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Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo Spyder

Grenzbereich: Lamborghini Gallardo Spyder

Action-Künstler

11.08.2006

Vor dem Lamborghini-Museum in Sant’Agata brütet ein zinnoberroter Gallardo Spyder in der Sonne. Mein Spyder, zumindest für diesen Tag. Ehrfürchtig nehme ich Platz und starte den Motor. Der Stier brüllt auf. Gänsehaut bei 41 Grad Celius. Und noch habe ich dieses Geschoss keinen Meter bewegt.

Unruhig sirren die zehn Zylinder, leichte Vibrationen massieren meinen Rücken. Der Gallardo will los, will ausgefahren werden. Per Zug an der Lenkradschaltwippe lege ich den ersten Gang ein. Klack. Ich streichle das Gaspedal und langsam nimmt der Lamborghini Fahrt auf. Rangieren kostet Kraft, die Servounterstützung ist gering. Der Wendekreis des Allrad-Boliden dafür riesig.

Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo SpyderAlles ein bisschen anders hier als in normalen Autos. Und wie zur Bestätigung nickt mein Kopf beim ersten Tritt auf die Bremse unfreiwillig nach vorne. Nein, für Holzfüße ist der Gallardo nicht geeignet. Also noch mal, aber eben alles ein bisschen geschmeidiger.

Die vorgeschlagene Strecke führt von Sant’Agata in den hügeligen Süden. Zuerst geht es ein Stück über asphaltierte Feldwege. Keine schlechte Idee, hier lässt sich der Stier prima einreiten. Die erste Erkenntnis: 520 PS bedeuten wirklich extraordinäre Beschleunigung. Nur 4,3 Sekunden dauert es bis Tempo 100.

Die Sache mit dem By-Pass und dem Finger

Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo SpyderUnd Gasgeben bedeutet noch etwas anders: infernalischen Lärm. Bei 4.000 Touren öffnet sich der By-Pass in der Abgasanlage und schlagartig wird aus dem ölig heißeren Röcheln ein derart unverschämtes Trompeten, dass man reflexartig wieder vom Gas geht. Verdammt, wie soll ich da durch die nächste Ortschaft kommen, ohne dass mir die Passanten sonst was zeigen?

Das nächste Dorf, der Lambo tönt: Und tatsächlich, ein älterer Herr fixiert mich. Er hebt die Hand und streckt den Finger. Aus dem Augenwinkel sehe ich es: Es handelt sich nicht um den Mittelfinger, er reckt den Daumen! Der Signor strahlt übers ganze Gesicht. Meine Scham war unbegründet. Bin ja in Italien. Und die Italiener lieben Lamborghini.Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo Spyder

Erleichtert beschleunige ich nach dem Ortsendeschild. 510 Newtonmeter ziehen an, das lederne Lambo-Logo an der Kopfstütze prägt sich mir in den Hinterkopf. Und schon wieder schießt Adrenalin ins Blut, mein Magen verkrampft: der Tacho zeigt 180 km/h. Die Italiener mögen Lamborghini ja lieben, ob die Herren der Polizia Stradale deshalb aber beide Augen zudrücken, wage ich zu bezweifeln.

Wie ein wilder Stier

Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo SpyderEine Stunde später erreiche ich unbeschadet die angekündigten Hügel. Die ewig zersiedelten Orte sind verschwunden, Serpentinen schlängeln sich die Anhöhen  empor, die Straße ist gerade einmal zwei Autos breit. Nun soll das Kampftier zeigen, was es kann.

Der Gallardo reißt an, hechtet kreischend der ersten Kurve entgegen, folgt punktgenau der Ideallinie und beißt sich beim Herausbeschleunigen mit allen Vieren in den Asphalt. So geht es weiter, Kehre für Kehre. Keine Wank-, keine Nickbewegung beeinträchtigt das Hakenschlagen. Und trotzdem: Gullideckel und andere Fahrbahnerhebungen werden überraschend souverän vom Piloten ferngehalten. Ein Supersportwagen mit Manieren eben.

Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo SpyderAls besonderes Vergnügen entpuppt sich das Herunterschalten. E-Gear, so schimpft sich die elektronisch geregelte sequentielle Schaltung auf „italienisch“, reagiert innerhalb von Millisekunden und gibt, wenn erforderlich,  gnadenlos Zwischengas.

Zwangspause

Ich soll mal eine kurze Pause einlegen, knattert die Stimme des Fotografen durchs Walkie-Talkie. Er müsse schließlich auch arbeiten. Stimmt, da war doch noch was. Zum Beispiel der Porsche mit den zwei Kollegen. Schon lange nicht mehr gesehen…

Galerie: Grenzbereich Lamborghini Gallardo SpyderWelche Details besonders ins Bild gerückt werden sollen, will er wissen. Na der verchromte Lamborghini-Schriftzug auf der Beifahrerseite des Armaturenbretts beispielsweise. Oder die feinen Sportsitze. Wichtig: Die Mittelkonsole mit dem Navigationsgerät, das 1:1 von Audi übernommen wurde. Und das Flimmern der heißen Luft über dem Motor! „Die defekte Bordcomputer-Anzeige ebenfalls?“, frotzelt er. Von wegen defekt, die 30,3 Liter Durchschnittsverbrauch sind bittere Realität. Was da wohl stünde, wenn es Gelegenheit gegeben hätte, die Topspeed von 314 km/h auszufahren?

Fazit

Brutal, unverschämt, unvernünftig, irrsinnig - die negativsten Adjektive wandeln ihre Bedeutung in verruchte Anerkennung, sobald sie mit dem Lamborghini Gallardo Spyder in Verbindung gebracht werden. Denn der Stier ist brutal schnell, unverschämt laut, herzerfrischend unvernünftig und irrsinnig emotional. Mit anderen Worten: Dieses Automobil ist ein aktives Kunstwerk. Kostenpunkt: 167.620 Euro. Selbstabholung ist kein Problem. Dann wartet der Stier frisch gewienert vor dem Museum in Sant’Agata.

 
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