Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Galerie: Grenzbereich Land Rover Discovery

Grenzbereich: Land Rover Discovery

Steigung, Staub und Steinschlag

24.11.2006

Das Tremalzo-Sträßchen oberhalb des Gardasees ist ein fahrerisches Highlight der Alpen: Zweiradgetriebene PKW könnten sie vielleicht schaffen, wären nach der Tour aber nichts mehr wert. Unser aufgemotzter Land Rover Discovery Dauertestwagen dagegen bringt alles mit, um diesem Schicksal zu entgehen.
Eng wurde es trotzdem…

Ich starte am Nordende des Gardasees in Riva und steuere den zwei Meter breiten Landy entlang des steilen Westufers Richtung „Limone sul Garda“. Dort zweigt die Zufahrtstrasse nach Tremosine links ab und sportliche Kehren bringen mich rasch dem Himmel näher. Die Beschilderung nach „Paso Nota“ (er liegt auf dem Weg zum Monte Tremalzo) führt mich bereits nach wenigen Minuten zur Tremalzo, die am Abzweig unübersehbar ausgeschildert ist. Eine unspektakuläre, dafür umso staubigere Strasse führt mich durch das Hochtal „Valle di Bondo“, bis es schließlich über einen Wasserlauf in den Anstieg geht.

Das wird kein Picknick…

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryZahlreiche Picknick-Plätze am Ende des Tales laden zur Zeitverschwendung ein, doch das überlasse ich den PKW-Fahrern, die ich oberhalb des Nota-Passes nicht mehr sehen werde - zu steinig, zu steil.

Noch vor den ersten Steilhängen und rutschigen Geröll lerne ich die wirkliche Herausforderung der Tremalzo kennen: bergab rasende Mountainbiker. Zu Dutzenden. Auf gerader Strecke sind sie zwar harmlos - sie grüßen freundlich oder gucken erstaunt bis verärgert - doch in Kurven wundern sie sich über ihre eigene Geschwindigkeit, wenn plötzlich so ein Land Rover vor ihnen steht. Die Kurven der Tremalzo sind so unübersichtlich, dass man tatsächlich nur ein oder zwei Meter Sicht hat. Es empfiehlt sich daher für jeden Automobilisten sich buchstäblich in Schrittgeschwindigkeit um die Ecken zu tasten.

Technisch vorbereitet

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryViel früher als erwartet muss ich das Fahrwerk des Discovery auf Geländeniveau pumpen: Einige der Kehren sind so eng, steil und ausgewaschen, dass der Wagen auf Standardniveau mit den Seitenschwellern unter den Türen aufsitzt. An diesen Stellen bin ich auch über den permanenten Allradantrieb froh: Ich kann den Wendekreis des Autos unter voller Traktion an allen Rädern ausnutzen. Bei starrer Verbindung zwischen den Achsen (wie bei einem Zuschalt-Allrad) würde ich in diesen Kehren entweder Traktion verlieren oder der Wagen würde zum allzu nahen Kurvenaußenrad schieben - oder beides. Nicht sehr angenehm, wenn „Kurvenrand“ mit einem hundert Meter tiefen Abhang übersetzt werden muss…

Nach einigen weiteren Minuten komme ich wegen der Steigung und dem holprigen Fels nicht mehr über den ersten Gang hinaus: Knapp 20 km/h bei unter 2.000 Touren: Da muss nach jeder Kehre aus dem tiefsten Drehzahlkeller Gas gegeben werden. Effizient ist anders.

Untersetzung macht Sinn

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryAlso rein mit der Untersetzung. Jetzt erreiche ich 20 Sachen mit über 2.000 Touren im Dritten, habe ordentlich Drehmoment und noch zwei Gänge zum Zurückschalten. Das automatisch sperrende Zentraldifferenzial wird nicht aktiv, trotz der immer übler werdenden Verwerfungen - der schwere Landy verschränkt vorbildlich, lässt immer alle Viere auf dem Boden. Als mir auf halbem Weg ein serienbereifter RAV-4 in Zeitlupe entgegenkriecht, beruhigt mich überdies die Gewissheit auf grobstolligen MT-Reifen unterwegs zu sein.

Ein gutes Gerät in dem ich da unterwegs bin, allein es ist mit 2,6 Tonnen zu schwer: Deutlich mehr als 25 Liter verbräuchte ich durchschnittlich, wenn ich hundert Kilometer auf dieser Strasse unterwegs wäre - ein furchtbarer Gedanke. Allerdings fahre ich seit zwei Stunden in der Untersetzung und komme nicht über geschätzte 22 km/h hinaus.

Motor auch mal abschalten

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryNach gut zwei Dritteln der Strecke mache ich Rast. Mein Blick gleitet über die ruppigen Kalkgipfel hinab in Richtung Tal und Gardasee. Malcesine kann ich in der Ferne am gegenüber liegenden Ufer erkennen. 27 Grad, ab und zu summt ein namenloses Insekt vorbei und in der Ferne läuten Kuhglocken. Alle paar Minuten prasselt ein Mountainbiker vorbei. Diese bizarre Kulisse könnte ich mir stundenlang antun, doch auf mich warten Spaghetti Bolognese zum Abendessen und der Abstieg sollte auch noch im Tageslicht gemeistert werden.

Bis zum Scheitelpunkt auf 1.889 Meter Höhe erwartet mich noch eine kleine Überraschung: Im ersten der beiden noch folgenden Tunnel versperrt ein halbmeter hoher Schutthaufen den Weg und der Tunnel selbst ist nur etwa drei Meter hoch. Mit dem aufgepumpt über zwei Meter hohen Disco könnte das knapp werden.

Erosion im Tunnel

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryÜber die Herkunft des Dreckhaufens jedoch klärt ein Blick zur Decke auf: Hier ist großflächig die Decke eingestürzt - meine Taschenlampe reicht nicht, den gähnenden Schlund auszuleuchten. Aber ich habe genug Luft über dem Dach, als ich langsam über das Geröll krieche.

Die letzte halbe Stunde vergeht fast wie im Flug - abgesehen von der zweieinhalb Meter breiten Rechtskurve (rechts eine senkrechte Felswand, links ein ebenso senkrechter Abgrund) in welcher ich einem Motocrossfahrer ausweichen muss. Rückwärts fahren war nie so spannend!

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryAufatmen bei knapp 2.000

Abends komme ich auf dem Scheitelpunkt an, der Monte Tremalzo (1.973 m) läge mir gegenüber zum Greifen nahe, wenn er nicht von dichten Wolken eingepackt wäre. Da ziehe ich es vor, die schon erwähnte ordentliche Portion Pasta in der unter mir liegenden Garda Hütte (1.702 m) zu mir zu nehmen.

Lohnende Alternative

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryNach dem Mahl könnte ich es mir einfach machen und über asphaltierte Strassen durch das Ampola Tal, über Tierno und Lago di Ledro zurück nach Riva del Garda zu düsen. Doch es gibt eine spannendere Alternative, gleich hinter der Garda-Hütte links: Über die Pässe Grocetta und Cocca hinab ins Valle San Michele. Nur einen Bergrücken von den Tremalzo-Serpentinen getrennt scheint dieses Tal aus einer anderen Welt zu stammen: Mit dichtem Wald und erdigem Boden, Wasserfällen und satten Wiesen zeigen einem die Ledro-Alpen hier ihr anderes, sanfteres Gesicht.

Abschluss

Nach rund sechs Stunden Bergstraßenkraxelei, Staub auf dem Armaturenbrett und einem der namenlosen Insekten im Auto geht es im Dämmerlicht wieder hinab zum Gardasee.

Galerie: Grenzbereich Land Rover DiscoveryEine kleine Herausforderung liegt da hinter mir, keine Frage. Keine Frage auch, warum die Tremalzo für Motorradfahrer gesperrt ist: Zu viele sind hier schon umgekommen.

Bei umsichtiger Fahrweise ist sie jedoch ein Genuss. Ein paar Dinge erhöhen diesen noch: permanenter Allradantrieb gepaart mit groben Reifen und der passenden Bodenfreiheit, ein besonnenes Gemüt, eine Kamera für die Nachwelt und eine Hand voll Freundlichkeiten, die sich alle Naselang mit den Radlern austauschen lassen.

 
5
33

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.