Fahrsicherheit 2008
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Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 Cabriolet

Grenzbereich: Porsche 911 Carrera 4 Cabriolet

Pirouetten mit dem Porsche

06.12.2005

“So, und jetzt drück’ ma auf den PSM-Knopf und schalt’n so das Stabilitätsprogramm aus”, schnarrt es aus dem Walkie-Talkie. Das sind die Momente, in denen auch den abgebrühten Kollegen das Herz aufgeht. Denn es schneit und wir fahren auf geschlossener Schneedecke - mit einem Porsche 911 Cabrio. Und das Beste: Die Ansage im bayerischen Befehlston kommt von keinem Geringeren als Rallye-Legende Walter Röhrl.

Verrückt, mit einem offenen Elfer in den Schnee zu fahren? Sicher! Doch wenn Porsche selbst zum Winter-Fahrsicherheitstraining einlädt und die Elfer mit Allradantrieb ausgestattet sind, bitte gerne. Spielerei? Sicher nicht! Denn nur wer in Extremsituationen richtig reagiert, darf sich das Prädikat „sicherer Autofahrer“ anheften.

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 CabrioletWas es heißt, auf einer geschlossenen Schneedecke zu fahren, wird bereits bei der ersten Übung, dem Slalom, klar. Mit 30 km/h gilt es, den Elfer um die Pylonen zu zirkeln. PSM ist aktiviert, und trotzdem kann man Fehler machen. Einer der Schlimmsten, das predigt Röhrl ohne Unterlass, ist das Überlenken. Reißt man das Lenkrad zu abrupt herum, können die Vorderreifen keine Seitenführung mehr aufbauen und der Wagen schiebt geradeaus über die Vorderachse weiter. Die Kunst ist es, sachte und gefühlvoll zu lenken.

Es gibt viel falsch zu machen

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 CabrioletLeichter gesagt als getan, was einem vor allem bei der Vollbremsen-Ausweichen- Übung eindringlich bewusst wird. Hier fährt man mit Tempo 50 bis 60 auf eine Pylonengasse zu, muss an einem vorher bestimmten Punkt eine Vollbremsung hinlegen und dabei ein Hindernis umsteuern. Kein Problem mit ABS? Im Grunde nicht, denn die Technik ermöglicht dieses Manöver. Wenn man sie richtig anwendet. Ein Knackpunkt ist die Vollbremsung an sich. Nur wenige treten bereits beim ersten Versuch tatsächlich voll in die Eisen und bleiben auch beim Umsteuern des Hindernisses mit den Füßen auf den Pedalen. Und selbst bei ihnen fliegt der äußere Pylon. Warum? Zu spät und dafür zu heftig eingelenkt. „Streifschuss, wären nur 7.000 Euro Schaden“, frotzelt Röhrl.

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 CabrioletDie nächste Station heißt Kreisbahn. Jeweils zwei Autos teilen sich das Rund mit 70 Metern Durchmesser. Der Sinn des rutschigen Kreisels ist, ein besseres Gefühl für ein ausbrechendes Auto zu bekommen: Wie reagiere ich, wenn das Heck kommt? Wie, wenn der Wagen über die Vorderräder schiebt? Und was bringt eigentlich ein elektronisches Stabilitätsprogramm? Die Antwort auf die letzte Frage ist simpel: Viel. Es bremst ein rutschendes Auto automatisch zurück in die Spur und verhindert Heckschwenker, indem es die Leistungsabgabe des Motors reguliert. Mit anderen Worten: Selbst wenn man in der Kurve Vollgas gibt, drehen die Räder nicht durch.

Keine Widerrede

Ganz anders nach Röhrls Freigabe. „Piep“. Ein Warnton und die Anzeige im Zentraldisplay des Tachos weisen den Fahrer darauf hin, dass PSM nun deaktiviert ist. Sachte gebe ich Gas, werde langsam schneller bis der Elfer zu rutschen beginnt. Gas weg, sachte Lenken und kurz vor dem Tiefschnee fängt sich der Wagen. „Nicht vergessen, man kann ein Auto auf Schnee auch mit dem Gaspedal lenken“, krächzt es aus dem schwarzen Funkgerät: Driften! „Toller Tipp, Herr Röhrl, dass Sie das können, ist mir klar!“

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 CabrioletWiderrede ist zwecklos, er hört mich nicht. Also befolge ich seinen Rat. Und tatsächlich: Mit einem beherztem Gasstoß schwingt der Elfer seine Hüfte, schnell Gegenlenken und der Wagen folgt der Kreisbahn. Nun gilt es, immer schön mit dem Gaspedal zu spielen und das Heck außen zu halten. Droht Übersteuern, muss Gas weggenommen und notfalls die Kupplung getreten werden. Es funktioniert! Es macht Spaß! Schon dreht es mich um 180 Grad… Es ist verdammt schwierig, denn der Grenzbereich ist schmal und die verschneite Fahrbahn von Runde zu Runde eisiger.

Die Sache mit dem Traktor

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 CabrioletDabei steht die größte Herausforderung noch bevor: Die über einen Kilometer lange Handlingstrecke mit Haarnadelkurven und zahlreichen Links-Rechts-Kombinationen. Ebenfalls ungeräumt, versteht sich. Auch hier gilt: Der Könner vollführt die Richtungsänderungen hauptsächlich per Gaspedal. Mit dem Lenkrad wird dann gegengelenkt. Theoretisch ist das jetzt klar, und auch der praktische Drift einigermaßen verinnerlicht. Doch die aufeinander folgenden Richtungswechsel verlangen höchste Konzentration und anhaltende Präzision. Gut, dass wir bereits im Vorfeld den Abschlepphaken eingeschraubt hatten und ein Traktor mit Seilwinde Gewehr bei Fuß steht …

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 CabrioletNach meinem unfreiwilligen Ausflug in den Pulverschnee passiert dann das Unglaubliche. Walter Röhrl macht das, wogegen er sich sonst mit Händen und Füßen wehrt: Er nimmt am Beifahrersitz Platz. „Der Ausrutscher war nicht schlimm, schließlich sind wir zum Üben da“, munter er mich auf. Um dann Kurve für Kurve meinen Fahrstil zu kritisieren. Doch es ist konstruktive Kritik: „Die Kurve ruhig langsamer angehen, ich würd’ hier auch nicht schneller fahren. Und früher einlenken!“. „Kurzer Gasstoß und schneller die Lenkung wieder aufmachen! Und Gas - und sofort wieder aufmachen!!“ Zwei Runden mit ihm, und Du weißt, warum er zweimal die Rallye-Weltmeisterschaft gewonnen hat und Du allenfalls einmal ein Skirennen in Kindertagen.

Kurz bevor wir das Gelände verlassen, die letzte Ansage von Walter Röhrl: „PSM wieder aktivieren!“. Denn es schneit noch immer und wir fahren wieder auf öffentlichen Straßen. Hier vertraut übrigens auch der „beste Fahrer aller Zeiten“ auf das elektronische Helferlein.

Galerie: Grenzbereich Porsche 911 Carrera 4 Cabriolet

 

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