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Galerie: Grenzbereich Porsche Cayenne Diesel

Grenzbereich: Porsche Cayenne Diesel

Porsche spaßarm oder sparsam?

04.06.2009

Porsche war bis 2003 eine Sportwagen-Manufaktur. Ausschließlich schnittige Modelle kamen aus den Werkshallen in Zuffenhausen und alle vereinte eine Essenz: frei drehende Benzinmotoren. Aber die Zeiten ändern sich. Mittlerweile verkauft sich der einzige Nichtsportwagen aus Zuffenhausen – der Cayenne – besser als Boxster und Cayman zusammen und Porsche hat einen Dieselmotor im Programm. Wie bitte? Bis vor gut zwei Jahren hieß es aus Stuttgart noch: Porsche und Diesel passen nicht zusammen. Das sehen wir ähnlich.

Allerdings werden uns die zukünftigen Verkaufszahlen wahrscheinlich eines Besseren belehren. Denn im April 2009 wurden 378 Cayenne zugelassen, 205 waren schon Diesel. Zwar ist das zum Produktionsstart des neuen Motors noch nicht repräsentativ, da viele Händler einen erhalten haben, aber die Tendenz dürfte dennoch stimmen.

Galerie: Grenzbereich Porsche Cayenne DieselDie Technik des Cayenne D ist hinlänglich bekannt. Unter dem etwas plumpen Blechkleid steckt der VW Touareg – was die Zuffenhausener und die Besitzer des Cayenne gleichermaßen nicht gerne hören. Daher hat Porsche auch alles Mögliche versucht, um das zu vertuschen. Die Fahreigenschaften orientieren sich an der Porsche-Prämisse – sportwagenmäßig eben. So weit man das einem gut 2,3 Tonnen schweren Koloss überhaupt attestieren kann. Fahrwerk, Lenkung und Bremsen sind in jedem Fall geschärft, auch beim Diesel-Cayenne.

Der VW-Porsche mit Audi-Herz

Mitte der 1970er Jahre gab es übrigens schon einmal einen VW-Porsche, den 914. Ein VW im Porsche-Kleid, ähnlich wie heute eben beim Cayenne. Aber jetzt stört sich offensichtlich niemand mehr an der Liaison. So überarbeiteten die Ingenieure das bekannte 3,0-TDI-Herzstück akribisch und machten es fit, um eines Porsches würdig zu sein.

Galerie: Grenzbereich Porsche Cayenne DieselDer Common-Rail-Diesel agiert fast schon schnurrig sanft, spürbar agiler – wenngleich noch immer äußerst träge für einen Porsche – und besitzt, man höre und staune mit 240 PS keine Mehrleistung im Vergleich zu Audi und VW. Das ist das Überraschendste. Denn der V6-Benziner, der ebenfalls aus dem Volkswagen-Konzern stammt, erhielt bei den Stuttgartern stets ein PS-Plus von zehn Zählern im Vergleich zu Q7 und Touareg.

Und der Cayenne D nagelt dennoch. Egal ob der Motor warm ist oder kalt. Wer auch nur einen Hauch von Benzin im Blut hat, fühlt und hört den Selbstzünder im Cayenne jederzeit deutlicher als in seinen Derivaten, obwohl er subjektiv leiser ist. Die Motorengeräusche – von Motorklang kann man nicht wirklich sprechen – passen einfach nicht zu einem Porsche. Vielleicht hätten die Stuttgarter besser daran getan, auf die Kombination aus Benzinmotor mit zusätzlichem Elektroantrieb zu setzen. Denn das unterschwellige Knurren des „D“ spricht eine einzigartig deutliche Sprache: Diesel!

Galerie: Grenzbereich Porsche Cayenne DieselNeben dem fehlenden Sound fällt aber vor allem die dieseltypisch träge Gasannahme in Verbindung mit der obligatorischen Sechs-Stufen-Automatik auf. Erst wenn der Gang passt, geht es spontan vorwärts. Ärgerlich ist das beim Einfädeln in eine Vorfahrtstraße. Hier muss man entweder die Karawane abwarten oder aber durch das Halten der Bremse bei gleichzeitigem Gasgeben den Ladedruck aufbauen und so die Wandlerüberbrückung austricksen. Dann schießt der Allradler wie von der Tarantel gestochen aus den Ecken raus (550 Newtonmeter sei dank) und in deutlich unter neun Sekunden aus dem Stand auf 100 km/h. Ohne diesen nicht unbedingt materialschonenden Kniff holt der Cayenne D erst einmal gaaaanz tief  Luft. Danach sind sich Getriebe, Wandlerüberbrückung, Ladedruck und Motormanagement irgendwann einig, die volle Leistung bereitzustellen. Bei den Benzin-Pendants ist das Spiel kurzweiliger, eine Frage von Bruchteilen einer Sekunde eben.  

Galerie: Grenzbereich Porsche Cayenne DieselDoch einen Benziner?

Kenner der Marke werden genau dieses Gebaren verabscheuen, Porsche-Neulingen wird es nicht einmal auffallen, ja sie werden sogar von der Spontaneität dieses Dieselmotors schwärmen. Und genau das ist die Zielgruppe des Cayenne Diesel: Extrem-Gutverdiener, die bisher die Marke und das Modell mieden, gerade weil kein Diesel (oder Hybrid) im Programm war. Alle anderen werden auch weiterhin zum Benziner greifen, und das ist unserer Meinung nach die ehrlichere Entscheidung. Denn wer einen SUV in diesem Segment kauft, dem ist es egal, wie viel sein Wagen verbraucht, denn umweltfreundlich ist der Cayenne per se nicht. Auch wenn der Diesel mit verhältnismäßig sparsamen 9,4 Litern bewegt werden kann und rekordverdächtige Reichweiten von mehr als 1.000 Kilometern möglich sind.

Keine Differenzierung

Galerie: Grenzbereich Porsche Cayenne DieselErkennungsmerkmale des Diesel-Cayenne gibt es übrigens keine. Man könnte fast meinen, Porsche schämt sich für ihn. Nirgendwo ist ein Diesel-Schriftzug, ein „D“ oder sonst welche Insignien des Selbstzünders zu sehen. Von außen sieht er aus wie jeder andere Cayenne mit V6-Benzinmotor. Soll heißen: Schmalspurbereifung in 17-Zoll, zwei Endrohre, schwarz lackierte Bremssättel, 330 Millimeter messenden Bremsscheiben (rundherum). Lediglich der Drehzahlmesser verrät das Arbeitsprinzip.

Wie von Porsche nicht anders gewohnt, müssen auch Käufer des Cayenne Diesel tief in die Tasche greifen. Er ist mit Abstand der teuerste im Dreier-Verbund aus Cayenne, Q7 und Touareg. Für einen adäquat arrangierten Cayenne D werden rund 70.000 Euro fällig. Damit verlangen die Stuttgarter ausstattungsbereinigt etwa 10.000 Euro mehr als VW für den Touareg oder Audi für den Q7.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Porsche Cayenne Diesel
Ausstattungsvariante    
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   4.798/ 1.928 / 1.699
Radstand (mm)   2.855
Wendekreis (m)   11,7
Leergewicht (kg)   ab 2.240
Kofferraum (Liter)   540 - 1.770
Bereifung Testwagen   255/55 R18
Motor    
Hubraum (ccm) / Zylinder (Zahl, Bauart)   2.967 / 6, V
Leistung (PS)   240
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   550 / 2.000 bis 2.250
Antriebsart   Allrad 62:38
Getriebeart   6-Gang-Automatik
Verbrauch    
Krafstoffart   Diesel
Kombiniert laut Werk (l/100km)   9,3
CO2-Emissionen (g/km)   244
AS24-Verbrauch (l/100km)   11,2
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   8,3
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   8,6
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   35,6
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   214
Preise    
ab (Euro)   56.589
Empfohlene Extras   Metalliclack (1023 Euro), Lendenwirbelstütze (255 Euro), Tempomat (440 Euro), Bluetooth-Telefon-Schnittstelle (654 Euro), USB-Adapter (333 Euro), Navigationssystem (3.141 Euro), Bose Soundsystem ( 1.350 Euro), Klimaautomatik (523 Euro), Alcantara-Sportsitze  (1.213 Euro), Sitzheizung vorne inklusive Lenkradheizung (666 Euro), Luftfederung (3.022 Euro), 19-Zoll-Aluräder (2.011 Euro), dunkle Scheiben ab 2.Sitzreihe (458 Euro),
 
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Fazit

Wir lassen uns gerne überzeugen, dass der Diesel-Anteil am Cayenne-Programm demnächst in einer ähnlichen Liga wie bei den Mitbewerbern spielt, dort liegt der Anteil bei rund 95 Prozent. Uns fehlen beim Cayenne D jedoch die seidige Laufruhe eines Porsche-Otto-Motors, der Sound und die Emotionen eines Benzin durchströmten Sechs- oder Achtzylinders, die direkte Verbindung zwischen Fahrerfuß und Motor, oder einfach ausgedrückt: Uns fehlt vor allem Porsche im Cayenne Diesel. Wer dieser Thematik nicht folgen will, der wird mit dem Cayenne Diesel hochzufrieden sein. Denn er ist sparsam (für ein SUV), stark und schnell. Vor allem aber klebt auch auf dem Cayenne D das Porsche-Emblem, und das ist viel Wert.

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