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Galerie: Grenzbereich Rolls Royce Ghost

Grenzbereich: Rolls Royce Ghost

Angekommen

02.06.2010

Uns Autoredakteure zufrieden zu stellen, ist nicht leicht. Immer haben wir etwas auszusetzen. Mal ist es die Verarbeitung, mal das Fahrwerk oder der Motor. Und wenn das alles passt, dann schimpfen wir eben über den Preis. Fast scheint es so, als wären wir umtriebige Wanderer, von Auto zu Auto, stets auf der Suche nach Schwachstellen, die zu finden uns eine schiere Freude bereitet.

Doch dann gibt es im Leben eines Motorredakteurs diese Momente, sehr seltene Momente, wo man in einem Auto sitzt – und gar keine Lust hat, zu kritisieren. Weil einen der Charme des Wagens umfängt, einlullt, ablenkt, ja gar blind macht für die ein oder andere Schwachstelle, die man vielleicht bei genauem hinsehen entdecken würde. Kurz, weil man für einen kleinen Moment das Gefühl hat, angekommen zu sein. Am undefinierten Ziel auf der Suche nach irgendwas, das plötzlich nicht mehr wichtig ist. Im Rolls Royce Ghost war ich angekommen.

Nur Lappalien

Galerie: Grenzbereich Rolls Royce GhostSicher, ich könnte ihnen jetzt aufzählen, was schlecht ist am Rolls Royce Ghost. Aber warum? Es wären ohnehin nur Lappalien, die ich hier zu Papier bringen könnte. Oder glauben Sie, ein Rolls-Royce-Fahrer ärgert sich über die simplen Plaste-Drehräder, die die Klimaanlage steuern und in mir unweigerlich Erinnerungen an den Talbot Horizon meiner Mutter hervorgerufen haben. Wohl kaum. Schließlich erfüllen sie ihre Aufgabe keinen Deut schlechter als Hightech-Touchpad-Instrumente mit hochauflösenden Digitalanzeigen. Dreht man in Richtung blau, wird‘s kalt und bei rot kommt warme Luft. Versteht jeder. Und wer es geschafft hat, einen Ghost sein Eigen zu nennen, wird sich weder mit technischen Spielereien profilieren noch stundenlang Gebrauchsanweisungen studieren wollen.

Letzteres ist zum Glück auch für das Entertainment- und Navigationssystem nicht nötig, das von der Konzernmutter BMW stammt und im Grunde ein aufgehübschtes – und mittlerweile perfekt zu bedienendes – iDrive-System ist. Wohlgemerkt um den Menüpunkt „Spirit of Ecstasy“ erweitert. Auf diesen verheißungsvollen Namen hört die umgangssprachlich liebevoll Emily genannte, silberglänzende, geflügelte Kühlerfigur, die seit 1911 jeden Rolls Royce ziert und sich per iDrive-Drück-Dreh-Knubbel versenken und auch wieder hervor zaubern lässt. Auf Wunsch verschwindet die kleine Dame auch beim Parken unter der schützenden Motorhaube. Wobei sie, nähert man sich ihr zu rabiat, ohnehin um Hilfe schreit und die Alarmanlage anwirft.

Emily im Blick

Galerie: Grenzbereich Rolls Royce GhostWährend der Fahrt jedenfalls gehört die Emily auf den Kühler wie das Amen in die Kirche. Ginge doch ein Großteil des Charmes verloren, würde der Fahrer nicht die kleine Engelsfigur weit vor sich, auf der nicht enden wollenden Motorhaube, stets im Blick haben. Und mit Fahrer ist beim Ghost ausnahmsweise nicht der Chauffeur gemeint; der kann getrost in den Ruhestand geschickt werden. Denn der Ghost ist ein Rolls zum Selberfahren. Das ist ein Vergnügen, das sich wohl nur die wenigsten nehmen lassen. Wenngleich, das darf nicht unerwähnt bleiben, es sich im Fond auf der sofaähnlichen Rückbank, gut abgeschirmt von den breiten C-Säulen und mit kleinen Tischchen für Laptop und Champagnerglas ebenfalls vorzüglich Reisen lässt.   

Bei einem knapp 5,40 Meter langen und fast als zweieinhalb Tonnen schweren Wagen von Leichtigkeit zu reden, klingt ironisch. Ist es aber nicht. Der Fahrer merkt gar nicht, dass er eine Limousine steuert, die nocheinmal zwanzig Zentimeter mehr misst, als die Langversionen der deutschen Premiumhersteller. Die im Übrigen an der Ampel, neben dem Ghost, zu unbedeutenden Statisten werden. Leichtfüßig lässt sich der Brite mit bayrischen Genen durch die Stadt dirigieren, quasi mit einem Finger kann das große, dünne Volant gedreht werden und mit der kleinen, gewollten und zugleich vornehmen Verzögerung reagiert der Rolls Royce auf die Richtungsänderung.

Galerie: Grenzbereich Rolls Royce GhostDass unter der Haube ein Kraftwerk seinen Dienst tut, das diesen Namen zu Recht trägt, merkt man kaum. Eher fragt man sich, ob der potente Zwölf-Zylinder, der per Tastendruck zum Leben erweckt wird, überhaupt an ist. Der Blick auf die Kraft-Reserve-Anzeige in der weiß gehaltenen, fast wie von Hand gezeichneten, edlen Instrumententafel bestätigt es. So leise, so abgeschottet von der Außenwelt reist es sich im Ghost. In einer kleinen, feinen Oase, weitab von der Hektik des Alltags.

Sanfte Gewalt

Galerie: Grenzbereich Rolls Royce GhostIst dennoch Eile geboten, stellt der V12 seine fast 600 PS und annähernd 800 Newtonmeter Drehmoment unverzüglich zur Verfügung. Verwaltet wird die Kraft, die der Sechseinhalb-Liter-Motor mit Hilfe zweier Turbolader generiert, von einer Acht-Stufen-Automatik, die den beherzten Tritt aufs Gaspedal in Windeseile in Vortrieb umsetzt. Von wegen britisches Understatement, der stärkste Rolls seit Menschengedenken sprintet los wie die Rennpferde in Ascot und wird erst bei 250 km/h jäh vom elektronischen Begrenzer abgebremst.

Das Faszinierende: Die immense Beschleunigung, die die Passagiere in das feine, weiche Leder der großen Sitze drückt, geschieht quasi nebenbei. Unangestrengt, als wäre es ein Kinderspiel für das Triebwerk. Von brachialer Gewalt zu Reden wäre falsch, wenngleich der seidenweiche Zwölf-Zylinder im Grunde nichts anderes hervorbringt. Und: Selbst bei Geschwindigkeiten über 200 km/h vermittelt der satt auf der Straße liegende Rolls Royce ein Gefühl der Sicherheit wie der Buckingham Palast. Dass zweieinhalb Tonnen in der Kurve freilich spürbar sind, muss wohl nicht erwähnt werden. Und das bei dieser Beschleunigungszeremonie, die man gerne immer noch einmal spüren will, mehr als die versprochenen 14 Liter Benzin durch die Kraftstoffleitung laufen, ist Makulatur. Geld spielt hier ohnehin keine Rolle.

Technische Daten
 
Marke und Modell   Rolls Royce Ghost
     
Abmessung und Gewicht    
Länge/Breite/Höhe (mm)   5.399 / 1.948 / 1.550
Radstand (mm)   3.295
Wendekreis (m)   13,4
Leergewicht (kg)   2.360
Kofferraum (Liter)   490
Bereifung Testwagen   255 / 50 R 19
Motor    
Hubraum (ccm) / Bauart   6.592 / Doppelturbo-V12
Leistung (kW / PS)   420 / 570
Drehmoment (Nm) / Umdrehungen   780 / 1.500
Antriebsart   Heckantrieb
Getriebeart   8-Gang-Automatik
Verbrauch    
Krafstoffart   Benzin
Kombiniert laut Werk (l/100km)   13,6
CO2-Emissionen (g/km) / Abgasnorm   317 / Euro 5
AS24-Verbrauch (l/100km)   k .A.
Fahrleistungen    
Werksangabe 0-100km/h (s)   4,9
AS24-Sprint 0-100km/h (s)   k .A.
AS24-Bremstest 100-0km/h (m)   k .A.
Höchstgeschwindigkeit (km/h)   250 (abgeregelt)
Preise    
ab (Euro)   253.470 Euro
Empfohlene Extras   alles, was das Herz begehrt
 
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Himmel auf Erden

Rund 250.000 Euro kostet der Eintritt in die Ghost-Welt, die mehr ist, als ein Auto. Es ist ein Lebensgefühl, ein Ziel. Einen Rolls Royce zu fahren, ist ein bisschen wie angekommen sein. Wer hier drin sitzt, umgeben von feinen Stoffen, edlen, duftenden Hölzern und auf Hochglanz poliertem Metall hat den Wartesaal des Glücks verlassen. Umgeben von der Aura, für einen kurzen Moment dieses Gefühl inhalieren zu dürfen, steuere ich den Rolls Royce nach Hause. Vorbei an Porsches, Benz und Bentleys, deren Fahrer wohl noch nicht angekommen sind. Schließlich können sie ihre Augen nicht von dem Ghost lassen. Und im Radio singt leise Freddy Mercury „This could be Heaven for everyone...“

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