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Galerie: Grenzbereich Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé

Grenzbereich: Rolls-Royce Phantom Drophead Coupé

Ausreichend

17.09.2012

Ausreichend lautete früher die Antwort, wenn man bei Rolls-Royce nach der Leistung fragte. Unter BMW-Ägide hat sich das geändert, stolz gibt man heute die 460 PS des Zwölfzylinders an, der das Drophead Coupé genannte Cabriolet vorantreiben. Die unvergleichliche Aura der britischen Luxuskarossen ist dagegen noch immer die gleiche wie damals.

Ein automobiler Traum auf mehr als fünfeinhalb Metern, gepresst in Blech und nur mit den feinsten der feinen Materialien dekoriert, kann man nicht so einfach in Worte fassen. Der Rolls-Royce lässt alle anderen Autos neben sich verblassen; die Mercedes S-Klasse mit langem Radstand ebenso wie den offenen Ferrari oder einen Porsche Cayenne. Noch größer, noch stattlicher, noch herrschaftlicher steht der Rolls da. Ihn umgibt die Aura eines Elder Statesman, der allein beim Betreten des Raumes alle Anwesenden verstummen lässt.

Maßanzug

Galerie: Grenzbereich Rolls-Royce Phantom Drophead CoupéDabei ist sein Äußeres gar nicht mal so aufregend. Kein extrovertierter Papageien-Look à la Elton John, sondern ein bis auf die letzte Naht sitzender Maßanzug. Nicht zu eng, aber auch keine einzige Falte; exakt die richtige Länge an Ärmel und Beinen. Und bloß keine allzu auffälligen Knöpfe. Gerade Linien und markentypische Elemente verleihen dem Rolls-Royce seinen monolithischen Charakter - keine Schnörksel, keine Experimente. Zumindest nicht mehr, seit mit dem Facelift die etwas deplatziert wirkenden runden Scheinwerfer aus dem Gesicht des Phantoms verschwunden sind. Geblieben sind klare, eckige Scheinwerfer, die im Vergleich zum gewaltigen Kühlergrill mit zwölf Streben fast schon zierlich wirken.  

Alles andere als zierlich ist die aus gebürstetem Edelstahl gefertigte Motorhaube, die sich schier endlos zwischen Windschutzscheibe und ihr erstreckt. Sie, sie ist das Markenzeichen eines jeden Rolls-Royce: die Spirit of Ecstasy; jene kleine geflügelte Dame auf dem Kühlergrill, die der Volksmund gern Emily ruft. Aber Emily ist nicht gleich Emily: Neben der verchromten Standard-Figur bietet Rolls-Royce ein vergoldetes Exemplar an, und wie im Falle unserer Cabriolets, eine gläserne.

Strahlende Emily

Galerie: Grenzbereich Rolls-Royce Phantom Drophead CoupéGut, sie ist nicht wirklich aus Glas, sondern eigentlich nur aus Kunststoff, doch sieht sie fast aus wie von Swarovski. Vor allem, wenn man der untergehenden Sonne entgegen fährt, strahlt sie wie ein Diamant im Abendlicht. Leuchten kann sie übrigens auch nachts, elektrisch, per LED. Aber leider nicht während der Fahrt, sondern nur, wenn man den Wagen abstellt. Und nur für kurze Zeit, denn beim Abschließen verschwindet die Gute in den Untiefen des Kühlergrills.

Edelstahl-Haube und Pseudo-Glas-Emily sind nicht die einzigen unkonventionellen Details: Was beim Drophead Coupé sofort ins Auge sticht, ist die Teakholz-Beplankung auf dem Verdeckkasten. Wie der sorgfältig von Hand eingeölte Boden einer teuren Yacht wirkt die große Fläche hinter der Rückbank, unter der sich das Stoffdach per Knopfdruck zusammenfaltet und verstaut. Das Holz selbst zieht sich einmal komplett um die Passagiere herum und unterstreicht so das Hochsee-Feeling.

Wie bei James Bond

Galerie: Grenzbereich Rolls-Royce Phantom Drophead CoupéÜberhaupt sind im Phantom, der im Britischen Goodwood in rund 450 Stunden fast ausschließlich in Handarbeit gefertigt wird, so einige Hölzer verbaut, und einige Tierhäute. Jedes noch so kleine Bauteil ist entweder vertäfelt oder mit Leder bezogen - oder eben so, wie es der Käufer haben will; nur die Tasten und die herrlich simplen Drehregler für die Klimaanlage sind aus Plastik. Neben dem Knöpfchen, das die Emily auf Wunsch auch während der Fahrt versteckt, gibt es übrigens noch ein paar Tasten, die man sonst in keinem Auto findet: Mit den an den A-Säulen platzierten Tasten lassen sich die beiden kleinwagenschweren, hinten angeschlagenen Türen ganz einfach auf Knopfdruck schließen. Das ist praktisch, weil die Pforten wirklich unhandlich sind, und cool, weil es aussieht wie aus einem James-Bond-Film. Aus dem könnten übrigens auch die Regenschirme stammen, die in den Türholmen versteckt sind. Und zwar keine Knirpse, sondern stattliche Stockschirme.

Nur ein paar wenige Details gibt es dagegen, die die Verwandtschaft zur Mutter BMW bezeugen. So stammt das Navigations- und Entertainmentsystem aus dem Konzernregal und auch die Steuerung erfolgt per iDrive-Knubbel - in einer edlen Ausführung, die sich in einem Klappfach versteckt. Wer weitere BMW-Gene entdecken will, muss sich allerdings penibel auf die Suche machen.

Kinderspiel

Galerie: Grenzbereich Rolls-Royce Phantom Drophead CoupéSchon nach den ersten Metern spielt es auch gar keine Rolle mehr, ob das eine oder andere Bauteil nun von BMW stammt oder nicht. Lieber schnell das große, fünflagige Verdeck - eine Schicht ist aus Kaschmir - geöffnet, den Motor per Tastendruck angeworfen und schon kann es losgehen. Dass der 6,75 Liter große V12 die bereits zitierte, ausreichende Leistung bereitstellt, merkt man schnell. Die vielen Tonnen Leergewicht scheinen für ihn ein Kinderspiel zu sein; man braucht das Gaspedal nicht einmal durchzutreten und spürt bereits, was mit dem inzwischen sogar markenrechtlich geschützten Begriff Waftability gemeint ist.

Das Wort beschreibt diese mühelose, unangestrengte, ja souveräne Art der Beschleunigung. Ein Rolls-Royce wird nicht laut, er prescht nicht zackig nach vorne und drückt seine Passagiere nicht in den Sitz oder scharrt gar mit den Rädern. Nein. Er zieht einfach an, kraftvoll und doch elegant, gibt sich zugleich nachdrücklich und so stocksteif und gleichzeitig entspannt, wie englische Ladys beim Fünf-Uhr-Tee. Als wäre es die einfachste Übung, fast schon ein wenig arrogant gegenüber Sportwagen, die sich mit lautem Getöse abmühen, ihre deutlich geringeres Gewicht in kürzester Zeit in Bewegung zu versetzen.

Größtmöglicher Komfort

Galerie: Grenzbereich Rolls-Royce Phantom Drophead CoupéSo mühelos der Rolls-Royce geradeaus fährt, so sehr missfallen ihm Kurven. Klar, bei der Abstimmung der Luftfedern und Dämpfer gab es nur ein Ziel: größtmöglichen Komfort. Das haben die Ingenieure mit Bravour hinbekommen. Kaum eine Macke im Asphalt, von der die Insassen Kenntnis nehmen müssten. Dass das zu Lasten der Querdynamik geht, ist da nur logisch, und so neigt sich der trotz Aluminium-Spaceframe über 2,6 Tonnen schwere Koloss spürbar zur Seite. Macht aber nichts, denn wohl kaum jemand, der hinter dem filigranen, dünnen Lenkrad Platz nimmt, käme auf die Idee, den Rolls ums Eck zu scheuchen. Nein, bootsähnlich schiebt sich der Dicke mit der Eleganz der Queen Mary um die Kurve, immer der Emily vorne auf der Schnauze folgend.

Bei jeder anderen Gangart würden die Fondgäste schließlich auch den Champagner, der in einem Kühlschrank im Kofferraum lagert, auf das feine Leder kleckern. Denn in der Tat ist das Drophead Coupé wohl das einzige Cabriolet, in dem auch Großgewachsene problemlos auf der Rückbank reisen können. Allerdings vorausgesetzt, sie sind zugresistent. Denn generell windet es im offenen Rolls schon ordentlich und auf den hinteren Plätzen umso mehr. Wie man das vermeidet? Ganz einfach: Gemütlich dahingleiten statt flott zu fegen. Ein Windschott oder ähnliches würde dem Wagen nämlich höchstens so gut stehen wie der Queen ein graues Kleid.   

Fürs Brötchen holen

So sehr man Anfangs doch von den Dimensionen erschlagen wird, so normal werden sie schon nach kurzer Zeit. Und scheint es zunächst völlig abwegig, mit so einem Trumm von Auto jeden Tag unterwegs zu sein, so kann man sich doch schon nach wenigen Stunden vorstellen, damit morgens zum Bäcker zu rollen. Vorausgesetzt, es bleibt nach der Anschaffung noch ein wenig Geld für die Brötchen übrig. Denn auch die Frage, was der Rolls-Royce kostet, lässt sich einfach beantworten: Ausreichend – zuzüglich Extrawünsche.

Ihr Kontakt zum Autor: Folgen Sie Michael Gebhardt auf Facebook, bei Google+ und bei Twitter.

 
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