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Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWD

Grenzbereich: Saab 9-3 Aero XWD

Tanz auf dem Eis

08.04.2008

Es ist schon irritierend, morgens beim ersten Augenaufschlag auf eine blendend weiße Decke aus Eis zu blicken. Mit etwas Genugtuung kann man dabei noch feststellen, dass hier garantiert keine Kakerlaken unterwegs sein werden. Das mutmaßlich sauberste Gasthaus der Welt ist aus gefrorenem Wasser und steht im nordschwedischen Kiruna. Dorthin, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises, hat Saab eingeladen, um die Vorzüge seines neuen Allradsystems XWD beim Tanz auf dem Eis im 9-3 zu demonstrieren.

Der hohe Norden Schwedens ist die Kältekammer Europas. Wenn in Deutschland schon T-Shirt-Wetter angesagt ist, kann man hier noch sicher mit dem Auto auf zugefrorenen Seen wilde Pirouetten drehen. Die Vorzüge eines Allradantriebs kommen bei einem solchen Untergrund besonders gut zum Tragen. Beim neuen Saab-System XWD – zunächst nur für die Baureihe 9-3 erhältlich –  gesellt sich neben mehr Sicherheit aber auch eine Extraportion Fahrspaß hinzu.

Alte Zöpfe

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDEin wenig mag es schon verwundern, dass die Marke Saab nun doch ein Allradsystem anbietet. Zumindest haben die Schweden lange Zeit dem Frontantrieb klar den Vorzug gegeben. Unter dem Gewicht eines Fontmotors bieten vorne angetriebene Räder mehr Fahrsicherheit auf Schnee und Eis als ein Hecktriebler. Doch die heutzutage sehr drehmomentstarken Motoren bringen Autos mit Vorderradantrieb schneller an Traktionsgrenzen. Zudem sind die Antriebseinflüsse in der Lenkung erheblich und bei dynamischer Fahrweise besonders störend. Vor allem starke 9-3 leiden unter diesem Problem. Als Premiumhersteller braucht Saab jedoch potente Fahrzeuge, denen nur noch Allrad helfen kann.

Jetzt startet der erste Allrad-Saab und erklimmt sogleich ein besonders hohes Niveau hinsichtlich Fahrspaß und Sicherheit. Kombiniert wird das System zunächst ausschließlich mit dem 280 PS starken V6-Motor. Der Turbobenziner verrichtet bereits seit einiger Zeit seine Arbeit im 9-3, allerdings mit einer auf 255 PS begrenzten Leistungsspitze. Dank Allradtechnik kann nun deutlich mehr vom spritzigen Turbosaft auf die Straße gebracht werden.

Vierte Haldex-Generation

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDKern der neuen XWD-Allradtechnik ist eine hydraulische Lamellenkupplung von Haldex. Es handelt sich um eine völlig neue, vierte Generation, die im Kern wie alle bisherigen Haldex-Kupplungen arbeitet: Durch Öffnen und Schließen variiert sie die Kraft, die an die Hinterräder geleitet wird. Neu, und ein beeindruckender Forschritt, ist die Vorabaktivierung. Während bisherige Haldex-Systeme die Kraft erst nach hinten leiten, wenn die Vorderräder durchdrehen, stehen beim Saab XWD vom Start weg bis zu 65 Prozent des Drehmoments am Heck zur Verfügung. Selbst kurzweiliger Schlupf an den Vorderrädern bleibt aus.

Hat der Saab XWD Fahrt aufgenommen, wird wieder mehr Kraft nach vorne geleitet. Im normalen Teillastbereich auf der Autobahn gelangen maximal noch zehn Prozent an die Hinterachse. Der Allradantrieb ist selbstverständlich mit den elektronischen Regelsystemen ABS und ESP vernetzt. Sensoren registrieren alle fahrdynamisch relevanten Informationen (Geschwindigkeit, Gierrate) und sorgen je nach Fahrsituation für die optimale Kraftverteilung zwischen den Achsen. So werden zum Beispiel beim Beschleunigen aus einer Kurve wiederum fast 100 Prozent an die Hinterräder gegeben.

Keine Droge

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDIm Saab 9-3 kommt also ein hochmoderner Allradantrieb zum Einsatz. Doch es gibt noch einen besonderen technischen Höhepunkt namens eLSD (electronically-controlled Limited Slip Differential). Statt einer synthetischen Droge verbirgt sich hinter diesem Kürzel ein elektronisches Sperrdifferenzial für die Hinterachse. Die Besonderheit: eLSD ermöglicht eine variable Momentenverteilung auch zwischen den Rädern einer Achse. So wird bei Bedarf an das kurvenäußere Rad mehr Kraft als an das kurveninnere geleitet. Bei schnellen Kurvenfahrten oder Richtungswechseln sorgt dies für mehr Fahrstabilität. Das Heck folgt ruhiger der Richtungsvorgabe der Vorderräder und verbessert so die Handling-Eigenschaften.

Ein ähnliches System gibt es übrigens bereits im aktuellen Honda Legend. Allerdings werden hier Drehzahlunterschiede allein durch Bremseingriffe weggeregelt. eLSD geht einen Schritt weiter und ermöglicht sogar die aktive Verteilung des Drehmoments. Die auf einer Seite abgezweigte Kraft wird zur anderen weitergeleitet, jedoch nicht durch Bremsen vernichtet.

Praxiseindruck

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDSoweit die Theorie. Doch wie verhält sich die Technik auf Eis? Bei Brems- und Ausweichmanövern gibt sich der Saab 9-3 XWD tadellos beherrschbar. ABS und ESP unterstützen den Fahrer unter diesen schwierigen Bedingungen. Selbstredend können diese Systeme ein gelegentliches Ausbrechen nicht verhindern. Irgendwann können auch Autos mit Allradunterstützung und intelligenten Regelsystemen auf Eis außer Kontrolle geraten. Dank Allradantrieb liegt die Grenze bis zum Ausbrechen deutlich höher als bei Fahrzeugen mit nur einer angetriebenen Achse.

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDGlücklicherweise bietet ein gefrorener See riesige Auslaufflächen und bei Testfahrten die Möglichkeit, sich ohne Reue an diese Grenzen heran- und auch darüber hinaus zu tasten. Doch bis dahin ist bereits das Dynamikpotenzial des einfachen XWD-Systems groß. Schlupf wird stets weggeregelt, Kurven lassen sich schnell und sicher durchfahren. Den größten Spaß bereitet allerdings die große Kreisfahrt. Auf einem 500-Meter-Kreisel lässt sich der Allrad-Saab dank seines tolerant ausgelegten ESPs mit etwas Übung im Dauerheckdrift durchfahren. Es ist allerdings ein kleiner Grat zwischen dem Ausbrechen des Fahrzeugs und dem kontrollierten Drift mit gierendem Hinterteil. Droht der Wagen auszubrechen, drosselt ESP das Tempo. Ein Quäntchen besser kann übrigens der 9-3 Turbo X mit eLSD schnelle Kurvenfahrten unterstützen. Für den unbedarften Fahrer ist dies allerdings kaum spürbar. Sicherheit und ESP-Toleranz erhöhen sich mit eLSD. Doch im normalen Straßenverkehr wird dieses Potenzial wohl nur selten ausgefahren.

Kiruna liegt in der Provinz Norrbottens län (ehemals Lappland). Umgeben von Bergen, Wald und Seen, gehört Kiruna zu den wohl entlegensten Städten der Welt. Die übrigens nur knapp über 100 Jahre junge Siedlung Kiruna wuchs dank der Erzberge Kiirunavaara und Luossavaara zur Stadt. Ihr Gestein mit 60 bis 70 Prozent Eisengehalt musste den wachsenden Stahlhunger der Welt stillen. Um das Erz im großen Stil abzubauen, wurden viele Bergarbeiter nach Kiruna gelockt und für diese Menschen eine Stadt gegründet. In dem modernen Industriemoloch leben heute über 18.000 Menschen. Gut ausgebaute Straßen, ein Flugplatz und eine Eisenbahn zu den Häfen Lulea und Narvik verbinden Kiruna mit der Welt.

Über Kirunas Zukunft ziehen jedoch düstere Wolken auf. Mittlerweile muss das Eisenerz in sehr weiter Tiefe abgebaut werden, was die Kosten enorm in die Höhe treibt. Doch den stark steigenden Rohstoffpreisen sei dank, könnte sich dieser Aufwand wohl noch einige Zeit rentieren. Der ungehemmte Erz-Abbau hat für Kiruna allerdings dramatische Folgen: Der Fels, auf dem die Stadt steht, ist durch den Bergbau in Bewegung geraten. Bereits erste Häuser sind von dem Absacken betroffen. Kiruna soll deshalb nach jüngsten Plänen umgesiedelt, beziehungsweise an anderer Stelle neu aufgebaut werden.

In die Erzmine von Kiruna kann bequem ein großer Reisebus einfahren. Insgesamt verzweigt sich in alle Richtungen ein über 600 Kilometer langes System von Schächten bis in über 1.000 Meter Tiefe. Auf breiten, spärlich beleuchteten Straßen fährt man gut zehn Minuten in den Berg ein, um dann 500 Meter unter der Erde am großzügig angelegten Besucherzentrum anzukommen. Dort präsentiert die Betreibergesellschaft LKAB, wie man in Kiruna Erz abbaut. Zusätzlich bietet das Besucherzentrum noch ein Café und ein historisches Museum. Praktisch: Obwohl man sich tief im Berg befindet, hat man dort tadellosen Handyempfang.

Der bereits stark automatisierte Abbau fördert täglich gigantische Mengen Erz an die Oberfläche. An Ort und Stelle wird das Erz zu Eisenpellets verarbeitet und so auf Schienen zu den Häfen Narvik und Lulea abtransportiert. Übrigens: Keine Eisenbahnlinie der Welt liegt nördlicher und verfügt über stärkere E-Lokomotiven.

Die Geschichte der Bahnlinie bietet noch eine Anekdote: Die Teilstrecke von Kiruna zum norwegischen Narvik wurde Anfang des 20. Jahrhunderts fertig gestellt. Aus strategischen Gründen verlangte die damalige norwegische Regierung eine große Brücke, für die es keinerlei topographische Notwendigkeit gab. In Norwegen gab es Befürchtungen, die Russen könnten bei einer Invasion über diese Ostwest-Eisenbahnstrecke schneller und leichter nach Norwegen einmarschieren. Eine sprengbare Brücke sollte diesen Zuweg im Kriegsfall blockieren. Ironie der Geschichte: Die Russen kamen nie, dafür marschierten im zweiten Weltkrieg die Deutschen überraschend schnell in Norwegen ein. Auf ihrem Rückzug nach Osten gelang es den Verteidigern nicht mehr rechtzeitig vor den Deutschen, die Brücke zu sprengen. Das Dynamit war eingefroren.

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDIn Jukkasjärvi befindet sich das erste und somit auch älteste Eishotel der Welt. Mittlerweile gibt es ähnliche Anlagen auch in Norwegen, Finnland, USA und Kanada. Zunächst wurde vor fast 20 Jahren in Jukkasjärvi für eine Ausstellung von Eisskulpturen ein Iglu gebaut. Einige Besucher der Schau blieben in der primitiven Schneehütte sogar über Nacht, die Idee zum Hotel war geboren. In den folgenden Jahren wurde das Eishotel sukzessive erweitert und um einige feste Gebäude ergänzt. Neben den obligatorischen Kunstinstallationen aus Eis zählen heute auch eine Eisbar und eine Eiskirche zu den besonderen Attraktionen. Das jedes Jahr ab Oktober neu aufgebaute Eishotel bietet in der Saison 2008 stolze 60 Übernachtungsräume. 14.000 Gäste haben 2006/2007 zwischen Dezember und Mitte April eine Nacht dort verbracht.

Eine Übernachtung im Eishotel stellt übrigens keine große Herausforderung dar. Selbst wenn draußen das Thermometer auf unter minus 30 Grad sinkt, bleibt im Hotel die Temperatur konstant bei -5 Grad. Das ist zwar durchaus kühl. Doch vor dem Schlafen zieht man sich bequem in beheizten Räumen um und geht dann in langer Unterwäsche zusammen mit seinem vorgewärmten Schlafsack auf sein Zimmer. Dort heißt es: Raus aus den Stiefeln und rein ins kuschelige Bettzeug. Die Nacht verbringt man auf einem echten Bett mit bequemer Matratze und großem Kopfkissen. Trotz der Frische spürt man die Kälte höchstens im Gesicht. Dafür schläft man dank der schallschluckenden Eiswände auch besonders ruhig. Toiletten, Duschen, Rezeption befinden sich übrigens in einem modernen und beheizten Gebäudetrakt. Hier muss man auf keinen Komfort verzichten. Von einem herausfordernden Abenteuer kann also kaum die Rede sein. Doch hat eine Nacht im Eishotel fraglos ihren ganz besonderen Reiz. Vor allem die eisig-kühlen Räume, viele kunstvolle Eisskulpturen und effektvolle Lichtinstallationen sorgen für eine einzigartige Atmosphäre. Eindrucksvoll sind übrigens auch die Preise: 240 bis 400 Euro kostet ein kaltes Zimmer pro Nacht.

Preisansage

Das Allradsystem XWD wird Saab zunächst nur für den 9-3 Aero anbieten. Dieser kostet mit Vierradantrieb und Sechgsgang-Schaltgetriebe als Limousine 42.800 und als Combi 44.400 Euro. Für eine Sechsgang-Automatik verlangt Saab 2.200 Euro Aufpreis. Der Einstiegspreis von 42.800 Euro in die 9-3-Allradwelt ist zwar über dem Niveau der deutschen Mitbewerber: Ein Audi A4 3.2 FSI Quattro kostet 40.000 Euro, ein BMW 330xi 41.600 Euro. Will man allerdings einen 330xi oder A4 3.2 FSI Quattro mit der gleichen Ausstattung wie den 9-3 bestellen, ist der Saab das günstigere Angebot.

Galerie: Grenzbereich Saab 9-3 Aero XWDDas eLSD ist für den auf 2.000 Fahrzeuge limitierten 9-3 Turbo X bereits serienmäßig an Bord. Das betont sportlich ausgelegte Sondermodell gefällt mit schicken 19-Zoll-Alus, härterem Fahrwerk und schwarzer Lackierung. Allerdings kostet die sehr umfangreich ausgestattete Limousine dann 46.300 Euro und der Combi 47.900 Euro. eLSD soll später auch für alle 9-3 XWD optional bestellbar sein.

Fazit

Der Allradantrieb XWD bringt die Marke Saab ein deutliches Stück nach vorn. Durch zwei Innovationen hebt sich das System von denen der Mitbewerber ab: Zum einen bietet es bereits beim Anfahren maximale Traktion und verhindert selbst kurzweiliges Durchdrehen der Vorderräder. Zum anderen kann das elektronische Sperrdifferenzial eLSD an der Hinterachse durch seine intelligente Kraftverteilung zwischen den Rädern für mehr Stabilität in schnellen Kurven sorgen. Den 9-3 XWD bietet Saab zwar zu selbstbewussten Premium-Preisen an, die ausstattungsbereinigt allerdings leicht unter dem Niveau vom BMW 3er und Audi A4 liegen.

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