Elektromobilität-Special
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Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster Sport

Grenzbereich: Tesla Roadster Sport

E-lise

30.05.2012

Gut einhundert Jahre ist es her, dass Nikola Tesla die Entwicklung von Elektrofahrzeugen ein großes Stück voran brachte; bis der Verbrennungsmotor die Überhand gewann. Heute schreibt ein nach ihm benannter Autobauer aus Kalifornien die Erfolgsgeschichte des Physikers aus dem Kaisertum Österreich fort. Kurz bevor der Roadster die Bühne für das kommende Model S räumen muss, waren wir noch einmal mit der elektrifizierten Lotus Elise unterwegs.

Fünf Pioniere taten sich 2003 mit dem Ziel zusammen, die Vielfalt und Anzahl an verfügbaren Elektrofahrzeugen deutlich zu steigern und gründeten Tesla Motors; unter ihnen Elon Musk, der mit seinen Unternehmen SpaceX auch private Flüge ins All anbietet und derzeit die internationale Raumstation ISS versorgt. Zwei Jahre später begann die Kooperation mit Lotus, die auf Basis des offenen Sportwagens Elise das Gehäuse des Tesla Roadsters in ihrem Werk im britischen Hethel produzierten – die Ähnlichkeiten, von der unübersichtlichen Karosserie bis hin zum flatterigen Stoffdach, sind nicht zu übersehen.

Bühne frei für das Model S

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportRund zweieinhalbtausend Roadster hat Tesla seit dem Produktionsstart im März 2008 produziert und zu einem Preis jenseits der 100.000 US-Dollar verkauft; im September 2011 wurde die Fertigung eingestellt. Das war von Anfang an so geplant, schließlich sollte der Roadster als Pionier den Weg ebnen für das Model S, das dieser Tage in Amerika und Anfang 2013 in Europa auf den Markt kommt.

Und Tesla hat viel gelernt: Für die 5+2-sitzige Limousine verzichten sie auf die Schützenhilfe anderer Autobauer. Im kalifornischen Fremont haben sie das Werk Nummi von Toyota übernommen, geplant ist dort, mehr als 20.000 Model S zu produzieren. Zigtausend sind zum Preis von nur noch gut 50.000 Euro bereits vorbestellt. Der Plan der Firmengründer scheint aufzugehen.

Leuchtfarbe empfehlenswert

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportDoch noch ist die Roadster-Ära nicht ganz zu Ende, wer den Sommer elektrisch genießen will, sollte allerdings kurz entschlossen sein. Nur noch ein paar Dutzend der elektrifizierten Elise hat Tesla auf Lager. Ein wenig Abenteuerlust sollte man allerdings mitbringen, denn die E-Lise verlangt Kompromissbereitschaft. Weniger wegen des Elektroantriebs denn ob der flachen, niedrigen Lotus-Karosserie, die man idealerweise gelb, auf jeden Fall aber auffällig lackiert ordert – das mindert die Gefahr, von aus Tesla-Perspektive wie Riesen wirkenden Seat Ibizas im Straßenverkehr übersehen zu werden.

Zwei Erwachsene sitzen in den engen Schalen zwar ganz gut, der Ein- und Ausstieg ist aber weder elegant möglich noch für Rückengeschädigte empfehlenswert. Und Stauraum gibt es auch nicht viel: Ablagen sind Mangelware – wo man doch gerade bei einem Roadster ab und zu die Sonnenbrille verstauen muss – und in den Kofferraum passen hinter Akku und Leistungselektronik gerade mal zwei nicht allzu große Taschen und das Ladekabel sowie das im Handumdrehen zusammengerollte Stoffdach.

7.000 Laptop-Akkus

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportDer mit Wasser und Glykol gekühlte Batterieblock aus 6.831 Lithium-Ionen-Laptopakkus hat eine Kapazität von 56 Kilowattstunden und eine erwartete Lebensdauer von sieben Jahren; bei Bedarf kann er getauscht werden. Hinter den Sitzen nimmt er allerdings nicht nur reichlich Platz ein, sondern stellt mit gut 400 Kilogramm fast ein Drittel des Gesamtgewichts des Roadsters.

Der großdimensionierte Akku ist der Schlüssel zur großen Reichweite, die der Tesla erzielt: Bis zu 340 Kilometer kommt der Roadster im Idealfall, praxiserprobt sind Distanzen von bis zu 280 Kilometer – ohne Verzicht auf Radio oder Klimaanlage. Damit lässt der Tesla derzeit alle anderen batterielektrischen Autos liegen.

Schneller als ein Porsche

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportLiegen, oder besser stehen, lässt der Tesla auch so manchen konventionellen Sportwagen an der Ampel. 3,7 Sekunden braucht der mit 400 Newtonmeter gesegnete Roadster Sport für den Standardsprint, die normale Version erreicht mit 370 Newtonmeter nach 3,9 Sekunden Tempo 100. Ein Porsche 911 Carrera S braucht 4,3 Sekunden; ein BMW M5 4,4.

Während die Beschleunigungsorgie bei den Benzin-Boliden aber lautstark vonstattengeht, surrt der gut gedämmte E-Motor an der Hinterachse des Tesla nur leise vor sich hin. Spätestens jenseits der Stadtmauern weicht der Straßenbahn-Sound den Abroll- und Windgeräuschen. Und dem Knarzen, das in jeder Kurve und bei jeder hart durchschlagenden Unebenheit im Asphalt aus dem Cockpit kommt.

Lust an leiser Leistung

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportDem Fahrspaß tun weder das gelegentliche Quietschen des Plastiks, noch die etwas wackelige Mittelkonsole, auf der neben einem umfangreichen Bordcomputer die beleuchteten Wahltasten für die Eingang-Automatik sind, Abbruch; zu groß ist schon nach wenigen Metern die Lust an der leisen Leistung, als dass man sich über solche Kleinigkeiten aufregen könnte.

Wieselflink lässt sich der satt auf der Straße liegende Roadster mit größter Präzision - ohne Servolenkung - um die Kurve dirigieren. Das Drehmoment liegt, wie bei jedem Elektromotor, ab der ersten Umdrehung an den Hinterrädern an, beim Tritt aufs Strompedal geht aber nur so viel Kraft an die Achse, wie die Pneus auf die Straße bringen können. Linear zieht der Tesla an, ohne Anfahrschwäche drückt es die Passagiere kräftig in die Sitze und den Roadster nach vorne. Die gut 225 Kilowatt des 375-Volt-Drehstrom-Motors sind für 200 km/h problemlos gut. Danach wird abgeregelt, um Getriebe und Akku zu schonen, und zum Wohle der Reichweite.

Laden dauert

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportAuf unserer 200 Kilometer langen Ausfahrt zapfte der Roadster knapp 35 Kilowattstunden aus der Batterie, pro Kilometer haben wir also 170 Wattstunden verfahren. Beim Abstellen des Motors blieben rund 100 Kilometer Restreichweite. Ist der Akku leer, dauert es aber eine Weile, bis die Reise weitergehen kann. An einer haushaltsüblichen Steckdose kann der Tesla zwar geladen werden, doch müssen für einmal volltanken 15 bis 20 Stunden eingeplant werden. Deutlich schneller geht es mit dem 70 Ampere starken Tesla Home Connector: Er befüllt die Akkus in nur dreieinhalb Stunden; mit 400-Volt-Drehstrom geht‘s sogar in 90 Minuten.

Wer mit dem Tesla weiter als 300 Kilometer weg fahren will, sollte seine Route vorher entsprechend gut planen, um unterwegs auch geeignete Zapfsäulen zu finden. Unterstützung bei der Wegfindung bietet unter anderem eRouting.net, ein Reiseplaner für Elektrofahrzeuge, der – wie könnte es anders sein – von einem Tesla-Fahrer ins Leben gerufen wurde.

Starke Verzögerung

Galerie: Grenzbereich Tesla Roadster SportWie andere Elektroautos versorgt sich der Tesla nicht nur aus der Steckdose, sondern auch beim Bremsen mit Energie. Geht man vom Fahrpedal, arbeitet der Motor als Generator und erzeugt Strom, den er in den Akku einspeist. Dabei verzögert der Roadster so stark, dass im Stadtverkehr die mechanische Bremse kaum von Nöten ist; mit etwas Übung lässt sich die E-Lise mit nur einem Pedal steuern. Die Bremse selbst braucht‘s nur an der Ampel, damit der Wagen nicht wegrollt; wie eine herkömmliche Automatik schiebt auch der Tesla fortwährend nach vorn. Beim kräftigen Verzögern auf der Autobahn oder Landstraße wünscht man sich allerdings stärker zupackende Stopper.

Dass die Bremsen relativ wenig belastet werden, macht sich auch bei der Inspektion bezahlt; nur selten müssen sie getauscht werden. Überhaupt ist der Tesla-Kundendienst, der auch vor Ort in der Garage durchgeführt werden kann, eine saubere Sache. Ölverschmierte Mechaniker-Hände gibt es nicht mehr, viel mehr geht es darum, die Hochvolt-Technik auf ihre Funktion zu prüfen.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Mit dem Tesla Roadster geht ein Pionier der Elektromobilität in Rente. Er war das erste E-Auto, dass in größerer Stückzahl gefertigt wurde und setzt mit seiner Reichweite von rund 300 Kilometern heute noch Maßstäbe bei den Batteriautos. Hinzu kommt die beeindruckende Leistung des Motors, die jeden Porsche alt aussehen lässt und für reichlich Fahrspaß sorgt. Dass der Roadster nur wenig Komfort, kaum Alltatgsnutzen und eine nur mittelmäßige Verarbeitung bietet, ist zweitrangig.

Vor allem macht der Roadster Lust auf mehr; die erste Inaugescheinnahme des Model S steigert die Vorfreude auf die Limousine, die ab Anfang 2013 in Europa erhältlich sein wird. Wie schnell die Entwicklung voran schreitet, zeigt sich allein beim Preis: Kostet der Roadster noch gut 100.000 Euro, wird es das Model S schon zum halben Preis geben. Und der SUV-Bruder Model X ist auch schon in Planung.
 
 

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