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Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-Erdgas

Grenzbereich: VW Scirocco R-Cup Bio-Erdgas

Straßenverbot – leider

03.08.2010

Vollgas mit 275 PS – und das grüne Gewissen fährt dennoch mit. Im Scirocco R-Cup macht Heizen gleich in mehrfacher Weise Spaß. Denn der Rennwagen-Motor emittiert 80 Prozent weniger CO2 als seine zivilen Brüder. Bio-Erdgas macht’s möglich. Wir hatten in Oschersleben das Vergnügen, Vollgas im wahrsten Sinne des Wortes zu fahren.

Track-Test nennt VW die Veranstaltung neudeutsch. In echtem Deutsch bedeutet das: Fahre was das Zeug – in diesem Fall der Scirocco R-Cup – hergibt, ohne Rücksicht auf Verluste. Das Angebot steht, wir sind dabei.

Seit 2010 am Start

Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-ErdgasVor dem Fahren wird jedoch noch ein wenig zu Volkswagens aktuellster Rennserie, dem Scirocco R-Cup, dem Fahrzeug selbst und zur Strecke erzählt. Der VW Scirocco R-Cup ist ein seit April 2010 gefahrener Markenpokal und tritt die Nachfolge des Polo Cup an. Damit jedoch nicht genug. Der schon serienmäßig recht flinke Scirocco R wird an die Bedürfnisse des Rennsports angepasst. Zuerst einmal kommen gewichtige Teile wie Verkleidungen, Seriensitze, Klimaanlage und andere Kleinigkeiten raus. Dafür kommt ein Überrollkäfig, eine Löschanlage, ein Rennschalensitz samt Sechs-Punkt-Gurt, einstellbare ZF-Dämpfer und HR-Stabis, 362-Millimeter-AP-Racing-Bremsen vorne, Slicks rundherum und ein Erdgas-Tank hinten rein.

Bio-Erdgas

Richtig gelesen. Erdgas, genauer Bio-Erdgas ist die Energiequelle der rund 25 Fahrzeuge, die regelmäßig im Rahmen der DTM und des Seat Leon Supercopa im Renneinsatz sind. Anstelle der schweren Rückbank macht sich hinter einem speziellen Überrollkäfig der aus einem Verbundwerkstoff gefertigte Erdgastank breit. 22 Kilogramm Bio-Erdgas fasst er, was einem Äquivalent von etwa 35 Liter Benzin entspricht und für die Renndistanz von jeweils rund 50 Kilometern vollkommen ausreicht.

Sauberste Rennserie

Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-ErdgasBio-Erdgas ist übrigens das bessere Erdgas, wird es doch aus organischen Abfällen, Gülle und Mähmaschinen-Resten hergestellt. Damit ist Bio-Erdgas zu 100 Prozent regenerativ und somit klimaneutral. Volkswagen Motorsport wirbt daher, die umweltfreundlichste Rennserie der Welt auszutragen – für Verbrennungsmotoren, versteht sich.

Theoretisch handelt es sich um eine CO2-Reduzierung von 100 Prozent, da der Sprit „nachwächst“. Rechnet man jedoch die Verarbeitung vom Mist zum Gas und den Transport hinzu, ergeben sich noch immer eine etwa 80prozentige Minderung der Emissionen im Vergleich zum Benzin-Modell. Herkömmliches Erdgas verringert den CO2-Ausstoß übrigens um etwa 25 Prozent, auch bei Alltags-Autos. Nachteil Bio-Erdgas: Für ihn gibt es bislang nicht einmal eine Handvoll Tankstellen in Deutschland. So werden auch unsere Scirocco R-Cup-Fahrzeuge direkt vom Tanklastzug aus mit Bio-Erdgas betankt.

Mehrleistung auf Knopfdruck

Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-ErdgasDie Leistung des aufgeladenen Zwei-Liter-Vier-Zylinders beträgt im Normalfall 225 PS, also rund 40 PS weniger als das Serienfahrzeug bietet. Dafür besitzt der R-Cup eine Besonderheit, die im Rennsport einmalig ist: Push-to-Pass (drücke zum Überholen) nennt sich die Funktion, die mittels roten Knopfs auf der rechten Lenkradspeiche eingeleitet wird. Drückt der Fahrer diese Taste, stehen ihm unmittelbar 50 PS Zusatzleistung (Ladedruckanhebung) zur Verfügung, die vor allem für Überholmanöver genutzt wird.

Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-ErdgasAllerdings sind die 275 PS für lediglich etwa zehn Sekunden und nur in begrenzter Anzahl vorhanden, zudem dauert das „Nachladen“ rund 40 Sekunden. Über eine Digitalanzeige an allen Fahrzeugseiten werden sowohl Zuschauer als auch Kontrahenten über den Einsatz der Zusatzleistung informiert. Ist das Pulver verschossen, müssen die 225 PS ausreichen, um den Rest des Rennens zu absolvieren. Daher ist Taktik oft ausschlaggebend über Sieg und Niederlage.

Volkswagen Motorsport hat diese interessante Funktion integriert, um das Rennen spannender zu machen. Und in der Tat sind die Überholmanöver im Scirocco R-Cup häufiger anzutreffen als in anderen Markenpokalen. Wie oft und wie lange die Zusatzleistung abrufbar ist, wird je nach Streckenverlauf neu entschieden.

Wahre Legenden mit dabei

Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-ErdgasBesonders ist auch das Fahrer-Reglement des R-Cups. Erstmals fahren „Fahranfänger“ – der jüngste Teilnehmer ist Jahrgang 1992 – gegen alte Hasen. Fünf Starter pro Rennen gehören zu den sogenannten Legenden, die einerseits als Publikumsmagnet agieren, andererseits den jungen Fahrern Ansporn geben sollen. Dabei handelt es sich um Rennfahrergrößen wie Hans-Joachim Stuck, Carlos Sainz, Derek Bell und beispielsweise Jaques Laffite. Volkswagen Motorsport versucht, pro Rennen stets fünf Fahrer aus identischen Rennserien der Vergangenheit an den Start zu bekommen, was erstaunlich oft klappt. Und der Ehrgeiz der Alten steht denen der Jungspunde in nichts nach. Dennoch erreichte bislang kein Altmeister das oberste Treppchen.

Vom 17. bis 19. September 2010 gastiert der Rennzirkus in der Motorsportarena Oschersleben. Die Strecke liegt im Niemandsland zwischen Magdeburg, Quedlinburg, Wolfsburg und Braunschweig und besitzt 14 Kurven, verteilt auf 3,7 Kilometer Strecke.

Hier dürfen sich nun ein Dutzend Journalisten austoben und den Scirocco R-Cup auf Herz und Nieren im Renntempo bewegen. Nach einer kurzen theoretischen Einweisung nehmen wir in den Rennschalensitzen Platz. Trotz des Serien-Airbag-Lenkrades und der bekannten Armaturen kommt sofort Renngefühl auf.

Der Vier-Zylinder brabbelt

Galerie: Grenzbereich VW Scirocco R-Cup Bio-ErdgasDer Vier-Zylinder brabbelt im Stand unruhig vor sich hin. Der serienmäßige DSG-Wählhebel wird auf D gezogen und rüber in die manuelle Schaltgasse bewegt. Ab jetzt sind die Schaltwippen am Lenkrad angesagt. Das 6-Gang-DSG entspricht mechanisch komplett den Serienbauteilen, lediglich die Schaltzeiten wurden verkürzt. Beides gelingt, da ohne zusätzlichen Turbo-Boost „nur“ 275 Newtonmeter Drehmoment über die Kupplungsscheiben herfallen. Im Serien-R sind’s 350.

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Aus der Boxengasse raus geht es aber auch mit den 275 Newtonmeter direkt zur Sache. Die Slicks kleben am Asphalt, die Lenkung ist extrem spitz und folgt den kleinsten Bewegungen. Der Lärm im Inneren ist zwar nicht ohrenbetäubend, laut aber dennoch. Gewöhnungsbedürftig ist der nutzbare Drehzahlbereich. Bei 7.000 ist Schluss, und ab 6.300 Touren lohnt das Weiterdrehen nicht – ungewohnt für einen Rennwagen.

Beim Fahren merkt man übrigens nichts vom nachwachsenden Kraftstoff, der hinter dem Fahrer in dem großen Tank schlummert. Ein Riesen-Manko hat der Scirocco R-Cup aber doch: Schade, dass es den Erdgas-Renner nicht für die Straße gibt. Auf die zwei hinteren Sitze würden einige Kunden bestimmt gerne verzichten, auf das grüne Gewissen beim Gasgeben indes nicht.

 
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