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Artikel veröffentlicht am: 11.03.2009

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Erster Test: Suzuki Alto

Kleine Zeit

Kleinwagen erleben derzeit Hochkonjunktur. Dank der staatlichen Umweltprämie konnte Suzuki in den letzten beiden Monaten den Absatz des Swift um 77 Prozent steigern und seinen Marktanteil in Deutschland von 1,2 auf über zwei Prozent anheben. Mit dem neuen Alto bringen die Japaner ab April einen weiteren Kandidaten im Kleinwagensegment ins Rennen.

Ob der neue Alto noch vom Abwrackprämien-Boom profitieren kann, ist ungewiss. Schließlich ist der Etat der Bundesregierung für verschrottete Autos schon größtenteils aufgebraucht und der Suzuki kommt erst im April auf den Markt. Doch Umweltprämie hin oder her, bei der deutschen Suzuki-Pressestelle ist man sich sicher: „Wir bekommen in diesem Jahr noch 5.000 Altos und die werden wir auch verkaufen!“, so Sprecher Axel Seegers.

Himbeer-Metallic

Die Voraussetzungen, dieses hehre Ziel zu erfüllen, bringt der jetzt in Rom vorgestellte Alto auf jeden Fall mit - sieht man von der Kommunikationsfarbe einmal ab. Das grelle Himbeer-Metallic macht den 3,50 Meter langen Cityflitzer vielleicht zum Hingucker, sicher aber nicht zum Kassenschlager.  Bei insgesamt zehn Lackfarben (davon vier komplett neue) sind aber auch verkaufsförderndere Alternativen im Programm.

Einen ersten Ausblick auf den Alto gab 2008 die in Neu-Delhi gezeigte Studie A-Star. Von dem Concept Car haben der üppige Kühlergrill und die wuchtigen Scheinwerfer sowie die nach hinten ansteigende Fenstergrafik den Sprung in die Serienversion geschafft. Der Rest musste sich vor allem aerodynamischen Zwängen fügen (Cw-Wert 0,30). Zwölfeinhalb Zentimeter mehr Breite und ein geringer Höhenzuwachs gegenüber dem 2005 ausgelaufenen Vorgänger sollen dem Kleinen zudem mehr Selbstbewusstsein verleihen.

Zahlreiche Ablagen

Anders als die Karosseriebauer waren die Innenraumdesigner zuerst der Praktikabilität verpflichtet. Das Resultat: Zahlreiche Ablagen für Kleinkram jeglicher Größe  - bis hin zu einer DIN-A4-großen Tasche anstelle des Handschuhfachs. In Sachen Materialauswahl und Verarbeitungsqualität übertrifft der Alto einige seiner Mitbewerber. Das zweifarbige Hartplastik ist sicher nicht der Stoff, aus dem automobile Träume sind, wirkt aber weder häßlich noch billig und ist gut verarbeitet.

Das übersichtliche, aufgeräumte Cockpit wird nur von dem ausschließlich in der höchsten Ausstattungsvariante erhältlichen Drehzahlmesser gestört, der als Satellit links oberhalb des gut ablesbaren Tachos thront und an die früher an Tankstellen erhältlichen Zusatzinstrumente zum Selbsteinbau erinnert.    

In der ersten Reihe herrscht ein in alle Richtungen großzügiges Raumangebot. Größere Fahrer werden sich vor allem an den in die Vordersitze integrierten Kopfstützen stören, die sich nicht in der Höhe justieren lassen. Sie sollen dem Alto einen sportlichen Touch verleihen und so die von den japanischen Marketingstrategen avisierte Käuferschicht ansprechen: junge Frauen zwischen 18 und 29 Jahren.

Hohe Ladekante

Zwar geht man in Deutschland bezüglich des Geschlechts der Käufer mit den  Japaner d‘accord, doch zielt man hierzulande eher auf „im Geiste jung gebliebene über Vierzigjährige, die gesellschaftssuchend ist und aktiv am Vereinsleben teilnimmt“.  Nun gut, da mögen die Kinder wieder aus dem Haus sein und die beengten Platzverhältnisse im Fond des übrigens nur als Viersitzer ausgelegten Alto wenig stören. Nicht aber die mit 80 Zentimetern extrem hohe Ladekante des nur 129 Liter fassenden Kofferraums.

Zudem ist die Öffnung nicht gerade breit und schon um einen einzigen Wasserkasten einzuladen, muss die Hutablage entfernt werden. Immerhin: Die Lehne der Rückbank ist klappbar - in der höchsten Ausstattungslinie sogar in der Mitte geteilt - und erlaubt damit das Erweitern des Gepäckabteils auf 367 Liter.

Nur ein Liter

Nur einen Liter Hubraum hat der Motor, der auch schon im Splash seinen Dienst verrichtet. Der Dreizylinder-Benziner ist das einzige Aggregat, dass Suzuki für den Alto anbietet, und daran wird sich so schnell auch nichts ändern. In dem ihm zugeteilten Revier, dem Stadtverkehr, wird das 68 PS starke Triebwerk tadellos den an ihn gestellten Anforderungen gerecht.

Mit nur 90 Newtonmetern braucht man zwar keinen Kavalierstart wagen; um aber den nur eine Tonne schweren Alto ausreichend flott zu bewegen, reicht es aber allemal. Vorausgesetzt, man hält den Motor auf Drehzahlen, was angesichts des leichtgängigen Fünfgang-Getriebes nicht schwer fällt. Die optional erhältliche Vierstufen-Automatik dagegen dürfte dabei mehr Probleme machen.

Leisetreter

Wenngleich das Aggregat im Stadtverkehr nicht mit kernigem Sound punktet sondern eher den Klang eines Staubsaugers an den Tag legt, bleibt der Dreizylinder bei höherem Tempo - maximal läuft der Alto 155 km/h - erfreulich leise. Bei diesem Tempo wird es aber noch schwerer sein, die versprochenen 4,4 Liter Durchschnittsverbrauch zu erreichen, als es selbst bei sanfter Gangart schon sein wird.

Apropos Gangart: Von sanfter Tour kann beim Fahrwerk keine Rede sein, die Ingenieure haben den Alto recht straff abgestimmt. In Kombination mit der gut ansprechenden Lenkung sorgt das zwar für Präzision und Fahrstabilität, führt aber zusammen mit dem kurzen Radstand (2,36 Meter) dazu, dass der Straßenzustand wenig gefiltert an die Passagiere weitergegeben werden.

ESP nicht in der Basis

So simpel wie die Motorenauswahl gestaltet sich auch die Preispolitik: Für 8.900 Euro gibt es den Alto Basic, die beiden höheren Varianten kosten jeweils 1.000 Euro mehr.  Das Einstiegsmodell ist unter anderem mit elektrischen Fensterhebern vorn, höhenverstellbarem Lenkrad, Radiovorbereitung, Fahrer-, Beifahrer- und Seitenairbags sowie ABS bestückt. Lediglich um die 350 Euro teure Metallic-Lackierung lässt sich die Ausstattung erweitern.

Wer eine Klimaanlage, Vorhangairbags und vor allem das Stabilitätsprogramm ESP will, muss zum Club greifen und erkauft sich damit auch die Option auf das Automatikgetriebe (1.300 Euro). Beim Comfort kommen dann zusätzlich die geteilte Rücksitzlehne, ein höhenverstellbarer Fahrersitz, der Drehzahlmesser, ein MP3-fähiges CD-Radio mit sechs Lautsprechern und 14-Zoll-Alus statt Stahlräder dazu. Elektrisch verstellbare Innenspiegel sind dagegen in keiner Variante erhältlich.

Fazit

Der Trend zum Kleinwagen kommt dem Suzuki Alto gerade recht. Mit nur 3,50 Metern Länge und einem Wendekreis von gerade einmal neun Metern Länge ist der Japaner voll Großstadt-tauglich. Der Ein-Liter-Motor leistet gute Arbeit und soll sich beim Spritkonsum zurückhalten. Schon jetzt hat Suzuki eine Variante mit Start-Stopp-Automatik angekündigt, die aber wohl erst mit dem Facelift in einigen Jahren Einzug hält.