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Artikel veröffentlicht am: 13.06.2013

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Erster Test: Citroën C4 Picasso

Eine andere Welt

Es ist nur wenige Stunden her, dass mich der neue Citroën C4 Picasso in eine faszinierend andere Auto-Welt entführte. Wie sehr anders merke ich, als ich am Flughafen wieder in den ach so praxisgerechten Skoda-Octavia-Testwagen einsteige und damit auf dem harten Boden der Tatsachen aufschlage: Im Erfolgs-Tschechen herrscht sachliche Strenge und konventionelle Nüchternheit, welche mir nach zwei Tagen mit dem futuristischen Franzosen, der das Autofahren wieder zu einem besonderen Erlebnis macht, trostlos vorkommt.

Bereits optisch geht der C4 Picasso recht eigene Wege, erinnert zwar noch eindeutig an den Vorgänger, hat aber zugleich einen kräftigen Modernitätsschub verpasst bekommen. War der vorige C4 Picasso noch ein eher schwülstig geformtes Modell, gibt sich die Neuauflage strenger, konzentrierter. Auffällig ist dabei die kompaktere Karosserie, die jeweils um ein paar Zentimeter in Länge und Höhe schrumpfte, andererseits aber dank des gewachsenen Radstands einen geräumigeren Innenraum als bisher bietet.

Mini-Max-Prinzip

Dieser ist angesichts der nur 4,43 Meter Länge recht großzügig geschnitten: Vorne wie hinten ist die Beinfreiheit üppig, die Kopffreiheit allerdings nicht mehr ganz so gediegen wie einst. Toll im Fond: Die drei Einzelsitze sind jeweils in der Länge verschiebbar und im Fußraum stört kein Kardantunnel. Trotz der geringeren Außenmaße ist der Kofferraum des Kompakt-Vans leicht gewachsen und kann jetzt 537 bis 630 Liter Gepäck aufnehmen. Dank der dreiteilig umlegbaren Rückbanklehne kann der Laderaum auf 1.709 Liter wachsen, was 25 Liter weniger als beim Vorgänger sind.

Doch der C4 Picasso ist nicht nur praktisch, er bietet außerdem noch ein ganz eigenes, erfreulich hochwertiges, komfortables und eigenwillig schönes Flair. Zumindest, wenn man Exemplare in den gehobenen Ausstattungen Intensive und Exklusive mit vielen Extras fährt, bei denen die höchste Wohlfühl-Stufe gezündet wird und man sich angesichts mancher Details eigentlich in einem Fahrzeug höherer Segmente wähnt.

Digital total

Nebenbei bietet der fesche Franzosen-Van ab der Ausstattung Intensive dank zwei üppig dimensionierten Farbdisplays das ganz große Informations-Kino. Zentral im oberen Bereich des Armaturenbretts gibt es einen 12-Zoll-Bildschirm, der zunächst einmal alle fahrrelevanten Informationen anzeigt, sich aber auch individuell konfigurieren lässt, unter anderem mit selbst hochgeladenen Bildern. Am oberen Ende der Mittelkonsole befindet sich außerdem ein 7-Zoll-Touchscreen, der vor allem zur Bedienung von Audio- und Navisystem genutzt wird, über den sich aber auch Klimaautomatik, Telefon, die vielen Fahrhilfen oder das Internet-Anwendungsportal Multicity Connect steuern lassen. Hat man eine Online-Verbindung, kann man mit Hilfe von Apps Informationen zu Kraftstoffpreisen, Parkplätzen, Sehenswürdigkeiten oder das Wetter einholen.

Die Konzentration einer enormen Funktionstiefe allein über den berührungsempfindlichen Bildschirm ermöglicht eine besonders aufgeräumte Cockpit-Ästhetik, die zudem in einem beeindruckend eleganten Design inszeniert wurde. Und für Smartphone-Affine ist das Bedienkonzept außerdem noch fast sowas wie selbsterklärend. Darüber hinaus sorgen fesche Materialien und Oberflächen auf dem Armaturenbrett für ein sowohl feines als auch progressives Premium-Ambiente. Kombinieren lässt sich das außerdem mit einigen besonderen Luxuslösungen, wie dem großen Panorama-Glasdach, einem schicken Lederpaket mit Massagesitzen, oder dem Relax-Beifahrersitz, den man mit wenigen Handgriffen zu einer bequemen Liege umfunktionieren kann.

Gut bestückt

Nebenbei bietet der C4 Picasso noch viele den Alltag erleichternde Lösungen. Allein die 16 Staufächer und Ablagen bieten zusätzlich Platz für 40 Liter Kleinkram. Aux- und USB-Anschlüsse sowie wie eine optionale 230-Volt-Steckdose ermöglichen die einfache Anbindung von Multimedia-Geräten, eine herausnehmbare Taschenlampe, ein Kinderspiegel, eine elektrische Heckklappe und ein Parfumspender entlasten oder verschönern den Autoalltag. Ungewöhnlich für Franzosen: Es gibt sogar eine ausreichende Zahl an Getränkehaltern.

Neben luxuriösen und praktischen Lösungen ist der C4 Picasso außerdem noch ein mit vielen sicherheitsrelevanten Optionen bestückbares Familienauto. Mitlenkende Bi-Xenon-Scheinwerfer, ein Fernlichtassistent, ein Spurhalteassistent, ein Tot-Winkel-Assistent, ein Parklückendetektor mit teilselbstständiger Einparkfunktion, Parkpiepser, eine Rückfahrkamera und ein radarbasierter Tempomat mit Begrenzer-Funktion sind bestellbar. Zwar erreicht die Auswahl an Assistenten und Schutzengel-Funktionen nicht das Top-Niveau der neuen Mercedes S-Klasse, doch der C4 Picasso bietet ein insgesamt absolut zeitgemäßes Sicherheitskonzept.

Sparsamster im Segment

Ebenfalls zeitgemäß sind die vorläufig vier zur Wahl stehenden Motoren, die sich durch ein kultiviertes Laufverhalten und eine für diese Fahrzeugklasse bemerkenswert hohe Effizienz auszeichnen. Sparsamster in diesem Quartett ist der 1,6-Liter-Vierzylinder-Diesel e-HDi 90 in Kombination mit dem automatisierten Sechsgang-Schaltgetriebe ESG, der sich mit einem Normverbrauch von 3,8 Litern bescheidet. Nur zwei Zehntel mehr konsumiert der gleichgroße Diesel e-HDi 115, der mit mehr PS und seinen 270 Newtonmeter Drehmoment für befriedigenden Vortrieb sorgt und den 1,6-Tonner in immerhin 11,8 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100 wuppt und maximal 189 km/h schnell macht. Neben angemessenen Fahrleistungen zeichnet sich der HDi 115 außerdem durch eine angenehme Laufruhe aus. Sein Dieselnaturell nimmt man eigentlich erst dann wahr, wenn beim Ampelstopp das vorbildlich arbeitende Start-Stopp-System den Motor zur absoluten Stille verdammt.

Selbst im forcierten Fahrbetrieb kaum hörbar ist der turbogeladene 1,6-Liter-Benziner THP 155, der mit satten 156 PS und immerhin 240 Newtonmeter fast schon souveränen Vortrieb bietet. Glatt neun Sekunden und 209 km/h lauten hier die Werte des 1.535 Kilogramm schweren Fünfsitzers; der Verbrauch soll bei sechs Litern liegen. Ein theoretischer Wert, denn mit dem stärksten C4 Picasso kann man sogar so etwas wie Fahrspaß erleben und kletterte mein persönlicher Verbrauchswert auf kurvigen Straßen zwischen den portugiesischen Ortschaften Cascais und Sintra auf über neun Liter an.  

Zum Entspannen

Zwar lässt sich der C4 Picasso erfreulich agil durch Kurven scheuchen, ein Chefdynamiker wie der Ford C-Max ist er damit aber nicht. Angenehm gut kontrollierbar und mit erträglicher Schlagseite kann man Kurven flott durchpfeilen. Das ESP regelt nicht zu früh und zu heftig und die elektrohydraulische Lenkung gibt eine ordentliche Rückmeldung. Trotz dieser durchaus spaßorientierten Auslegung ist der Komfort weiterhin von klassisch französischer Art und schwingt der Unterbau vor allem lange Bodenwellen so herrlich entspannt aus. Lediglich bei groben Unebenheiten kann die Hinterachse unfein poltern und der Wagen dabei sogar leicht versetzen. Doch die meiste Zeit gleitet der kleine Van gelassen dahin. Hinzu kommt das niedrige Windgeräuschniveau, welches den entspannten Ritt im C4 Picasso zu einer fast kontemplativen Entspannungstherapie werden lässt.

Sehr moderate Kosten

Wenn man sich fragt, wie viel der Spaß kostet, wird man nicht gleich aus allen Träumen gerissen. Angesichts der vielen positiven Eigenschaften ist der Basispreis von 19.990 Euro erfreulich niedrig. Zumal es für diese Einstiegsversion den immerhin schon 120 PS starken Benziner gibt. Doch für die meisten Ausstattungsoptionen, die den Innenraum erst so beeindruckend wohnlich machen, muss man noch einiges draufzahlen. Gut motorisiert und gut ausgestattet werden mindestens 26.000 Euro fällig. Und wer die Topversion mit ein paar weiteren Nettigkeiten will, der kann den Preis sogar auf 35.000 Euro treiben. Teurer wird es aber auf keinen Fall.

Das klingt dann eigentlich nicht mehr nach Schnäppchen, doch im Vergleich zu einem VW Touran ist der Citroën C4 Picasso ein günstiges Angebot. Will man einen in etwa vergleichbar ausgestatteten und motorisierten Wolfsburg-Van, muss man rund 25 Prozent mehr hinblättern. Praktisch könnte der Preisvorteil sogar noch höher ausfallen, denn bei Citroën werden oft noch Riesenrabatte als zusätzliche Kaufanreize gewährt.

 
Fazit

Mario Hommen

Der neue C4 Picasso ist beeindruckend gut aufgestellt und sollte Citroën in Europa damit verlorenen Boden wieder gut machen können. Außenhaut und Innenraum wurden erfolgreich in die Neuzeit überführt und kann das Interieur trotz geschrumpfter Außenmaße mit einer vorbildlichen Raumökonomie, hoher Variabilität und einer Reihe von besonders reizvollen und verwöhnenden Details begeistern.

Dabei hat Citroën wieder einmal viel Mut bewiesen, der so manchem Gewächs des VW-Konzerns gut zu Gesicht stehen würde. Neben vielen fortschrittlichen Ideen und dem aufgeräumten Bedienkonzept sind es vor allem überraschend feine Luxuszutaten, die den Aufenthalt im C4 Picasso zu einer echten Wohltat werden lassen.

Auch technisch kann der C4 Picasso überzeugen. Seine Motoren sind kultiviert, ausreichend spritzig und im Segment-Vergleich derzeit am effizientesten, das Fahrwerk zudem ausgewogen. Auch bei den bei Autokunden derzeit so gefragten Multimedia- und Sicherheits-Features ist der Franzose auf der Höhe der Zeit. Und angesichts des Gebotenen darf man sich außerdem noch über eine vergleichsweise attraktive Preisgestaltung freuen.