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Artikel veröffentlicht am: 03.11.2017

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Gebrauchtwagen-Kaufberater: Renault Laguna

Französische Modellvielfalt

Der Renault Laguna ist Geschichte, der Modellnamen bei den Franzosen längst ausgemustert. Vielleicht auch, weil er bis zuletzt nicht den besten Klang hatte. Dabei macht die letzte Modellgeneration (2007 bis 2015) endlich einen ordentlichen Qualitätseindruck.

Ausländische Modelle haben es bei der deutschen Mittelklassen-Kundschaft traditionell schwer. Der Renault Laguna setzte in der Import-Nische nicht zuletzt auf Modellvielfalt, um die asiatische Konkurrenz auf Distanz zu halten. So gibt es den Laguna als 4,70 Meter lange Fließhecklimousine, als geräumigen 4,80-Meter-Kombi („Grandtour“) mit langem Radstand und als elegantes, formschönes Coupé – mit 4,64 Metern die kürzeste und unpraktischste Variante (auch wegen der kleinen Kofferraumklappe). Auf den beiden vorderen Sitzen geht es aber in allen Ausführungen großzügig zu. Das Cockpit wirkt aufgeräumt und modern, wenn auch nicht in allen Ausstattungslinien besonders hochwertig, was Materialauswahl und Verarbeitung angeht.

Vier Ausstattungslinien

Das Antriebsangebot für den Laguna ist über die Jahre gesehen umfangreich, zum Ende des Modelllebens aber zunehmend auf Dieselmotoren beschränkt. Ab 2013 gab es als einzigen Benziner einen 2,0-Liter-Sauger mit 103 kW/140 PS, die anderen Varianten sind sukzessive weggefallen. Darunter auch der dem Coupé vorbehaltene 3,5-Liter-V6-Sauger, der ordentliche Fahrleistungen bei vertretbarem Verbrauch bietet. Der Fokus liegt beim Laguna jedoch – renaulttypisch – auf dem Diesel. Den Einstieg bildet hier der aus zahlreichen Nissan- und Renault-Modellen bekannte 1,5-Liter-Motor mit 81 kW/110 PS, der es im stattlichen Marken-Flaggschiff allerdings relativ schwer hat. Souveräner läuft es mit den 2,0-Liter-Triebwerken im Leistungsband von 96 kW/130 PS bis 131 kW/178 PS. Top-Triebwerk ist ein 3,0-Liter-Diesel mit 173 kW/235 PS – seinerzeit in Sachen Durchzug eine Ausnahmeerscheinung nicht nur in dieser Klasse. Für die Limousine sind beide Sechszylinder übrigens nicht zu bekommen.

Bis zum Lifting 2011 spreizte Renault die Ausstattungslinien über vier Stufen; die Basisausführung „Expression“ war eher mau bestückt, Mittelklasse-Komfort gab es erst bei „Dynamique“ und „Initiale“. In der höchstens Stufe „GT“ bot Renault sogar eine Allradlenkung an, die durch aktives Mitlenken der Hinterachse das Handling auf der Landstraße verbessert und das Rangieren im Stadtverkehr erleichtert. Später änderten sich die Bezeichnungen, das frühere Basismodell fiel weg und schon die Grundausführung „Limited“ war komfortabel ausstaffiert. „Bose“ bot eine bessere Audioanlage, „GT“ blieb die Top-Variante. Beim Euro-NCAP-Crashtest erzielte der Franzose 2007 die Höchstwertung von fünf Sternen.

Dieselmotoren sind nicht besonders langlebig

Der Vorgänger hatte mit verheerend schlechter Qualität dem Modellnamen und der Marke geschadet, die Neuauflage wollte es 2007 besser machen. Offenbar nicht ganz erfolglos, schneidet der neuere Laguna im TÜV-Report doch deutlich besser ab. Richtig gut ist er dadurch aber noch nicht. Unter anderem wurden offenbar die Probleme an den Hinterachsgelenken scheinbar vererbt. Der Verschleiß ist auffällig hoch. Auch die übrigen Fahrwerkskomponenten sind anfällig. Zudem gelten die Dieselmotoren nicht als besonders langlebig; schon nach 100.000 Kilometern kann es zu ungewöhnlich hohem Verschleiß kommen.

Besser als der Vorgänger, aber immer noch nicht richtig gut. Wer einen gebrauchten Laguna kauft, sollte Budget für Reparaturen übrig haben. Im Gegenzug ist der große Franzose nicht allzu teuer (ab knapp 4.500 Euro). Ein besonderes Schnäppchen ist das Coupé – in dieser Fahrzeugklasse gibt es ansonsten fast nur teure Premiummodelle. Auf eine ausführliche und intensive Probefahrt sollte allerding bei keinem der Kandidaten verzichten. (Holger Holzer/SP-X)