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Artikel veröffentlicht am: 24.11.2017

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Erster Test: VW T-Roc

Wolfsburger Chic

VW zeigt seine emotionale Seite: Nach dem schicken Passat-Ableger Arteon (LINK ZUM ARTIKEL) rollt nun dieser Tage auch das neue Golf-SUV T-Roc mit einem erstaunlich auffälligen Blechkleid zu den Händlern. Bei der Technik setzen die Wolfsburger dagegen auf verlässliche Standards.

Jede Linie ohne Funktion ist überflüssig. Nach diesem Grundsatz hat VW-Designer Klaus Bischoff in den vergangenen Jahren mehr als nur ein Modell entworfen. Das Ergebnis: Gefällige Autos, die jeder irgendwie hübsch finden kann – die aber auch verwechselbar, ja vielleicht sogar ein wenig langweilig sind. Doch auch die Volkswagen-Kundschaft beweist  mittlerweile etwas mehr Mut zum Zierrat, und schon beim Arteon hat Bischoff gezeigt, dass die ein oder andere überflüssige Linie dem Blechkleid gut tun kann. Beim T-Roc ging VW noch einen Schritt weiter, und versprach nicht weniger als das emotionalste SUV der Marke.

Ein Versprechen, dass die Design-Abteilung eingehalten hat: Verglichen mit Polo, Golf und Co. ist der T-Roc regelrecht überbordend mit Deko-Schnörkeln geschmückt. Ein stattlich-breiter Kühlergrill ziert die Front, schicke Tagfahrlichter blicken forsch nach vorn, markante Radhäuser sowie auffällige Schweller und Schürzen deuten die Offroad-Gene an und als Krönung gibt’s auf Wunsch auch noch Zwei-Farb-Lack. Also jede Menge Zierrat für einen VW.

Keine Experimente unter dem Blech

Unter dem Blech dagegen wagen die Wolfsburger keine Experimente: Basis für den T-Roc ist der modulare Querbaukasten, auf dem schon mehrere Dutzend andere VW-, Skoda-, Audi- und Seat-Modelle aufbauen – und der inzwischen ziemlich ausgereift ist. Dementsprechend überrascht es nicht, dass sich der nur 4,23 Meter lange T-Roc richtig erwachsen fährt. Insbesondere Dynamiker dürften mit dem Hochsitz auf ihre Kosten kommen, denn für ein SUV ist der T-Roc ausgesprochen straff gefedert. Wohlgemerkt straff, nicht unbequem!

Wer ein wenig mit der Abstimmung spielen will, kann in der höchsten Ausstattung „Sport“ die adaptiven Dämpfer für gut 1.000 Euro dazu bestellen, und sich den T-Roc nach eigenem Gusto konfigurieren. Ein butterweicher Gleiter wird er aber auch im Komfort-Modus nicht und selbst in der gemütlichsten Einstellung lässt sich der VW bestimmt ums Eck treiben.

Drei Leistungsstufen

Mit wieviel Schwung man die Kurve nehmen kann, hängt freilich vom Antrieb ab: Vorerst hat Volkswagen sechs Motoren im Angebot – drei Benziner und drei Diesel mit identischen Leistungsstufen. Die beiden Basis-Modelle kommen auf 115 PS und fahren ausschließlich mit Frontantrieb und manuellem Sechsgang-Getriebe vor. In der mittleren Ausstattung (150 PS) haben die Kunden die Wahl, Allrad und das Siebengang-DSG gibt’s gegen Aufpreis. Beides ist serienmäßig bei den Top-Aggregaten an Bord, die aus jeweils zwei Litern Hubraum 190 PS schöpfen. Ob’s den Allrad wirklich braucht, ist Geschmackssache. Fakt ist, dass das zusätzliche Differenzial an der Hinterachse den Kofferraum von ordentlichen 445 auf nur mehr 392 Liter reduziert.

Zur unserer ersten Ausfahrt standen nur die beiden Spitzenmotoren bereit, die naturgemäß hervorragend zur eher sportlichen Abstimmung des T-Roc passen. Unser Favorit: Der Benziner. Zwar hat der Selbstzünder mit 400 Newtonmeter die Nase vorn, doch reichen die 320 Nm des Ottos allemal, um flott vom Fleck zu kommen und in knapp über sieben Sekunden auf Tempo 100 zu beschleunigen. Zwar ist er mit 216 km/h nicht unbedingt der schnellste auf der Straße, und mindestens 6,7 Liter Verbrauch sind auch keine überragende Leistung. In Summe aber wirkt der TSI um einiges harmonischer als der Diesel, und leiser arbeitet er außerdem. Warum vor allem der Selbstzünder akustisch recht präsent ist, zeigt ein Blick unter die Motorhaube, die ganz altmodisch mit Haltestab fixiert werden muss: Viel Dämmmaterial ist hier nicht verbaut.   

Guter Serienausstattung

An der Serienausstattung haben die Produktplaner dagegen nicht gespart: Schon der günstigste T-Roc für 20.390 Euro kommt neben Standard-Features wie elektrischen Fensterhebern, Radio oder elektrisch einstellbaren Außenspiegeln mit Klimaanlage, City-Notbremsfunktion, Spurhalteassistent, automatisch abblendendem Innenspiegel, elektrischer Handbremse und Lichtsensor. Das heißt aber nicht, dass man den Preis nicht auch noch problemlos in die Höhe treiben kann.

Zum einen werden für den 190-PS-Otto schon stolze 30.800 Euro fällig, zum anderen bietet auch die Aufpreisliste so manches Schmankerl an: Abstandstempomat, Fernlichtassistent, LED-Licht oder eben das adaptive Fahrwerk sind zwar für sich genommen erstaunlich günstig eingepreist, summieren sich aber eben doch. Und auch den typischen VW-Innenraum kann man noch aufwerten, die aktuellsten High-Tech-Schmankerl aus dem Konzernregal sind natürlich auch für den T-Roc zu haben: Unter anderem stehen die neueste Ausbaustufe des Infotainmentsystems, eine induktive Ladeschale für das Smartphone und natürlich der Internetzugang zur Wahl.

 
Fazit

Michael Gebhardt

VW scheint es ernst zu meinen mit dem Wandel und verpasst sich peu à peu ein etwas aufregenderes Design. Dass die Wolfsburger damit viele Altkunden verprellen, ist nicht zu befürchten. Zwar ist der T-Roc deutlich stärker verziert als Polo und Golf, aber gefällig ist er immer noch. Und die ausgereifte technische Basis spricht sowieso für ihn.