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Artikel veröffentlicht am: 26.01.2018

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Test: Abarth 595 Competizione

Kleine Krawallkiste

Wer an den Fiat 500 denkt, der mag zurecht behaupten: typisches Frauenauto. Denn der Cinquecento wirkt eher süß und verspielt, will einfach flott durch die Stadt huschen und kleinere Einkäufe nach Hause bringen. Auch wenn er es nicht mit unzähligen Hutschachteln und Einkaufstäschchen edler Haute-Couture-Marken aufnehmen kann, für den Alltag bleibt er praktisch und unscheinbar.

Legt allerdings die hauseigene Veredelungsschmiede Abarth Hand an, dann wird aus dem italienischen Kleinstwagen ein richtig kleiner Bad-Boy, der es in sich hat. Wir haben uns mit dem Abarth 595 Competizione ins Getümmel gewagt, und konnten bei einigen Verkehrsteilnehmern für große Verwunderung sorgen.

So klein und doch so groß

Trotz seiner Kleinstwagenmaße von gerade einmal 3,66 Meter in der Länge, gilt der Abarth 595 Competizione doch als einer der Größten. Denn schaut man auf die Mitbewerber, muss man neidlos anerkennen: an seine 180 PS kommt keiner wirklich ran. Der gerade vorgestellte VW Up GTI wirkt im Vergleich mit seinen 115 PS eher niedlich und auch der Opel Adam S kommt mit 150 PS nicht hinterher. Nur einer vermag den Competizione toppen, allerdings kommt die Konkurrenz aus dem eigenen Haus: Der Abarth 695 Biposto mit 190 PS.

Viele PS alleine machen bekanntlich noch nicht alles aus, auch optisch darf es bei solchen Giftzwergen ein bisschen mehr sein – schließlich muss ja auch der recht hohe Einstiegspreis von 24.790 Euro gerechtfertigt werden. Die Front des Competizione wurde deutlich muskulöser gestaltet, hinter den Speichen der 17-Zoll-Leichtmetallräder lugen gelbe Bremssättel hervor und am Heck deutet die vierrohrige Sportauspuffanlage darauf hin, dass hier mehr als der Einstiegsmotor unter der Haube steckt. Allerdings: Mit einem flüchtigen Blick in den Rückspiegel fallen die Sport-Insignien sicher nicht jedem auf, und wirkt der Abarth 595 nicht unbedingt nicht wie ein kleiner Quälgeist, der gerne mal seinen Stachel ausfährt.

Ein echter Brüller

Zu hören ist das schon eher: Wird der rot lackierte 1,4-Liter-Vierzylinder-Turbo-Benziner gestartet, grummelt es ordentlich aus den Endtöpfen – und vorbeilaufende Passanten drehen sich nicht selten verwundert um. Dass dem Lärm auch Taten folgen, zeigt schon der Blick ins Datenblatt: Den Standardsprint von 0 auf 100 km/h meistert der Competizione in gerade einmal 6,7 Sekunden. Das ist fast auf Golf-GTI-Niveau!

Die kurz übersetzen Gänge machen einem eventuellen Turboloch schnell den Garaus, knackig lassen sich die fünf Übersetzungen durchschalten und überzeugen selbst eingefleischte Automatikfans. Von kräftigem Knurren und Fauchen begleitet nimmt der Abarth fahrt auf und hängt am Gas, wie das Kind am Rockzipfel der Mutter. Spontane Überholmanöver? Kein Problem. Wo anderen Kleinwagen die Puste ausgeht, quetscht der 595 immer noch ein bisschen Power aus dem Triebwerk und zieht leichten Fußes an deutlich stärkeren, größeren Mitstreitern auf der Autobahn vorbei.

Das gibt’s doch nicht

Seine flotte Gangart führt nicht selten zu Verwirrung. Man sieht es den anderen Fahrzeugführern förmlich im Gesicht an: So schnell kann doch kein Fiat 500 sein. Und damit haben sie ja auch eigentlich recht. Eigentlich! Auch wenn er so aussieht, mit einem Cinquecento hat der 595 nicht mehr viel zu tun. Immer wieder animiert der flotte Italiener andere Verkehrsteilnehmer auch dazu, Gas zu geben und eine Verfolgungsjagd einzuleiten – wer lässt sich schon gerne von einem Winzling abhängen? Mit der Souveränität des Abarths unter dem Hintern braucht man sich auf solche Spielchen aber gar nicht einlassen.

Überhaupt: Die Autobahn ist das eine, noch mehr Spaß macht er aber auf der Landstraße. Dank der präzisen Lenkung sind schnelle Fahrspurwechsel ein Kinderspiel, vor der Kurve sorgt die Brembo-Bremsanlage für die nötige Verzögerung und und mit Schwung gehts aus der Biegung wieder raus. Wechselt man in den Sportmodus reagieren Lenkung und Gasannahme noch einen Ticken schneller. Der digitale Tacho färbt sich rot ein und die Geschwindigkeitsanzeige springt auf große Zahlen um, um dem Fahrer die gefahrene Geschwindigkeit noch mal ins Gedächtnis zurück zu holen. Und das ist auch dringend notwendig: Die erlaubten 100 Sachen hat man in Windeseile auf der Uhr, und da wo es der Gesetzgeber erlaubt, marschiert der Abarth 595 Competizione munter weiter bis die Höchstgeschwindigkeit von 225 km/h erreicht ist.

Nichts für Anfänger

Einbremsen kann einen, wenn es kein Tempolimit gibt, die eigenen Physis: Brettlhart liegt der Abarth auf der Straße, hoppelt über Bodenunebenheiten und lässt das auch den Fahrzeuginsassen gerne einmal spüren, die den nicht gerade seltenen Tankstopps als Zwangspause oft freudig entgegen sehen; sechs Liter Normverbrauch klingen schön, haben mit der Realität aber nichts zu tun. Dass er schlechte Straßen nicht mag, kann er nunmal nicht verbergen und hin und wieder verlässt er bei seinem kindlichen Gehopse auch vor Freude die vorgegebene Spur – statt entspannt mit einem Arm am Fenster zu Cruisen sollten beide Hände also stets am Lenkrad sein!

Überhaupt: Obgleich seine normalen 500er-Brüder gerne als Fahranfänger-Autos gekauft werden, sollte man beim Abarth 595 davon absehen, ungeübten Fahrer dieses Geschoss zu überlassen. Gerade auf nassem Asphalt kann es zu unliebsamen Überraschungen kommen. Hier lehrt einen der Abarth die Wahrheit des Spruchs „Straße nass, Fuß vom Gas“.

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Unscheinbar Auffallen kann man mit dem Abarth 595 Competizione allemal. Ein kleiner Winzling, der gerne etwas lauter und brachialer Auftritt und Spaß auf der ganzen Linie bietet. Doch wer sich für den schnellen Italiener entscheidet, sollte schon einiges an Fahrerfahrung aufweisen können und vielleicht ist die Anschaffung des Abarths auch ein guter Grund, endlich mal ein Fahrsicherheitstraining zu absolvieren. Denn auch wenn der 595 auf den ersten Blick so unscheinbar daherkommt mag, so ist er am Ende doch eine Krawallkiste par excellence!