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Artikel veröffentlicht am: 13.04.2018

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Erster Test: Mercedes Sprinter

Voll vernetzt

Ende Juni kommt der neue Mercedes Sprinter auf den Markt. Die dritte Generation startet zu Preisen ab 19.990 Euro netto (23.680 Euro brutto) für das Fahrgestell in Kombination mit dem erstmals angebotenen Frontantrieb und dem kleinsten Diesel mit 84 kW/114 PS. Der Kasten kostet ebenfalls mit Vorderradantrieb und dem 2,1-Liter-Basis-Selbstzünder ab 29.910 Euro netto (34.880 Euro brutto).

Wie gehabt tritt der Sprinter als Kasten, Kombi, Pritsche und Fahrgestell mit Einzel- oder Doppelkabine an. Der große Transporter mit dem Stern wird je nach Variante in vier Längen (5,27 bis 7,37 Metern), drei Radständen (3,30 bis 4,33 Metern) und drei Höhen (2,36 bis 2,83 Metern) angeboten. Bis zu 17 Kubikmeter Ladevolumen, 5,5 Tonnen Zuladung und 3,5 Tonnen Anhängelast sind möglich. Das Zuggesamtgewicht beträgt bis zu 8,75 Tonnen. Die Bandbreite der Sprinter-Sitzplätze reicht von einem bis zu 20 Personen. Neben dem Frontantrieb hat Mercedes Heck- und Allradantrieb im Programm. Zahlreiche Assistenten wie Abstands-, Brems- und Spurhaltehelfer sind optional erhältlich.

Immer mehr Bestellungen

Brot und Butter-Fahrzeug im Portfolio ist der Kasten. Dank der boomenden Online-Geschäfte sind sie gefragter denn je. Wurden in Deutschland 2016 ca. drei Milliarden Pakete ausgeliefert, gehen die Prognosen für 2021 in Richtung vier Milliarden und mehr Pakete. Besonders die Kurier- Express- und Paket-Dienstleister (KEP) nimmt daher die Kasten-Variante mit Frontantrieb ins Visier. Hier dürfen im Vergleich zur Heckversion bis zu 50 Kilogramm mehr geladen werden. Außerdem ist die Ladekante um acht Zentimeter niedriger als bei den heckangetriebenen Modellen. Dies erleichtert und entlastet die Paketzusteller. Natürlich soll auch der günstigere Preis die Unternehmen überzeugen, den Kasten mit Frontantrieb zu ordern. Bei gleichem Ladevolumen (9.5 Kubikmetern) sind sie über 2.000 Euro netto günstiger.

Für eine weitere Steigerung der Wirtschaftlichkeit bietet Mercedes jetzt seinen Kunden das Flottenwerkzeug „Pro Connect“ an. Es ist Teil seines Mobilitätsdienstleistungsangebots. Ziel ist es, den Arbeitsalltag leichter und möglichst papierloser zu gestalten, indem zum Beispiel Flottenmanager und Fahrer Zugriff auf Fahrzeugstatus, Wartungs- und Reparaturmanagement oder ein digitales Fahrtenbuch erhalten. Das digitale Angebot wird baukastenartig offeriert. Je nach Bedarf und Größe der Flotten sowie der Finanzkraft des Kunden gibt es eine maßgeschneiderte Lösung.

Alles im Blick

Der Flottenmanager hat seinen gesamten Fuhrpark im Blick, kann seine Fahrzeuge den Fahrern zuordnen, weiß dank GPS-Tracking jederzeit, wo sich die Fahrzeuge befinden. Außerdem sieht er, ob ein Fahrzeug mit niedrigem Tankfüllstand unterwegs ist oder ob eine Batterie schwächelt, so dass er proaktiv den entsprechenden Fahrer informieren kann. Das geschieht entweder über eine App-Funktion an das Smartphone des Fahrers und/oder wird als Nachricht direkt ins Fahrzeugsystem eingespielt.

Bei ersten Testfahrten zwischen Amsterdam und Rotterdam ließ sich Pro Connect ausprobieren. Während eines Zwischenstopps kam die Nachricht, dass man noch einen zusätzlichen Auftrag erledigen soll: ein Paket Tulpen in einer Tulpenfarm abholen. Die Adresse wurde an Smartphon gesendet. Da das Testfahrzeug über das neue MBUX-Multimediasystem (Mercedes-Benz User Experience) mit einem bis 10,25 Zoll großem Display (Aufpreis: ab 1.701 Euro netto / 2.024 Euro brutto) verfügte, ließ sich die Adresse einfach via Sprachbefehl ins Navigationssystem eingeben. Alternativ kann auch der Flottenmanager die Adresse direkt ins System einspielen. Der Sprachbefehl klappte auf Anhieb. Als Besonderheit verfügt MBUX auch über das Adresssystem „what3words“. Es benötigt keine Straßennamen oder Postleitzahlen, sondern nutzt ein Koordinatensystem, das die Erde in 3 Meter Mal 3 Meter große Felder aufteilt und jeder Koordinate drei Worte als Adresse zuordnet. Es genügte also drei Wörter zu sagen, schon war die Adresse gesetzt.

Vom Transporter verstanden

Apropos Kommunikation: Der Fahrer kann sich ganz einfach mit MBUX unterhalten. Die Aussage: „Mercedes: Ich habe Hunger!“ lässt das System einen Vorschlag mit Restaurants in der Nähe im Display auflisten. „Mach die Sitzheizung an“ oder „Stell den Radiosender XYZ an“ oder „Verbinde mich mit Kontakt ABC“ funktioniert ebenfalls. Das gleiche System ist auch in der neuen A-Klasse erhältlich, allerdings unterscheiden sich einige Funktionen. So lässt sich im Sprinter die Klimaanlage nicht per Sprachbefehl bedienen.

Die mittlere Motorisierung (105 kW/143 PS, 2,1-Liter) bietet ausreichend Kraftreserven und lässt sich mit ihrem maximalen Drehmoment von 330 Nm gelassen fahren. Die Lenkung ist sehr leichtgängig. Die neu entwickelte Sechsgang-Schaltung arbeitet präzise.  Alternativ bietet Mercedes eine Neungang-Wandlerautomatik (2.104 Euro netto / 2.504 Euro brutto) für die Frontantriebsmodelle an.

Für den innerstädtischen Lieferverkehr dürfte schon der Basisdiesel mit 114 PS ausreichen. Wer es kraftvoller mag oder braucht, ist mit dem 2,1-Liter-Diesel mit 120 kW/163 PS oder dem 3,0-Liter-Sechszylinder mit 140 kW/190 PS gut bedient. Einen Benzin- oder Erdgasantrieb hat Mercedes aktuell für Deutschland nicht im Programm. Die batterieelektrische Variante folgt im Sommer 2019. (sp-x/em/jms)