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Artikel veröffentlicht am: 01.06.2018

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Gebrauchtwagen-Kaufberater: Mazda3 Typ BL

Der Golf im Kimono

Zuverlässig bedeutet nicht automatisch langweilig: Der Mazda3 (Typ BL) besteht die HU-Prüfung in der Regel mit links, bietet aber auch Fahrspaß und gefälliges Design. Im Vergleich mit einem gebrauchten VW Golf ist er zudem ein echtes Schnäppchen.

Dass die zweite Generation bereits 2009 ihr Debüt gegeben hat, sieht man dem dynamisch gestalteten Blechkleid des Fünftürers nicht an. Mit 4,46 Metern zählte der Kompakte seinerzeit zu den längsten Vertreten seiner Klasse, beim Platzangebot im Inneren ordnet er sich jedoch eher im Mittelfeld ein. Zudem kann das Cockpit-Design mit dem flotten Äußeren nicht mithalten, auch wenn Verarbeitung und Ergonomie in Ordnung gehen. Neben dem Steilheckmodell im typischen Golf-Zuschnitt gab es zwischen 2009 und 2011 auch ein Stufenheckmodell, das auf dem deutschen Markt aber nur eine Nebenrolle spielt. Ein Kombi war nicht zu haben.

Ausstattung in der Basis ordentlich

Die zweite Generation des Mazda3 fällt in die Zeit vor der großen Motoren-Renovierung der Japaner, die aktuell mit ihren Skyactive-Triebwerken einen interessanten technischen Sonderweg gehen. Vergleichsweise konventionell kommen die Benziner und Diesel des Vorgängers daher: Den Einstieg markiert ein 1,6-Liter-Ottomotor mit 77 kW/105 PS, der für den Alltag durchaus ausreicht. Darüber rangiert ein 2,0-Liter-Benziner mit 110 kW/150 PS, den es als Direkteinspritzer mit Handschaltgetriebe und als Saugrohreinspritzer mit Fünfstufen-Automatik gibt. Ersterer ist die sparsamere und spritzigere Wahl. Top-Benziner ist der 191 kW/260 PS starke 2,3-Liter-Turbo im auffällig verspoilerten Sportmodell MPS, der recht wild und ungehobelt über die Vorderachse herfällt – er macht den Mazda zur deutlich ungezähmteren Alternative zum VW Golf GTI. Bei den Diesel haben sich die Japaner den 1,6-Liter-Basismotor von PSA liefern lassen; zur Wahl stehen zwei Varianten mit 80 kW/109 PS (bis 2010) und 85 kW/115 PS (ab 2010). Wer es etwas kräftiger mag, wählt den von Mazda selbst gebauten 2,2-Liter-Motor mit 110 kW/150 PS oder 136 kW/185 PS. Eine Automatikoption gibt es bei den Selbstzündern nicht.

Bereits in der Basisvariante „Prime-Line“ ist die Ausstattung ordentlich. An Bord sind unter anderem CD-Radio, Bordcomputer und Zentralverriegelung mit Fernbedienung. Weil die Aufpreis-Sprünge zu den besseren Varianten allerdings beim Neuwagen relativ klein waren, gibt es heute auf dem Gebrauchtwagenmarkt vor allem die schickeren Varianten „Center-Line“ und „Exclusive-Line“. Auch bei der Sicherheitsausstattung hat Mazda nicht gegeizt, sechs Airbags und der Schleuderschutz ESP sind immer an Bord – in den ersten Baujahren noch keine Selbstverständlichkeit. Beim EuroNCAP-Crashtest reichte es für den Fünftürer zur vollen Punktzahl von fünf Sternen.

Der Mängelzwerg

Der Mazda3 ist ein echter Mängelzwerg. In der aktuelle TÜV-Statistik landet der Kompakte bei den Sechs- bis Siebenjährigen Modellen auf dem vierten Platz – hinter deutlich teureren Autos. Größte Schwachstelle bei der HU ist die Beleuchtung, Mängel lassen sich hier aber schnell und günstig beheben. Die wackeligen Achsen des Vorgängermodells hat die zweite Generation offenbar abgelegt, so dass unterm Strich einen fast lupenreine Weste bleibt.

Der kompakte Japaner ist eine ausgereifte und sehr zuverlässige Alternative zum VW Golf. Die Jahre an der Spitze der TÜV-Charts machen den Fünftürer aber zu einem gefragten Gebrauchtwagen, was sich auch in einem für ein Importmodell etwas höheren Preisniveau niederschlägt. Allerdings dürfte sich der Kauf angesichts des geringen Reparaturpotenzials in der Regel auch für sparsame Naturen lohnen. Aktuell starten die Preise bei gut 7.000 Euro. (sp-x/hh/jms)