Bericht Spritsparen am Südpol Spritsparen am Südpol

Freilich ist es ein verschwindend geringer Anteil am Verkehrsaufkommen, doch sind jährlich mehrere Tausend Touristen und hunderte Wissenschaftler auf den antarktischen „Straßen“ unterwegs. In der Regel mit Kettenfahrzeugen, die alles andere als umweltfreundlich sind. Damit könnte jedoch bald Schluss sein.

Wer in die Antarktis reist, sei es als Forscher oder als Abenteuer-Urlauber, tut dies entweder mit dem Schiff oder dem Flugzeug. Der letzte Wegabschnitt, zum Südpol, ist in der Regel aber nur auf dem Landweg zu erreichen. Zu Amundsens und Scotts Zeiten per pedes und Hundeschlitten, heutzutage vornehmlich automobil.

Südpol-Autobahn

Zwar gibt es seit 2007 die Südpol-Autobahn, doch hat die weiße Trasse nichts mit dem zu tun, was wir unter diesem Begriff verstehen. Die 1.500 Kilometer lange, unbefestigte Piste, die von der Küste zum Südpol führt, besteht aus eingeebnetem Schnee und ist lediglich mit ein paar Fahnen markiert. Und auch wenn 1964 die Forscher der australischen Mawson-Station einen VW Käfer fuhren – den ersten Serienwagen, der in der Antarktis genutzt wurde –, sind es doch meistens Kettenfahrzeuge, die zum Einsatz kommen.

Die panzerähnlichen Gefährte sind zwar so gut wie nicht aufzuhalten und Bahnen sich ihren Weg durch Eis und Schnee. Doch die Kettenfahrzeuge sind schwer – über zwanzig Tonnen sind keine Seltenheit. Und das bedeutet einen immensen Spritverbrauch. Das geht zum einen auf Kosten der Umwelt, zum anderen schränkt es aber auch die Reichweiter der Pistenbullys gehörig ein. Tankstellen sind in der Antarktis rar, der benötigte Treibstoff muss auf Anhängern mitgeführt werden.

Alternative zu Kettenfahrzeugen

Doch seit einigen Jahren tut sich was auf den antarktischen Straßen. Der isländische Offroad-Spezialist Arctic Trucks schafft es, handelsübliche Toyota Land Cruiser und Hilux derart zu modifizieren – mit üppigen Rädern, speziellen Getrieben und vor allem perfektem Kälteschutz – dass die deutlich leichteren und handlicheren Geländewagen den Kettenfahrzeugen in kaum etwas mehr nachstehen und ihren Weg durch den Schnee ebenso bravourös meistern.

Nicht nur, dass die rund 120.000 Euro teuren Toyota Hilux von Arctic Trucks um einiges günstiger sind als ein Kettenfahrzeug – das kostet circa fünf mal soviel. Sie sind auch deutlich sparsamer. Über genaue Werte will niemand sprechen, doch verbrauchen die Arctic Trucks nur ein Neuntel des Treibstoffs, den ein Kettenfahrzeug schluckt. Geht man davon aus, dass die Toyotas im Schnee rund 20 Liter konsumieren, kann man sich ausrechnen, wie viel Kraftstoff bisweilen verbrannt wurde.

Sparsamer, schneller, günstiger

Hinzu kommt, dass die Geländewagen auch noch schneller unterwegs sind. Wer nicht die fast schon komfortable Südpolautobahn nutzt, sondern sich seinen Weg durch die unberührte Natur bahnt, braucht vom Novo-Airfield, dem antarktischen Logistikzentrum und mit einer drei Kilometer langen Landebahn auf Blaueis größtem Flugplatz, gut neun Tage bis zum Südpol. Die Kettenfahrzeuge waren Monate unterwegs.

Sicher, ersetzen werden die Arctic Trucks die Kettenfahrzeuge nicht. Vor allem das geringere Platzangebot für Passagiere und Gepäck – wenngleich die Isländer den passenden Antarktis-Anhänger mitliefern – sprechen gegen die Geländewagen. Acht bis zehn Tonnen Zuladung sind für ein Kettenfahrzeug kein Problem, beim Toyota ist bei rund drei Tonnen Schluss. Aber ist es nicht gut zu wissen, dass Spritsparen auch am abgelegensten Ort der Erde eine Rolle spielt?