Drucken Weiterempfehlen   Twitter
 
Drucken Weiterempfehlen   Twitter
Kommentar: Autos von Politikern kaufen ...

Kommentar: Autos von Politikern kaufen ...

Vertrauensfrage

05.09.2013

Immer wieder beliebt in Presseabteilungen: “Stellen Sie sich vor”-Fragen. Zum Beispiel: „Stellen Sie sich vor, wenn [naheliegende Tätigkeit mit Unternehmensbezug] und [aktuelles Zeitgeschehen]!“
Und weil bald Bundestagswahl ist, wird auch bald wieder die Frage nach dem Vertrauen in unsere Politiker gestellt.
Wir Journalisten sind da anders. Wir wollen Fakten. Und wenn wir keine kennen, dann finden wir sie notfalls im Selbstversuch.

Politiker verkaufen ihre Autos natürlich nicht selbst. Wenn sie noch ein eigenes haben, sind sie zu unbekannt, als dass das jemanden interessieren würde. Und wenn sie dann in Amt und Würden sind, greifen sie auf den Fahrdienst zurück. Wir haben es natürlich trotzdem geschafft, uns mit einigen führenden Politikern zur Probefahrt zu verabreden.

Hans-Peter Friedrich, CSU

Der Innenminister zeigt mir ein wunderschönes Cabrio mit Ledersitzen und großen Rädern. Es ist in einem unfassbar guten Zustand, der Kilometerzähler bringt mich um den Verstand: „Null Kilometer? Sie sagten doch, der ist zwei Jahre alt, Herr Friedrich?“. Ja, das sei schon richtig, doch er habe ihn eigentlich nie bewegt. „Wissen Sie, für mich ist das ein ständiger Abwägungsprozess“ sagt Friedrich. Er könne „damit zwar viel schneller auf der Arbeit sein, aber die Trambahn ist nachweislich viel sicherer“, das haben ihm seine Mitarbeiter bestätigt. Und der Obama fährt ja auch schon seit Jahren nicht mehr selbst!

Der Wagen ist wirklich pikobello, „er wird jeden Morgen gewienert“.

Vorne rechts ist eine Parkkralle angebracht, sie ist ein bisschen von Gras umwachsen. „In diesem Auto kann Ihnen gar nichts passieren!“ sagt Friedrich und freut sich.

Dr. Angela Merkel, CDU

“Wie fährt der denn?”, will ich von der Bundeskanzlerin wissen. Man habe ihr versichert, anwortet Merkel, "der Wagen fahre einwandfrei und genügt auf deutschem Boden den gesetzlichen Bestimmungen”. Experten hätten das festgestellt. „Der Kaufvertrag ist im Kofferraum.“ Daraus fallen mir etwa 20 Kilogramm Altpapier entgegen. Welches davon denn der Kaufvertrag jetzt genau sei, frage ich.

„Das kann ich Ihnen im Detail nicht sagen“, antwortet mir Frau Merkel. Es sei nicht ihre Aufgabe, das zu wissen.

Peer Steinbrück, SPD

Ich bin ein bisschen früh dran, ich soll bitte im Garten warten. Nach ein paar Minuten kommt Peer heraus, mit seinem breiten Haifischgrinsen, die Hände in Kettenhandschuhen, wie man sie im Fischgeschäft manchmal sieht, wenn glitschige Aale verarbeitet werden sollen. „Wundern Sie sich bitte nicht“ ruft er mir entgegen, „ich komme gerade vom Wahlkampf und ich kriege sie einfach nicht zu packen“. Wir sind uns sehr schnell über das Auto einig, bis auf den Preis, der plötzlich höher ist als vorab besprochen. Das sei der „Mehrwertsteuer-Effekt“ sagt Peer und grinst. Da „kann man nichts machen“.

Rainer Brüderle, FDP

Wir telefonieren, besprechen ein paar Details, aber ich verstehe ihn kaum, es zischelt dauernd, vielleicht ist die Verbindung schlecht, ich muss ständig nachfragen. Aber ein netter Kerl. Wir vereinbaren eine Probefahrt, die meine Frau machen wird. Ich werde ihr einschärfen, sich alles schriftlich geben zu lassen, mündlichen Zusagen ist sowieso nicht zu trauen und beim Brüderle gäbe es da nur Missverständnisse.

Horst Seehofer, CSU

Nein, das ist nur Spaß. Vom Seehofer kauft man kein Auto. Am Ende bekommt man sonst ein Sofa.

Steffen Seibert, Regierungssprecher

Der Regierungssprecher will mir zwei Autos zum Preis von einem verkaufen. Ich bin begeistert. Statt einer Probefahrt zeigt er mir zwei Fotos: Auf dem ersten sehe ich einen blauen Golf von vorne, prima in Schuß, er soll auch Internet-Anschluss haben.

Auf dem zweiten Foto sehe ich einen blauen Golf von hinten. Irgendetwas kommt mir hier verdächtig vor, ich hake nach. Ob das nicht das selbe Auto sei? „Neinnein, die haben zwar dieselbe Farbe…”, aber so viel er wüsste, seien “das zwei verschiedene Autos“. Sie hätten aber das selbe Kennzeichen, insistiere ich. Seibert tippt nervös in sein Handy, spricht mit einem Spezialisten, der sich in Sachen Autos auskennt und sagt: „Es sind definitiv zwei verschiedene Autos“, ich solle mich von Typ und Außenfarbe und Kennzeichen nicht durcheinander bringen lassen.

Und das andere hätte schließlich ein Faxgerät eingebaut.

Philip Rösler, FDP

Ich werde gewarnt, der Rösler sei ein Schlawiner. Ich will es also genau wissen, ich werde auf korrekte Formalien bestehen und lasse mir das Service-Heft zeigen und neben der Zulassungsbescheinigung auch den Bericht der Hauptuntersuchung. Ich überprüfe akribisch die Angaben im Kaufvertrag und den anderen Dokumenten. Im Kaufvertrag steht „TÜV (sic!) neu, fällig im August 2015. Siehe Eintrag im Prüfbericht „Zustand einwandfrei“.

Die Formulierung macht mich stutzig, ich sehe nach. Im Prüfbericht steht:

   „Mängelliste (siehe S.2-13) Kurzfassung: Nicht verkehrssicher. Wiedervorstellung innerhalb 2 Wochen“

Auf den Seiten 2-13 finde ich zahlreiche handschriftliche Vermerke in grün, ganze Passagen des Prüfers sind durchgestrichen.

Auf der letzten Seite wurde mit grünem Edding vermerkt „Auto ist toll, alles supi! PR“

Dirk Niebel, FDP

Bundesentwicklungsminister Niebel möchte seinen Wolf (die Militärvariante eines Mercedes Benz G-Modells, Baureihe W 460) verkaufen. Der Preis ist, auch für ein Ex-Militärfahrzeug, sehr niedrig angesetzt, ich hake deshalb nach. Dirk Niebel meint, das läge an den Papieren und murmelt etwas von „Zoll“ und „Einfuhrbestimmungen“. Ich könnte den Wagen auch erst im nächsten Jahr mitnehmen, wenn alle Formalitäten geklärt seien.

„Aber der Wagen ist doch auf Sie zugelassen, Herr Minister?“ frage ich. „Dieser Wolf befindet sich in einem einwandfreien Zustand“ entgegnet Niebel. Und wo die Papiere genau sind will ich wissen. „Dieser Wolf befindet sich in einem einwandfreien Zustand“ wiederholt Niebel ungerührt, steigt in den Wagen, startet den Motor und fährt im Kreis um mich herum, es staubt ganz gewaltig, Niebel kichert.

eVote

 

Meine Frage nach einer Probefahrt pariert der gewiefte Politiker mit einer Gegenfrage: „Haben Sie gedient?“ Ich gebe es kleinlaut zu. „Ja wunderbar!“, dann sei das mit den Papieren und dem Zoll und den ungeklärten Überführungskosten ja kein Problem, das sei dann eine interne Wiederverwendung, man werde seine Leute nicht hängen lassen, aber jetzt müsse er weiter, Wahlkampf, es ginge um das Familienministerium, das müsse auch noch abgeschafft werden.

Niebel braust davon, immer noch im ersten Gang.

 
Fazit
 

Thomas Weiss

Am 22. September 2013 ist Bundestagswahl.

Gehen Sie wählen.
 
 

Gebrauchtwagen-Kaufberater

Sie suchen einen Gebrauchten? Unsere Kaufberater sagen Ihnen, worauf Sie bei Ihrem Traumwagen achten müssen.

Suche nach Angeboten

Marke
Model
Fahrzeugrückruf
Hier verpassen Sie keinen Rückruf vom Hersteller mehr. Wir informieren Sie sofort per E-Mail.
Zum Rückrufservice

Frage der Woche

ServiceWelten

Sicherheit online

Schützen Sie sich vor Datenklau (Phishing), Scheckbetrug und unseriösen Angeboten.
Surfen Sie sicher mit unseren Tipps.