Winter-Special
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Galerie: Meldung Winter-Breitreifen

Meldung: Winter-Breitreifen

Fett durch den Winter

22.01.2015

Nach landläufiger Meinung heißt es oft: Je schmaler die Winterreifen, desto besser kommt man durch. Mittlerweile sind jedoch viele Winter – je nach Region – schneefrei; zudem wollen immer mehr Autofahrer auch in der kalten Jahreszeit nicht auf schicke Alufelgen mit Breitreifen verzichten. Sinnvoll oder nicht? Das AutoScout24-Magazin räumt mit den Schneegeschichten auf.

Wetterexperte Thomas Ranft zeigte beim Dunlop-Winterreifen-Workshop, wo in Deutschland der Schnee in den letzten Jahren fiel. Laut Deutschem Wetteramt und deren Messstationen gab es in Hamburg im Winter 2007/2008 null Schneetage. Eine Saison später waren es 16 Tage, die ganz oder teilweise weiß waren. In Berlin zählte man 07/08 acht Tage mit Schnee, ein Jahr später waren es 49 Tage. In Frankfurt waren es sieben respektive 19 Schneetage und in München zehn beziehungsweise 28 Tage. Ein paar Kilometer von München entfernt liegt Kempten, direkt im Allgäu. 95 Schneetage zählten die Meteorologen 2008/2009 an dieser Messstation.

Kuriose Definition

Die Definition des Deutschen Wetteramtes für Schneetag ist kurios: Schneetag bedeutet, dass morgens an der Messstation mindestens ein Zentimeter Schnee liegen muss. Selbst wenn der Zentimeter um 11 Uhr längst wieder getaut ist, gilt der komplette Tag als Schneetag.

Aufgrund dieser Statistik und den eigenen Erfahrungen könnte man nun meinen, dass eben nur im Allgäu und in den Mittelgebirgen Winterreifen nötig sind. In Hamburg, Frankfurt und anderen wärmeren Regionen kommt das Auto gut auf Sommerreifen oder gegebenenfalls auf Ganzjahresreifen durch den Winter.

Winterreifen meist im Vorteil

AutoScout24 FranceNicht ganz: Denn Winterreifen sind nicht nur bei Schnee den Sommerpneus überlegen. Laut Aussage der Reifenindustrie trifft man mit ihnen bereits ab sieben Grad Celsius die bessere Wahl. Allerdings kann sich das Blatt schnell wenden, wie unser Vergleichstest zwischen Audi A5 Sportback und Mercedes CLS zeigt. Der Audi rollte auf 225er-Winterreifen zum Test. Bei 15 Grad Celsius kam der rote Ingolstädter aus Tempo 100 erst nach gut 44 Metern zum Stehen. Der 245-Millimeter-sommerbereifte CLS stand acht Meter früher. Beim Stillstand des Mercedes ist der Audi somit noch rund 30 km/h schnell – und an den Bremsanlagen liegt diese Differenz nicht.

Ganz anders sieht die Sache bei Schnee aus. Hier benötigt ein mit Winterreifen ausgerüstetes Fahrzeug aus Tempo 80 (eine auf festgefahrener Schneedecke durchaus übliche Geschwindigkeit) theoretisch rund 70 Meter Bremsweg. Kommt dieses Auto zum Stillstand, hat ein gleichzeitig bremsendes Fahrzeug mit Sommerreifen noch rund 50 km/h auf dem Tacho – mit dieser Geschwindigkeit wurden bis vor ein paar Jahren noch die Crashtests gefahren. 110 Meter beträgt sein Bremsweg in dieser Situation.

Wegknickende Lamellen

Ursache für den schlechten Wert beim Trockenbremsen sind unter anderem die oft wegknickenden Lamellen-Profilblöcke der Winterreifen und die damit verringerte Bodenaufstandsfläche des Profils. Dunlop begegnet diesem Problem mit in sich verzahnenden 3D-Lamellen, die weniger walken und damit auch beim Bremsen mehr Gummifläche bieten sollen.

Und da sind wir beim Thema Winter-Breitreifen angekommen. Denn entscheidenden Einfluss auf den Bremsweg und das Fahrverhalten im Allgemeinen hat bei den meisten Bremsmanövern tatsächlich die Reifenaufstandsfläche. Eine einfache Rechnung: Mehr Gummi verzögert besser – auch im Winter. Denn so können sich mehr der Lamellen in den Asphalt verbeißen. Egal, ob dieser trocken, nass oder leicht verschneit ist.

Schmale Reifen im Nachteil

Schmale Reifen sind in diesen Situationen im Nachteil, da sich das Fahrzeuggewicht auf eine kleinere Gummifläche verteilen muss und dadurch die Haftungsgrenze früher erreicht wird. Auch bei Kurvenfahrten gehen Fahrzeuge mit schmalen Winterreifen schneller in Gleitreibung über. Anders allerdings auf Schnee. Hier fräsen sich die schmalen Reifen tief in die gefrorenen Wasserkristalle und bieten daher mehr Grip, Breitreifen rutschen in dieser Situation eher oben drauf – aber das ist die einzige Situation, in der schmale Reifen Vorteile bieten.

AutoScout24 FranceEin weiterer Aspekt, der für größere Reifen spricht, ist die mittlerweile praktisch nicht mehr vorhandene Geschwindigkeitsbegrenzung. Schmale Winter-Pneus haben meist nur eine Tempofreigabe bis 190 (Geschwindigkeitsindex T) oder 210 km/h (H). Mittlerweile gibt es jedoch breitere Winterspezialisten die bis 240 (V) respektive 270 km/h (W) zugelassen sind und dabei aufgrund eines optimierten Mischungsverhältnisses aus Ruß und Silika (Reifenbestandteile) annähernd das Fahrverhalten von Sommerreifen bieten.

Zudem ist das Argument des hohen Verschleißes der Winterreifen nicht mehr griffig. So sind bei einem Premiumprodukt die Profilblöcke je nach Position aus unterschiedlichen Mischungen. Die Mittelbahn ist recht hart, um eine hohe Lebensdauer zu gewährleisten und einen stabilen Geradeauslauf zu garantieren. Die Schultern sind hingegen teils flexibler, teils härter, um einerseits gute Haftung zu bieten und andererseits eine exakte Lenkansprache zu ermöglichen – schwammiges Fahrverhalten gehört damit der Vergangenheit an. Zwar rubbeln sich Winterpneus noch immer etwas schneller ab als identisch große Sommerpendants und im direkten Vergleich spüren empfindliche Piloten noch Differenzen im Fahrverhalten, aber die Unterschiede sind gering und daher kaum ein Entscheidungsfaktor.

Letztendlich entscheidet das Geld

Breitreifen im Winter können also sinnvoll sein, wird doch meistens auf schneefreien Straßen gefahren. So sind die neuen Pneus auch mehr Kälte- als Schneespezialisten. Denn bei richtig tiefen Temperaturen, wenn die Polymere in Sommerreifen ihren Glaspunkt (der Punkt, an dem das Reifengummi praktisch aushärtet) längst erreicht haben und dann ihre Hafteigenschaften verlieren, sind Winterreifen immer die bessere Wahl. Und sollte es mal Schnee geben, ist man mit ihnen sowieso auf der sicheren Seite, denn mit modernen Sommerreifen geht im Schnee nichts mehr.

Ja oder Nein?

Sagen Sie Ja zu breiten Winterreifen! Aber nur, wenn Sie nicht in schneereichen Gebieten wohnen, wenn Sie auch im Winter die volle Leistung Ihres Autos ausnutzen wollen, wenn Sie Wert auf ein nahezu gleichbleibendes Fahrverhalten legen, wenn Ihr Auto auch die anderen sechs Monate im Jahr besonders sportlich aussehen soll und es Ihnen letztendlich den Mehrpreis wert ist.

Galerie: Meldung Winter-BreitreifenSagen Sie Ja zu schmalen Winterreifen, wenn Sie keinen Wert auf Optik legen und lieber günstigere Premium-Wintergummis ans Auto schnallen möchten, wenn Ihnen 190 km/h (Index T) oder 210 km/h (Index H) im Winter ausreichen, wenn Sie oft auf Schnee fahren und tendenziell nie das Dynamikpotenzial ihres Autos ausreizen.

Sagen Sie Jein zu Ganzjahresreifen. Denn sie sind nur eine Alternative, wenn man in schneearmen Regionen wohnt, weniger als 10.000 Kilometer im Jahr fährt und man einen leichten Kleinwagen pilotiert. Schon ab Kompaktklasse lohnt es sich umzurüsten. Zumal der Mehrpreis für zwei Satz Räder nur bei der Anschaffung weh tut. Die Sommerreifen halten dann doppelt so lang.

Sagen Sie in jedem Fall Nein zu Sommerreifen im Winter, denn in Summe sind die Nachteile größer als die Vorteile und kalte Temperaturen reichen bereits aus, um die Haftgrenzen deutlich zu verringern.

 
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