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Interview: Dr. Hans-Georg Engel

Interview: Dr. Hans-Georg Engel

"Doppelte Erprobung, doppelte Absicherung"

19.07.2005

Die Ansprüche an die neue Mercedes M-Klasse sind groß. Einerseits soll sie hervorragende Geländeeigenschaften aufweisen, andererseits PKW-ähnliches Fahrverhalten auf der Straße bieten. Die Entwickler hatten also jede Menge Arbeit. Besonders Wert gelegt wurde neben der Fahrwerksentwicklung auf eine extrem hohe Karosserie-Haltbarkeit. Details verrät uns Dr. Hans-Georg Engel, verantwortlich für die Fahrwerksentwicklung bei der Mercedes-Benz M-Klasse.

AutoScout24: Ein moderner SUV wie die M-Klasse muss mindestens drei Disziplinen beherrschen: Komfort, Geschwindigkeit und Offroad. Wie bringen die Entwickler das unter einen Hut?

Engel: Man benötigt dazu erst einmal die richtigen Entwickler und dann die richtige Technik.

Das bei der Vorgängerentwicklung eigenständige Entwicklungsteam wurde zur Entwicklung des Nachfolgers in die Mercedes-Benz PKW Entwicklung integriert. So kam zur Offroad-Kompetenz die geballte „Komfort- und Geschwindigkeits-Kompetenz“ der PKW-Entwickler.
Dadurch wurde auch das Technologie-Spektrum erweitert, etwa um Luftfeder und Verstelldämpfung, die eine neue Dimension von Komfort und Offroad-Fähigkeit eröffnen.

AutoScout24: Warum wurden für die M-Klasse zwei Fahrwerke entwickelt, ein herkömmliches und eins mit Luftfederung?

Engel: Die beiden Fahrwerke erlauben es, ein noch breiteres Kundenspektrum abzudecken. Das sehr viel aufwendigere und teurere Luftfedersystem bietet sowohl im Gelände, beispielsweise was die Bodenfreiheit betrifft, als auch auf der Straße - also in Sachen Komfort und Handling - große Vorteile und definiert die Spitze des zurzeit technisch Möglichen.

Die Stahlfederung als Basis- und Einstiegssystem bietet einen guten Kompromiss für alle Einsatzbedingungen und ist damit das System der Wahl für den kostenbewussten Kunden, der einen komfortablen und geräumigen SUV möchte und nicht die maximal technisch möglichen Fahrwerkseigenschaften, on- wie offroad, braucht.

AutoScout24: Wie viel Zusatzaufwand in der Fahrwerks-Abstimmung bedeuten diese unterschiedlichen Konzepte?

Engel: Jedes Fahrwerk wird sorgfältig abgestimmt und überprüft. Der damit verbundene Aufwand ist nicht unerheblich. Wir sind allerdings überzeugt, dass wir nur so dem Bedürfnis nach Individualisierung unserer anspruchsvollen Kunden gerecht werden.

AutoScout24: Welche Synergien ergeben sich aus der Verwendung des gleichen Antriebs- und Fahrwerkskonzeptes in M- und R-Klasse?

Engel: Da die Gesamtfahrzeugerprobung für M- und R-Klasse für jedes Modell vollständig durchgeführt wurde, werden gemeinsame Komponenten doppelt abgesichert. Damit kommen die Synergien vor allem der Zuverlässigkeit zugute.

AutoScout24: An welchem Punkt der Entwicklung muss die Simulation der Fahrwerkskomponenten durch echte Fahrtests ergänzt werden?

Engel: Jede Phase der Entwicklung beginnt mit der Simulation und endet mit der Absicherung und Überprüfung der Hardware.
Alle Eigenschaften, insbesondere die Betriebsfestigkeit und das Fahrverhalten werden erst nach intensiven Fahrtests freigegeben. Ein wichtiges Element ist dabei der Weltdauerlauf, bei dem alle nur denkbaren Fahr- und Umweltbedingungen abgedeckt werden.

AutoScout24: Verkürzt sich die Lebensdauer einer M-Klasse nicht deutlich wegen des vielseitigen Einsatzes?

Engel: Die M-Klasse ist für die härtesten Einsatzbedingungen On- und Offroad ausgelegt. Für die Auslegung wurden verschärfte Belastungstests mit speziellen Schlechtweg- und Geländeanforderungen zugrunde gelegt. Dadurch ist sicher gestellt, dass die übliche PKW-Lebensdauer erreicht und übertroffen wird.

AutoScout24: An welchem Punkt im Entwicklungszyklus eines Autos beginnen erste Struktur- und Haltbarkeitstests? Werden diese Tests auch während der laufenden Produktion durchgeführt?

Engel: Drei Jahre vor Serienanlauf beginnen die ersten Bauteiltests, gefolgt von Erprobungen umfassender Systeme wie Fahrwerk oder Karosserie. In der laufenden Produktion werden permanent serienbegleitende Tests zur Sicherstellung der Qualität, auch bezüglich der Festigkeit durchgeführt.

AutoScout24: Wie viel Offroad-Einsatz müssen Sie für eine M-Klasse einplanen?

Engel: Bei der Erprobung wird zusätzlich zur der so genannten Onroad-Erprobung noch eine doppelte Offroad-Erprobung hinzugefügt. Der Offroad-Anteil in der Erprobung beträgt insgesamt circa 66 Prozent.

AutoScout24: Welche speziellen Maßnahmen wurden bei der Konstruktion der M-Klasse getroffen, damit sie trotz Geländeeinsatz lange hält?

Engel: Die speziellen Maßnahmen beinhalten die bereits erwähnten Offroad-Tests, die Absicherung gegen erhöhte Belastungen durch Umwelteinflüsse wie Staub, Schmutz, oder Klima und ausgiebige Weltdauerläufe.

Im Ergebnis führte das zu einer außerordentlich robusten Konstruktion mit entsprechend angepasstem Materialeinsatz.

AutoScout24: Herr Dr. Engel, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

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