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Interview: Gerhard Richter, M-GmbH

Interview: Gerhard Richter, M-GmbH

"Ein bisschen Rennwagen..."

27.06.2006

Schnelle Autos sind sein Geschäft: Als Geschäftsführer der M-GmbH zeichnet Gerhard Richter für die sportlichsten aller BMW-Modelle verantwortlich. Wir sprachen mit dem Münchner über PS-Zahlen, Rennsportgene und zukünftige Antriebstechniken.

AutoScout24: Herr Richter, der M3 feiert dieses Jahr seinen 20. Geburtstag. Welche Ziele wollte die M-GmbH 1986 mit dem M3 erreichen?

Gerhard Richter: Da müssen wir uns zurückversetzen in das Jahr vor 1986. BMW hatte den Entschluss gefasst, in der damaligen DTM in der Gruppe A mit zu fahren. Das Reglement schrieb jedoch vor, dass die dort eingesetzten Rennautos von einem Serienfahrzeug abgeleitet sein mussten. Dieses Serienauto musste 5.000 Mal innerhalb von 12 Monaten gebaut sein. So wurden damals das Rennfahrzeug und das Straßenfahrzeug M3 quasi parallel entwickelt. Natürlich immer mit dem Fokus, eine gute Basis zu schaffen, um in der Gruppe A erfolgreich teilnehmen zu können. Der Straßen-M3 war somit auch gleichzeitig das erste Fahrzeug mit diesen ganz typischen Rennsporteigenschaften, also mit dieser ganz spezifischen M-Auslegung. Ein bisschen Rennwagen war immer im M3 drin, und dass hat bis heute unsere Kunden fasziniert.

Interview Gerhard Richter, M-GmbHAutoScout24: Ist diese Regel nach wie vor die Grundlage für einen M3, oder haben sich die Ansprüche an das Fahrzeug verändert?

Gerhard Richter:Die Welt im Rennsport hat sich natürlich etwas verändert. Wir haben im Moment nicht mehr exakt den Fall, dass ein Rennauto von einem Straßenauto abgeleitet wird. Aber aufgrund des Erfolges unserer ganzen Fahrzeuge, haben wir in allen unseren Modellen diese Rennsportgene enthalten. Darauf sind wir besonders stolz, denn das ist auch das Alleinstellungsmerkmal der M-Fahrzeuge. Das heißt, man findet immer Eigenschaften, die man normalerweise nur in einem Rennwagen kennt. Die Rückmeldung, das Unmittelbare und diese Response, das Fahrer und Maschine zusammenwachsen. Und das sorgt für entsprechende Emotionen und Fahrspaß.

AutoScout24: Der neue M3 steht bekanntlich in den Startlöchern. Wie hoch wird da der Anteil der Rennsportgene sein?

Gerhard Richter: Sie wissen, dass wir über zukünftige Fahrzeuge nicht sprechen. Aber die Generalzielsetzung, dass ein M-Fahrzeug diese Gene in sich trägt, wird selbstverständlich auch für den neuen M3, wie für jedes kommende Modell, gelten.

Interview Gerhard Richter, M-GmbHAutoScout24: Gerüchten zufolge soll der neue M3 einen über 400 PS starken V8-Motor erhalten. Wäre ein so starkes Fahrzeug noch als Einstiegs-M-Modell zu sehen, oder entsteht dadurch eine Lücke nach unten?

Gerhard Richter: Von diesem Gerücht habe ich auch gehört. Ohne auf den neuen Eingehen zu wollen: Ein M3 muss natürlich entsprechende Kundenbedürfnisse befriedigen, und die PS-Zahl ist nur ein Kriterium. Insofern wird man auch einem M-Fahrzeug gar nicht gerecht, wenn man es nur anhand der Pferdestärken definiert. Ein M-Fahrzeug muss in seiner Klasse, nach unserer Zielsetzung, nicht unbedingt das stärkste sein. Es muss sich aber am sportlichsten fahren und genau diese Bedürfnisse befriedigen, von denen ich vorhin sprach. Wir haben zu diesem Thema vor kurzem eine Kundenbefragung durchgeführt: Unser Kunden lieben die M-Fahrzeuge aufgrund ihres Gesamtcharakters. Die komplette Konzeptharmonie steht im Vordergrund und nicht einzelne Teile. Das zeigt auch, wie aufgeklärt unsere Kunden sind. Sie orientieren sich nicht nur an der Leistung sondern an dem Gesamtauto, dass sie erwerben.

AutoScout24: Viele Hersteller brüsten sich mit ständig wachsenden PS-Zahlen. Wo liegen Ihrer Ansicht nach die oberen Grenzen in diesem Wettrüsten?

Gerhard Richter: Zunächst möchte ich ausdrücklich betonen, dass wir nicht an einem Wettrüsten teilnehmen. Nehmen sie den gerade ausgelaufenen M3 auf Basis des E46. Der war, wie schon erwähnt, in seinem Segment nie der stärkste von der PS-Zahl her. Es gab immer Wettbewerber, die ein paar PS mehr hatten. Trotzdem ist der M3 das erfolgreichste Auto seines Segments. Bis zum Auslauf haben wir fast 90.000 M3 verkauft. Die anderen liegen alle weit zurück, obwohl sie nominell immer stärker waren. Allerdings lässt sich keine Leistungsgrenze definieren. Es kommt immer auf das Fahrzeugkonzept an. Vor allem müssen sie auch auf das Verhältnis zum Gewicht des Fahrzeugs achten. Bei der M-GmbH investieren wir viel Know-how in das Erzielen eines perfekten Leistungsgewichtes.

AutoScout24: Sie haben vorhin von den Rennsportgenen gesprochen, die alle M-Fahrzeuge verbinden. Gibt es trotzdem Unterschiede in der Definition von Sportlichkeit bei M3, M5 und M6?

Gerhard Richter: Vom Prinzip ist diese Definition durchgängig und wird auch bei allen zu finden sein. Sie muss aber klassengerecht oder segmentspezifisch entwickelt werden. Ein M3 wird immer sportlicher und direkter sein als ein M5. Aufgrund der unterschiedlichen Klasse und der unterschiedlichen Anforderung. Ein M5 wird zu 80 Prozent von Selbstständigen gefahren, teilweise mit sehr hohen Laufleistungen von 80.000 - 100.000 Kilometern jährlich. Das heißt, dass der Langstreckenkomfort bei einem M5 eine ganz andere Rolle spielt, als bei einem M3. So kann es durchaus sein, dass ein ganz sportlicher M3 auf dem Nürburgring nicht langsamer ist als ein M5. Weil der eben noch zusätzlich andere Aufgaben zu erfüllen hat.

Interview Gerhard Richter, M-GmbHAutoScout24: Und was hebt das neue M6 Cabriolet von anderen M-Modellen ab?

Gerhard Richter: Die Cabriolets bei der M-GmbH sind noch einmal spezifisch zu sehen. Sie werden von Menschen gekauft, die genau diese Technik und die Response mögen. Allerdings sind sie bereit, für das Offenfahren, doch ein bisschen auf diese besondere Agilität zu verzichten. Es ist also eine ganz besondere Zielgruppe, die diese Sportlichkeit mit dem Cabrio-Feeling verbinden will. Das bedeutet auch, dass der Rennstreckenbetrieb oder der Clubsport bei so einem Auto keine Rolle spielt. Wenn man auf der Rennstrecke Bestzeiten fahren will, entscheidet man sich mit Sicherheit für ein Coupé.

AutoScout24: Wie sieht Ihre Vorstellung eines typischen M6-Cabrio-Käufers aus?

Gerhard Richter: Das sind Menschen, die von der Technik begeistert sind und die Spaß daran haben. Den größten Markt sehen wir in Amerika, trotz Geschwindigkeitsbegrenzung. Und das beweißt, das die Höchstgeschwindigkeit nicht Kaufgrund Nummer eins ist. Es sind vor allem verantwortungsbewusste Käufer, die an der Kraftentfaltung, am Sound und an der Response ihren Spaß haben. Und das auch bei niedrigen Geschwindigkeiten. Vergleichen Sie doch einfach: Ein Boss-Sakko hält auch nicht wärmer, als ein No-Name-Produkt. Trotzdem verkauft Boss um einige mehr.

AutoScout24: Manch einem BMW-Fahrer drängt sich die Frage auf, warum es keinen M7 gibt und auch noch nie gab? Zumal beispielsweise Alpina einen B7 im Angebot hat. Wo liegen aus Ihrer Sicht die Unterschiede zwischen der M-GmbH und Alpina?

Interview Gerhard Richter, M-GmbHGerhard Richter: Zuerst muss man sagen, dass die Größenordnung sehr unterschiedlich ist. Alpina-Autos werden im Jahr circa 600 Mal gekauft. Wenn man diese 600 Fahrzeuge noch in einzelne Modelle aufteilt, stellt man fest, dass die Stückzahlen sehr gering sind. Und auf eine ganz bestimmte Zielgruppe zugeschneidert, die damit Bedient wird. Diese Zielgruppe ist nicht per se die Klientel, die sich beispielsweise einen M5 oder irgendein M-Modell kauft. Die Fahrzeuge differieren schließlich auch sehr stark: Bei uns dominiert die Rennsportorientierung, bei Alpina mehr das Luxuriöse. Insofern ist Alpina kein direkter Wettbewerber. Das wiederum heißt, was bei Alpina gilt, muss nicht zwangsläufig bei uns gelten. Natürlich wird über alle möglichen Varianten nachgedacht. Aber man muss auch zu der Überzeugung kommen, dass die einzusetzenden Ressourcen sinnvoll verwendet werden. Bis zum heutigen Zeitpunkt haben wir deshalb noch keinen M7, weil wir diese Erzeugung noch nicht erlangt haben.

AutoScout24: Lassen wir Alpina außen vor. Auch bei direkten Wettbewerbern wie Mercedes und Audi finden sich entsprechende Sportversionen der Oberklasse-Modelle, wie zum Beispiel Mercedes S63 AMG oder Audi S8? Muss BMW nicht schon aus Image-Gründen ein Pendant in der 7er Reihe anbieten?

Gerhard Richter: Wir entwickeln unsere Fahrzeuge ja nicht gegen Wettbewerber sondern für Kunden. Wenn sie sich die Stückzahlen der Mitbewerber anschauen, sehen sie, dass sich die in sehr, ich nenne es mal vorsichtig, homöopathischen Regionen bewegen. Zudem muss ein 7er BMW immer einen bestimmten Anspruch an Luxuriösität erfüllen. Sprich aus einem 7er einen Luxus-Rennwagen zu machen, ist natürlich schwieriger, als etwas bei einem M5. Man muss dabei berücksichtigen, dass wir ein durchweg sportliches Modell im Programm haben. Wenn sie einen 760i in der dynamischsten Ausprägung fahren, ist das in dieser Luxusklasse schon ein ganz sportliches Auto. Und, das darf man nicht vergessen, auf dem Niveau eines Audi S8. Unabhängig von der Typenbezeichnung gibt es also ein Pendant bei BMW.

AutoScout24: Sie erwähnten vorhin die Technik, die die Käufer begeistert. Typisch für M-Fahrzeuge ist das SMG-Getriebe, das wie kein anderes für sportliches Fahren steht. Wie stehen Sie zu anderen Technologien, zum Beispiel Wandlerautomatik oder manuelles Schaltgetriebe?

Interview Gerhard Richter, M-GmbHGerhard Richter: Zunächst: Eine Wandlerautomatik widerspricht der Zielsetzung der direkten Rückmeldung und ist daher nicht vorstellbar. Allerdings gibt es nach wie vor eine große Gruppe an Käufern, die auf ein manuelles Schaltgetriebe schwört. Es gibt keine exaktere Verbindung zwischen Motor und Antriebsachse als mit einer starren Kupplung. Jeder Befehl am Gaspedal wird unmittelbar umgesetzt. Und es gibt sogar Menschen, die, obwohl das SMG im Grunde das modernste Schaltgetriebe ist, in einem normalen Schaltgetriebe eine Herausforderung sehen. Wenn diesen Personen mit einem normalen Schaltgetriebe gute Gangwechsel möglich sind, dann fühlen sie sich gut. Vor allem in den USA gilt jemand, der ein Auto mit Schaltgetriebe fahren kann, und das vielleicht auch noch ruckfrei, als ein besonderer Könner. Darum ist auch ein Teil der Philosophie des SMG, den Fahrer nach wie vor aktiv einzubinden. Wir haben elf Fahrprogramme um den Fahrer zu ermöglichen, sich dass für ihn richtige zu suchen. Der Fahrer spielt immer noch seine Rolle dabei und kann zum Beispiel den Zeitpunkt des Gangwechsels selbst bestimmten.

AutoScout24: Ein viel diskutiertes Thema sind alternative Antriebe. Das Ende von Erdöl als Treibstoff ist absehbar, BMW setzt beim 7er auf Wasserstoff. Wo sehen Sie Zukunftspotential und lassen sich alternative Antriebe mit der Sportlichkeit eines M-Fahrzeugskombinieren?

Gerhard Richter: In absehbarer Zeit wird der Verbrennungsmotor nach wie vor die entscheidende Rolle spielen. Selbstverständlich beschäftigen wir uns auch mit Systemen, die den Kraftstoffverbrauch reduzieren. Und auch die Verwendung alternativer Antriebsstoffe ist natürlich ein Thema innerhalb der M-GmbH. Dazu gibt es allerdings noch keine konkreten Ansätze. Aber Sie sehen ja, BMW ist jetzt mit Wasserstoff-Motoren in der Großserie einen Schritt weitergegangen. Aufgrund der Synergien ist diese Know-how natürlich auch für uns verfügbar. Und wenn das vereinbar ist, mit den anderen Eigenschaften, die ein M-Fahrzeug zu erfüllen hat, dann wird es auch das bei uns geben.

AutoScout24: Erlauben Sie uns zum Schluss noch ein paar persönliche Fragen: Welches Auto würden Sie ihrem Kind zum Führerschein schenken?

Gerhard Richter: Meine Antwort wird Sie nicht überraschen, es wäre natürlich ein BMW; und zwar ein 120d. Dieses Modell verbindet die BMW Tugenden von „Freude am Fahren“ und geringste Unterhaltskosten perfekt. Wie für alle Führerschein-Neulinge empfehlenswert, müsste auch mein Nachwuchs auf jeden Fall ein Fahrertraining bei uns absolvieren. Und zwar im Sinne von mehr Souveränität im Straßenverkehr.

AutoScout24: Als Geschäftsführer der M-GmbH haben Sie täglich mit Zahlen zu tun. Was machen Sie zum Ausgleich?

Gerhard Richter: Grundsätzlich kann ich sehr gut bei Musik entspannen, in meiner Sammlung finden sich die unterschiedlichsten Stilrichtungen. Natürlich ist dafür ein sorgfältig zusammengestelltes HiFi-System wichtig. In der Herbst- und Winterzeit sorgt Schachspielen für zusätzlichen geistigen und Skifahren für den physischen Ausgleich. Und im Frühjahr beginnt für mich die Mountainbike-Saison.

AutoScout24: Welche Rolle spielt für Sie das Internet außerhalb Ihres Berufes?

Gerhard Richter: Mit dem Fokus Informationsgeschwindigkeit gibt es zurzeit keine Alternative zum Internet. Ich nutze das Internet auch privat täglich.

AutoScout24: Wie sieht Ihr Traumurlaub aus?

Gerhard Richter: Das ist für mich die Kombination von Zeit für die Familie haben und einfach nur die Seele baumeln lassen. Orte dafür gibt es nicht nur in der Ferne. Ich bevorzuge „Traumurlaub in Deutschland“.

AutoScout24: Letzte Frage: BMW hatte 1978 einen M1 auf den Markt gebracht. Mit nur 456 verkauften Exemplaren wurde dieser zum Klassiker. Spricht gegen ein M-Modell auf 1er-Basis also bislang vor allem das Namensproblem?

Gerhard Richter: Da würde uns bestimmt etwas einfallen, wie wir das Problem lösen. Es stimmt aber, dass es ein Konflikt ist. Vor allem bei denen, die am M1 hängen. Es gibt ja immer noch M1 Clubs. Und es gibt bestimmt Menschen, die, wenn wir so ein Auto, wenn es denn eins geben würde, M1 nennen würden, Probleme hätten. Aber ich glaube, das würde BMW lösen können.

AutoScout24: Herr Richter, wir danken Ihnen für dieses Gespräch.

 

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