Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
Als Audi mit dem Audi 80 Avant RS2 1994 erstmals das von Porsche belegte Kürzel einführte, wurden die Ingolstädter für ihren Hochmut belächelt. Die traditionsreiche Buchstabenkombination an einem biederen Audi 80 Kombi, statt an einem Zuffenhausener Sportwagen? Das kam einer Majestätsbeleidigung gleich. Doch drei Generationen später ist aus dem Versuchsballon ein ernstzunehmender Sportkombi geworden. AutoScout24 blickt auf 18 rasante Jahre zurück und gibt Tipps, welcher Mittelklassesportler auch gebraucht eine heiße Nummer ist.
Audi 80 RS2 Avant - der unverwüstliche
Das Prinzip aller RS-Modelle ist bei Audi seit Jahren das gleiche: Kurz vor Ende der Baureihe kommt die Entwicklungsabteilung der Quattro GmbH richtig auf Touren, montiert einen leistungsstarken Antrieb unter den bis dato eher zurückhaltend motorisierten Kompaktkombi und schickt das Ganze in die Designabteilung, wo exklusive Felgen, Sitzbezüge und Karosseriedetails das Endprodukt zu dem jeweils heißesten Gerät auf dem Gebiet der Kombinationskraftwagen adelt.
Das Ergebnis versetzt die Autowelt in elektrisiertes Erstarren und füllt die Auftragsbücher der 100%igen Audi-Tochter wie von selbst. Diese Vorgehensweise beschreibt in etwa die Entwicklung des RS2. 315 PS und 410 Newtonmeter aus nur 2,2 Liter Hubraum mit fünf Zylindern und einem permanenten Allradantrieb zeugen von der sorgfältigen Arbeit der Ingenieure bei der Leistungssuche. Zu Hilfe kamen ihnen dabei die Entwicklungen aus den Gruppe B-Fahrzeugen der Ingolstädter, wo der Querstrom-Zylinderkopf und das Sechsgang-Schaltgetriebe ihre Feuertaufe erlebten.
Erprobte Rallyetechnik für die Straße
Als Konsequenz dieser sorgfältigen Entwicklungsarbeit glänzt der Audi RS2 auch heute noch mit einer unerschütterlicher Zuverlässigkeit Selbst Autos mit über 300.000 Kilometer auf der Uhr verfügen über den ersten Antriebsstrang. Defekte? Fehlanzeige. Lediglich in Einzelfällen reißen die gusseisernen Abgaskrümmer, versagen die Kühlmittelthermostaten ihren Dienst oder knirscht das Getriebe mit den Zähnen. Das war's.
Dabei hätte der aufgeladene Grauguss-Fünfender mit 20-Ventil-Aluminiumzylinderkopf aufgrund seiner hohen Literleistung von über 150 PS allen Grund sich zu beklagen. Diesen Part übernimmt da eher die etwas unterdimensionierte Vorderachse samt Brembo-Bremsanlage. Ausgeschlagene Gummibuchsen, knarzende Koppelstangen und verzogene Bremsscheiben sind die häufigsten Malaisen. Die Karosserie des Audi RS2 ist dagegen solide wie eine Burg, was auch nötig ist, denn die Ersatzteile von RS-spezifischen Ausstattungskomponenten haben ihren Preis.
Und so bleibt dem eiligen Familienvater nur die Suche nach einem unverbastelten Exemplar. Bei 2.891 produzierten Fahrzeugen finden sich allerdings immer wieder brauchbare Occasionen, die mit 15.000 bis 20.000 Euro allerdings nach wie vor teuer bezahlt werden müssen - Tendenz steigend. Da heißt es zugreifen.
Audi RS4 Biturbo - doppelt hält besser
Wer statt Audi 80 doch lieber in der A-Klasse der Ingolstädter einkaufen möchte, greift ab rund 20.000 Euro zum Nachfolger des RS2, dem RS4. Größer, schneller und aufwändiger lautete 1999 das Motto. Heraus kam ein umfangreich modifizierter Audi A4 Avant, der mit üppigen Kotflügelverbreiterungen schon auf den ersten Blick deutlich machte, das unter der Haube kein 1,8-Liter-Vierzylinder arbeitete.
Vielmehr sorgte der bei Cosworth überarbeitete 2,7-Liter-V6-Biturbo dank 380 PS trotz Allradantrieb für Löcher im Asphalt und in der Geldbörse des Besitzers. Denn die Pferde im Bug wollten im Mittel mit 16 Liter Super Plus versorgt sein, aber angesichts der spektakulären 4,9 Sekunden auf 100 km/h ging das seinerzeit in Ordnung.
Für Entspannung bei so viel Kraft sorgt eine hochwertige Compound-Bremsanlage, ein permanenter Allradantrieb und erstmals bei einem RS-Audi auch ein ESP. Im Gegensatz zum RS2 ist der RS4 auch mit zahlreichen Airbags ausgerüstet, was ihn insbesondere für Kleinfamilien zur besseren Wahl macht.
Kompakter Luxussportler
Neben seiner schieren Kraft setzte der RS4 auch auf ein umfangreiches Wohlfühlpaket. Recaro-Ledersitze, Navigationsgerät und zahlreiche andere, aus der Oberklasse bekannte Features sorgten dafür, dass auch in der Mittelklasse die lange Reise nicht zur Qual wurde.
Heute kann es genau diese Mischung sein, die den RS4 als Gebrauchtwagen zur ersten Wahl werden lässt. Zwar ist es mit der Qualität der im Innenraum verwendeten Materialen nicht allzu weit her, weshalb faltige Ledersitzbezüge und abplatzender Softlack der Kunststoffteile zum Erscheinungsbild dazugehören. Doch in Sachen Technik gibt sich der RS4 keine Blöße. Durch die sorgfältige Entwicklung von Motor und Getriebe hält der Antriebsstrang bei pfleglicher Behandlung und in ungechiptem Zustand problemlos 200.000 Kilometer.
Erst darüber machen die tief im Motorraum versteckten Turbolader samt der hochbelasteten Verschlauchungen Probleme. Wann es soweit ist, davon kündet die blinkende Motorkontrollleuchte im RS-spezifischem Instrumentenkombi. Dann heißt es meist den gesamten Antrieb zu demontieren und zu überholen, denn weder die Turbolader noch deren Schläuche sind bei eingebautem Motor zu wechseln. Eine teure aber lohnende Angelegenheit, denn der RS4 bietet neben seiner unverhohlen zur Schau getragenen Dynamik Fahrspaß im Überfluss. Daneben stellt der kleine, in limitierter Stückzahl gebaute Sportkombi bereits heute eine gute Investition da, sind doch bereits zahlreiche Exemplare dem Übermut ihrer Erstbesitzer zum Opfer gefallen.
RS4 Dritte Generation - Qual der Wahl
Das derzeit breiteste Angebot herrscht bei dem Audi A4 der dritten Generation. Der ausgereifte Audi, der noch heute in ziviler Version bei Seat vom Band läuft, war zwischen 2004 bis 2006 in gleich drei Varianten erhältlich. Kombi, Limousine und das Cabriolet machten sich unter dem infernalischem Bollern des 4,2-Liter-V8-Motors mit 420 PS auf, den gestandenen Sportwagen der Konkurrenz das Fürchten zu lehren.
Dabei wirkten die 40 PS Mehrleistung im Vergleich zum Vorgänger nicht so überwältigend. Zum einen vermissten die Fans den plötzlich einsetzenden Schub der Turbolader, zum anderen hatte der RS4 der zweiten Generation einen auf hohe Drehzahlen ausgerichteten V8-Vierventiler. Das von den früheren Modellen bekannte kurvenräubernde Wesen war einem betont gespannt auf der Straße lauerndem Dasein gewichen, was eher zum Cruisen als zur Hatz um Gebirgskuppen einlud.
Hinzu kam, dass der eingesetzte V8-Vierventiler mit Einzelzündung und FSI-Technik erst bei höchsten Drehzahlen so richtig in Schwung kam. Audi nannte dies werbewirksam "Hochdrehzahlkonzept", was nichts anderes bedeutete als das der Fahrer im Autoalltag schon ordentlich den Aluminium Schalthebel durch die Gassen des Sechsgang-Getriebes werfen muss, um mit den Vorfahren mithalten zu können. Doch am Ende steht für den Normsprint 4,8 Sekunden auf der Messuhr, wenngleich teuer erkauft durch Verbräuche von deutlich über 17 Liter Super Plus.
Teurer Unterhalt, aber kaum Mängel
Das, was für das 8E-Basismodell zutrifft, gilt auch für das Topmodell: Außer Spesen nichts gewesen, denn es geht an dem RS4 einfach nichts kaputt. Motor und Getriebe laufen ebenso problemlos, wie bei jedem der vierzylindrigen Verwandten. Einzig die Zündspulen machen gelegentlich schlapp. Sie sind aber mit wenig Aufwand zu ersetzen.
Für derzeit knapp 30.000 Euro stehen die ersten Exemplare bei den Händlern, wobei die Empfehlung dem Cabriolet gilt. In ihm ist die Verbindung von bollerndem V8, sportwagenmäßigen Fahrleistungen und unerschütterlicher Qualität mit besonderer Intensität zu erleben. Ein Genuss, der für die hohen Unterhaltskosten samt anhaltendem Wertverlust entschädigt.
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