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Galerie: Kaufberater Porsche 911 (964)

Kaufberater: Porsche 911 (964)

Das erste Mal

16.08.2012

Im Leben sollte ein Mann einen Baum, ein Haus und? Richtig. Einen Porsche gekauft haben. Doch was sich so einfach liest ist in Zeiten der allgemeinen Finanzkrise und Resourcenknappheit trotz der guten Finanzierungsangebote der Neuwagenabteilung in Zuffenhausen wohl nur für die wenigsten von uns zu realisieren. Bleibt der Blick in die Gebrauchtwagenbörse von AutoScout24, wo in der Preislage zwischen knapp zwanzig- und dreißigtausend Euro eigentlich nur eine Baureihe in Frage kommt. Der 911 des Baumusters 964.

Es ist jener Porsche, der der Generation Gameboy schon bei seinem Debüt 1989 schlaflose Nächte bereitete und den Freaks von damals die Grundlage für endlose Diskussionen für und wider den Einzug der Moderne bei Porsche bot. Was sich heute kaum jemand mehr vorstellen kann, war Ende der 80er Jahre Realität. Porsche war so gut wie Pleite.

Mehr Komfort

924, 944 und 928 waren über die Jahre zu Ladenhütern geworden und die G-Baureihe des 911 (die mit den Faltenbälgen in den Stoßfängern) erinnerte selbst Fans mit ihrer antiken Technik und dem nicht vorhandenen Komfort zu sehr an das Urmodell 356. Der 964 musste das besser können, dabei sollten die sportlichen Fahreigenschaften aber selbstredend nicht verloren gehen und auch das Thema Sicherheit und Umwelt sollte nicht zu kurz kommen.

Das Ergebnis war der mit wuchtigen Stoßfängern aus glasfaserverstärktem Kunststoff verzierte 964. Rund 80 Prozent aller Teile waren neu, auch wenn das nur wenig veränderte Äußere dies kaum vermuten ließ. So verfügte das neue Modell bereits bei der Präsentation über Softie- Gimmicks wie Servolenkung oder ABS und plötzlich gab es einen Airbag im Angebot.

Die Qual der Wahl

Um das Angebot des Neuen möglichst attraktiv zu gestalten, gab es neben der klassischen Coupé-Version auch wieder einen Targa und ein Cabriolet. Daneben kamen ein Turbo, ein RS-Modell und sogar ein extrem rarer Speedster zum Einsatz. Als besondere Innovation war der 964 mit seinem 250 PS starkem Saugmotor auch als Allradmodell 4S lieferbar. Das System war weitgehend aus dem des Supersportwagens 959 weiterentwickelt worden und sorgte für zusätzliche Attraktivität in den Alpenländern.

Je nach Einsatz

Wer sich für einen gebrauchten 964 interessiert kommt nicht umhin, sich einige grundsätzliche Fragen zu stellen. Neben der Entscheidung für die Karosseriebauart steht auch der künftige Verwendungszweck im Vordergrund. Soll der 911er nur zum sonntäglichen Flanieren sein, bedarf es eines Top-Exemplars mit sauberer, also unfallfreier Historie, um bei einem eventuellen Wiederverkauf keinen Schiffbruch zu erleiden.

Anders bei den Freunden der gepflegten schnellen Nordschleifenrunde. Hierfür reicht ein mittelmäßiges Modell, da der 964 sowieso irgendwann an der Planke des Schwedenkreuzes frische Waldluft schnuppern wird. Für die, die auf der normalen Straße bleiben möchten gilt es in erster Linie, auf saubere Spaltmaße zu achten. Kleinigkeiten, wie schlappe Haubenlifter oder angerempelte Stoßfänger sollte man bei einer guten Substanz dagegen nicht zu hoch bewerten.

Wenig Rost-Probleme

Galerie: Kaufberater Porsche 911 (964)Ist die Karosserie unfallfrei, bleibt die Suche nach dem Rost. Immerhin ist der Porsche 964 mittlerweile auch schon teilweise über 20 Jahre alt. Doch außer an den Kontaktpunkten der Gummidichtungen zur Karosserie und hinter den voluminösen Plastikschürzen bietet die vollverzinkte Karosserie dem Rost kaum Angriffsfläche. Schlecht ausgebesserte Steinschlagschäden, unterschwellige Verformungen nach Parkremplern oder gespachtelte Kotflügelkanten sind eher ein Bild schlechter Pflege als mieser Qualität.

Die trifft man schon eher im Innenraum, wo leider auch im 964 immer noch die Tristesse des Käfer-Einerlei herrscht. Die klobigen Schalter und finzeligen Knipser sind nicht nur wahllos auf dem Armaturenbrett verstreut, sondern auch nicht besonders haltbar. Gleiches gilt für das Bezugmaterial der Schalttafel. Es reißt bei intensiver Sonneneinstrahlung schon mal und gibt nach, ebenso wie zahlreiche billige Verkleidungen, vor allem im Kofferraum. Die Qualität der Sitze und ihrer Bezüge ist dagegen vorbildlich und präsentiert sich auch nach Jahren noch gut in Schuss.

Vorsicht bei Cabrio und Targa

Galerie: Kaufberater Porsche 911 (964)Im Hinblick auf die Karosserie sind die beiden offenen Versionen auch im Alter speziell. Das Cabriolet verfügt zwar über ein elektrisches Verdeck, dessen Antrieb verrichtet seinen Dienst bisweilen aber nur widerwillig oder gar nicht mehr. Wichtig ist dabei auf eine ausreichende Schmierung der Gelenke des Gestänges zu achten. Ebenfalls erhöhte Aufmerksamkeit erfordert die Persenning, deren Knöpfe bisweilen in den Streik treten. Zudem sollte die Heckscheibe des Cabriolets noch nicht völlig milchig sein.

Cabriolet und Targa eint zudem der Wunsch nach Gummipflege. Nur wenn die zahlreichen Dichtungen regelmäßig behandelt wurden bieten sie auch nach Jahren noch die notwendige Geschmeidigkeit, um die Insassen und den Innenraum vor Feuchtigkeit zu schützen. Härten die Dichtungen aus, schrumpfen sie und Wasser kann eindringen. Ein Ersatz Dichtungen ist teuer und meist nur von Porsche lieferbar.

Malaisen mit dem Sixpack

Wie beim Menschen schlagen sich auch beim Porsche kleine und große Sünden sofort auf die Form des Sixpacks nieder. Generell gilt der im Heck verbaute 3,6 Liter (der Turbo hat 3,3 Liter) als mechanisch außerordentlich solide. Vorraussetzung für biblische Laufleistungen, die auch durchaus jenseits der 300.000 Kilometer liegen können, ist jedoch eine gute und damit teure Wartung.

Galerie: Kaufberater Porsche 911 (964)Diese schließt neben dem selbstverständlichen Serviceereignissen auch eine regelmäßige Werkspflege ein, wo etwa anfängliche Mängel wie die unzulängliche Entlüftung der Zündverteiler der Doppelzündung abgestellt wurden. Ölundichtigkeiten, ganz gleich wo sie am Motor auftreten, sind ein Indiz für anstehende Reparaturen größeren Umfangs. Langsteher leiden, ebenso wie rennsportmäßig bewegte Fahrzeuge, zu Ölnässe an der Kurbelwelle oder an den Motorhälften, während unfachmänisch aufgebockte Fahrzeuge schon mal den Inhalt Ihres Ölvorrates (Tockensumpfschmierung) aufgrund eines in der Nähe der Wagenheberaufnahme verlaufenden Ölrohres verlieren.

Aber auch wenn es unter dem Wagen trocken ist, kann es teuer werden. Etwa wenn die maroden Aufhängungslager der Maschine so weit nachgegeben haben, dass der Motor auf die Abgasanlage drückt und diese zu reißen beginnt. Problemlos ist dagegen die Einspritzung aus dem Hause Bosch sowie die Zündanlage, die lediglich alle 80.000 Kilometer nach neuen Verteilern und Verteilerkappen verlangt.

Mehr Sicherheit

Mit dem 964 verschwand auch endlich die Drehstabfederung aus dem 911 und eine Federbein-Vorderachse zog ein. Der 911 wurde dadurch zwar nicht zum gutmütigen Schaf, bot aber ein deutliches Plus an Fahrsicherheit, ohne an Agilität einzubüßen. Im Alter kann die neue Radaufhängung ebenfalls punkten, denn außer an getunten Modellen mit überbreiten Reifen und Felgen (hier auf Originalität achten) oder an tiefergelegten Autos macht sich keine Schwäche bemerkbar.

Gleiches gilt für die Bremesanlage, die mit frischen Scheiben und Belägen auch heute noch zur Spitzenklasse zählt. Gelegentlich festgerostete Kolben in den Bremssätteln sind eine Ausnahmeerscheinung, können aber die Reparaturrücklagen gefährlich aufzehren.

 
Fazit
 

Sven Jürisch

Der Traum vom gebrauchten Porsche 911 muss speziell mit dem 964 nicht zum Alptraum werden. Gute Autos sind in Originalzustand und mit Laufleistungen bis 150.000 Kilometer mit etwas Sorgfalt bei der Auswahl bedenkenlos zu empfehlen. Dies gilt auch für Cabriolets und Targas, während die Turbomodelle eher etwas für finanziell besser aufgestellte Freaks sind. Doch auch wenn der Porsche in die Jahre gekommen ist, er ist und bleibt ein Luxussportwagen dessen Unterhaltskosten sich auf einem entsprechendem Niveau bewegen. Da stellt der bescheidene Verbrauch von rund 13 Litern noch den kleinsten Posten dar.

Die Teileversorgung ist, wenn man es sich leisten kann, durch Porsche umfassend gewährleistet und wer mag, trifft auf eine rührige und kompetente Clubszene, wo jeder nach seinem Temperament bedient wird.

Jetzt den letzten "alten" 911 er sichern, im Sommer fahren und sich an einem tollen Youngtmer mit Potential erfreuen heißt also die Devise. Welches Modell bleibt dem eigenen Geldbeutel überlassen, nur original sollte es sein.
 
 
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