Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
„Nachhaltigkeit“ wird gerne überstrapaziert. Wenn jedoch eine ganze Industrie erstens in der Krise, zweitens vor dem Umbruch und drittens in der globalen Verantwortung steht, kann man durchaus von Nachhaltigkeit sprechen, wenn teure Hobbys auf den Prüfstand kommen – und abgesägt werden. BMW hat die Zeichen der Zeit erkannt und stoppt sein F1-Engagement. Die zweite gute Nachricht ist: BMW wird auch weiterhin Motorsport betreiben – aber in der Breite und näher am Kunden.
Sind wir mal ehrlich: Richtig spannend ist die Formel 1 doch wirklich schon lange nicht. Zu viel dreht sich um Reglements, Politik, Geld und Obsessionen Einzelner. Und ohne die sportlichen Leistungen der Fahrer zu schmälern, darf man sagen, dass Rally-Piloten die wahren Helden unter den Rennfahrern sind.
Rennsport lebt von Spannung und Identifikation. Und die erlebt man eben nicht bei einem F1-Event. Weder live noch im Fernsehen lässt sich die Geschwindigkeit vermitteln, die Kurvendynamik oder Überholmanöver. Ständige technische Änderungen von Saison zu Saison sollen die Attraktivität erhalten, Überholmanöver erleichtern, das Spektakel anheizen. Die Teams bekriegen sich gegenseitig über die Presse, „Spionage“-Vorwürfe gar werden durch die Medien gehetzt. All dieser Zinnober hat mit Autofahren oder Sport nichts mehr zu tun. Noch ein paar Beispiele gefällig?
Wie Motorsport tatsächlich funktioniert zeigt das 24-Stunden Rennen auf dem Nürburgring: Da campen und grillen die Fans an der Strecke, im Fahrerlager ist wirklich was los und in jeder Kurve gibt es ständig die spannendsten Überholmanöver. Ein 600 PS GT3-Renner muss nicht nur seine Rundenzeiten in der Nacht halten sondern nebenbei noch seriennahe Opel Astras oder 1er BMWs ausweichen, die gleichzeitig und ebenso verbissen um den Klassen-Sieg auf einer Rennstrecke kämpfen, die nicht nur die längste und härteste der Welt ist, sondern außerdem zu gefährlich für die Formel 1. Das ist großer Motorsport.
Deshalb haben BMW Vorstands-Chef Reithofer und sein Entwicklungsvorstand Draeger Recht, wenn sie nach dem Abschied aus der Formel 1 den Fokus auf den Kunden- und Breitensport setzen. „BMW ist die mit Abstand erfolgreichste Marke beim 24-Stunden-Rennen auf der Nürburgring-Nordschleife“ – hinter diesem knappen Satz des Entwicklungschefs steht eine lange Siegerliste: 1970, ‘71, ‘72, ’73, ‘84, ‘85, ‘86, ‘89, ‘90, ‘91, ‘92, ‘94, ‘95, ‘96, ‘97, ‘98, 2004 und 2005 und Namen wie Hans-Joachim Stuck und Niki Lauda, Joachim Winkelhock und Kris Nissen, Peter Zakowski und Andreas Bovensiepen sowie 114 Klassensiege.
Natürlich findet ein 24-Stunden Rennen in der Eifel mit rund 200.000 Besuchern nicht vor der gesamten Weltöffentlichkeit statt, aber ein 245 PS starker 120d im Renntrimm für € 150.000 ist wesentlich näher am Kunden als ein F1-09. Die BMW Motorsport Abteilung betont aber auch mit den anderen Modellen das Prinzip Machbarkeit: Vom 400 PS starken Z4 M Coupé (€250.000) über den M3 GT4 (420 PS, €120.000) zum S-2000 homologierten 320si WTCC mit 275 PS für knapp € 200.000 deckt das Spektrum wichtige Modelle und Baureihen ab. Einzig ein Rennwagen im GT3-Format (vergleichbar mit Porsche 997, Audi R8, Lamborghini Gallardo oder Ford GT) fehlt. Noch.
Zur „Nachhaltigkeit“ gehört für BMW also die Nähe von Produkten und Menschen. Im ökonomischen Sinn war das F1-Engagement für BMW daher nicht nachhaltig: zu viel Geld, Aufwand und Kommunikation wurden für einen Zirkus verschwendet der die Werte der Marke BMW nicht auf Dauer unterstützt. Wenn Motorsport Produkt und Mensch zusammen bringen soll, dann kann das mit einem noch größeren Engagement im Breitensport nur besser werden.
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