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Kommentar: Die Zukunft von GM

Kommentar: Die Zukunft von GM

GM-Insolvenz - mehr als wahrscheinlich

07.04.2009

Obama greift durch. Nachdem General Motors Ende 2008 noch unter Vorgänger Bush Milliarden US-Dollar als Nothilfe bekam, ist das Ende März 2009 vorgelegte Sanierungskonzept beim neuen US-Präsidenten durchgefallen. Jetzt läuft die allerletzte Frist für den ehemaligen Industriegiganten. Neben der Nachrichtenhysterie um verpfändete Patente und Grundstücke ist das Ergebnis bereits abzusehen: Chapter 11 für GM. Das bedeutet nicht nur eine geregelte Insolvenz in Detroit, sondern auch eine neue Chance in Rüsselsheim – denn über eine Lösung für Opel wird seit Wochen nicht nur verhandelt, sie ist bereits in Arbeit.

Barack Obama ist ein Mann der klaren Worte. In seiner Antrittsrede vor nicht einmal drei Monaten hat er den USA harte Entscheidungen angekündigt. Und Härte zeigt er nun auch gegenüber der heimischen Autoindustrie. Das Sanierungskonzept von General Motors ist mit Pauken und Trompeten durchgefallen, eine allerletzte Frist für eine überzeugende Strategie wurde gesetzt: 60 Tage.

Was von vielen Berichterstattern als Gnadenfrist umschrieben wurde ist vielmehr eine Galgenfrist. Denn allein der Umstand, dass Rick Wagoner auf Betreiben des Weißen Hauses seinen Hut nehmen musste, zeigt, dass endlich Klartext in Sachen GM gesprochen wird. Und dass die US-Regierung die Handlungsinitiative übernommen hat. Täuschen wir uns nicht: Wenn Präsident Obama sich eine halbe Stunde Zeit nimmt, um nach der Entlassung Wagoners zur Situation der US-Autoindustrie zu sprechen, dann ist Großes bereits eingeleitet. Obama hat schließlich noch ein paar andere Baustellen in der Welt und will endlich auch von GM Resultate sehen. Wagoners Nachfolger Fritz Henderson hat selbst schon mehr als oft in den vergangenen Tagen eine geregelte Insolvenz des Autobauers als „wahrscheinlicher“ beschrieben.

Denn der desaströse Zustand von GM ist weniger eine Frage einer verfehlten Modellpolitik als vielmehr eines Managements, welches Überproduktion und nachfolgende Dumpingpreise als billiger ansah als Werksschließungen und harte Verhandlungen mit den Gewerkschaften oder schlanke Produktionsprozesse. Konkurrent Ford immerhin musste bisher keine Rettungs-Budgets in Anspruch nehmen und steht vergleichsweise gut da - obwohl die Absatzeinbrüche dieselben sind und auch die Modellpalette des Konzerns in den USA mit GM vergleichbar ist.

Liest man die Rede des US-Präsidenten vom 30. März 2009 im Wortlaut und mit Stichwort „Chapter 11“ im Hinterkopf, dann braucht man für die Zukunftsprognosen keine Kristallkugel mehr.

60 Tage werden auch unter Hochdruck gerade ausreichen um Chapter 11 vorzubereiten und die Zeit läuft schon jetzt davon, jeder weitere Monat Konzepterstellung kostet Milliarden ohne einen Fortschritt zu bringen. Eine Frist für ein allerletztes Konzept ist da purer Luxus, Zeitverschwendung. Und die Eckpunkte der Konzernsanierung stehen bereits seit Monaten, wenn nicht Jahren, fest und definieren ein Mammut-Projekt: Konsolidierung von Verbindlichkeiten in Milliardenhöhe. Deutliche Verringerung der Produktionskapazitäten bei gleichzeitiger Erhöhung der Produktionseffizienz  (Produktionszeit pro Auto) und Reduktion der Belegschaft. Verringerung der Gewerkschaftsforderungen inklusive Pensions- und Krankenkassenansprüche bereits frei gestellter Arbeiter.

Aus eigener Kraft wird weder das GM-Management noch ein anderes diese Anforderungen erfüllen können. Dies ist dem jetzigen GM-Vorstandschef Henderson ebenso klar wie dem Chefberater der US-Auto-Taskforce Steven Rattner. GM sitzt derart tief im Dreck, dass der Karren nur unter echten Schmerzen herauszubekommen ist. Und diese Schmerzen werden neben dem Management auch die Arbeiter, Pensionäre, Gewerkschaften und alle weiteren Gläubiger und übrigen „stakeholder“ zu spüren bekommen. Denn „Gläubigerschutz“ bedeutet im Falle von Chapter 11 Schutz vor Gläubigern.

Bedenkt man weiterhin, dass „Bankrott“ bisher als Unwort in der Branche galt („Niemand kauft von einem bankrotten Hersteller ein Auto“), so gewinnt die zeitgleich zur Ansprache Obamas verlautbarte Garantieleistung seitens der US-Regierung die Bedeutung eines Startschusses. Obama: „If you buy a car from Chrysler or General Motors […] your warranty will be safer than it's ever been, because starting today, the United States government will stand behind your warranty.“ (Wenn Sie heute ein Auto von Chrysler oder General Motors kaufen, wird Ihre Garantie sicherer sein als jemals zuvor, denn von heute an steht die US-Regierung hinter Ihrer Garantie.)

Diese staatlich garantierten Garantieleistungen sind jedoch mehr als nur eine Absicherung der Kundenansprüche gegenüber Buick oder Chevrolet oder Cadillac: Diese staatlichen Garantien bereiten eine geregelte Insolvenz vor und hebeln das größte Gegenargument schon zwei Monate vor Inkrafttreten des Gläubigerschutzes aus. Und das ist wichtig, denn in den kommenden Tagen und Wochen werden wieder im Stundentakt die Nachrichten durch die Medien gehetzt, wie es mit GM weiter geht, welche Entscheidungen anstehen, wie der Verhandlungsstand mit den Gewerkschaften ist , welche Pensionsansprüche zusammengestrichen werden, welche Standorte  geschlossen werden müssen. Diese Nachrichten würden die Absatzsituation einer sich neu erfindenden GM nicht gerade verbessern. Allein dieser Verunsicherung wegen wird die US-Regierung selbst für die Garantieansprüche der Neukunden geradestehen. Und dafür sorgen, dass die Neustrukturierung des Konzerns fundamental sein wird.

 
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