E10
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Kommentar: Für und wider E10

Kommentar: Für und wider E10

E10, (k)ein Problem

16.03.2011

Als Biosprit wird er gepriesen, der vom Autofahrer bisweilen verschmähte Treibstoff E10. Doch umwelt- und energiepolitisch ist er, da sind sich die Experten einig, Unsinn. Doch Nutzen hin oder her: Die größten Absatzschwierigkeiten dürfte den Mineralölkonzernen die Mär der Unverträglichkeit bereiten.

Die Verunsicherung in der Bevölkerung, das haben die Experten beim Benzin-Gipfel im Kanzleramt festgestellt, ist groß. Nicht, weil die Leute nicht wissen, ob E10 nun gut für die Umwelt ist oder nicht. Sondern weil sie nicht wissen, ob ihr Auto den neuen Sprit verträgt.

Die meisten Autos sind E10 tauglich

Denn: In der Tat können durch E10 drastische Schäden am Motor entstehen – wenn dieser nicht auf den höheren Ethanolanteil im Benzin ausgelegt ist. Das aber sind die meisten Fahrzeuge, so dass Bedenken beim Tanken – aus technischer Sicht – unbegründet sind.

Von den 42,3 Millionen Autos, die in Deutschland derzeit zugelassen sind, vertragen laut ADAC in etwa drei Millionen Pkw den E10-Kraftstoff nicht. Dazu zählen aber auch all die Fahrzeuge, die ohnehin SuperPlus-Benzin mit mindestens 98 Oktan tanken sollten und viele Oldtimer, ohne G-Kat und mit Vergaser, die in der Regel aber auch nicht im Alltag bewegt werden.

Nur wenige Ausnahmen

Die meisten Hersteller erteilen E10-Freigaben für fast alle Modelle ab den frühen Neunziger Jahren, spätestens zur Jahrtausendwende kamen – bis auf wenige Ausnahmen – nur noch Autos auf den Markt, die den erhöhten Ethanol-Anteil vertragen. Das ist nun über zehn Jahre her; zum Vergleich: das durchschnittliche Autoalter in Deutschland beträgt 8,1 Jahre.

Und die Ausnahmen beschränken sich in der Tat auf wenige – zugegebenermaßen aber medienwirksame – Modelle. So erteilt etwa Volkswagen insgesamt vier Golf-Motoren keine Genehmigung. Beim Golf IV war es der 1.6 FSI (81 kW) aus dem Baujahren 2002 bis 2006, beim Golf V sind es der 1.4 FSI (66 kW, 2004 - 2005), der 1.6 FSI (85 kW, 2004) und der 2.0 FSI (110 kW, 2004). Sieht man sich aber in der Gebrauchtwagenbörse von AutoScout24 um, stellt man fest, dass von diesen vier Golf-Modellen gerade mal 389 Fahrzeuge angeboten werden.

Nicht mal 800 Autos bei AutoScout24

Zum Einsatz kamen die direkteinspritzenden Benziner im VW-Konzern außerdem auch im Lupo, Polo, Bora und Touran sowie im Audi A2, A3 und A4. Doch auch hier ist das Bild ähnlich: Im geamten AutoScout24-Gebrauchtwagenbestand finden sich 395 E10-unverträgliche Audis. Hinzu kommt eine Handvoll Mercedes (C-Klasse und CLK mit Zwei-Liter-Direkteinspritzer aus den Jahren 2001 bis 2005) sowie rund 200 Opel Zafira mit 2.2-Direct-Motor.

Betrachtet man die zehn meistgesuchten Fahrzeuge bei AutoScout24 – die rund ein Viertel aller Suchanfragen ausmachen –, so sind darunter gerade mal 790 angebotenen Fahrzeuge, die kein E10 tanken dürfen.  

Informieren ist wichtig

Das Problem ist nicht die Unverträglichkeit der Fahrzeuge, sondern die Unwissenheit der Autofahrer. Wer nicht genau weiß, ob sein Auto E10 verträgt, findet ausführliche Informationen in einer von DAT erstellten und gepflegten Liste oder direkt hier, bei AutoScout24. Sollten dann noch Zweifel bestehen, informieren die Händler über die Verträglichkeit.

Unabhängig davon, dass die meisten Autos E10 vertragen, darf die Kritik daran aus umweltpolitischer Sicht freilich bestehen bleiben. Im Vergleich zu anderen klimapolitischen Optionen sei der Öko-Sprit nutzlos, so der einhellige Experten-Tenor. Gemessen auf einen Hektar Anbaufläche werde auf diese Weise zu wenig CO2 gespart.

„Lasst den Unsinn sein!“

So gab schon im Dezember 2008 der Wissenschaftliche Beirat der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WGBU) in einer Studie die Empfehlung, das Gesetz zur Beimischung von Biokraftstoffen zu stoppen. Und auch heute, zwei Jahre danach, lautet die Empfehlung: „Lasst den Unsinn sein!“.

Biotreibstoffe in Verbrennungsmotoren zu verfeuern, sei auf Grund derer Ineffizienz sinnlos. Die Klimaschutzwirkung aller in Deutschland angebauten Biosprit-Sorten ist negativ, schadet dem Klima also mehr, als sie ihm nutzt. Vor allem, weil gewaltige Flächen für den Anbau reserviert werden müssen, die anderswo auf der Welt – vor allem für die Nahrungsmittelherstellung – ersetzt werden müssen. Zum Beispiel durch großflächig abgeholzten Regenwald.

Der Zweck heiligt den Grund

Insofern ist der Protest gegen den neuen Treibstoff und der E10-Boykott der Autofahrer durchaus gerechtfertigt und sinnvoll – wenngleich die meisten wohl nicht der Umwelt, sondern ihres Autos wegen in Aufruhr sind. Doch der Zweck heiligt ja nicht nur die Mittel, sondern in diesem Fall auch den Motivationsgrund.  

 
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