Auto Salon Genf 2013
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Galerie: Kommentar Genfer Autosalon 2013

Kommentar: Genfer Autosalon 2013

Partystimmung

06.03.2013

Nach der Krise ist vor der Krise und Elektro ist normal. Man mag sich nach den vergangenen Jahren verwundert die Augen reiben, doch auf dem Genfer Autosalon geht man 2013 nicht mehr in Sack und Asche. Das ist einerseits dem Umstand geschuldet, dass die Weltwirtschaft das Ärgste der Krise hinter sich zu haben glaubt. Andererseits ist das Thema Elektroantrieb kein Mysterium mehr, sondern Basistechnologie. Normal. Mainstream.

Emotionen dominieren die Messe dieses Jahr. Im Massenmarkt stehen Veredelung, Individualisierung im Vordergrund, beste Beispiele sind der VW cross-Up und der Opel Adam Rocks. Ein paar Emotionsklassen darüber gibt LaFerrari eine Generalaudienz. Und im Luxussegment zeigt der Rolls Royce Wraith endlich, was wahre Klasse ist.

Galerie: Kommentar Genfer Autosalon 2013Bei den Sportwagen jedoch lässt sich am besten zeigen, wie Zukunftstechnologie wirklich funktioniert: Der Alfa Romeo 4C leistet im Vergleich zu anderen Sportwagen bescheidene 240 PS. Doch in Verbindung mit dem sensationell geringen Gewicht von unter 900 Kilogramm steht dieser Mittelmotorsportler in bester Tradition echten Sportwagenbaus. Wie auch der Toyota GT86, der als logische Cabrioversion zu sehen ist. Hier steht eben nicht der Leistungswahnsinn im Vordergrund, sondern das Motto: „Nicht zu fett ist auch OK”.

Porsche hat diese Tradition schon lange und zeigt folgerichtig den Carrera als GT3. Auch hier ist Gewichtsreduktion Teil des Konzepts, doch eine (zunächst wenig verständliche) Anbiederung an den Zeitgeist ist das Doppelkupplungsgetriebe als Basisausstattung. Doch hier wird ein weiterer wichtiger Trend deutlich: Den Takt geben nicht mehr die deutschen Kunden und Fans vor. Man bereitet sich auf eine neue Kundschaft vor, die der Mensch-Maschine-Interaktion weniger Bedeutung beimißt als es Petrolheads tun.

Auch bei Mercedes ist dies zu beobachten: Mit dem CLA haben sie eine hübsche Stufenheck-Limousine hingestellt, die als Viersitzer jedoch nur wenig Sinn ergibt, als downgesiztes Statussymbol dafür umso mehr. Folgerichtig kommt auch eine aufgebohrte AMG-Version, die als 360 PS starke Allrad-Kompakt-Limousine nicht völlig unsinnig für den aufstrebenden DINK-Haushalt ist (DINK = double income, no kids, auf deutsch: Doppelverdiener ohne Kinder). Zweitens hat der CLA für ein Schwabenauto überraschend viel Protz mitbekommen und in Verbindung mit der schon feminin geschwungenen Rückleuchten-Grafik zielt er auf den Kundengeschmack in Übersee.

Galerie: Kommentar Genfer Autosalon 2013Die andere Seite der Medaille ist in direkter Nachbarschaft von Mercedes zu sehen: Mit Quoros kommt die erste chinesische Automarke nach Europa, die tatsächlich für Aufsehen und Unruhe in deutschen Chefetagen sorgen wird: Stimmiges Design, ordentliche Verarbeitung und Pläne für die wichtigsten Segmente (Mittelklasse-Limousine und -Kombi, kompakter Hatchback) lassen eine Wachablösung mit den Koreanern erwarten, die sich von günstigen Einstiegspreisen bereits in Richtung Hochwert vorarbeiten. Gut und günstig wird in Zukunft auch aus China kommen können.

Elektro? Alternative Antiebe? Alles da. Jeder Hersteller hat einen Plugin-Hybriden, Range Extender oder gar batterieelektrischen (BEV = battery-electric-vehicles) Gehversuch gestartet, teils schon in Serie (Nissan Leaf, Opel Ampera). Der Markt ist noch nicht so weit, doch die Produkte werden es sein, wenn die Ölpreise wieder deutlich und anhaltend steigen, oder Klimaziele sich eines Tages tatsächlich in Politik verwandeln. Einer wird dann seiner Zeit so voraus sein, wie es der Elektro-Smart bereits ist: der BMW i3. Die Münchner können sich insgeheim genauso freuen wie die Kollegen aus Stuttgart mit dem genannten Smart und dem Elektro-SLS, denn Rivale Audi hat angesichts der Unsicherheit das Handtuch geworfen und zieht sich aus der seriennahen BEV-Entwicklung zurück.

Auch Renault traut sich, seinen eAutos Platz auf der Bühne zu schaffen, bei den meisten anderen Herstellern stehen sie jedoch nicht im Vordergrund. VW kann sich nur zu einer Kleinstserie des Plug-in-Hybrid-Zweisitzers XL1 durchringen, ansonsten ist es dunkel in der Wolfsburger Elektroabteilung.

Galerie: Kommentar Genfer Autosalon 2013Doch selbst Porsche kann sich bei einem künftigen GT3 eine elektrische Vorderachse vorstellen, wenn sich das von Packaging und Gewicht darstellen lässt. Zeithorizont: Ein bis zwei Modellzyklen. Der 918 Spyder soll das ab Ende 2013 bereits in Serie machen, so wie LaFerrari Hybrid und Supersport vereint. Die Systemleistungen dieser im besten Sinne wahnsinnigen Hybriden mit knapp 800 beziehungsweise über 900 PS liegen damit über den 750 “PS” des Elektro-SLS. Preise? Irrelevant. Diese Autos sind Statements. Versuchslabore. Marketing-Instrumente.

Ein Hype auf breiter Basis ist das jedoch nicht. Und eine Euphorie der Autokäufer, der privaten zumal, ist nicht feststellbar. Zuletzt sind die Zulassungen im Februar 2013 wieder um zehn Prozent gefallen, noch schlechtere Zahlen konnten womöglich nur durch massive Tageszulassungen der Hersteller vermieden werden. VDA-Chef Wissmann spricht vom „fordernden Arbeitsjahr 2013”.

Partystimmung ist anders.

 
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