Auto Salon Genf 2014
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Kommentar: Genfer Autosalon 2014

Kommentar: Genfer Autosalon 2014

Eine gute Show

07.03.2014

Wer dieses Jahr über den Autosalon in Genf schlendert, wird zum ersten Mal seit Jahren wieder das Gefühl bekommen, dass eine gewisse Erdung stattgefunden hat. Auch wegen der Supersportwagen.

Es ist alles da. Vom Kleinwagen über Elektroautos, Konzeptstudien und Familienautos bis hin zur millionenteuren Kleinstserie. Das ist die gute Nachricht aus Genf: Es ist für jeden etwas dabei.

Bei den Kleinwagen prescht Renault mit einem unkonventionellen Twingo vor, der mit Heckmotor und Heckantrieb das Feld aufmischen soll - wow. Man denkt sofort an VW Käfer und Porsche 911 und natürlich an den Smart - und letzteres ist kein Zufall. Denn der Twingo ist sichtbares Zeichen für die Kooperation zwischen dem französischen Kleinwagenspezialisten und Daimler, die auf der selben Plattform endlich einen Nachfolger für den missglückten ForFour vorstellen werden. Citroën kontert mit dem (zwar konventionellen) C1, der als hübscheste Alternative in diesem Segment angesehen werden kann. A propos Citroën: Der Cactus zeigt, dass man ein Automobil für die Fahrt von A nach B auch abspecken kann, einfach, indem man sich auf das Wesentlichste konzentriert. Auch sowas geht in Genf.

Studien und Konzeptautos dagegen dürfen viel, vor allem Unvernünftiges, denn sie brauchen für ihre Daseinsberechtigung keine Straßenzulassung. Umso schöner ist es, wenn ein Designentwurf schon seriennah ist und auf einer fahrfertigen Plattform steht, wie der wundervolle Maserati Alfieri. Der italiensiche Premiumhersteller wird also in Zukunft nicht nur dynamische Limousinen anbieten, sondern auf Basis des Alfieri wieder einen betörenden GT. Corvette und Jaguar F-Type dürfen sich also warm anziehen, wie auch Aston Martin, die in der Zwischenzeit nicht müde werden ihr Sportcoupé Vantage nach neun Jahren Bauzeit wieder mit einer gelungenen Sonderserie namens N430 aufzufrischen.

Bei den normalen Autos zeigt BMW, dass man sich durchaus zutraut die Marken-Gene sogar in das unbekannte Terrain der Kompaktvans zu tragen: Mit dem 2er Active Tourer kommt endlich ein BMW für die Familie. Quasi nebenbei haben sie aus dem 4er Coupé eine gelungene viertürige Variante namens Gran Coupé abgeleitet, der elektrische i3 ist schon keine Neuheit mehr, während der i8 das Segment der spritsparenden und leichten Sportwagen erschaffen wird. Diese Bandbreite zeigt exemplarisch, dass viele Autohersteller ihre Hausaufgaben gemacht haben.

Ein gemischtes Bild dagegen bei der Volkswagengruppe: Seat schärft mit dem Cupra seinen sportlichen Markencharakter während VW die Polo-Plattform in Richtung Cross-Polo ausweitet und seine Ideen für ein echtes Polo-SUV namens T-Roc zeigt. Weniger Mut dagegen ausgerechnet bei Audi, deren einzige Messeneuheit die dritte Generation des TT ist, die jedoch wie ein Facelift aussieht - zum Glück haben sie noch eine supersortliche TT-Version mit 420 PS daneben gestellt. Und bei Skoda ist den Designern das neue, kantigere Markengesicht derart zu Kopf gestiegen, dass sie mit dem Vision-C ein so scharf geschnittenes Viertürer-Coupé zeigen, dass man sich unwillkürlich fragt, ob sie nicht zu viel mit den Kollegen von Seat und Lamborghini abhängen.

Diese wiederum verbringen wohl viel Zeit in Ingolstadt, denn der Huracán wirkt von vorne wie ein Facelift des Vorgängers Gallardo. Ok, das Heck entschädigt dafür wieder. Porsche wiederum stellt nicht nur mit dem 911 RSR den Motorsport in den Vordergrund sondern traut sich, mit dem 919 Hybrid das wohl hässlichste Auto des Genfer Autosalons zu zeigen. Doch Ästhetik ist bei dem LeMans-Renner natürlich kein Wertungskriterium, bei den 24 Stunden geht es schließlich um Sieg oder Niederlage - und gegen Audi.

Auch bei Bugatti kümmert man sich gerne um Extreme und zeigt allen Ernstes ein Auto, von dem es nur drei Stück geben wird, die zudem für jeweils 2.000.000 Euro auch schon verkauft sind. Doch der Wahnwitz hat damit kein Ende, zeigt Koenigsegg doch mit dem one:1 einen Hypersportler mit über 1.360 PS. Der Name ist Programm: Bei einem Gewicht von 1.360 Kilogramm liegt das Leitsungsgewicht bei einem Kilogramm pro PS - eins-zu-1 eben. Das ist so durchgeknallt, dass man schon wieder Respekt hat.

Wie man aber die Schere zwischen Alltag und Motorsport schließt zeigt ausgerechnet Opel: Den gelungenen Kleinwagen Adam erweitern sie einerseits mit einer Cross-Variante namens Adam Rocks und positionieren sich damit ganz selbstbewusst gegen den schon erwähnten VW Cross-Polo. Andererseits zeigen sie, wie ein wirklich sportlicher Straßenfeger aussehen könnte, wenn er aus dem Rennsport abgeleitet wird: Der Opel Astra Extreme hat zwar keine Rücksitze mehr, aber dafür auch aus dem Hause VW keine Konkurrenz zu fürchten. Seine Kontrahenten haben gar keine Straßenzulassung.

Es ist diese Mischung aus Vernunft und Wahnsinn, die Genf 2014 zu einer so gelungenen Veranstaltung macht. Der Leistungswahnsinn am extremen Ende der nach oben offenen Preisskala zeigt den Spaß, mit dem man in der Autoindustrie seinen Job macht und die hohe Ingenieurskunst, die das technisch machbare immer wieder in Frage stellt. Und am anderen Ende entstehen endlich wieder interessante, eigenständige und sogar begehrenswerte Alltagsautos.

Die Frage nach Elektroautos wurde übrigens in den vergangenen Jahren in Genf schon beantwortet. Elektroautos werden längst gebaut und angeboten, sie sind zwar noch nicht so billig wie sie sein sollten aber gleichzeitig so günstig wie es nur geht. Und viele der gezeigten Neuheiten tragen eine elektrische Variante schon in ihren Anlagen. Wenn der Markt endlich danach verlangt, werden sie auch in größerer Zahl verkauft.

Bis dahin liegt der Ball im Feld der Kunden - und der Politik.

 
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