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Kommentar: Seehofers Kamellen

Kommentar: Seehofers Kamellen

Maut für "die Anderen"

14.08.2013

„Wie Du mir, so ich Dir“ ist ein derart schlichtes Konzept, dass es eigentlich schon seit dem Alten Testament als unmodern angesehen wird. Doch für Wahlkämpfer Horst Seehofer ist es ein probates Mittel in die Medien zu kommen.

Tun wir ihm doch den Gefallen.

Ja, es ist schon eine Sauerei, wenn man nach Italien fährt und nicht nur Sprit, sondern auch noch Maut bezahlen muss, total ungerecht ist das, wir zahlen doch schließlich schon drauf für Sonnenschirm in Rimini und überteuerte Pizza, „wo kommen wir denn da hin?“ fragt sich also der besorgte Deutsche, der ja immer für die anderen zahlen muss, vor allem für die Südländer und Bankenvorstände. Das mag sich auch CSU-Chef Horst Seehofer gedacht haben, als er sagte "Kein Mensch hier versteht, dass wir in fast jedem Nachbarland Maut zahlen müssen, deren Bürger bei uns aber nicht."

Fragen über Fragen

Vielleicht hilft es an dieser Stelle, sich Gedanken über den Sinn einer Autobahnmaut zu machen, wozu sie gut sein oder was sie besser machen soll. Geht es darum, den zunehmenden PKW-Verkehr langsamer wachsen zu lassen? Geht es um Schadstoffemissionen? Geht es darum, individuelle Mobilität gerechter zu machen? Alternativen zum Auto zu fördern? Geht es um eine Senkung der Mobilitätskosten des Einzelnen? Um eine sinnvollere Steuerung von Verkehrsspitzen? Eine Vermeidung von Autobahnstaus? Um eine Förderung der Elektromobilität? Ist das der Einstieg in die Mobilitätswende? Was kann, was darf, was muss eine Autobahnmaut erreichen?
Das kann man sich alles fragen.

Muss man aber nicht, wenn man Seehofer heißt und Merkel mal zeigen will, wo der Frosch die Locken hat.

Mal ordentlich heimzahlen

Seehofers Vorschlag, nur Ausländer auf deutschen Autobahnen zur Kasse zu bitten ist allerdings kreativ. Wenn er, wie schon Anfang des Jahres in Wild Bad Kreuth, sagt „wir brauchen die Maut insbesondere durch die Autobahnbenutzer, in deren Heimatländern wir selbst Maut bezahlen“ dann ist das schlicht inspirierend. „Auge um Auge“, das funktioniert ja schon seit Jahrtausenden, oder nicht?

„Insbesondere“

Eine Pauschal-Maut wäre diesem alttestamentarischen Prinzip aber nicht angemessen und uns gründlichen Deutschen unwürdig, man muss da schon differenzieren. Österreicher müssten dann gerechterweise eine Zehntages-Flatrate zahlen und die Schweizer jährlich, auch wenn sie nur mal nach Friedrichshafen wollen. Für die Italiener und Franzosen würden wir kleine Mauthäuschen aufstellen und mit unfreundlichen Menschen besetzen, damit wir sie kilometerabhängig zur Kasse bitten könnten. Und die Dänen würden nur für lange Brücken zahlen müssen. Holländer? 50 Euro Extra-Strafmaut für jeden Meter Caravan. Täglich. Spanier würden 20 Cent pro getanktem Liter Superbenzin zurückbekommen (wahlweise als Verzehrgutschein), wir wollen ja nicht ungerecht sein. Slowenen dürfen bei uns noch mehr umsonst essen, aber nur wenn sie tanken. Deutsch-Türken zahlen nur die halbe Maut und Afrikaner sollten lieber in Italien bleiben, Ressentiments sind schließlich dazu da bedient zu werden.

Ausnahmeregelungen

Ein bisschen tricky sind die Übersee-Ausländer, die sich jährlich zu zigtausenden per Mietwagen auf unsere Autobahnen einschummeln. Amerikaner zum Beispiel, die mieten sich ja gerne schnelle Autos um auf der „German Autobahn“ mal richtig schnell zu fahren, denen würden wir einen Rabatt geben, denn in den USA gibt es keine Highway-Maut und der völlig überhöhte Benzinverbrauch der Amis bei uns beschert dem Staat ja hübsche Zusatzeinnahmen bei der Mineralölsteuer und sichert Arbeitsplätze bei den Autovermietungen, vielleicht kriegen die gleich mehr Freikilometer. Anders die Chinesen. Weil es fast unmöglich ist, als Deutscher in China selber Auto zu fahren (Führerscheinbestimmungen), dürften die bei uns eigentlich gar keine Autos mieten, was in letzter Konsequenz natürlich Arbeitsplätze kosten wird, daran sollte Horst Seehofer denken.

Und dann sind da noch all die anderen Ausländer in Deutschland Bayern, all die Hessen und die Baden-Württemberger, ganz zu schweigen von den Nordlichtern aus Hamburg und Umgebung. Transit-Hamburger müssten eine Transit-Kurtaxe zahlen, doch wenn sie zum Oktoberfest kommen, könnte sie in Biergutscheinen rückerstattet werden, ein bis zwei Maß sind ja auch für Autofahrer OK. In Bayern.

 
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