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Kommentar: World Future Energy Summit

Kommentar: World Future Energy Summit

Energie aus Lippenbekenntnissen

18.01.2011

Abu Dhabi. Wer an die Vereinigten Arabischen Emirate denkt, dem kommt vor allem eins in den Sinn. Erdöl. Die schwarze, klebrige Kohlenwasserstoffverbindung hat den Wüstenstaaten zu Reichtum verholfen und ihnen binnen eines halben Jahrhunderts einen unfassbaren Wandel beschert – von den Nomadenzelten in die höchsten Hochhäuser und prunkvollsten Paläste.

Erstaunlich einerseits, dass sich ausgerechnet in der Hauptstadt der Emirate, unter der Schirmherrschaft von Sheik Mohammed bin Zayed Al Nahyan – der, das erwähnt man hier gerne, auch Oberbefehlshaber der Streitkräfte ist – alljährlich die Elite der Energie-Forschung trifft, um beim World Future Energy Summit (WFES) – dem bedeutsamsten Forum seiner Art – über die zukünftige Energieversorgung zu reden; setzt die doch Größtenteils nicht auf Öl und steht dem Wohlstand der Scheichs doch eigentlich im Weg.

Wenig Interesse

Kommentar World Future Energy SummitErstaunlich andererseits, dass in einem Land, das sich Umweltschutz, Kampf gegen den Klimawandel und Investition in erneuerbare Energien auf die Fahnen geschrieben hat, dieses Spitzentreffen der Energieforscher so gut wie gar nicht wahrgenommen werden. Nein, nicht in Abu Dhabi. In Deutschland.

Die deutschen Medien schenken dem WFES kaum Beachtung; in einem Dschungelcamp eingesperrte Alt-Achtundsechziger erregen schlicht mehr Aufsehen. Auch die Kanzlerin hat ihre geplante Teilnahme abgesagt und wollte ihren Umweltminister Röttgen schicken. Doch auch der war plötzlich verhindert, so dass das politische Deutschland nur von einem unbekannten Staatssekretär vertreten wird. Zur Ehrenrettung haben sich auf der angeschlossenen Messe immerhin zahlreiche deutsche Unternehmen eingefunden, allen voran Siemens und Daimler.

Viel Lob

Kommentar World Future Energy SummitDoch andere Länder zeigen deutlich mehr Interesse: Nach der Eröffnungsrede durch den UN-Generalsekretär Ban Ki-moon, der nicht müde wurde, die Erfolge der Klimakonferenzen in Kopenhagen und Cancún hervorzuheben, trat Islands Staatspräsident Ólafur Ragnar Grimsson ans Rednerpult und referierte über Geothermie in seinem Heimatland – das bereits 99 Prozent seines Stroms CO2-neutral erzeugt – und die Bedeutung der Wasserkraft für die zukünftige Wasserversorgung.

Grimmson folgten zahlreiche Staatsoberhäupter; Socrates des Sousa, Premierminister Portugals, lobte die Fortschritte seines Landes, rund 50 Prozent der Energie kommt aus regenerativen Quellen, 1.300 Ladesäulen für Elektroautos gibt es und bald sollen auch die entsprechenden Autos in großer Stückzahl rollen. Georgiens Premier, Nikoloz Gilauri, betonte die Bedeutung seines Landes als Lieferant sauberer Energie für seine Nachbarstaaten; die kleine Republik kann gar nicht so viel verbrauchen, wie sie produziert. Und Kronprinzessin Viktoria von Schweden erneuerte das Versprechen, ihr Königreich werde ab 2050 kein CO2 mehr ausstoßen.

Viel Leid

Neben den Lobeshymnen gab es auch andere Stimmen. Der pakistanische Präsident Asif Ali Zardari klagte ebenso wie die Premierministerin aus Bangladesh, Sheik Hasina, über Naturkatastrophen, die dem Klimawandel angekreidet werden und von denen freilich die ärmeren Länder deutlich schwerer getroffen werden. Der in hübsche Worte verpackte Aufruf zur Hilfe sei da verziehen.

Und was hört man aus Deutschland? Nichts. Hat die Bundesrepublik etwa nichts zu diesem Thema zu sagen? Oder war Frau Merkel etwa von Anfang an klar, dass neben dem Werben um Gelder und der Lobhudelei auf die eigenen Errungenschaften wenig Inhaltliches rüberkommt?

Lippenbekenntnisse

In mannigfaltigen Formulierungen wurde aufgerufen, dass alles zusammenarbeiten müssen. Die Schwierigkeiten auf dem Weg zur Energie der Zukunft kann kein Staat alleine bewältigen, Teamgeist wird beschworen, grenz- und disziplinübergreifende Forschungsprojekte gefordert. Und zur Eile gemahnt. Der Ölpeak ist erreicht, Umweltkatastrophen nehmen zu; kurz, die Zeit läuft.

Das alles aber ist nichts Neues, das wird seit Jahr und Tag beschworen. Lösungen hingegen gab es am ersten Tag des WFES keine; und dass die Experten während des dreitägigen Forums zur Weisheit letzten Schlusses gelangen, ist mehr als fraglich. Vielleicht sollte man einfach versuchen, Energie aus Lippenbekenntnissen zu gewinnen; unsere Zukunft wäre jedenfalls gesichert.

 
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