Elektromobilität-Special
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Bericht: In Norwegen boomen die E-Autos

Bericht: In Norwegen boomen die E-Autos

E-Mobilität – ein Erfolgsrezept

22.10.2012

In jüngster Zeit wurden die Stimmen derer lauter, die ein Scheitern der E-Mobilität in Deutschland prophezeien, denn der Kundenzuspruch ist weiterhin sehr gering. Doch das Beispiel Norwegen zeigt, das sich bei entsprechenden Rahmenbedingungen die saubere und nachhaltige Antriebstechnik durchsetzen kann.

Ausgerechnet das mit Erdöl und Erdgas reich gesegnete Norwegen konnte sich in den vergangenen Jahren zum Zentrum der Elektromobilität entwickeln. Nirgendwo in Europa sind so viele Stromer unterwegs wie in dem Königreich. Und niemand fördert elektrisch angetriebene Automobile so konsequent auf allen Ebenen wie die Regierung in Oslo. Damit zeigen die Norweger dem Rest der Welt, dass es eben nicht allein ausreicht, mit Barem zu winken, um die Menschen für die neue Art der Fortbewegung zu begeistern. Vielmehr benötigt man ein vollständiges Paket, um den Elektroantrieb mehr Geltung zu verschaffen.

Während Unternehmen wie Better Place, wo man auf den schnellen Batterietausch setzt, ums Überleben kämpfen, hat sich zwischen Oslo und Nordkap eine überaus motivierte Szene entwickelt, für die Elektromobilität längst zum Alltag gehört. Themen wie hohe Kosten, zu geringe Reichweite oder fehlende Ladestationen, die im Rest Europa den Elektromobilen entgegen schlagen, sind in Oslo und Umgebung souverän zur Seite geschoben worden, sodass Autos wie Nissan Leaf, Peugeot Ion oder Mitsubishi iMiev sowie einige seltsame Eigenkonstruktionen in der norwegischen Hauptstadt zum Verkehrsbild gehören.

Elf Prozent Marktanteil

Auf elf Prozent ist mittlerweile der Marktanteil geklettert und wurden bis September 2012 insgesamt 8.000 Stromer verkauft. Allein vom Marktführer Nissan Leaf, der unter den 15 bestverkauften Automobilen durch die Statistik rollt, wurden bisher im Jahre 2.000 Stück zugelassen – in Deutschland waren es gerade 350 Stück. Norwegen ist damit der beste Markt für Nissans Elektro-Pionier. Würde Deutschland einen ähnlich hohen Anteil an E-Fahrzeugen in der Neuzulassungsstatistik aufweisen, wäre das Ziel von einer Millionen E-Fahrzeuge auf deutschen Straßen bis 2020 problemlos erreichbar.

Bei der morgendlichen Fahrt oder besser beim Kampf durch den Stau auf dem Weg zum Arbeitsplatz zeigen sich die handfesten Vorteile, die Elektromobile im Königreich genießen. Während sich der Verkehr auf zwei Spuren nur zähflüssig fortbewegt, rauschen die Elektromodelle auf der Busspur an den konventionell angetriebenen Fahrzeugen vorbei. Und auch an den City-Mautstationen am Rande der Stadt müssen die Elektromobile nicht stoppen und einen Obolus entrichten. Ungehindert rollen sie in die Innenstadt, steuern auf einen der ihnen vorbehaltenen Gratis-Parkplätze und schließen ihr Fahrzeug an eine der Ladestationen an. Allein neben dem Rathaus können an der Station Aker Brygge – die größte der Welt -  50 Fahrzeuge Strom tanken. Hier dürfen ausschließlich Stromer parken.

Konsequenter Ausbau der Ladestruktur

Bis Ende 2012 werden in Oslo 500 öffentliche Ladestationen eingerichtet sein, und diese Zahl wird in Zukunft um weitere 100 pro Jahr steigen. Hinzu kommt noch die Förderung von privaten E-Tankstellen, die, um in den Genuss der Subventionen zu kommen, öffentlich zugänglich sein müssen. Bis Ende 2015 werden außerdem 250 Schnellladestationen mit bis zu zehn Anschlüssen über ganz Norwegen verteilt dafür sorgen, dass sich die Reichweite der Fahrzeuge deutlich verbessert. An diesen Stationen sind, so sehen es die Planungen vor, alle Ladetechniken verfügbar. Und 2020 schließlich wollen die Norweger insgesamt 1780 Schnelllademöglichkeiten anbieten.

Allein die Gratis-Fahrt in das Zentrum „spart den E-Mobilisten fünf Euro am Tag, und auch das Laden an unseren Stationen ist kostenlos“, erklärt Oslos stellvertretender Bürgermeister Ola Elvestuen. Noch deutlicher wird die Förderung der Elektromodelle beim Kauf. Norwegen belastet Neuwagen mit einer extrem hohen Steuerlast, die den Preis eines Automobils glatt verdoppeln kann. Die Belastung richtet sich nach Gewicht, Größe und Umweltbelastung durch CO2 und NOX. Hinzu kommt noch eine 24-prozentige Mehrwertsteuer, die den Preis weiter in die Höhe treibt.

Kostenfreier Strom aus regenerativen Quellen

Für Elektroautomobile entfallen diese Belastungen, sodass zum Beispiel ein Nissan Leaf für knapp 3.000 Euro weniger beim Händler steht als ein vergleichbar ausgestatteter Volkswagen Golf. Inzwischen kommen auch Hybrid- und Plug-in-Modelle in den Genuss einer staatlichen Förderung, die je nach Modell zwischen 6.700 und knapp 14.000 Euro liegt. Allerdings sind die Busspuren für diese Fahrzeuge tabu, und auch die City-Maut wird für sie fällig.

Eine saubere Sache ist die Elektromobilität in Norwegen auch deshalb, weil 99 Prozent des Stroms aus Wasserkraft gewonnen wird. „Die finanziellen Vorteile“, so Norwegens Umweltminister Baard Vegar Solhjell, „garantieren wir bis Ende 2017. Danach werden wir die Situation analysieren und über eine weitere Unterstützung entscheiden.“ Viele Norweger und Bewohner von Oslo haben diese Entscheidung längst getroffen. Zum Beispiel Jan Tore Gjoby. Der Elektroingenieur lebt rund 100 Kilometer von Oslo entfernt auf dem Land. „Zwei bis drei Mal in der Woche fahre ich zu meinen Kunden nach Oslo und habe bisher noch nie Probleme mit der Reichweite meines Leaf gehabt. Während der Besprechungen steht der Wagen an der Ladestation, und wenn ich nach Hause fahren will, sind die Batterien voll. Längere Strecken fahre ich schon immer mit der Bahn.“ (mh/sp-x)

 
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