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Galerie: Erster Test Brilliance BS4

Erster Test: Brilliance BS4

Made in China

17.10.2008

Dies ist nicht einfach nur ein Erstkontakt. Dies ist ein Anfang. Der Anfang für Chinas Autoindustrie, in Europa Fuß zu fassen. Brilliance, ein eher kleiner Autohersteller aus dem Land des Lächelns, ist sehr mutig und bringt den BS4 zuerst auf den harten deutschen Markt.

Eigentlich ist es nicht ungewöhnlich, neue Autos und Marken in Deutschland anzubieten. Auch in der Automobilbranche. Die Japaner taten das und tun es mit Infiniti noch heute, die Koreaner haben es gemacht, und nun eben auch Brilliance aus China.

Zuerst einmal Deutschland

Galerie: Erster Test Brilliance BS4Aber: Alle anderen Automobilhersteller hatten sich Deutschland nicht als erstes Exportland überhaupt ausgesucht. Brilliance schon. Hartwig Hirtz, Geschäftsführer von Brilliance Deutschland, sagt: „ Schaffen wir es hier, schaffen wir es überall“. Damit hat er wohl Recht. Bislang produzierte Brilliance ausschließlich für den heimischen Markt, dort wo Qualität anders wahrgenommen wird als in Deutschland. Rund 300.000 Autos baut Brilliance bislang pro Jahr. Davon entfallen etwa 130.000 Verkäufe auf den BS4, der am 25. Oktober 2008 auch in deutschen Schauräumen steht.

Größenmäßig bewegt sich der BS4 zwischen einer Mercedes C-Klasse und einem Audi A4, knapp 4,70 Meter misst er vom Scheitel bis zur Sohle. Qualitativ ist er jedoch Welten von den Deutschen entfernt. Das ist auch so gewollt. Denn der Brilliance BS4 startet bei knapp 16.000 Euro.

Was bekommt man fürs Geld?

Von außen wirkt er gelungen und keineswegs billig. Das war auch erklärtes Ziel: „Brilliance ist keine Billigmarke“. Richtig, 16.000 Euro ist viel Geld, für das die Kunden einiges erwarten. So kommt das Design aus Italien von Pininfarina. Sie zeichneten dem BS4 ein schickes Blechkleid, bei dem neben der Lackqualität auch die Spaltmaße stimmen. Nicht ohne Stolz erzählt Eberhard Niering, Chef des europäischen Technikzentrums von Brilliance, dass das Werk in Shenyang mit den besten deutschen Maschinen ausgerüstet wurde und viele europäische Zulieferer Teile am BS4 beisteuern.

Galerie: Erster Test Brilliance BS4Innen wendet sich das Blatt etwas. Hier hängt dann das Handschuhfach schief, dort sehen aufmerksame Augen schlecht entgratete Kunststoffteile und auch die Materialgüte auf dem Mitteltunnel lässt zu wünschen übrig. Dafür stimmt das Gefühl beim Betrachten des geschäumten Armaturenbretts. Es gibt zwar kein haptisches Aha-Erlebnis, aber schlecht - wie manche vielleicht erwarten - wirkt das Ganze keinesfalls.

Zudem herrscht Ordnung. Klar gegliederte Schalter erleichtern das Zurechtfinden, übersichtliche Instrumente lassen keine Fragen offen. Okay, Stand der Technik herrscht nicht unbedingt. So fehlen Bordcomputer und Außentemperaturanzeige (nur in der Deluxe-Version). Der nicht variable Kofferraum öffnet nur von innen per Knopfdruck oder direkt per Schlüsseldreh am Kofferraum. Die Öffnung selbst ist zu klein geraten, der Platz mit 430 Liter angemessen groß.

Galerie: Erster Test Brilliance BS4Störend sind auf längeren Etappen die kurzen Sitzflächen und die unergonomisch geformte Rückenlehne ohne Lendenwirbelstütze. Dafür glänzt der BS4 mit einer Neigungsverstellung der Fahrersitzfläche und einer guten Sitzposition hinter dem allein in der Höhe verstellbaren Lenkrad. Platz gibt es im Innenraum ausreichend, vorne wie hinten. Bei der Zuladung haben die Chinesen am falschen Ende gespart. Nur 360 Kilogramm dürfen es maximal sein.

Mitsubishi-Lizenzmotor

Galerie: Erster Test Brilliance BS4Der Basismotor schöpft 100 PS aus 1,6 Liter Hubraum und stammt von Mitsubishi. Startet man den Vierzylinder, fällt auf, dass nichts auffällt. Sauber hängt er am Gas, dreht willig nach oben und wird erst ab 4.000 Umdrehungen lästig brummig. Die gebotenen 134 Newtonmeter Drehmoment reichen fürs Mitschwimmen locker aus, so dass man den größeren 136-PS-Topmotor nicht benötigt. 180 Sachen sind beim 1.6 möglich. Spaß kommt dabei keiner auf, da Wind- und Motorgeräusche um die Krone im Lautsein kämpfen.

Besser mit Richtgeschwindigkeit rollen. Dann sollte der angegebene Durchschnittsverbrauch von acht Litern Super erreichbar sein. Zum Vergleich: Ein Skoda Octavia - den Brilliance neben Renault Mégane, Mazda 6 und VW Passat als Hauptkonkurrenten auserkoren hat - verbraucht mit dem 102-PS-Motor gut einen halben Liter weniger.Galerie: Erster Test Brilliance BS4

Dafür macht das BS4-Getriebe Spaß. Es hat fünf exakt und knackig schaltbare Gänge. Beim Einlegen macht es schön „Klack“. Zudem sind die Wege akzeptabel kurz. Die Getriebeübersetzung dürfte einen Tick länger sein, denn bei Tacho 120 dreht der Motor mehr als 3.000 Touren.

ESP gibt’s nicht

Nach dem Debakel des größeren Brilliance BS6 im letztjährigen NCAP-Chrashtest, bei dem die Karosserie komplett kollabierte, sollten die Chinesen gelernt haben. Haben sie, laut Aussage von Hartwig Hirtz. Rund 60 sicherheitsrelevante Änderungen musste der BS4 über sich ergehen lassen, bevor er nach Deutschland durfte. So gewappnet soll er mindestens drei Sterne im bevorstehenden Euro-Chrashtest erhalten. Die Konkurrenz schafft meist fünf!

Komisch, dass die Chinesen auf europäische Standardausstattungen wie ASR, ESP, Kopf- und Knie-Airbags und sogar den Gurtwarnton verzichten. Zeitgemäß ist das nicht, ließ sich laut Brilliance aber in der Eile nicht mehr adaptieren.

Straffes Fahrwerk

Galerie: Erster Test Brilliance BS4Zumindest das Fahrwerk wurde dem europäischen Geschmack angepasst. So munkelt man, dass Porsche den Chinesen bei der Abstimmung unter die Arme gegriffen hat. Da könnte was dran sein. Bis auf die Lenkung ist der BS4 richtig agil, ohne dabei unkomfortabel zu sein. Nur bei kurzen Bodenwellen verliert er kurzzeitig die Contenance. Dennoch macht er seine Sache recht gut und vor allem nicht schlechter als viele andere Fahrzeuge. Allerdings ist er in Extremsituationen mit Vorsicht zu genießen. Bei Lastwechseln wird das Heck leicht und dreht fix ein. Dann heißt es Gegenlenken, sonst kommt’s quer. ESP für den BS4 wird nicht vor 2011 verfügbar sein.

4.000 BS4 wären toll

Hirtz möchte in 2009 zwischen 2.400 und 4.000 Fahrzeuge an den Mann bringen. Dafür hat er 124 Händler im ganzen Land rekrutiert. Die Verkaufsprognosen sind optimistisch aber erreichbar. Punkt eins: Der BS4 ist nicht unschick. Punkt zwei: Er ist groß, bietet innen ausreichend Platz und hat Neuheitenflair. Punkt drei: Er ist nicht teuer.

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Wirklich günstig sind die 16.000 Euro aber auch nicht. Mit an Bord sind stets ABS, vier Airbags, eine manuelle Klimaanlage, die Funkfernbedienung sowie elektrisch verstellbare Außenspiegel und vierfach Fensterheber. Alufelgen, Schiebedach, Klimaautomatik und Leder gibt es nur im 1.8 Deluxe für 20.000 Euro. Ein Suzuki SX4 Limousine oder ein Chevrolet Nubira Kombi, die wir eher als Konkurrenten sehen, kosten mit ähnlicher Ausstattung kaum mehr. Der Suzuki hat aber ESP, Kopfairbags und Sitzheizung an Bord, der Chevy ist ein praktischer Kombi.

Fazit

Es wird also schwierig, mit dem jetzigen Brilliance BS4, der noch lange nicht in allen Belangen überzeugt, die Kunden zu gewinnen. Aber: Die Chinesen lernen und handeln extrem schnell. So kommt schon Anfang 2009 die in Deutschland gefragte Kombiversion und ein neuer 1,8-Liter-Turbobenziner. Kurz darauf folgt eine Dieselversion und ein Hybrid soll schon 2010 starten. Warten wir’s ab, wo Birlliance in vier bis fünf Jahren steht.

Galerie: Erster Test Brilliance BS4

 
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