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Galerie: Erster Test Toyota Prius

Erster Test: Toyota Prius

Nicht der Renner

15.02.2016

Vom Toyota Prius konnten bislang ordentliche 3,5 Millionen Einheiten verkauft werden. Bei uns ist er japanische Hybride allerdings nicht der Renner. Mit der nun vierten Generation, die am 20. Februar 2016 zum Händler fährt, sollen die Verkaufszahlen insgesamt noch deutlich in die Höhe getrieben werden. Selbst für Deutschland plant man einen Absatz von 1.960 Einheiten für dieses Jahr ein – kein großer Wurf, aber eine durchaus realistische Zahl. Was sich getan hat, konnten wir bei einer ersten Ausfahrt herausfinden.

Auch die neue, vierte Generation des Prius ist eindeutig als solche erkennbar. Sichtbar anders will der Hybrid-Vorreiter bereits seit 1997 um jeden Preis sein – die Rückmeldungen auf die seltsame Optik reichen daher von Ablehnung bis hin zu Entzücken. Doch seit Jahren bewahrt sich der Hybrid seine aerodynamische Tropfenform. Und die neuste Auflage wird mit den tieferen Charakterlinien, auffälligeren Scheinwerfern, viel markanteren, ausgestellten Rückleuchten und dem durch einen großen Spoiler geteilten, typischen Rückfenster für noch mehr naserümpfende Prius-Gegner sorgen. Erscheinungsmerkmale die man mag – oder eben nicht.

Galerie: Erster Test Toyota PriusAb 28.150 Euro ist der Andersartige erhältlich und damit 1.300 Euro teurer als das Vorgängermodell. Die Top-Ausstattung ist für 32.500 Euro zu haben. Dafür gibt es unter anderem aber auch ein komplettes Paket an Helferlein an Bord. Waren in der dritten Generation noch neun Sensoren im Einsatz, verzeichnet der Neue jetzt insgesamt 22: Diese reichen vom Kollisionswarner mit Fußgänger-Erkennung über den Müdigkeitssensor bis hin zum automatischen Parkassistenten.

Passagiere oder Gepäck

Der minimalistische und gleichzeitig futuristische Innenraum des Teilstromers wirkt aufgeräumt und man findet sich schnell zurecht. Nach wie vor werden wichtige Informationen wie Geschwindigkeit, Verbrauch oder auch eine Rückmeldung über das Fahrverhalten auf einem Digital-Display mittig unterhalb der Windschutzscheibe angezeigt. Ab der zweiten Ausstattungs-Linie steht erstmalig ein farbiges Head-Up-Display bereit. Neu ist auch die weiß-glitzernde Ablagefläche zwischen Fahrer und Beifahrer, die als induktive Ladevorrichtung fürs Mobiltelefon dient.

Galerie: Erster Test Toyota PriusWaren die Sitze des Vorgängers noch unbequem, so fühlt man sich auf allen Plätzen jetzt wohl gebettet. Allerdings sollten Großgewachsene den Fond meiden: Da das Dach des Prius um zwei Zentimeter abgesenkt wurde, kommt ihnen der Himmel doch recht nahe. Wer den Hybriden voll mit Passagieren packt, muss übrigens Abstriche beim Gepäck machen, denn maximal dürfen 340 kg zugeladen werden. Bei vier mittelschweren Personen á 80 Kilogramm bleiben also gerade einmal 20 Kilogramm für Gepäck.

Da hat sich was getan

Die Gesamtleistung von 122 PS, das sind 14 PS weniger als im Vorgänger, schöpft der Doppelherz-Toyota aus einem 1,8-Liter-Benzinmotor mit 98 PS und einem 53 kW starken Elektromotor. Letzterer wird von einem Nickel-Metallhydrid-Akku mit 1,31 kWh Kapazität mit Energie gespeist. Beim Bremsen, Ausrollenlassen des Fahrzeugs (bei vorausschauender Fahrt!) oder bei Bergabfahrten wird die Batterie geladen. Eine Plug-in-Version ist derzeit noch nicht erhältlich, soll aber um den Jahreswechsel herum nachgereicht werden – vorerst allerdings nur in einer Kleinserie.  

Dass die Neuauflage mit etwas weniger Leistung auskommen muss, hat ihr nicht geschadet; die Fahrwerte bleiben ziemlich unverändert, nach gut zehn Sekunden erreicht der Toyota Landstraßentempo, Schluss ist bei 180 km/h. Einen deutlichen Sprung nach unten hat aber der Verbrauch gemacht: Mit nur durchschnittlich drei Liter Benzin gibt sich der Prius laut Papier zufrieden. Unser Verbrauch nach einer ausgiebigen ersten Testfahrt? Lag bei 5,5 Litern. Zur Ehrenrettung muss aber gesagt sein, dass wir viel Autobahnanteil dabei hatten, und selbst wenn man mit 120 km/h gemütlich dahin rollt, ist die Hybridtechnik eher hinderlich als hilfreich, da sie ordentlich wiegt.

Galerie: Erster Test Toyota PriusUm sich den drei Litern zu nähern, muss man also viel im Stadtverkehr unterwegs sein und den Fuß gut trainiert haben. Sehr feinfühlige Fahrer schaffen es mit etwas Übung, rein elektrisch anzufahren und gegebenenfalls auch ein paar Meter emissionsfrei voran zu kommen. Doch wehe der rechte Fuß senkt sich ein bissen zu flott: Dann springt der Verbrenner unverzüglich an – selbst wenn man sich im EV-Modus befindet, der eigentlich das rein elektrische Fahren unterstützen sollte. Im Normalmodus wird das Zusammenspiel von Benziner und E-Motor immer von der Elektronik bedarfsgerecht gesteuert, und das funktioniert ohne Probleme. Daneben gibt es noch einen Sportmodus, bei dem sich beide Motoren gemeinsam ins Zeug legen; zu einem Öko-Auto will der allerdings nicht so recht passen.

Erfreulich: Fahrtechnisch hat sich der neue Prius wirklich gemausert. Dass er komplett neu aufgebaut wurde, merkt man vor allem an der präziseren Lenkung, die jetzt die Lenkbefehle ohne Umwege befolgt. Das Fahrwerk konnte noch besser abgestimmt werden – unter anderem verbaute Toyota neue Stoßdämpfer und eine neue Hinterachse. Bei aller Nacharbeit, die man geleistet hat, ist der Prius aber noch immer recht straff ausgelegt, allerdings längst nicht mehr so unnachgiebig wie sein Vorgänger. Die Dynamik des Toyotas konnte durch den tiefer gelegten Schwerpunkt verbessert werden. Und da auch das stufenlose Automatikgetriebe feiner abgestimmt wurde, hängt der Hybrid jetzt deutlich besser am Gas. Und das Beste zum Schluss: Toyota hat dem Benziner das laute Aufheulen bei hoher Leistungsabfrage – zumindest weitgehend – ausgetrieben und auch gegen Windgeräusche konnte der Japaner noch besser gedämmt werden.

  • Technische Daten

Länge: 4,54 Meter, Breite: 1,76 Meter, Höhe: 1,47 Meter. Radstand: 2,70 Meter. Kofferraumvolumen: 501 – 1.633 Liter.; max. Zuladung: 340 kg, max. Anhängelast: 725 kg

Hybridsystem:1,8-Liter-Benzinmotor, 72 kW/98 PS, maximales Drehmoment: 142 Nm bei 3.600 U/min und Elektromotor mit 53 kW/72 PS, maximales Drehmoment 163 Nm. Gesamtleistung: 90 kW/122 PS. Nickel-Metallhydrid-Akku mit 1,31 kWh. Stufenloses Schaltgetriebe, Frontantrieb, Vmax: 180 km/h, 0-100 km/h in 10,6 s, Durchschnittsverbrauch: 3,0 l/100 km, CO2-Ausstoß: 70 g/km, EU 6, Effizienzklasse A+

Preis: ab 28.150 Euro

 
Fazit

Jan Menno Schmidt

Entweder man mag ihn – oder nicht. Nicht viele Autos spalten die Meinungen so sehr wie der Toyota Prius. Wer zu seinen Liebhabern zählt, darf sich sicher sein: Einen Verzicht an Komfort zu Gunsten des grünen Gewissens geht man mit der neuen Auflagen des Prius nicht mehr ein. Man sitzt deutlich besser, Fahrwerk und Lenkung wurden spürbar optimiert und auch der Benziner nervt nicht mehr so sehr mit lautem Gejaule. Außerdem konnte der Verbrauch noch weiter gesenkt werden.
Aber auch alle, die ihn nicht mögen, können beruhigt sein: Selbst wenn die 1.960 geplanten Einheiten auf deutschen Straßen unterwegs sind, dürfte er einem nur selten über den Weg rollen. Bis hierzulande ein Automodell wahrgenommen wird, muss mindestens eine Schar von Zehntausenden unterwegs sein.
 
 

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