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Galerie: Praxistest Seat Toledo

Praxistest: Seat Toledo

Spanischer Stufenvan

23.06.2005

Einige Menschen lehnen strikte Kategorisierungen und feste Strukturen ab, lieben es, konsequent zwischen den Schubladen zu agieren. Für sie scheint der Seat Toledo genau das richtige Fahrzeug zu sein, denn er ist weder Van noch Limousine und soll doch die besten Eigenschaften beider Konzepte vereinen.

Der Designabteilung dürfte diese Aufgabe einiges an Kopfschmerzen bereitet haben. Van mit Stufenheck, was soll das sein? Letztlich wurde der Vorderwagen vom Altea übernommen und hinten ein Bürzel angesetzt. Dank gegenläufig geschwungener C-Säule und stringent nach hinten verlängerter Schulterkante ist das Gesamterscheinungsbild durchaus ansehnlich geworden wenn auch gewöhnungsbedürftig.

Im Innenraum gleicht der Toledo seinem Bruder Altea, mit all den Vor-, aber auch Nachteilen. Hoch sitzt man auf straff, aber bequem gepolsterten Sitzen und freut sich über den guten Überblick. Trotzdem ärgert beim Einparken die schlechte Übersichtlichkeit. Wo der Wagen endet, lässt sich kaum erahnen. Und die empfehlenswerte akustische Einparkhilfe hinten (optional) ist einen Tick zu leise eingestellt. Schon bei mittlerer Radio-Lautstärke geht das Warnsignal im Schallwellenbad unter.

Für die große Fahrt…

Galerie: Praxistest Seat ToledoDas Platzangebot für die Passagiere ist sehr gut. Kopf- und Beinfreiheit bietet der Toledo auf allen Plätzen en masse, und auch die Sitzhöhe im Fond ist erfreulich hoch. Dazu gibt es eine Fülle von sinnvollen Fächern und Ablagen, die andere Autos nicht haben: Kleinkram etwa lässt sich unter den Frontsitzen und in der aufklappbaren Hutablage verstauen; seitlich an der Rückbank können kleine Flaschen abgestellt werden, in den Vordertüren sogar 1,5-Liter-Tornister; für den Fahrer ist eine Sonnenbrillen-Box oberhalb der Tür montiert und die sonst lästig in der Gesäßtasche drückende Geldbörse findet ihren Platz griffgünstig hinter dem Schaltknüppel.

Galerie: Praxistest Seat ToledoEinen spärlichen Eindruck hinterlassen allerdings die Kunststoffe, vor allem das silbergraue Plastik in der Mittelkonsole. Ebenfalls unschön ist die kombinierte Armauflage/Durchreiche im Fond. Will heißen: Ist die Armauflage heruntergeklappt, klafft dahinter ein Loch und gibt freien Zugriff in den Kofferraum. Der wiederum ist klasse: sehr groß (500 Liter bis 1.007) und multivariabel. Mit doppeltem Boden ausgestattet, entsteht bei umgeklappter Rückbank (60:40) ein fast ebener Ladeboden. Der Umklappmechanismus per Schlaufenzug ist simpel, das Wiederaufrichten erfordert dagegen etwas Kraft. Der herausnehmbare Ladeboden und auch die doppelwandige Hutablage sind vergleichsweise schwer, was zarte Damen in Verlegenheit bringen könnte.

… und für den Fahrer

Galerie: Praxistest Seat ToledoBei aller Praktikabilität ist der Toledo typisch Seat ein ausgesprochenes Fahrerauto. Das deutet schon der Blick aufs Cockpit mit den formschönen Rundinstrumenten und dem griffigen Dreispeichen-Lederlenkrad an. Sportlich gibt sich der Spanier dann auch auf der Straße. Das straffe Fahrwerk und die leichtgängige wie präzise Lenkung wecken die Lust auf kurvige Strecken. Schlaglochpisten und Kopfsteinpflaster steckt der Toledo dagegen weniger souverän weg, reicht kurze Stöße schon mal an die Passagiere weiter. Ein Leisetreter ist er ebenfalls nicht, Abroll- wie Windgeräusche sind vergleichsweise hoch.

Galerie: Praxistest Seat ToledoDa stört es nicht weiter, dass der bekannte 2-Liter-TDI aus dem Volkswagen-Regal sein Verbrennungsprinzip unverblümt zu Gehör bringt. Immer wieder beeindruckend ist der Schub, den das Aggregat so locker aus dem Ärmel schüttelt - egal ob über das mächtige Drehmoment schon aus dem Drehzahlkeller (320 Nm ab 1.750 U/min) oder über die 140 PS am oberen Ende des Drehzahlbandes. Im Verbrauch bleibt der Motor stets sparsam, ist problemlos mit einem Durchschnittsverbrauch von unter sechs Litern zu fahren. Lässt man es krachen, steigt der Wert auf rund acht Liter. Ein Partikelfilter kann ab Herbst für 565 Euro nachgerüstet werden.

Das Preisleistungsverhältnis des Toledo stimmt: Mit 140-PS-TDI und manuellem Sechsganggetriebe startet er bei 21.590 Euro. Alle sicherheitsrelevanten Extras wie ABS, ESP, Airbags rundum oder Kindersitz-System hinten sind da bereits mit an Bord. Die von uns gefahrene, gehobene Ausstattungslinie „Stylance“ (u.a. inklusive Leichtmetallfelgen, elektrische Fensterheber vorne und hinten, Geschwindigkeitsregelanlage, Bordcomputer, Nebelscheinwerfer, CD-Radio und Klimaautomatik) kommt auf 24.090 Euro weniger als etwa die vergleichbar motorisierte Basisversion des kommenden Fiat Croma.

Fazit

Hochbauend wie sein bis zur Fahrzeugmitte identische Bruder Altea, bietet der Seat Toledo das Raum- und Sitzgefühl eines Vans. Doch das an eine Limousine erinnernden Stufenheck protzt mit deutlich höherem Ladevolumen als die klassische Steilheck-Variante: regulär 500 statt 409 Liter. Das „Stufenvan“-Design ist gewöhnungsbedürftig, der Aufpreis von rund 800 Euro gegenüber dem Altea vertretbar. Fahrdynamisch und bezüglich des Preis/ Leistungsverhältnisses überzeugt der unkonventionelle Spanier ebenfalls auf der ganzen Linie. Da lassen sich das etwas hohe Geräuschniveau im Innenraum und der mäßige Abrollkomfort leicht verschmerzen. Galerie: Praxistest Seat Toledo

 
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