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Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybrid

Prototyp: Mercedes S400 BlueHybrid

Eine Neuheit, die keine ist

19.09.2008

Mercedes kann mit Stolz behaupten, der erste Hersteller zu sein, der ein Hybridfahrzeug auf den Markt bringt. Nämlich der erste deutsche Hersteller! Schließlich ließen und lassen sich die heimischen Manufakturen reichlich Zeit mit der neuen Technik. Bei Toyota steht mittlerweile schon die dritte Generation des Hybrid-Pioniers Prius in den Startlöchern und mit dem Lexus LS haben die Japaner seit vergangenem Jahr die Technik auch in der Oberklasse etabliert.

Die Frage drängt sich förmlich auf: Warum erst jetzt? Eine Antwort bleiben die Entwickler schuldig. Egal, jetzt ist er ja da. Der deutsche Hybrid. Und dann gleich im Flaggschiff Stuttgarter Automobilbaukunst. Als erstes Modell wird Mercedes die S-Klasse mit zwei Herzen ausrüsten. Ab April 2009 können Interessenten den S 400 BlueHybrid erwerben, zu bislang noch unbekannten Preisen.

Gestärkte Basis

Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybridDie Basis für den Hybriden bildet der S 350. Neben zahlreichen neu hinzugekommenen Bauteilen ist auch der 3,5-Liter-V6-Benziner selbst überarbeitet worden. Veränderungen gab es unter anderem am Zylinderkopf, den Kolben, der Nockenwelle und dem Ventiltrieb, aber auch der Betriebspunkt wurde hinsichtlich der Wirtschaftlichkeit verschoben. Bereits diese Optimierungen am Verbrennungsmotor sorgen für einen geringeren Kraftstoffverbrauch und einen leichten Leistungsanstieg auf 279 PS.

Hält der überarbeitete Sechszylinder nun also auch in den herkömmlichen Benzin-Modellen Einzug? Nein. Die höhere Wirtschaftlichkeit erkauft sich Mercedes nämlich mit Einbußen bei der Laufkultur, die sie ihren Kunden nicht zumuten wollen. Und wie fühlt sich das im Hybrid an? Praktischerweise dienen die Bauteile des Hybrid-Moduls als Ausgleichsgewichte, die den Motor wieder rund laufen lassen.

Neulinge

Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybridNeu im Motorraum sind ein Permanentmagnet-Elektromotor, die Leistungs- und Steuerungselektronik, ein Spannungswandler und – man höre und staune – eine Lithium-Ionen-Hochvoltbatterie. Damit ist Daimler tatsächlich Vorreiter, bisher kommen in Hybridfahrzeugen noch Nickel-Metallhydrid-Batterien zum Einsatz. Diese sind jedoch schwerer und weniger leistungsfähig. Und damit sich der Stromspeicher auch wohl fühlt, ist er in den Kühlkreislauf des Fahrzeugs integriert und hat so stets die für optimale Arbeitstemperatur zwischen 20 und 35 Grad Celsius.

Der  scheibenförmige, bei Continental gefertigte Elektromotor sitzt platzsparend im Wandlergehäuse zwischen Motor und der serienmäßigen Siebenstufen-Automatik. Im Wesentlichen übernimmt der E-Motor drei Funktionen: Er ersetzt Anlasser und Lichtmaschine, unterstützt den Verbrennungsmotor und beliefert als Generator die Batterie mit Strom. Die wiederum ist an das 12-Volt-Bordnetz angeschlossen und versorgt Standardverbraucher wie etwa Scheinwerfer.

Nichts zu merken

Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybridDreht der Fahrer den Zündschlüssel, erwacht der Elektromotor zum Leben. Bei 120 Volt Betriebsspannung bietet er eine Leistung von 20 PS und 160 Newtonmeter Drehmoment. Und das – anders als ein Verbrennungsmotor – aus dem Stand weg. Der E-Motor setzt den Benziner in Gang und erst bei gut 500 Umdrehungen beginnt die Kraftstoffeinspritzung. Das Ganze läuft freilich in Sekundenbruchteilen ab und der Fahrer merkt von diesen Vorgängen nichts. Lediglich der kleine Hinweis „Ready“ in der Instrumententafel zeigt ihm an, dass Verbrennungs- und Elektromotor bereit sind.

Nach dem gleichen Prinzip funktioniert übrigens die Start-Stopp-Automatik. Rollt man mit getretener Bremse zum Beispiel auf eine rote Ampel zu, schaltet sich der Verbrennungsmotor ab circa 15 km/h ab. Sobald der Fahrer den Fuß von der Bremse nimmt, wirft der Elektromotor den Benziner wieder an und die Fahrt kann weiter gehen.

Denn: Nur mit Strom allein kann die S-Klasse nicht fahren. Der Elektromotor unterstützt lediglich den Benziner. Kombiniert schicken beide Aggregate eine Leistung von 299 PS und 385 Newtonmeter an die Hinterräder. So reichen dem Mercedes 7,2 Sekunden aus dem Stand auf Tempo 100. Dank seines konstanten Drehmoments beschleunigt der S 400 BlueHybrid spürbar kraftvoller aus dem Drehzahlkeller heraus. Der Hybrid reagiert direkter auf Gasbefehle, bei Zwischensprints und Überholvorgängen wirkt er aggressiver. Im Schubbetrieb und beim Bremsen hingegen dient der E-Motor als Generator, der die Batterie füttert und so die Bordelektronik ohne zusätzlichen Energieaufwand versorgt.

In der Stadt sinnvoll

Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybridIhr Spar-Potential können Hybride allerdings nur im Stadtverkehr voll ausspielen. Bei längeren Stopp-Phasen wird der Benzinmotor ausgeschaltet und bei den vielen Bremsvorgängen wird die Batterie geladen. Diese rekuperierte Energie wird beim Anfahren wieder genutzt. Auf der Autobahn dagegen ist die Unterstützung durch den Elektromotor nur selten nötig, wie etwa beim Überholen. Moderne Verbrennungsmotoren sind in der Konstantfahrt aber mittlerweile so sparsam, dass der Hybrid hier kaum zur Senkung des Verbrauchs beitragen kann. Im Gegenteil müssen 75 Kilogramm mehr geschleppt werden als bei einem S 350. So viel wiegt das Hybrid-Modul.

Mit einem klassischen Langstrecken-Auto wie der S-Klasse wird es also schwer werden, den im EU-Zyklus mit hohem Stadtanteil ermittelten Verbrauch von nur 7,9 Litern je 100 Kilometer tatsächlich zu erreichen. Mit einem modernen Diesel und intelligentem Energiemanagement lässt sich dieser Wert dagegen relativ leicht erzielen. BMW etwa gibt den neuen 730d mit nur noch 7,2 Litern Durchschnittskonsum an. Das entspricht beim Diesel einem CO2-Ausstoß von 192 Gramm pro Kilometer. Mercedes spricht beim S 400 von 190 Gramm, also nur unwesentlich weniger. Und das in Anbetracht eines hohen technischen Aufwands. Warum also nicht Diesel und Hybrid kombinieren? Die Frage stellten sich zumindest auch die Entwickler. Die Antwort: Ein entsprechendes Modell soll „demnächst“ folgen.

Sparsamste S-Klasse

Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybridDoch wir wollen nicht alles schlecht reden. Unterstellt man dem S 400 BlueHybrid, dass der angegebene Verbrauch realisiert werden kann, so unterbietet er den 272 PS starken S 350 um stolze 2,2 Liter. Und selbst der vergleichbare Diesel im Mercedes-Programm, der 235 PS starke S 320 CDI, braucht mit rund neun Litern mehr Kraftstoff als der Hybrid. Außerdem, und darauf ist man in Stuttgart besonders stolz, braucht der Benz fast nur halb so viel wie die Konkurrenz aus Japan. Und das, obwohl Lexus einen Vollhybriden anbietet, der bei langsamem Tempo nur mit Strom fahren kann. Zu deren Ehrenrettung muss man hinzufügen, dass im LS 600h ein Achtzylinder zum Einsatz kommt, der zusammen mit dem E-Motor 445 PS mobilisiert. (...mehr). Und auch sein Allradantrieb erhöht den Verbrauch. Ob so viel Leistung allerdings nötig ist, steht auf einem anderen Blatt.

Außerdem haben die Entwickler sogar ein wenig abgeguckt bei den Japanern: Wie in den Toyota- und Lexus-Hybriden gibt es auch bei Mercedes eine zusätzliche Infografik. Die Hybrid-Version der S-Klasse verfügt im Kombiinstrument über eine Anzeige, auf der die Energieflüsse zwischen Batterie, Elektromotor und Benziner dargestellt werden. Neben der hübschen Optik ergibt sich daraus ein durchaus positiver psychologischer Effekt. Denn: Fast jeder freut sich, wenn er sieht, wie die Energie zurück in die Batterie fließt. Der umgekehrte Fluss hingegen wirkt abschreckend. Dementsprechend passen viele Fahrer intuitiv ihre Fahrweise an. Und das ist schließlich auch beim Hybrid ein entscheidender Faktor in Sachen Spritverbrauch!

Fazit

Mercedes setzt mit dem S 400 BlueHybrid ein Zeichen und beweist, dass auch deutsche Hersteller einen Hybrid-Antrieb auf die Straße bringen können. Dass der zusätzliche Elektromotor nicht der Weisheit letzter Schluss ist, darüber sind sich alle Experten einig. Es ist aber ein Schritt auf dem Weg zu weniger – oder gar keiner – Emission beim Autofahren. In Zukunft will Mercedes jährlich ein neues Hybrid-Modell auf den Markt bringen und so sukzessive den CO2-Ausstoß seiner Flotte senken. Und wenn der Hybrid erst einmal in typischen Stadtautos wie der A-Klasse Einzug hält, kann er sein konstruktionsbedingtes Spar-Potential voll ausspielen.

Galerie: Prototyp Mercedes S400 BlueHybrid

 
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