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Galerie: Prototyp Neue Mercedes-Benz S-Klasse –  Die Technik

Prototyp: Neue Mercedes-Benz S-Klasse – Die Technik

Beim Daimler im Todesstern

13.11.2012

Außer einer Kunstinstallation auf dem Pariser Auto-Salon, die allerdings auch das Ergebnis eines LSD-Trips hätte sein können, hat Mercedes bislang noch nicht viel über die neue S-Klasse verraten. Jetzt gibt es immerhin erste Infos zu den neuen Sicherheits-Techniken des Stuttgarter Flaggschiffs, das im Sommer 2013 die aktuelle Generation ablösen wird.

Sechs Radare, zwölf Ultraschallsensoren, vier herkömmliche Kameras und eine neue Stereokamera überwachen nahezu das komplette Umfeld der neuen S-Klasse, von circa 80 Meter hinter dem Fahrzeug bis zu 500 Meter nach vorne - alles im Dienste der Sicherheit.

Erster Test im Simulator

Galerie: Prototyp Neue Mercedes-Benz S-Klasse –  Die TechnikOffizielle Fotos oder technische Daten gibt es von der neuen, intern W 222 genannten Generation zwar noch nicht. Doch konnten wir bei der Mercedes Entwicklungsabteilung in Sindelfingen die meisten der neuen Systeme schon jetzt im hochmodernen Simulator eindrucksvoll erfahren.

Der „Moving Base“-Simulator, der äußerlich an den Todesstern aus Star Wars erinnert, steht auf sechs beweglichen Stützen, die einen realistischen Bewegungseindruck erzeugen. Im Inneren des Simulators steht eine - noch aktuelle - S-Klasse, umgeben von einer 360-Grad-Projektionswand, auf der die Umgebung nebst Straßenverkehr, Häusern, Fußgängern und auch Polizeikontrollen und Unfällen realitätsgetreu dargestellt werden kann.   

Die neue Technik im Detail

Galerie: Prototyp Neue Mercedes-Benz S-Klasse –  Die TechnikDer neue Bremsassistent mit Kreuzungsassistent erkennt nicht mehr nur Hindernisse vor dem Fahrzeug, sondern auch Autos und sogar Fußgänger, die von der Seite kommen. Wie üblich wird der Fahrer gewarnt und tritt er auf die Bremse, wird die Verzögerungskraft automatisch verstärkt, um die S-Klasse im Idealfall vor dem Crash zum Stillstand zu bringen oder die Unfallschwere zumindest zu mindern.

Ganz von alleine bremsen darf die S-Klasse bei seitlichen Gefahren allerdings noch nicht. Die sogenannten Pre-Safe-Bremse greift nur bei einem drohenden Frontalaufprall ein. In der neuen Generation erkennt das Fahrzeug aber nicht nur andere Autos, sondern auch Fußgänger vor dem Wagen und versucht bei bis zu 70 km/h eine Kollision zu vermeiden oder die Folgen zu lindern; bei maximal Tempo 50 soll der Fußgänger gänzlich unbeschadet davon kommen. Auch Auffahrunfälle sollen bei Stadtgeschwindigkeit komplett vermieden werden.

Das Pre-Safe-Plus genannte System erkennt zudem auch drohende Gefahren von hinten. Nähert sich ein Fahrzeug der S-Klasse deutlich zu schnell und droht ein Crash, macht der Benz mit der Warnblinkanlage auf sich aufmerksam und ergreift diverse Maßnahmen zum Insassenschutz (zum Beispiel werden die Gurte gestrafft). Befindet sich die S-Klasse zu diesem Zeitpunkt im Stand und steht der Fahrer auf der Bremse, erhöht das System außerdem den Bremsdruck. Diese „Festbremsen“ der S-Klasse soll zum einen das Risiko eines Schleudertraumas reduzieren, zum anderen Folgeunfälle vermeiden, zum Beispiel mit dem Vordermann.

Galerie: Prototyp Neue Mercedes-Benz S-Klasse –  Die TechnikÜber das neue System Pre-Safe Impuls lassen sich die Gurte der Vordersitze an allen drei Verankerungspunkten separat straffen. Kommt es dann tatsächlich zu einem Crash, wird das zuvor eingezogene Gurtband kontrolliert zum Energieabbau wieder losgelassen. So soll das Verletzungsrisiko deutlich reduziert werden.

Außerdem wartet die neue S-Klasse mit einer Gurt-Neuheit für die Fondpassagiere auf. Zum einen gibt es das neue aktive Gurtschloss, das beim Öffnen der Tür um sieben Zentimeter nach oben aus dem Polster fährt und rot blinkt. So werden die Mitfahrer zum einen ans Anschnallen erinnert und das Angurten ist komfortabler. Zum anderen wird durch das Zurückfahren in die Normalposition nach dem Anschnallen die sogenannte Gurtlose reduziert, der Gurt liegt also im Beckenbereich straffer und damit sicherer an.

Da das neue Gurtschloss mit dem Pre-Safe-System gekoppelt ist, reagiert es außerdem auf die Signale eines drohenden Crashs. Wie bei den Vordersitzen schon üblich, werden nun auch die Fondgurte gestrafft, in dem das Gurtschloss sich um vier Zentimeter absenkt. Lies sich der Unfall nicht vermeiden, fährt das Gurtschloss im Anschluss wiederum komplett aus und beginnt erneut zu blinken, um Rettungskräften das Abschnallen der Passagiere zu erleichtern. Mercedes fasst diese Technik unter dem Begriff Post-Safe Funktionalität zusammen.    

Noch mehr Hightech hat Daimler in den Fondgurt selbst gepackt: Der Beltbag ist ein Airbag im Gurtband; in der Rückseite der Vordersitze lässt sich der Luftsack nämlich kaum verstauen. Bei einem schweren Crash wird der Gurt mit einem Gasgenerator in Sekundenbruchteilen auf das Dreifache seiner Breite aufgeblasen. Die Belastung auf den Brustkorb bei einem Frontaufprall wird so deutlich reduziert.  

S wie sicher

Schon immer galt die S-Klasse als Innovationsträger für neue Sicherheitstechnik. Hier die Glanzlichter der einzelnen Generationen:

W 111 (1959 - 1965)
-Sicherheitsfahrgastzelle mit Knautschzone
-Scheibenbremsen und Zweikreis-Bremsanlage

W 108 (1965 - 1972)
-Sicherheitslenkung
-Hydropneumatische Ausgleichsfeder an der Hinterachse

W116 (1972 - 1980)
-ABS

W 126 (1979 - 1991)
-Fahrer und Beifahrerairbag

W 140 (1991 - 1998)
-Höhenverstellbares Gurt

system
-Seitenairbags
-ESP
-Bremsassistent

W 220 (1998 - 2005)
-Gurtstraffer im Fond
-Insassenschutzsystem Pre-Safe

W 221 (2005 - 2013)
-Pre-Safe mit automatischer Vollbremsung
-Nachtsichtassistent
-Totwinkel-, Spurhalte- und Fernlicht-Assistent
-Müdigkeits-Erkennung

Sowohl zur Unfallvermeidung als auch zum Fahrkomfort soll der neue Lenk-Assistent beitragen, der allerdings nur zusammen mit dem Abstandstempomat Distronic funktioniert. Stellt der Fahrer die gewünschte Geschwindigkeit und den Abstand zum Vordermann ein, hält das System die S-Klasse automatisch mittig auf der Fahrspur; die neue Stereokamera macht es möglich, die sowohl die Spurlinien als auch das vorweg fahrende Fahrzeug erkennt. Bei geringer Geschwindigkeit oder im Stau folgt der Benz dem Auto vor ihm, auch wenn keine Fahrbahnmarkierungen erkennbar sind. Ganz autonom fährt der Mercedes allerdings noch nicht: Der Fahrer muss die Hände am Lenkrad lassen. Nimmt er sie weg, wird er nach kurzer Zeit verwarnt und das System schaltet ab.

Auch die Distronic selbst, die bei Bedarf mit bis zu 5 m/s2 bis zum Stillstand bremst, wurde überarbeitet. Im Sportmodus beschleunigt der Wagen nun flotter und eine Überholfunktion gibt es auch. Fährt die S-Klasse von hinten an ein vorausfahrendes Fahrzeug ran, bremst das System. Sobald der Fahrer blinkt und zum Überholen ansetzt, beschleunigt der Benz wieder, um den Verkehrsfluss nicht zu behindern. Außerdem erkennt das System auch Fahrzeuge auf der linken Spur und orientiert sich, falls auf der Autobahn vor der S-Klasse niemand fährt, am Nebenmann, um unerlaubtes Rechtsüberholen zu vermeiden.

Galerie: Prototyp Neue Mercedes-Benz S-Klasse –  Die TechnikNeu - und in Anbetracht der Länge von rund fünf Metern von vielen sicher gern angenommen - ist auch der Parkassistent. Er erkennt mit den Ultraschallsensoren geeignete Quer- und Längsparklücken bei Geschwindigkeiten unter 30 km/h und bugsiert die S-Klasse selbsttätig hinein. Lenken und Bremsen übernimmt die Technik, der Fahrer muss nur sachte Gasgeben oder die Bremse lösen.

Anders als die Lenk- und Park-Assistenten, die sich die neue, elektrische Servolenkung zu Nutze macht, arbeitet der Spurhalte-Assistent, der von 60 bis 200 km/h eingreift, wenn das Fahrzeug ohne zu Blinken über die Begrenzungslinie zu driften droht, weiterhin mit der Bremse. Je nachdem, ob die durchgezogene Linie links oder rechts ist, wird das jeweils gegenüberliegende hintere Rad leicht gebremst und die S-Klasse so wieder auf den richtigen Kurs geschubst. Das soll den Fahrer weniger erschrecken als ein Lenkeingriff. Neu ist, dass der Assistent nun auch bei gestrichelten Linien eingreift, wenn auf der Gegenspur ein Auto kommt. Früher wurde bei nicht durchgezogenen Linien ausschließlich über Lenkradvibrationen gewarnt, nicht jedoch gebremst.

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Rund 100 Jahre nach Einführung der elektrischen Fahrzeugbeleuchtung setzt Daimler auch auf diesem Gebiet mit der neuen S-Klasse neue Standards: Die Limousine wird das erste Auto ohne eine einzige Glühlampe sein. Neben der gesamten Innenraumbeleuchtung und den Rücklichtern arbeiten auch die Scheinwerfer serienmäßig ausschließlich mit LEDs. Die kleinen Leuchtdioden sind zum einen deutlich länger haltbar und verbrauchen zum anderen weniger Strom. Bei gleicher Lichtleistung braucht ein Wagen mit Halogenlampen 120 Watt, mit Xenon-Beleuchtung 84 Watt und mit LED nur 34 Watt.

Neben dem normalen Standard-Scheinwerfer, bei dem Abblend- und Fernlicht nur mit LED- statt Xenon-Technik arbeiten, wartet die aufpreispflichtige Version mit Hightech auf. Der Fernlicht-Assistent reduziert nicht mehr nur wie bisher den Fernlichtkegel entsprechend dem entgegenkommenden Verkehr, sondern lenkt das Licht tatsächlich um andere Fahrzeuge herum - sowohl um den Gegenverkehr als auch um vorausfahrende Autos. Andere Verkehrsteilnehmer sollen davon nichts mitbekommen. Befindet sich das andere Fahrzeug in einem Bereich, der nicht mehr ausgeblendet werden kann, schaltet das System automatisch auf Abblendlicht um; ist die Sicht frei, wird das Fernlicht wieder aktiviert.

Aber auch die Rückleuchten warten mit Neuerungen auf. Da das LED-Bremslicht von anderen Verkehrsteilnehmern oft als blendend empfunden wird, hat Mercedes - wie auch für die Blinker - hier einen Dimmer eingebaut. Bei Tag leuchten die LEDs in voller Stärke, um auch gegen das Sonnenlicht anzukommen. Steht die S-Klasse dagegen nachts an der Ampel, wird das Licht etwas dunkler gemacht; eine breitere Lichtverteilung sorgt dafür, dass die Sichtbarkeit nicht eingeschränkt wird. Sobald die Warnblinkanlage an ist, also auch, wenn sich von hinten ein Fahrzeug zu schnell nähert, wird wieder mit voller Kraft geleuchtet.

Noch besser als das menschliche Auge sieht bei Dunkelheit der Nachtsichtassistent. Der erkennt in seiner neuesten Ausbaustufe auch Tiere und warnt den Fahrer, indem er die entsprechenden Personen oder Tiere auf dem hochauflösenden Display markiert. Ausschließlich Personen, die sich im Warnbereich befinden, werden über ein spezielles Modul im Scheinwerfer zudem angeblinkt. Das lenkt die Aufmerksamkeit des Fahrers auf die Person und warnt gleichzeitig den Fußgänger.

 
Fazit

Michael Gebhardt

Wieder einmal hat es Mercedes geschafft, sein Flaggschiff voll mit neuer Technik zu packen. Und die Statistiken sprechen für die Systeme. In der Vergangenheit ließ sich die Anzahl und Schwere von Unfällen durch moderne Helferlein spürbar reduzieren. Auch die neuen Systeme wie der Kreuzungs-Assistent oder der Beltbag werden einen weiteren Beitrag leisten, um das Autofahren noch sicherer zu machen.

Dem Fahrer aber wird dadurch, auch wenn er von den Ingenieuren stets als entscheidende Instanz hervorgehoben wird, immer mehr in sein Tun hineingeredet. Und ist das Eingreifen der meisten Sicherheitssysteme eigentlich ein Eingeständnis, dass der Fahrer unaufmerksam war. Wer sich ausschließlich auf den Verkehr konzentriert und ordentlich fährt, dürfte- abgesehen von wenigen, von Menschenhand tatsächlich nicht beherrschbaren Situationen -  keinen einzigen Warnton oder gar Engriff provozieren.

Wie stehen Sie zu den Assistenzsystemen? Schreiben Sie uns Ihre Meinung an redaktion@autoscout24.com oder bei Facebook.
 
 

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