Sie sind hier: Ratgeber Beim Verkäufer > Probefahrt

 

Probefahrt

Die Probefahrt ist eine der wichtigsten Momente beim Autokauf. Nehmen Sie sich unbedingt genügend Zeit dafür. Wachsam sein und kritisch bleiben, lautet die Devise. Benutzen Sie während der Fahrt alle Sinne: Augen und Ohren auf, "Popometer" kalibrieren - denn viele Schwachstellen und Mängel kann man sehen, hören und fühlen.

AutoScout24 Service

Nicht allein

Bestimmt haben Sie im Bekanntenkreis jemanden, der sich bei Autos etwas auskennt. Oder einen, der als kritisch und wachsam bekannt ist und dem Sie vertrauen. Nehmen Sie unbedingt eine solche Begleitperson zur Probefahrt mit. Denn erstens sehen vier Augen mehr als zwei. Und zweitens kann davon ausgegangen werden, dass Ihr Begleiter in seiner Beurteilung objektiver ist, weil keine Vorfreude seinen Blick trübt. Lassen Sie ihren Begleiter ruhig auch einmal ans Lenkrad.

Vor Fahrtantritt

Die Probefahrt will gut geplant sein. Suchen Sie eine möglichst abwechslungsreiche Teststrecke aus und wählen sie den Zeitpunkt so, dass Sie ausreichend Tageslicht haben und nicht gerade in der Hauptverkehrszeit im Stau stehen. Eine ideale Teststrecke beinhaltet Kurven, eine Steigung, schlechte Straßen und einen Autobahn-Abschnitt, damit Sie das Fahrverhalten unter allen Bedingungen testen können. Auch eine Fahrt durch die Waschanlage sollte auf dem Programm stehen. Eventuelle Undichtigkeiten, speziell im Fuß- und Kofferraum, fallen so am besten auf. Bedenken Sie, dass bestimmte Fahrgeräusche auf nassem Asphalt überlagert werden können und so schlechter zu vernehmen sind. Und: Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie sich vom Verkäufer nicht unter Zeitdruck setzen. Eine halbe Stunde ist das Minimum, besser Sie fahren eine Stunde lang.

Rechtliche Absicherung

Bei der Probefahrt mit einem Wagen vom Händler können Sie davon ausgehen, dass eine Vollkaskoversicherung besteht. Fragen Sie trotzdem nach. Ist der Verkäufer ein Privatmann, klären Sie die Folgen im Schadensfall ab und prüfen Sie, ob eine Selbstbeteiligung von Ihnen verlangt werden kann. Wenn Sie sich vorher vergewissern, dass genug Öl, Kühlwasser und Kraftstoff vorhanden ist, kann man Ihnen nachher keinen Vorwurf machen. Während der Fahrt ist es aus diesem Grund auch angebracht, die Kilometer- und Tacho- sowie die Temperaturanzeige für Kühlwasser im Auge zu behalten.

Der Verkäufer

Möglicherweise kommen Sie nicht umhin, den Verkäufer zur Probefahrt mitzunehmen, da manche Unternehmen ihre Verkäufer dazu verpflichten. Für den Fall, dass er dabei ist: Bleiben Sie cool und verziehen Sie keine Mine! Verkäufer sind darauf geschult, Ihre Gefühlsregungen auszunutzen. Alle Informationen, die Sie bewusst oder unbewusst von sich geben, wird er nutzen, um Sie davon zu überzeugen, dass Sie gerade in ihrem Traumauto sitzen. Und: Unterschreiben Sie nichts! Wenn ihnen ein Verkäufer nur eine Probefahrt bewilligen will, wenn Sie pro forma auf dem Kaufvertrag unterschreiben, lehnen Sie ab.

Start

Lassen Sie den Motor an: Kommt er sofort oder ist langes „orgeln“ nötig? Letzteres könnte ein Zeichen für einen Defekt am Anlasser, eine schwache Batterie oder verschmutzte Zündkerzen sein.

Der Motor

Achten Sie sofort nach dem Anlassen auf die Kühlwasser-Temperatur. Schnellt diese auf Betriebstemperatur (grüner Bereich), können Sie davon ausgehen, dass das Auto warmgefahren wurde, um Mängel zu vertuschen. Gewisse Mängel treten nur bei kaltem Motor auf, beispielsweise Ventilklappern oder andere hässliche Geräusche. Prüfen Sie, ob der Motor im Leerlauf rund und leise läuft.

Fahrgefühl

Eine kritische Haltung ist absolut notwendig. Bedenken Sie aber, dass jedes Auto individuelle Fahreigenschaften hat. Sie müssen sich erst an den neuen Wagen gewöhnen, was die Beurteilung anfangs erschwert. Lassen Sie deshalb auch mal Ihren Begleiter ans Steuer. Eine zweite Meinung kann nicht schaden.

Die Fahrt

Schalten Sie das Radio aus, damit Sie alle Geräusche hören können. Die  Audioanlage können Sie später noch im Stand testen. Fahren Sie auch mal mit heruntergelassenen Scheiben, damit Sie die Motor- und Abrollgeräusche des Fahrzeugs besser hören können. Prüfen Sie, ob der Motor spontan und ruckfrei Gas annimmt.   

Der Auspuff

Geräusche aus dem Auspuff sind ein Zeichen dafür, dass unverbranntes Kraftstoff-Luftgemisch in die Auspuffanlage gelangt. Fehlerhafte Zündlage, Zündaussetzer wegen falscher Gemischbildung oder undichte Auslassventile können die Ursache sein.

Die Kupplung

Geben Sie in allen Gängen kurz und plötzlich Vollgas: Dabei dürfen die Gänge nicht herausspringen. Lassen Sie die Kupplung langsam kommen und beobachten Sie, ob sie ruckfrei greift. Wenn Sie die Kupplung während der Fahrt treten und Rasselgeräusche hören, ist das Drucklager defekt. Im Stand ist davon nichts zu hören. Verschlissene Synchronringe verursachen Kratzgeräusche, wenn Sie die Gänge während der Fahrt einlegen. Bei Automatikfahrzeugen müssen Sie unbedingt die Kick-Down-Funktion testen: Wird das Gaspedal blitzschnell durchgetreten, muss die Automatik zurückschalten.

Abgase

Prüfen Sie, ob und wenn welche Art von Rauch aus dem Auspuff steigt. Bei kaltem Motor ist es normal, dass sichtbare Dämpfe aus dem Rohr quellen. Und Dieselfahrzeuge (ohne Partikelfilter) rußen, vor allem wenn man Vollgas gibt. Doch aufgepasst:

  • Weiße Wolken entstehen, wenn Kühlwasser in den Verbrennungsraum des Autos gelangt: ein Hinweis auf schadhafte Zylinderkopfdichtungen.
  • Blaue Wolken eines Benziners entstehen, wenn Öl mitverbrannt wird. Defekte Ventilschaftdichtungen sind meist der Auslöser.
  • Geräusche am Auspuff deuten auf einen beschädigten Katalysator oder Schalldämpfer hin.

Die Bremsen

Das wichtigste Sicherheitssystem eines Autos hat besondere Sorgfalt verdient. Testen Sie die Bremsen, indem Sie bei 40 km/h abbremsen und dabei das Lenkrad loslassen. Natürlich nur, wenn es die Verkehrssituation erlaubt (vorher in den Rückspiegel schauen). Zieht das Fahrzeug zur Seite, müssen vermutlich die Bremsbeläge erneuert werden. Auch Bremsscheiben und Bremskolben können defekt sein. Lässt die Bremse nach mehrmaliger Betätigung nach (fading), kann der Hauptbremszylinder undicht sein.

ABS

Funktioniert die Antiblockierbremse? Das lässt sich nur auf nasser oder unbefestigter Straße überprüfen. Fahren Sie ebenfalls ungefähr 40 km/h und treten Sie das Bremspedal voll durch. Arbeitet ABS einwandfrei, dürfen die Räder erst kurz vor Stillstand blockieren.

Handbremse

Ziehen Sie die Handbremse bei Schrittgeschwindigkeit an. Sofortiges Blockieren der Hinterräder ist Pflicht. Schleifen die Bremsen oder verzögern sie schlecht, sind sie abgenutzt und müssen erneuert werden.

Stoßdämpfer

Ist das Fahrgefühl schwammig oder schlagen Straßenunebenheiten ungefiltert durch, können Sie davon ausgehen, dass die Stoßdämpfer defekt sind. Möglicherweise verlieren sie sogar Öl.

Das Lenkrad

Achten Sie bei jeder Geschwindigkeit auf Vibrationen des Wagens und des Lenkrads. Flattert es, liegen eine Unwucht der Vorderreifen oder beschädigte Felgen vor.

Heizung und Gebläse

Funktionieren Heizung und Gebläse? Mit einer teureren und aufwendigen Reparatur müssen Sie rechnen, wenn bei eingeschalteter Heizung die Frontscheibe beschlägt, obwohl der Motor warm ist.

Abschluss-Check

Auch nach der Fahrt können Sie noch Mängel aufdecken. etwa am Motor. Am Motor sollten keine Spuren von Öl oder Kühlwasser zu finden sein.
Bei geringfügigem Ölverlust bestehen Sie auf die Behebung des Mangels, bei größerem Ölverlust lassen Sie lieber die Finger von diesem Fahrzeug, da aller Wahrscheinlichkeit nach die Zylinderkopfdichtungen defekt sind.
Das Kühlwasser darf weder rostig noch ölig sein. Sollte der Kühler lecken, muss er ausgetauscht werden, ebenso undichte Schläuche.
Heiße Felgen sind ein Indiz für mangelhafte Bremsen.
Nach der Probefahrt sollten Sie das Fahrzeug auf eine Hebebühne fahren, um den Unterboden zu überprüfen. Ein Händler, der nichts zu verbergen hat, wird diese Möglichkeit umgehend einräumen.
Stammt das Fahrzeug von einem privaten Anbieter, sollten Sie zum TÜV oder zur DEKRA fahren. Auch dort gibt es Hebebühnen. Das kostet zwar ein paar Euro, ist aber auf jeden Fall billiger als ein teurer Reinfall. Wann immer Zweifel bestehen und Sie sich trotzdem nicht so leicht von Ihrem Traumauto verabschieden können, schalten Sie einen Gutachter ein. Auch das ist mit Sicherheit eine sinnvolle Investition.

Tipp
  • Verzichten Sie niemals auf eine Probefahrt
  • Nehmen Sie jemanden mit, dem Sie vertrauen
  • Schalten Sie im Zweifel lieber einen Gutachter ein



Weitere Artikel zum Thema

 
 

Suche nach Angeboten

Suchen
Anzeige