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Galerie: Reportage Lamborghini

Reportage: Lamborghini

Der Sture und die Stiere

24.07.2006

Irgendwo im Nirgendwo zwischen Modena und Bologna verlassen wir die Autobahn A1. Nur noch wenige Kilometer trennen uns vom Ziel: Sant’Agata Bolognese, ein kleines Dorf in Norditalien. Schön ist die Landschaft nicht. Nur flach. Ringsum erstrecken sich abgemähte Felder mit scheinbar wahllos abgelegten Strohballen. So sieht sie also aus, die Geburts- und Produktionsstätte einer der faszinierendsten Sportwagen-Marken der Welt: Lamborghini.

Galerie: Reportage LamborghiniIm weitesten Sinne begann tatsächlich alles mit der Landwirtschaft. Ferruccio Lamborghini (1916 1993) war ein wohlhabender Traktorenfabrikant aus der Emilia-Romagna. Ferruccio fuhr Ferrari. Zufrieden war er damit nicht. Der Legende nach unterbreitete er Enzo Ferrari einige Verbesserungsvorschläge, worauf dieser herablassend geantwortet haben soll: „Kümmere du dich um deine Traktoren. Die Sportwagen baue ich“.

Ferruccio stellte auf stur und warb den Leiter der Testwagenabteilung von Ferrari ab. Wenige Monate später war der erste Zwölfzylindermotor von Lamborghini fertig. 358 PS aus 3,5 Liter Hubraum leistete das Aggregat, Ferrari war blamiert. 1963 feierte dann der erste Sportwagen, der 350 GTV, Messepremiere. Nur ein Jahr später war der Verkaufsstart. Dem rosigen Markenstart folgten turbulente Jahre. 1972 wechselte die Firma erstmals den Eigentümer, drei weitere und ein zwischenzeitlicher Bankrott sollten folgen.

Auferstehung mit Audi

Galerie: Reportage LamborghiniRuhe kehrte erst 1998 mit dem Einstieg von Audi ein. Und mit der Ruhe kam der Sturm: Neue Modelle wie der Murciélago (seit 2001) und der Gallardo (seit 2003) sorgten - und sorgen - für alljährliche Rekordmeldungen bei den Verkaufs- und Umsatzzahlen.

Die Tradition wird trotzdem hoch gehalten. Dazu gehört der Verbleib am Standort Sant’Agata - das Werk wurde 2001 neu gebaut genauso wie die Benennung der Boliden nach ruhmreichen, spanischen Kampfstieren. Hier hatte sich Ferruccio übrigens keinen national-blasphemischen Scherz erlaubt, sonder schlicht sein Sternzeichen zum Emblem gemacht.

Gallardo vom Fließband

Galerie: Reportage LamborghiniTradition und Moderne spiegelt auch das Werk selbst wider. Den vorderen Teil der Halle nimmt die hochmoderne Produktionsstraße des Gallardo ein. Streckenweise wandelt man wiederum auf den alten Kacheln, auf die schon das Öl des legendären Miura tropfte. Heute gleichen die 22 Stationen einem Reinraum.

Vollautomatisch gleiten die aus Neckarsulm angelieferten Rohkarossen auf dem Band dahin. Höhepunkt ist die so genannte Hochzeit, wenn der frisch getestete Motor in die Karosse eintaucht. Neun Gallardo verlassen täglich die Halle, um nach der letzten Probefahrt rund um die Felder von Sant’Agata in alle Welt geliefert zu werden.

Murciélago in Handarbeit

Galerie: Reportage LamborghiniIm hinteren Teil der Halle wird der Murciélago gefertigt. In Handarbeit. Das beginnt beim Zwölfzylindermotor, der mit einem an einen Zahnarztbohrer erinnernden Gerät den letzten Schliff erhält. Für die Belederung des Innenraums werden fünf komplette Häute portioniert, die einzelnen Stücke dann mit Nadel und Faden vernäht. Einen Tag dauert es, bis eine Tür fertig ist, ebenso lange für einen Sitz.

Der extrem hohe Anteil an Handarbeit hat seinen Preis: pro Tag verlassen rechnerisch nur 2,6 Fahrzeuge die Fertigung. Das Stück für eine Viertelmillion Euro. Die Arbeiter sind besonders stolz auf den Murciélago. Weil er ein echter Italiener ist. Motor, Getriebe, Gitterrohrrahmen, die Kohlefaserteile der Karosserie - wesentliche Teile kommen aus Italien, das meiste sogar aus der Region. 

Dolce opera

Die Stimmung im Werk ist erfrischend gut. Verbissene, gelangweilte oder misstrauische Gesichter sucht man vergebens. Es wird in Gruppen zusammengearbeitet, jeder weiß, was er zu tun hat. Wir, die Fremden, werden alle paar Meter herbei gewunken und bis ins Detail über den jeweiligen Arbeitsprozess informiert. Die Dolmetscherin kommt kaum nach. Bricht dann ab, denn es ist Zeit für den Höhepunkt unseres Besuches.

Vor dem hauseigenen Museum brütet in der Sonne ein zinnoberroter Gallardo Spyder. Unser Spyder, zumindest für den restlichen Tag. Ehrfürchtig nehmen wir Platz und starten den Zehnzylinder. Der Stier brüllt auf. Gänsehaut bei 41 Grad Celsius. Aber das ist eine eigene Geschichte wert…

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