Elektromobilität-Special
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Galerie: Sitzprobe Mindset

Sitzprobe: Mindset

Die Infrastruktur gibt es bereits

19.11.2010

Revolution im Automobilbau. Paradigmenwechsel. Aufbruch in eine neue Mobilität. Mit dem Mindset will der gleichnamige schweizer Autobauer die Welt nicht retten, aber schöner machen, und sauberer noch dazu – ab Herbst 2011 ist der Mindset zu haben. Das erste Elektroauto, das als solches konzipiert und konsequent umgesetzt wurde. Naja, fast zumindest.

Denn, so viel vorweg: Den Mindset wird es auch als Range-Extender-Version geben. „Verrat“ werden nun einige Elektro-Enthusiasten rufen. Doch dieses Konzept könnte noch eher aufgehen, auch wenn laut Mindset bereits heute die Infrastruktur für Elektroautos vorhanden ist.

Ab 100.000 Franken

Wer wird sich einen Mindset kaufen, der zum Markstart 100.000 Schweizer Franken (rund 74.000 Euro) kosten soll? Menschen, bei denen Geld eher zweitrangig ist. Und diese Kunden sind eher selten Laternenparker, wo sich die Frage nach der nächsten Steckdose tatsächlich noch immer stellt. Und als einziges Fahrzeug wird der Mindset bei diesen Trendsettern sicherlich auch nicht fungieren, sprich: Wenn es in den Urlaub geht, wird der Große aus der Garage gelassen.

Galerie: Sitzprobe MindsetDas sieht auch Mindset-CEO Lorenzo Schmid so. Die künftigen Mindset Kunden sind nicht die Kunden, die die Biokörner zum Frühstück knabbern und mit Birkenstock den Weg ins Lehrerkollegium antreten. Umweltbewusst ja, radikal nein. Denn laut Schmid ergibt es keinen Sinn, wenn Mindset-Kunden dreckigen Kohle-Atom-Strom aus der Haushaltsteckdose tankten. Ökostrom muss es schon sein, denn nur dann reduziert sich der CO2-Ausstoß des Mindset auf ein Minimum. Maximal 60 Gramm CO2 wird beim bestromen freigesetzt, bei aktuellem europäischem Strommix und entlang der gesamten Erzeugungskette.

Der Strom wird beim Mindset in einem Lithium-Polymer-Akkupack zwischengespeichert, das 24 kWh aufnimmt. Rund 12,2 kWh werden laut Mindset für 100 Kilometer Fahrt benötigt. Rechnet man ein bisschen realitätsnäher, sprechen auch die Schweizer von einer Reichweite von rund 180 Kilometer pro Ladung. Das reicht nach heutigen Erkenntnissen für alle Belange des täglichen Lebens und fürs Pendeln allemal. Die Batterien können rund 1.000 Mal geladen werden, bevor sie an Ausdauer verlieren. Rund sieben Stunden dauert es an der normalen Steckdose, mit einem Schnelladesystem sollen sie in ein bis zwei Stunden mit neuer Energie vollgepumpt sein. Acht Jahre Garantie gibt es auf Stromspeicher.

Brumbrum ist möglich

Wem das alles nicht reicht, der kann auch auf eine Range-Extender-Version zurückgreifen, die ursprünglich nicht geplant war. Hierbei wird der Akkupack etwas schwächer ausgelegt, aber noch immer soll genug Energie für rund 150 Kilometer vorhanden sein, bevor der Verbrennunsmotor anspringen soll.

Galerie: Sitzprobe MindsetDabei handelt es sich um einen Winzling: 300 Kubikzentimeter klein, ein Zylinder und dennoch stramme 26 kW stark. Er bezieht seine Kraft aus Benzin, das in einem 50 Liter Tank gebunkert wird, was zusammen mit dem Strom eine Reichweite von phänomenalen 1.500 Kilometer verspricht. Der Spritverbrauch des Mini-Aggregats liegt bei 2,5 bis 3,2 Liter auf 100 Kilometer.

Der Mindset Range, wie er heißen soll, könnte laut Motor-Hersteller Swissauto vielleicht sogar der Bestseller im Programm werden. Denn man kann trotz allem jeden Tag elektrisch fahren und den Wagen an der Steckdose aufladen und wenn man mal unerwartet weiter fahren müsste, hindert einen nichts daran. Das zwar entspricht zwar nicht dem ursprünglichen Gedanken des Mindset, der als erstes Vollwert-Auto als reines Elektrofahrzeug entwickelt wurde. Aber es ist die vielseitigere Lösung.

Die beste Wahl - vorerst

Dabei spricht alles für dieses E-Modell. Denn wie bereits erwähnt, ist die Reichweite meist ausreichend. Dass es den Mindset in zwei weiteren Versionen, neben der Range-Extender-Variante geben wird. Die Basis ist der Pure, ein vorderradgetriebener Mindset mit 100 kW Leistung und 220 Newtonmeter Drehmoment. Beides befähigt den wohl rund 1.000 Kilogramm schweren Viersitzer zu behänden Fahrleistungen. 6,9 Sekunden dauert der Sprint aus dem Stand auf Tempo 100, 150 km/h lautet die Höchstgeschwindigkeit.

Galerie: Sitzprobe MindsetWem das nicht ausreicht, der kann seinen Mindset in der Version Traction mit zusätzlichem Heckmotor und Allradantrieb ordern. Heraus kommt eine Sprintzeit von 3,9 Sekunden bei gleicher Reichweite und gleicher Höchstgeschwindigkeit. Den Mindset produzieren übrigens viele Firmen als Gemeinschaftsprojekt. Mindset liefert die Idee und das Design, der E-Antrieb kommt von Brusa, ebenfalls ein Schweizer Hersteller. Die E-Motoren entsprechen denen des elektrisch betriebenen Mercedes Benz SLS, nur eben in anderer Ausführung.

Die Kunststoff-Karosserie und Bauteile des extravaganten und teilweise etwas unpraktischen aber nobel gemachten Innenraums stammen aus Weinsberg bei Heilbronn. Xenatec heißt der Hersteller, der kürzlich mit dem Xenatec Coupé für Furore sorgte, das als inoffizielles Maybach-Coupé gilt. Auch die Baden Württemberger sind keine Unbekannten, produzieren sie doch den Maybach ab der B-Säle nach hinten und haben auch beim Lamborghini Gallardo ihre Finger im Spiel. Perfektion ist bei ihnen also in den Genen verankert.

Induktionsladung möglich

Galerie: Sitzprobe MindsetAber es geht noch weiter. Beim Mindset ist die Möglichkeit der Induktionsladung bereits zu Testzwecken möglich. Dabei muss der Wagen dann zum Laden beispielsweise nicht einmal mehr an die Steckdose. Das Stromtanken gelingt, indem man den Mindset über einer (auf Wunsch) unsichtbar versenkten Platte im Boden abstellt. Die WBT GmbH, ebenfalls aus Deutschland, ist hier ein Pionier.

Die Basis des Mindset ist also vielversprechend und scheint zukunftssicher. So ist auch genügend Geld vorhanden, um zum Starttermin im Herbst 2011 die ersten Fahrzeuge an die Kunden auszuliefern. 1.500 Mindset sollen bis Anfang 2012 an sogenannte Meinungsmacher und Trendsetter ausgeliefert werden. Für 2012 sind weitere 10.000 Exemplare geplant, die dann allerdings nur noch 75.000 Franken kosten werden. Die Kunden gibt es, die ersten 1.500 Fahrzeuge sind praktisch schon verkauft.

Vertrieb noch nicht ganz geklärt

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Über die Vertriebsstrategie gibt es derzeit noch keine endgültigen Informationen. Europa wird auf absehbare Zeit der einzige Markt sein, auf dem der Mindset angeboten wird. Als Verkäufer sehen die Schweizer insbesondere Mehrmarken-Händler mit einem preislich gehobenen Portfolio.

Sollte der Mindset mal in die Werkstatt müssen, was aufgrund der wenigen Bauteile selten vorkommen soll (Bremsen, Reifen), verhandelt Mindset gerade mit der Werkstattkette A.T.U.. Des Weiteren soll eine 24-Stunden-Hotline die Fragen der Mindset-Piloten beantworten und Probleme lösen können.

Laut Paolo Tumminelli, Mitglied des Verwaltungsrats, werden Elektroautos auf absehbare Zeit das zweite Pferd im Stall bleiben – bei den großen Herstellern, versteht sich. Denn die wollen ihre vorhandenen Verbrennungsmotoren bis zum letzten Tröpfchen ausquetschen, denn das gibt Profit.

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