IAA 2011
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Galerie: Sitzprobe Smart Forvision

Sitzprobe: Smart Forvision

Reichweiten-Design

01.09.2011

Die E-Mobilität bei Autos kommt ins Rollen, leidet aber unter einem entscheidenden Problem: Reichweite. Wie man diese mit Effizienz-Maßnahmen, Leichtbau und Temperaturmanagement erhöhen und gleich noch mit coolem Design verbinden kann, zeigt die IAA-Studie Forvision von Smart. Neben einer Vielzahl zukunftsweisender Clever-Lösungen, die mehr als nur Spielereien sind, ist der Forvision gleich noch Ausblick auf den 2012 in den Markt startenden Smart Fortwo Electric Drive der dritten Generation.

Oft sind speziell für Messen aufgebaute Showcars windig zusammengezimmerte, fragile Provisorien, die auf den ersten Blick zwar faszinieren können, doch bei genauem Hinschauen auch ihren vorläufigen und serienfernen Zustand offenbaren. Anders bei Mercedes: Hier wurde mit dem Forvision ein fahrfertiges und handwerklich vollendetes Fahrzeug in fast einjähriger Arbeit aufgebaut. Selbst im Detail bietet dieses Auto trotz einiger noch recht futuristisch anmutenden Lösungen eine beeindruckende Qualitätstiefe, wie wir bei einer Vorab-Vorstellung in Sindelfingen bereits erleben durften.

Unverkennbar handelt es sich bei der Studie um einen Smart Fortwo, der auf dem Chassis der aktuellen Generation ein allerdings futuristisches Design bietet. Ein bereits bekanntes Element sind die im Frühjahr 2011 auf dem Genfer Autosalon mit der Studie Forspeed vorgestellten LED-Rückleuchten. Auch die Frontscheinwerfer greifen auf diese moderne und energieeffiziente Leuchttechnik zurück.

Effekt-Lampe und Solarzelle in einem

Galerie: Sitzprobe Smart ForvisionEinen wirklich wichtigen Schritt weiter geht allerdings der Forvision mit der OLED-Leuchttechnik in seinem Dach. In diesem im Vergleich zum normalen Fortwo etwas flacher und coupéartiger gestalteten Überbau haben die Smart-Designer viele verschiedengroße, semitransparente Vieleck-Elemente eingelassen, die gleich mehrere Funktionen übernehmen.

Entwickelt aber noch nicht zur Serienreife gebracht wurden diese Dachelemente von BASF. Neben dem netten aber auch recht banalen Glas-Dach-Effekt bieten sie zwei herausragende Eigenschaften: BASF hat in diese Elemente nämlich neben einer Solarzellen- noch eine Leuchtdioden-Funktion per OLED-Technik integriert. Der Vorteil für den Smart: Er bietet eine besonders effektvolle und energiesparende Innenraumbeleuchtung und kann gleichzeitig noch Strom mit den Solarzellen erzeugen, was sich beides jeweils vorteilhaft auf das Energiemanagement und somit auf die Reichweite auswirken kann.

Galerie: Sitzprobe Smart ForvisionJenseits der Möglichkeiten, die die Farbstoff-Solarzellen als auch die Organischen Leuchtdioden für die Smart-Studie aufzeigen, handelt es sich um Zukunfts-Techniken, die noch in vielen anderen Bereichen Funktion und Design revolutionieren könnten. Bei Lampendesignern und Architekten werden OLEDs die Phantasie massiv anregen. Ein genaues Datum für entsprechend marktfähige Produkte möchte BASF noch nicht nennen, doch werden OLEDs wohl schon in wenigen Jahren die Lichterwelt bereichern.

Immer schön cool bleiben

Im Smart Forvision haben die transparenten Glaselemente allerdings einen klimatechnisch unangenehmen Nebeneffekt: Der Innenraum heizt sich bei Sonneneinstrahlung stärker auf und kostet die damit nötige zusätzliche Kühlleistung wertvollen Strom. Doch auch hier sorgt BASF mit einer Infrarot-reflektierenden Folie mit transparenten organischen Polymerfilmen dafür, den Wärmeeintrag spürbar zu verringern. Einen gleichen Effekt haben auch sogenannte Cool Pigments für den Außenlack, die ebenfalls Infrarot-Licht reflektieren und sich so positiv auf Innenraumtemperatur und Energiemanagement auswirken sollen.

Eine weitere beim Thermomanagement hilfreiche Entwicklung aus dem Hause BASF sind sogenannte Hochleistungsschaumstoffe, die als Dämmmaterial eingesetzt werden. Sie sind etwa auf ein Siebtel der Stärke herkömmlicher Dämmschaumstoffe komprimiert und sollen so auf engsten Raum eine hohe Dämmleistung bieten, was zusammen mit den anderen genannten Maßnahmen für ein optimiertes Wärmemanagement beim Forvision sorgen soll.

Raum- und Gewichtsoptimiert

Galerie: Sitzprobe Smart ForvisionDoch BASF arbeitet nicht nur daran, das Fahrzeug vor Wärmeeintrag abzuschirmen, um so möglichst wenig Energie für die Klimatisierung zu verbrauchen, zusätzlich bietet der Forvision außerdem ein möglichst effizientes Heizsystem. Hierfür hat BASF eine besonders leichte E-Textile entwickelt, die direkt in den Sitzbezügen eingearbeitet werden kann und so besonders körpernah angebracht wird. Die Leistung der Sitzheizung ist so schneller spürbar und der Energieaufwand im Vergleich zu herkömmlichen Systemen geringer. Nebenbei hat BASF noch funktionale Bezugstoffe und neuartige Weichschaumstoffe in den Sitzflächen eingebracht, die weniger Gewicht bei besserer Ergonomie ermöglichen sollen.

Eine weitere BASF-Entwicklung ist die bereits recht seriennahe Vollkunststoff-Felge. Der Smart Forvision steht nicht nur auf Kunststoffreifen, diese ummanteln auch noch Felgen aus dem lang-glasfaserverstärkten Kunststoff Ultramid Structure. Der Clou: Im Vergleich zur klassischen Leichtmetallfelge lassen sich hier rund 30 Prozent Gewicht einsparen. Im Fall des Smart sind das insgesamt zwölf Kilogramm, was bei der Reichweiten-Problematik wiederum Vorteil bringt. Als weitere Vorzüge nennt Prof. Dr. Volker Warzelhan, bei BASF Senior Vice President Polymer Research Thermoplastics,   die besonderen Gestaltungsmöglichkeiten bei der Felgenform und die leicht austauschbare Blende der zweiteiligen Konstruktion. Klassische Bordstein-Schnitzer ist man beim Austausch der Blende wieder los. Hinsichtlich der Felgenstabilität und der Preise soll die BASF-Felge im Vergleich zum Metall-Pendant laut Warzelhan konkurrenzfähig sein.

20 Prozent

Galerie: Sitzprobe Smart ForvisionIn der Summe haben die von BASF eingebrachten Maßnahmen zum  Leichtbau und energiesparenden Temperaturmanagement im Forvision ein Ziel: Die Reichweite von Elektromobilen zu erhöhen. Und hier nennt die Smart-Chefin Dr. Anette Winkler beeindruckende Zahlen. Unter dem futuristischen Smart Forvision steckt die Antriebseinheit der dritten Fortwo-ED-Generation, die bereits 2012 in den Markt kommen soll. Bei alltagstauglichen Fahrwerten zeichnet sie sich dank ihrer Lithium-Ionen-Batterie durch eine schon beachtliche Reichweite von 140 Kilometern aus. Dank der Gewichtseinsparung von über 100 Kilogramm soll der Forvision gut 20 Prozent mehr Reichweite bieten, also bis zu 170 Kilometer weit mit vollen Akkus stromern.

Doch neben den zukunftsweisenden und zum Teil seriennahen Leichtbaumaßnahmen bietet der Forvision auch noch einige interessante und zum Teil auch clever funktionale Design-Spielereien. So gibt es zum Beispiel die facettierten Türen mit integriertem Türöffner, die mit ihrer expressiven Dreidimensionalität im interessanten Kontrast zum sonst organisch rundlichen Außenhaut stehen und gleich noch als besonders leichteres Material für Smart-Türen herhalten könnten.

Multifunktionale Rückleuchten

Galerie: Sitzprobe Smart ForvisionEine weitere vielseitige Lösung bieten die mehrteiligen Rückleuchten, die nicht nur in Rot sondern auch in Blinker-Orange strahlen können. Sollte das Fahrzeug an ein Ladekabel angeschlossen werden, wechselt die rechte Heckleuchte sogar in ein Grün-Modus und zeigt dabei gleich noch den Ladezustand des Akkus an. Schließlich befinden sich jeweils mittig in den Rückleuchten Propeller, die die Innenraum-Klimatisierung unterstützen können.  

Auch der kühle, aufgeräumte und weitgehend in Weiß gestaltete Innenraum, der stilistisch Erinnerungen an die Apple-Produktwelt weckt, bietet ein unterhaltsames Leuchtenspiel. So finden sich die verwinkelten Oberfläche der Türen auch auf der Innenseite wieder, allerdings sind hier die polygonalen Flächen noch mit farbigen LEDs hinterlegt und ermöglichen so eine spannende Lichtanimation.

Schickes und funktionales Cockpit

Galerie: Sitzprobe Smart ForvisionRechts vom Lenkrad befindet sich außerdem eine elipsenförmige, semitransparente Bedienoberfläche. Hier werden nach dem Einschalten des Forvision alle Cockpit-Informationen hinein projiziert und lassen sich die Bedienmenüs nach dem Touchscreen-Prinzip wechseln. Und schließlich verfügt die Lehne des Beifahrersitzes über ein herausnehmbares Element, was den Transport längerer Gegenstände wie zum Beispiel einer Gitarre ermöglicht.

Welche der zahlreichen im Forvision vorgestellten Lösungsansätze allerdings den Weg in den Serienbau schaffen, bleibt abzuwarten. Während die Kunststoff-Felge kurz vor ihrer Markteinführung steht, sind die gläsernen Dachelement, die OLED- und Solar-Technik integrieren, noch Zukunftsmusik. Doch die vielen Ansätze geben berechtigten Anlass zu der Hoffnung, dass die Reichweiten künftiger Elektroautos noch deutlich wachsen werden.

 
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