Pariser Autosalon 2012
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Galerie: Sitzprobe VW Golf VII

Sitzprobe: VW Golf VII

Neuer als er aussieht

05.09.2012

Schon am Morgen wurde es im Radio angekündigt und eine große deutsche Boulevard-Zeitung vermeldete, dass sie am Abend live auf ihrer Internetseite berichten wird. Dabei geht es nicht um den erwarteten Auftritt eines Spitzenpolitikers oder der National-Elf. Nein, es handelt sich um die Neuauflage eines Autos. Zugegeben, um die eines automobilen Klassikers: Erwartet wurde die siebte Generation des VW Golf. Der sieht zwar kaum anders aus als der Vorgänger, steckt aber voller Neuheiten.   

Rund 700 geladene Gäste versammelten sich am Dienstagabend in der Neuen Nationalgalerie zu Berlin, um der Enthüllung des vermutlich nächsten meistverkauften Autos Deutschlands beizuwohnen. Ein neuer Meilenstein also, in einer Erfolgsgeschichte, die seit 38 Jahren anhält und mittlerweile stolze 29 Millionen verkaufte Autos vorweist. Dass die siebte Generation die Geschichte souverän fortschreiben wird, ist man sich in Wolfsburg sicher; "Der Golf gibt die Richtung vor für VW, für das Automobil und für den Industriestandort Europa.", betont VW-Chef Martin Winterkorn nicht ohne stolz.

Komplett neu

Galerie: Sitzprobe VW Golf VIILange habe er auf diesen Moment gewartet, meint der oberste VW-ler, als er endlich mit dem neuen Golf auf die Bühne fahren durfte - offen bleibt, ob er damit die 55 zähen Minuten voller Reden und Lobhudeleien meint, oder die Zeit der Entwicklung. Nach der sechsten Generation, die mehr ein großes Facelift denn ein neues Auto war, folgt mit der siebten Ausgabe nun wieder ein komplett eigener Wurf. Basis für den zukünftigen Golf ist der modulare Querbaukasten, mit dem VW auch ganz nebenbei seine Automobilproduktion revolutionieren will. Und erstmals gibt übrigens Volkswagen selbst seinem Bestseller und damit auch dessen Vorgängern eine Nummer; die bisherigen Bezeichnungen I bis VI hatte immer der Volksmund eingeführt.    

Was sich gegenüber der sechsten Generation im weiß beleuchteten Interieur alles geändert hat, durften wir beim ersten Probesitzen in Wolfsburg bereits erfahren. Zwar blieb uns da der Blick auf die Karosserie verwehrt, doch der Innenraum beeindruckte uns neben der gewohnt perfekten Qualität und Liebe zum Detail mit noch etwas mehr Platz, noch besseren Sitzen mit optionaler Massagefunktion, einem filigraneren Lenkrad, einem Multi-Touchscreen mit Infrarotsensor, der nicht nur Tippen, sondern auch Wischgesten versteht und einer Multimedia-Welt mit W-Lan-Hotspot. Und: Der Eindruck vom gediegenen Interieur bestätigte sich auch beim zweiten Befühlen. Der Golf spielt qualitativ in einer deutlich höheren Liga.

Schlichtes Design

Galerie: Sitzprobe VW Golf VIIWährend es aber innen vor Hightech nur so wimmelt, durften die Exterieur-Designer ihrem Spieltrieb – wie immer bei VW – nicht freien Lauf lassen. Zwar wirkt der neue Golf aus jeder Perspektive gestraffter, doch ist und bleibt er im wahrsten Sinne des Wortes ein Massenprodukt, das mehreren Millionen Menschen gefallen muss. Große Experimente an der Karossiere wagt man da besser nicht; bei VW heißt das, man sei der Tradition treu geblieben. Das stimmt auch: Jeder, der sich nur ein bisschen für Autos interessiert, wird den Siebener als Golf erkennen - auch wenn VW-Chefdesigner Klaus Bischoff sagt, die Proportionen des Golf hätten sich drastisch verändert. Was er damit meint, sind die etwas höhere Motorhaube, das ein wenig flachere Dach und die leicht nach vorne gerückten Vorderräder.

Endgültig vorbei ist mit dem neuen Golf die Zeit der leicht rundlichen Scheinwerfer, der Siebener blickt mit scharf angeschnittenen Leuchten nach vorne und bringt freilich LED-Tagfahrlichter mit, im mittlerweile typischen U-Design. Wie bei jedem Golf verbindet der Kühlergrill die beiden Scheinwerfer, beim VII ist er allerdings noch ein wenig flacher geworden; mittig prangt das große VW-Logo. Auch am Heck hat die LED-Technik Einzug in den spitz zulaufenden Rückleuchten gehalten. In der Seitenansicht fallen die Golf-typisch markanten C-Säulen auf, neu sind die kleinen Fenster im Spiegeldreieck an den A-Säulen; sie verbessern die Rundumsicht.

Fahrprofile und zahlreiche Helfer

Galerie: Sitzprobe VW Golf VIIAn den Abmessungen hat sich mit dem neuen Modularen Querbaukasten nicht viel geändert, der Golf misst 4,26 Meter, also 56 Millimeter als bisher; der Radstand ist sogar um 5,9 Zentimeter auf 2.637 Millimeter gewachsen, wovon die Passagiere profitieren. Außerdem konnten die Entwickler 30 Liter mehr Kofferraumvolumen rausschlagen, jetzt gehen 380 Liter hinter die Heckklappe. Obwohl der Golf leicht gewachsen ist, hat er abgespeckt. Dei Neuauflage wiegt bis zu 100 Kilogramm weniger als der Vorgänger.

Wo spart man 100 Kilogramm ein?

Wie gehabt bietet VW neben dem Standardfahrwerk, das dynamischer abgestimmt sein soll als im Vorgänger, ein adaptives Dämpfersystem an, mit dessen Hilfe sich der Fahrer aussuchen kann, wie hart er es gerne hätte. Zusätzlich kann er erstmals ein Fahrprofil (Eco, Normal, Individual, Sport und Comfort) auswählen, das Einfluss auf Motorsteuerung, Klimaanlage und weitere Nebenaggregate hat; im Eco-Modus kann der Golf sogar Segeln. Außerdem sind zahlreiche Assistenten, meistens gegen Aufpreis, an Bord: Ein Abstandstempomat, eine Notbremsfunktion, Tot-Winkel- und Müdigkeits-Warner, Verkehrszeichenerkennung, proaktiver Insassenschutz sowie Spurhalte-, Fernlicht- und Einparkassistent sollen den Fahrer nach Kräften unterstützen.

Vier Motoren zum Start

Galerie: Sitzprobe VW Golf VIIBei all diesen technischen Schmankerln werden die Motoren fast schon zur Nebensache. Sie sind nun allesamt mit Stopp-Start-Automatik ausgerüstet, kommen wahlweise mit Sechsgang-Schaltung oder Siebengang-Doppelkupplungsgetriebe und sollen gegenüber dem Vorgänger um bis zu 23 Prozent sparsamer sein; im Durchschnitt sinkt der Konsum um fast 14 Prozent. Basisdiesel wird ein 105 PS starker 1,6-Liter-TDI, der 3,8 Liter verbraucht; nur knapp über vier nimmt sich der 2.0 TDI mit 150 PS. Den schwächeren der beiden Diesel wird es auch in der Neuauflage als BlueMotion-Sparmodell geben, das dann nur 3,2 Liter je 100 Kilometer konsumieren soll, was 85 Gramm CO2 pro 1.000 Meter entspricht.

Ottoseitig gibt es einen 85 PS starken Turbo-Benziner, der 4,9 Liter schluckt und den aus dem Audi A3 und Polo BlueGT bekannten 1.4 TSI mit 140 PS und Zylinderabschaltung. Der zeitweise Betrieb nur zweier Brennkammern beschert dem flotten Benziner einen Verbrauch von 4,8 Litern. Immer noch zu viel, findet übrigens die Umweltschutzorganisation Greenpeace, deren Aktivisten auch vor der Premiere in Berlin demonstrierten. Sie halten den Wolfsburgern vor, dass mit konsequentem Leichtbau schon längst der Drei-Liter-Golf möglich gewesen wäre. Und sie sind sicher nicht begeistert, dass Gas-, Hybrid- und Elektroantrieb frühestens im Laufe des nächsten Jahres auf den Markt kommen.

Gleicher Preis

Bleibt die Frage nach dem Preis. Schon lange ist ein Golf kein Schnäppchen mehr, da macht auch die siebte, ab 10. November 2012 erhältliche Generation keine Ausnahme Für den Wolfsburger Klassiker müssten mindestens 16.975 Euro auf den Tisch gelegt werden. Das ist genau so viel wie bisher, wird von VW aber als Preissenkung verkauft. Schließlich seien die Stopp-Start-Automatik, ein Fünf-Zoll-Touchscreen und die Multikollisions-Bremse, die im Falle eines Crashs automatisch weiter verzögert um Schlimmeres zu verhindern, serienmäßig an Bord. In Anbetracht der seitenlangen Aufpreisliste dürfte es allerdings auch beim Golf VII nicht schwer fallen, die Rechnung auf gut 50.000 Euro hoch zu treiben. Und ein Radio gehört immer noch nicht serienmäßig zum Lieferumfang.

 
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