Schönes Wetter, offenes Dach - das Cabriofeeling in unserem Special.
Die Rückkehr des Kabinenrollers wurde bereits vor vielen Jahren von Loremo propagiert, doch auf ein entsprechendes Serienmodell warten die Effizienz-Jünger weiterhin vergeblich. Im Zuge der sich anbahnenden Elektro-Revolution machen sich dafür viele etablierte Hersteller konkretere Gedanken um radikalere Leichtbau-Versionen. Nach Audis Urban Concept, dem VW Nils und Opels RAKe hat jetzt auch der PSA-Konzern mit dem Velv ein minimalistisches Elektroauto auf die Räder gestellt.
Bei der Karosserie des Velv (Véhicule électrique léger de ville oder "leichtes Stadt-Elektroauto“) handelt es sich um eine eigenwillige Raumspar-Konstruktion. Während nämlich der Vorderwagen auf einer klassisch dimensionierten Achse ruht und Ähnlichkeiten mit einem Smart Fortwo aufweist, verjüngt sich der Fahrzeugunterbau nach hinten stark. Bei der ebenfalls zweirädrigen Hinterachse stehen die Räder mit nur wenigen Zentimetern Abstand eng beinander und vermittelt der Velv damit fast den Eindruck eines Dreirades. Der besondere Vorteil: Die sehr kompakte Bauweise ermöglicht einen nur 7,2 Meter engen Wendekreis.
Trotz der sehr kleinen, zweitürigen Karosserie bietet der Velv drei Sitzplätze. Der Fahrer sitzt dabei mittig im Fahrzeug hinter dem zentral im Cockpit montierten Lenkrad und blickt auf ein spartanisch gestaltetes Kombiinstrument mit großem Display. Die beiden Fondpassagiere nehmen seitlich versetzt kurz dahinter Platz und können ihre Beine bis zum Fahrer vorstrecken. Entern können die Insassen den Velv über Türen mit einem doppelten Klappmechanismus: Der untere Teil klappt klassisch nach vorne, während der Glasanteil der Tür separat wie eine Flügeltür nach oben geöffnet wird.
Leicht und ausreichend flott
Doch wichtiger als Raumökonomie und das kuriose Türenkonzept ist das Gewicht: Laut PSA bringt der Zwerg lediglich 650 Kilogramm auf die Waage. Entsprechend ordentlich sind die Fahrleistungen, denn mit 27 PS ist der Antrieb alles andere als souverän. Mit dem nur mäßig starken Elektromotor soll der Velv immerhin bis zu 110 km/h schnell werden. Das Lithium-Ionen-Batterie-Paket stammt von der Firma Johnson-Control Saft und soll mit einem Output von 8,5 Kilowatt pro Stunde für etwa 100 Kilometer Reichweite gut sein.
Sollte der als Studie deklarierte Velv einmal in Serie gehen, sieht der PSA-Konzern vor allem Firmenflotten, Autovermieter, Zweitwagen-Käufer und Carsharing-Angebote wie das Pariser Autolib als mögliche Zielgruppen beziehungsweise potentielle Käufer/Nutzer für einen solchen Leichtbau-Stromer. Bei Autolib handelt es sich übrigens um ein Pariser Carsharing-Angebot von rein elektrisch betriebenen Autos. Am 1. Oktober 2011 wurden hier die ersten von insgesamt 3.000 geplanten Bolloré Bluecar in Betrieb genommen. In den kommenden Jahren soll eine umfassende Infrastruktur von spontan anmietbaren Elektroautos in Paris entstehen. Der Velv könnte ein entsprechendes Mobil für dieses zukunftsweisende Ökoauto-Vermietsystem sein.
Staat und Industrie treiben die E-Revolution voran
An der Entwicklung des Velv waren übrigens mehrere Firmen beteiligt. Während PSA Citroën Peugeot die Fahrzeug-Architektur beigesteuert hat, haben Leroy Somer, GKN und Valeo den elektrischen Antrieb entwickelt und von Michelin das Know-how fürs Highspeed-Management-System von Radnabenmotoren bekommen, während die Batterien wie erwähnt von Johnson-Control Saft stammen. In Frankreich werden hinsichtlich der E-Mobil-Revolution dank massiver staatlicher Förderung bereits Nägel mit Köpfen gemacht und haben sich viele Firmen in Stellung gebracht, um an diesem Wachstumsmarkt kräftig mitzuverdienen.
Dass in Frankreich Industrie und Staat bei der E-Mobil-Revolution eng kooperieren macht auch der Präsentationsort des Velv deutlich. Vorgestellt wurde der Stromer erstmalig auf einem ADEME-Forum Ende September 2011. ADEME ist eine französische Agentur für Umwelt- und Energiewirtschaft. Die 1990 gegründete, staatliche Behörde mit kommerziellen Charakter hat eine nachhaltige Entwicklung im Fokus. Schwerpunkte sind Müllvermeidung, der rationelle Einsatz erneuerbarer Energien sowie die Reduzierung von Luft- und Lärmemissionen. (mh)
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