Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
Diese drei Buchstaben stehen für gesteigerten Fahrspaß: Abt. 110 Jahre bereits existiert die Kemptener Firma und ist seit langem mit Audi verbunden. Johann Abt, seines Zeichens Audi-Händler, war einst sogar an der Entwicklung des quattro-Antriebs beteiligt.
Die Abt Sportsline hat sich ihren Ruhm als Tuner für den gesamten VW Konzern erarbeitet. Doch nicht nur das Veredeln liegt den Allgäuern: Seit langem ist Abt im Motorsport engagiert. Als DTM-Fahrer hat sich Miteigener Christian Abt einen Namen gemacht.
Wir wollten wissen, was man aus einem „normalen“ Audi A3 Sportback machen kann und fuhren den Abt AS3-R. Mit einem harmlosen Kompaktwagen hatte unser Testauto wenig zu tun. Unter der Haube steckt zwar der Serien-Vierzylinder, ein 2.0 TFSI, doch was Abt für knapp 10.000 Euro aus dem Aggregat rausholt, stellt alles in den Schatten.
Angriff des Drehmoments
Enorme 300 PS leistet das Triebwerk, 100 PS mehr als in der Serie, und stemmt dabei 370 Newtonmeter auf die Kurbelwelle. Doch zunächst ist davon nichts zu spüren. Beim Anfahren hält sich der Abt dezent zurück, ein ausgedehntes Turboloch lässt keine Zweifel aufkommen, wo die Power herkommt.
Ab 2.500 Umdrehungen setzt der modifizierte Turboader ein. Das Drehmoment fällt dann über die beiden angetriebenen Achsen her und bleibt bis 6.000 Touren konstant heftig. Diesen Angriff muss man erst einmal verdauen: Zum Glück ist die nächste Ampel rot.
Auf die Plätze…
Nach einer kurzen Atempause geht’s weiter. Jetzt aber mit dem Wissen, in was für einer Rennmaschine man sitzt. Nach einiger Zeit wird man nervös, und wartet nur auf das Grünlicht. Ein herrliches Gefühl, das Gros der Autofahrer einfach hinter sich liegen zu lassen.
Richtig zur Sache geht’s auf der Autobahn. Der Abt schiebt und schiebt. Zumindest bis 220 km/h, danach wird’s etwas zäh. Für die Spitzengeschwindigkeit von 260 km/h braucht man viel Platz. Da hilft die auffällig aggressive Frontschürze beim Freischaufeln. Welcher Oberklassefahrer macht sonst schon freiwillig einem kleinen A3 Platz?
Bitte hinten anstellen
Die Front dürfen die meisten Mitstreiter aber nur kurz Genießen. Der Abt verweist sie auf die Plätze, zeigt ihnen sein breites Heck - mit vier Auspuffendrohren. Wie ein Brett liegt der hart gefederte Wagen auf der Straße und wartet gespannt auf die nächste Kurve. Die lässt er dann super exakt und sehr schnell hinter sich.
Denn dank des Allradantriebs quattro nimmt der AS3-R auch hohe Kurvengeschwindigkeiten nicht übel. Die 225er-Reifen haften wie Kaugummi auf der Straße. Rein frontgetriebene Modelle müssen sich übrigens mit 270 PS und 350 Newtonmeter zufrieden geben: Mehr würde die Vorderachse nicht verkraften.
Laute Töne
In nur 5,9 Sekunden (Serie 7,1 Sekunden) beschleunigt der Wagen auf 100 km/h. Das höchste der Gefühle ist bei Tempo 260 erreicht. Bester Weg dahin: Die Gänge immer schön ausdrehen. Hohe Drehzahlen liegen dem AS3-R wie einer Operndiva die Sopran-Töne. Akustisch hält sich der Abt jedoch zurück.
Und auch sonst hat der AS3-R nichts von den Allüren einer Primadonna. Keine Skandale, kein Gezicke. Der Innenraum gönnt sich nicht mal die geringsten Extravaganzen. Das Cockpit entspricht eins zu eins der Audi S-Line-Ausstattung. Einzig zwei kleine Plaketten mit Abt-Schriftzug zeugen davon, dass hier kein Serienmodell steht.
Fazit
Die neugierigen Blicke der Kenner lassen einen spüren, dass man ein nicht alltägliches Fahrzeug bewegt. Nicht selten passiert es, dass Fotoapparate gezückt werden. Immer schön lächeln, heißt die Devise. Auch für’s Täterfoto, denn der Abt lässt einen die Geschwindigkeit schnell vergessen. Wie auch der Autor leidvoll erfahren musste.
Dem Traumwagen ein Stück näher. Worauf Sie beim Youngtimer achten müssen.
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